Canton Smart Vento 9 Ambiente
Mit der Smart Vento 9 erfüllt Canton den Wunsch nach bestem Stereo-Klang und überzeugendem Heimkino. Ein hoch genialer Streich für 4.400 Euro pro Paar (Foto: Canton)

Test Multimedia-Standbox Canton Smart Vento 9

Nach und nach aktiviert Canton fast sein komplettes Lautsprecher-Programm und macht daraus „Smart-Speaker“ – eine Plattform, die immer wieder auf den neuesten Stand gebracht wird. Was diese Plattform alles kann, deutete sie beim Test des unfassbar vielseitigen Smart Soundbar 10 an. Aber was macht eine so „mächtige“ Elektronik-Plattform aus einer eher normalen Standbox wie der Vento 896.2? Einen aufregenden Überflieger mit neuem Namen: Canton Smart Vento 9. Wir testeten die smarte Vento zusammen mit einem ebenfalls extrem smarten Gadget, der intelligenten Verteiler-/Vorstufe Canton Smart Connect 5.1.

Canton Connect 5.1 Display
Unauffällig, klein, extrem vielseitig und mit 500 Euro wirklich günstig: die Wireless-AV-Vorstufe Canton Smart Connect 5.1 (Foto: H. Biermann)

Erbarmen, die Hessen kommen: Canton wertet den kompletten Katalog seiner Lautsprecher mit aktiven Bausteinen auf. Dann heißt die Box „smart“ – sie kann verstärken, aber auch wandeln. Ein Heimkino, ein ganzes Familienheim kann sinnig und klangstark befeuert werden.

Wir stehen hier vor einer Weggabelung. In welche Richtung geht die Zukunft des Lautsprechers? Nach links, wo man mit mehr oder minder kräftigen Verstärkern passive Lautsprecher antreibt? Oder nach rechts, wo eingebaute Endstufen passgenau die Chassis befeuern und dazu noch schlau den Klang aufbereiten. Jeder Lautsprecherhersteller muss sich dieser Frage stellen. Doch so konsequent und gut wie Canton geht kaum einer vor.

Denn mit „Smart“ wird eine Welt erschaffen. Die Lautsprecher können untereinander kommunizieren. Sie brauchen nur noch ein Stromkabel. Alle Macht ist an Bord. Klingt nach einer Kraftanstrengung. Das stimmt. Aber es kommt auch auf den klugen Kopf an. Der heißt bei Canton Frank Göbl. Er ist nicht nur das oberste Ohr in der Klangentwicklung, er ist auch Visionär.

Nun sagte Helmut Schmidt, wer Visionen habe, der solle zum Arzt gehen. Doch das war polemisch. Tatsächlich braucht die HiFi-Gemeinschaft neue Gesamtkonzepte. Die aber auf dem Boden bleiben müssen. Genauso agiert Canton. Die Hessen entwickelten mit viel Schweiß, Tränen und Geld ihre „Smart“-Plattform, die ihnen ausgesprochen viele Möglichkeiten einräumt – und sie mal eben technologisch ziemlich weit nach vorn bringt.

Natürlich gibt es nach wie vor die bestehenden (passiven) Modell-Serien, aber sie lassen sich vergleichsweise leicht umwandeln. Über einen Baustein im Rücken. Dann wird wie in unserem Fall aus der Vento 896.2 eine Smart Vento 9. Die Verarbeitungsqualität der gerundeten Bootsrumpfgehäuse ist auch bei der aktiven Vento absolut makellos. Keine Spaltmaße, perfektes Lack-Finish, keine Schraube stört die Optik der ebenfalls makellosen Schallwand mit ihren zwei Bässen, dem Mittel- und dem Hochtöner.

Das Konzept der Canton Vento Smart 9

Was aber steckt hinter „Smart“? Nichts weniger als die Vielfalt eines kabellosen Multimedia-Lautsprechers mit der Ausstattung eines ausgewachsenen AV-Receivers – also neben viel Intelligenz und DSP-Power in diesem Fall auch mit der entsprechenden Leistung.

