Test Multimedia-Standbox Canton Smart Vento 9

Die Canton Smart-Plattform in der Smart Vento 9 ist ja schon ziemlich weit vorn, in Form der Connect 5.1 aber quasi die Krönung. Mit dem kleinen Kästchen kommt diskretes 3D-Audio in die Anlage sowie eine Zentrale mit acht kabellosen Funk-Lautsprecherausgängen plus sechs kabelgebundenen. Das addiert sich auf 14 Kanäle. Die kann man als 3D-Heimkino-System nutzen oder auch für Multiroom-Speaker.

Sobald der Canton Connect 5.1 Teil des Systems ist, ist er der Chef im Ring; er übernimmt das Zepter kabellos und auch der Master ist ihm dann untergeordnet.

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Canton Connect 5.1 oben
Kleiner als eine Zigarrenkiste, aber viel Power inside: Unter dem gläsernen Dach der kleinen Schaltzentrale (Abmessungen: 24,5 x 5,2 x 14,0 cm, B x H x T) versteckt sich eine komplette 3D-Mehrkanal-Vorstufe mit 8 kabellosen Ausgängen und sechs kabelgebundenen. Bedient wird der Connect 5.1 über die Fernbedienung oder über das Panel auf dem Deckel (Foto: Canton)
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Canton Smart Connect 5.1 Alle möglichen Anschlüsse – darunter 3 HDMI-Eingänge sowie ein HDMI-Ausgang mit ARC (Foto: Canton)
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Der Connect 5.1 wird praktischerweise über ein Display eingestellt (Foto: H. Biermann)
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Mit dieser unscheinbaren Schalt-Zentrale kann man also problemlos eine echte 7.1.4-Konfiguration aufbauen. Die Konkurrenz ruft für so eine potente Schaltzentrale viel Geld auf. Canton gibt sich mit 500 Euro bescheiden (ebenfalls über die Webseite, ebenfalls mit Rückgaberecht). Das ist schlau. Denn mit dieser Schaltzentrale wird das Interesse an weiteren Lautsprechern aus dem System-Haus Canton umfangreich steigen. Also noch einmal: Statt Sonos, statt Apple, statt Amazon stürzen wir uns in die Klangwelt von Canton. Und werden reich belohnt. Hier klingt es besser, hier funktioniert es stabil. Canton kann unter den Großen mithalten.

Die Canton Smart Vento 9 im Hörtest

Wie klingt es? Man könnte sagen: wie Canton. Das wird nicht jedem etwas sagen. Mit Frank Göbl an den entscheidenden Reglern haben die Hessen eine unverwechselbare Klangsprache entwickelt. Er liebt den zupackenden Klang, das große Panorama, dazu aber auch eine maximale Ehrlichkeit. Alle aktuellen Canton-Lautsprecher messen sich wie mit dem Lineal gezogen. Und es ist immer für ausreichend Bass gesorgt.

Keine Frequenz wird über die Maßen bedient, alles ist frei von Geschmacksfragen und Einfärbungen. Also die schönste Neutralität. Aber eben mit dem besonderen Kick: das Klangbild ist schnell, es löst sich mit Drive von den Membranen, der Zuhörer wird von vielen Informationen geflutet.

Superstark dabei der aktiv-entzerrte Bass. Der kann unfassbar tief bis in den unhörbaren Bereich in den Keller sinken. Er trifft genau unseren Solar-Plexus. Das ist ein Supergefühl – unsere Lunge, unser Bauch werden gekitzelt. Zugleich nimmt unser Hirn die Wahrheit und Schönheit eines konturstarken Tieftons wahr. Wir bekommen viele sehr klare Informationen – was vielleicht auch am schlau eingesetzten Überlast-Schutz liegt. Der regelt im Hochpegelbereich die Bässe sanft herunter. Auch das klappt dank DSP sehr überzeugend.