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Canton Smart Vento 3 Endstufen
Auf der einen Seite der Aktiv-Elektronik-Platine sitzen die Endstufen…
Canton Smart Vento 3 DSPs
…auf der anderen Seite die Chip-Sätze und die Wandler (Foto: H. Biermann)
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Vier hoch effiziente Digitalendstufen mit mehr als 600 Watt Gesamtleistung befeuern pro Box die Klangwandler. Der geneigte Hörer kommt nach alter Väter Sitte mit einem Cinch-Kabel hinein, sogar ein XLR-Port reckt sich uns entgegen. Dazu aber auch allerlei digitale Zuspieler, inklusive einer USB-Muffe, über die wir unseren PC, unseren Mac direkt als Streamer nutzen könnten. Wer es ganz kabellos mag, verbindet sein Smartphone per Bluetooth.

Canton Smart Vento 3 Anschluss
Das reicht fürs Erste: Wer die Canton Smart Vento 9 ohne jede Vorstufe betreiben möchte, findet hier ausreichend Eingänge für potentielle Zuspieler. Lediglich HDMI fehlt (Foto: H. Biermann)

Das System Canton Smart Vento 9 besteht aus zwei Lautsprechern: Einer ist der „Master“ (erkennbar an dem Service-Zugang und der Bezeichnung WA400M hinten auf dem Anschlussfeld – siehe Bild), einer der „Slave“. Beide kommunizieren kabellos miteinander. Und beide sind nicht einfach nur Stereolautsprecher, sondern – auf Wunsch und Knopfdruck – auch ein komplettes Heimkino-System.

Wie bei einem modernen Soundbar kann man hier über virtuelle Raumdarstellungen wie Dolby Surround oder DTS Digital Surround einstellen und sogar die virtuellen Kanäle einzeln in Pegel und Klang einstellen. Es ist schwer beeindruckend, wie dreidimensional solche virtuellen Systeme heute klingen können. Wir haben uns über die Smart Vento 9 den Queen Film Bohemian Rhapsody fast komplett in DTS Surround durchgesehen beziehungsweise gehört. Hey – das war richtig gut.

Und es wurde noch besser, als wir die Smart Vento 9 mit einem Pärchen Soundbox 3 ergänzten. Wir hatten sie noch aus dem Test mit dem Smart Soundbar 10. Die smarten Vento nehmen kabellos Kontakt mit den Rear-Speakern auf und wir hatten ohne jeden AV-Receiver oder Ähnlichem ein ausgewachsenes 4.0 System.

Canton Smart Soundbox 3
Die kleine Smart Soundbox 3, hier für das Foto neben der Smart Vento 9 platziert, konnten wir problemlos als Rearspeaker einbinden – und damit den Raumklang deutlich greifbarer machen (Foto: H. Biermann)

Bis zu einer diskreten 5.1-Konfiguration ist ein Smart-Vento-9 System ausbaubar; also auch ein Center und ein Subwoofer sind noch ohne Zusatzgerät einzubinden. Im gehobenen HiFi ist das einzigartig.

So ein Szenario war vor fünf Jahren noch undenkbar. Vor allem: So einen großen Wurf, so eine Potenz hätten wir nur den Big Playern auf dem Weltmarkt zugetraut. Also Samsung, Sony und Co. Dass ein Mittelständer aus dem Taunus nun den Reigen anführt, fühlt sich gut an, zeigt Zukunftsgewandtheit und Cleverness.

Die Smart Vento 9 ist ein hochgewachsener Standlautsprecher mit den Abmessungen 28,7 x 110,0 x 38,0 (B x H x T inklusive Sockel) und einem Gewicht von 28,2 Kilo. Das ist eine Menge Holz. Doch auch in Corona-Zeiten sollten die Lieferweg funktionieren. Denn die Smart Vento 9 wird mittels Mausklick auf der Canton-Homepage bestellt und direkt nach Hause geliefert. Einfach die Farbe – Schwarz oder Weiß in „High Gloss“ – auswählen und in den Warenkorb legen.

Canton räumt ein Rückgaberecht ein. Gefällt die smarte Vento 9 nicht, so kann man sie ohne Finanzverlust innerhalb von 30 Tagen wieder zurücksenden. Was ein Fehler wäre, wovon ich überzeugt bin. Das Paar wird mit 4.400 Euro berechnet. Das ist mehr als fair.

Dieser Lautsprecher fasziniert, er umarmt einen mit Macht und barocker Eleganz. Schauen wir genauer hin. In der Tiefe arbeiten zwei Bässe mit 20-Zentimeter-Membranen, die aus Titaniumfolie geformt wurden. Klingt nicht nur gut, sondern sieht in ihrem matten Schimmer auch wunderbar aus.

Canton Smart Vento 3 Bass
Der 18 cm Tiemitteltöner hat – wie auch die Tieftöner – eine Membran aus Titanfolie und die Canton-typische wellige Sicke, die einen großen, linearen Hub erlaubt. Gut zu sehen, beziehungsweise nicht zu sehen: alle Schrauben sind von einem Metallring verdeckt (Foto: H. Biermann)

Ebenfalls aus Titanfolie besteht auch die Membran des Mitteltöners. Er übernimmt den wichtigen Bereich zwischen 200 und 3.000 Hertz, von wo er dann an den Hochtöner mit Keramikkalotte übergibt. Alle Treiber stammen von Canton daselbst. Die Wandler werden in einem Canton eigenen Werk in Tschechien gefertigt, die Endmontage und die Qualitätssicherung findet aber im Hauptwerk im hessischen Taunus statt.

Canton Smart Vento 3 Hochtöner
Seit vielen Jahren bewährt: der Hochtöner mit 25 mm Kalotte aus einer sehr harten Keramik-Legierung. Ein kleiner Diffusor in der Mitte und eine dezenten Waveguide-Form der Frontplatte unterstützt den lienaren Frequenzgang (Foto: H. Biermann)

Jetzt noch einmal den Preis in das Bewusstsein rufen: 4.400 Euro für das Paar. Dabei sparen wir uns aber einen Wandler, eine Vorstufe, zwei Endstufen… In der Summe ist das also nicht wirklich teuer. Und auch das ist Teil des „smarten“ Konzepts: Die Bedienung ist kein Hexenwerk.

Praxis: die Einrichtung der Canton Smart Vento 9

Am einfachsten nutzt man die simpel aussehende Fernbedienung. Über die „M“-Taste gelangt man ins Menü der Canton Smart Vento 9, das vergleichsweise aufwändig ist. Es gibt Einstellungen wie bei einem AV-Receiver. LipSync beispielsweise, Entfernungseinstellungen, eine Hervorhebung der Stimmwiedergabe (VOI) oder – für die Wiedergabe nachts ganz wichtig – die Dynamic Range Control (DRC), mit der man die Dynamik nivellieren kann.

Canton Smart Vento 9 Fernbedienung
Die Fernbedienung ist einfach gehalten und mit ein bisschen Herumprobieren (oder dem Studium der Bedienungsanleitung) leicht zu verstehen (Foto: H. Biermann)

Ebenfalls wichtig ist die Bass-Voreinstellung für die verschiedenen Aufstellungs-Varianten. Canton hat dafür drei EQ-Stufen in den DSP programmiert: „EQ1“ für die freie Aufstellung, „EQ2“ für eine wandnahe Positionierung, „EQ3“ für die Platzierung der Box in der Raumecke. Das funktioniert recht gut. Bei uns im Wohnhörraum stand die Smart Vento 9 in der Raumecke – ergo war der Filter EQ3 der richtige.

Canton Smart Vento 3 Display
Die vielseitige Einstellung der Canton Smart Vento 9 geschieht per Fernbedienung und mit dem gut lesbarer Display (Foto: H. Biermann)

Auch das Einbinden weiterer Lautsprecher zum Mehrkanalset ging binnen weniger Minuten vonstatten. Klasse. Aber Canton hat auf der Smart-Plattform noch ein weiteres As im Ärmel: eine unscheinbare Wireless-AV-Vorstufe mit 14 (!) Ausgängen und 3D-Audio à la Dolby Atmos.

Canton Smart Connect 5.1

Damit wären wir bei einem wundervollen Mitspieler: Smart Connect 5.1. Eine Zigarrenschachtel. Die aber alle Signale zerlegen, verteilen und harmonisieren kann. Das meiste gelingt drahtlos in der Kommunikation zu den Lautsprechern. Auf einen Schlag können wir uns in Dolby Atmos sonnen – das ist mit der Smart Vento 9 allein nicht möglich. Wir schließen dazu einfach unseren Receiver, unseren Fernseher per HDMI an. Fertig, kein wirklich gewaltiger Aufwand bei der Erstinstallation – zumal beim Connect 5.1.

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Autor: Andreas Günther

Andreas Günther
Der begeisterte Operngänger und Vinyl-Hörer ist so etwas wie die Allzweckwaffe von LowBeats. Er widmet sich allen Gerätearten, recherchiert aber fast noch lieber im Bereich hochwertiger Musikaufnahmen.