In was für einer wundervollen High-End-Welt leben wir eigentlich? Genau in diesem Moment rufe ich Qobuz auf und streame Bestes in High-Res an die Canton. Das Jazz-Label ECM bietet 24 Bit und 96 Kilohertz an. Wolfgang Muthspiel und sein Trio weiden sich im Edel-Jazz.

Schon der erste Track betont das Lebensgefühl. Tiefe Impulse, nicht laut, aber präsent, dann die Gitarre, der feine Bass an der Seite. Angular Blues ist ein Superalbum für Jazz- und Klangfans. Im Finale widmet sich Wolfgang Muthspiel der ganz großen Referenz an Bach – ein Kanon im Fünfvierteltakt. Das muss man erst einmal erfassen können. Es ist weit ab von aller populären Musik, aber ein Kleinod. Und scheinbar keine Herausforderung für einen Lautsprecher wie die Smart Vento 9. Doch das Feine fokussiert. Die Canton ließ den Zauber wieder erstehen. Als wäre es eine transzendente Klanglandschaft mit hoher Fingerkunst. Nur eine Gitarre – großartig.

Wolfgang_Muthspiel_Angular_Blues_Cover
Angular Blues (Cover: Amazon)

Wir wollen es etwas dicker. The Weeknd hat ein neues Album namens After Hours veröffentlicht. „Save your Tears“ prescht so richtig dick mit einem Bass in das Klangbild. Elektronische Orgelakkorde, eine harte Snare-Drum. Da ist jeder Lautsprecher bis zum Anschlag gefordert. Kein Problem für die aktive Vento 9 – da erfreute uns abermals der Druck, das weite Klangbild. Aber kann dieser Lautsprecher auch das Hyper-Sensible? Die Kraft – ohne Frage. Der Bass – wunderbar. Aber so ein ganz feiner Klangteppich? Da müssen wir in die Klassik springen.

Wir leben im Beethoven-Jahr. Vor 250 Jahren wurde der Meister geboren. Welches Orchester kann sich am stärksten auf die Klangtradition berufen? Ohne Frage die Wiener Philharmoniker. Die sonst so unangenehm geizige Deutsche Grammophon hat sich zu einer Neuaufnahme aller Symphonien entschlossen. Andris Nelsons dirigiert. Ein Erlebnis, auf Qobuz in 24 Bit zu haben.

Die Wiener Philharmoniker muss man an ihrer Perfektion und zugleich an ihrem humanen Ton erkennen. Diese Aufnahme vermittelt dies wie keine der hundert Aufnahmen zuvor. Jetzt muss ein Lautsprecher nicht nur die Konserve erstehen lassen, sondern auch die Aura. Genau das konnte die smarte Vento 9 in unserem Hörraum. Wir sind nicht im Konzertsaal und dennoch erleben wir live den Zauber eines Geniestreiches wie beispielsweise der Neunten Symphonie. Dafür wurden Lautsprecher erschaffen, darum geht es beim High-End: Alles ist da, die Analyse und der so schwer greifbare, emotionale Moment.

Womit kann man einen solchen Lautsprecher vergleichen? Die sehr ähnliche (passive) Vento 896.2 (Paarpreis: ab 3.500 Euro) drängt sich auf. Zusammen mit einem 1.000 Euro Verstärker, dann käme man in etwa auf das gleiche Geld. Aber keineswegs auf die gleiche Performance. Wir reden einmal nicht von all den Möglichkeiten der Canton Smart Vento 9, sondern nur vom Klang. Die tonale Verwandtschaft ist sofort erkennbar. Doch die immense Leistung in ihrem Rücken (in Verbindung mit der sehr unauffällig arbeitenden Schutzschaltung) ermöglicht der Aktivbox ein nochmals höheres Pegelniveau mit nochmals saubereren Bässen. Das ist einfach überlegen.

Braucht man so viel satten Bass überhaupt? Bei der Musik manchmal, bei Film sicherlich öfter. Wir hatten so manch lustigen Filmabend mit der Canton Smart Vento 9 – dann allerdings mit dem Smart Connect 5.1, der in Bezug auf 3D-Klang noch einmal mehr bietet und als Zentrale sehr viel praktischer ist. Und weil es so schön war und immer wieder staunende Gäste vorbeikamen, haben wir viel und oft die üblichen Trailer vorgeführt. Einige Szenen aus dem (ja weitgehend sinnfreien) Battleship von Regisseur Peter Berg haben wir so laut gehört, dass die Nachbarn aus dem übernächsten Stockwerk vorbeikamen. Nicht, um sich zu beschweren, sondern, weil sie ernsthaft Sorge hatten, das Haus stürzt gleich ein. Das kann eine Smart Vento 9 also auch – ohne Subwoofer wohlbemerkt.

Canton Smart Vento 9 und Connect 5.1: das Fazit

Meine These: So wie die smarte Vento 9 werden bald alle Lautsprecher gebaut werden. Ok, es gibt noch die Altvorderen, die auf passive Membranen vertrauen. Aber dieses Konzept wird mittel- oder langfristig in der Nische verschwinden. Canton war zwar kein Vorreiter, legt jetzt aber die Messlatte sehr hoch. Die Smart Vento 9 ist ein schwer zu schlagendes Preis/Leistungs-Angebot. Wir streamen unsere Lieblingsmusik herbei, sie wird verstanden und mit maximaler Präsenz an die Membranen gebracht. Super. Da sind passive Lösungen meist nur zweiter Sieger – wie der Vergleich mit der Vento 896.2 zeigt.

Die Vielseitigkeit der smarten Vento 9 ist enorm und kann durch die Addition des Connect 5.1 noch einmal erweitert werden. Selbst wenn man kein 3D-Mehrkanal-Sound zu Hause möchte, schafft das kleine Kästchen doch viel Ordnung und bietet zudem HDMI. Für alle ambitionierten Heimkino-Fans ist der Connect 5.1 fast Pflicht und ersetzt in Verbindung mit Aktiv-Boxen so manchen AV-Receiver-Boliden. Und auch hier überrascht der Preis, denn eine ähnlich vielseitige Mehrkanal-Verteilerstation kenne ich zu diesem Preis nicht. Aber was schreibe ich: Am besten man bestellt, testet, überlegt (wahrscheinlich nur kurz), lässt sich faszinieren und gibt das Trio so bald nicht wieder her…

Screenshot_2020-04-01 Test Multimedia-Standbox Canton Smart Vento 9 - LowBeats
Schlaue Schaltzentrale mit Dolby Atmos und DTS-HD an Bord
8 kabellose Kanäle + 6 kabelgebundene, 3 HDMI-Eingänge
3D-Mehrkanal-Sound und Multiroom-fähig
Sehr günstig

Vertrieb:
Canton Elektronik GmbH + Co. KG
Neugasse 21 – 23
61276 Weilrod
www.canton.de

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung):
Canton Smart Connect 5.1: 500 Euro

Canton Smart Vento 9
2020/04
Test-Ergebnis: 4,9
ÜBERRAGEND
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Hochgradig natürlich-neutraler Klang
Enorm pegelfest, intelligenter Überlastschutz
Smarte Features: kabellos, bis 5.1 ausbaubar
Exzellente Preis/Leistungs-Relation

Vertrieb:
Canton Elektronik GmbH + Co. KG
Neugasse 21 – 23
61276 Weilrod
www.canton.de

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung):
Canton Smart Vento 9: 4.400 Euro
Canton Smart Soundbox 3: 700 Euro

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Autor: Andreas Günther

Der begeisterte Operngänger und Vinyl-Hörer ist so etwas wie die Allzweckwaffe von LowBeats. Er widmet sich allen Gerätearten, recherchiert aber fast noch lieber im Bereich hochwertiger Musikaufnahmen.