Die Nubert nuLine 334 im LowBeats Hörraum
Die neuen Nubert nuLine 334 sind die Flaggschiffe der nuLine Serie. Der Paarpreis liegt bei 2.530 Euro (Foto: H. Biermann)

Test Nubert nuLine 334: die basspotente Standbox

Mit der Nubert nuLine 334 erweitert der schwäbische Direktanbieter Nubert seine nuLine-Serie um ein attraktives Top-Modell: 1,23 Meter hoch, mit drei Tieftönern enorm bassstark und mit einem Paarpreis von 2.530 Euro gewohnt fair kalkuliert. Aber es war nicht nur der kraftvolle Bass, der mich begeisterte. Auch was die Verarbeitung der schlanken Standbox angeht, ist Nubert mit der nuLine 334 eindeutig im Bereich der gehobenen Klangmöbel angekommen.

Die familie der Nubert nuLine 334
Die nuLine Familie im Größenvergleich. Von links: nuLine 84, nuLine 244, nuLine 264, nuLine 284, nuLine 334. Die Abmessungen der 334 sind: 121 (123,5) x
21 (27,5) x 39 (41,5) cm ((H x B x T, ohne und mit Fuß)

Können Lautsprecher flunkern? Oder anders gefragt: Was eigentlich sind „ehrliche“ Lautsprecher, wie sie uns der schwäbische Lautsprecher-Spezialist Nubert verspricht? Nun, es sind wohl in erster Linie mal No-Nonsens-Lautsprecher, wie Kollege Nick Mavridis auf fairaudio titelte. Es geht, das ist in der DNA der Schwaben verankert – immer um viel klangliche Solidität für vergleichsweise wenig Geld.

Diese Relation bei seinen Lautsprechern hat Nubert hierzulande so erfolgreich gemacht. Die Gehäuse sind immer robust aufgebaut, die Tief-, Mittel- und Hochtöner hochbelastbar. Modische Technologie-Ausflüge wie zu den heute so gern genommenen AMT-Hochtönern, zu Bändchen, ja nicht einmal zu Metallkalotten werden in Schwäbisch Gmünd nicht gemacht. Günther Nubert hat es auf seine unnachahmliche Weise mal so ausgedrückt: „So lange ich nichts wirklich Besseres finde als diese Gewebe-Kalotten, kommt mir auch nichts anderes in meine Lautsprecher.“ Das Ganze nur auf Schwäbisch natürlich.

Das hat etwas sehr Sympathisches. Und es ist auch keineswegs immer der gleiche Hochtöner, den Nubert einsetzt – auch, wenn sich die Treiber äußerlich stark ähneln. Durch die Frontplatte und das schützende Gitter sieht es nur so aus, als würde bei Nubert überwiegend nur ein Typ verwendet.

In Wahrheit forscht man auch im Hause Nubert permanent an Verbesserungen der Treiber und hat mittlerweile drei Hochton-Zulieferer (unter anderem Peerless und Scan Speak), die ebenfalls immer ihre Verbesserungen einbringen. Was dennoch sämtlichen Nubert-Hochtönern gemein ist: Sie haben alle gut bedämpfte, sehr leichte Gewebekalotten und – mit ganz wenigen Ausnahmen – einen Durchmesser von 25 oder 26 Millimetern. Das entspricht dem Nubert’schen Ideal.

Der Hochtöner der Nubert nuLine 334
Der Nubert nuOva- Hochtöner arbeitet in sehr vielen Nubert Modellen. Die Kalotte sitzt asymmetrisch in der Schallwand, um die Kantenreflektionen besser zu verteilen (Foto: H. Biermann)

Auch Tief- und Mitteltöner entstanden nach Nubert Maßgaben. Der 18 Zentimeter Tieftöner ist eigentlich ein Subwoofer-Treiber, der im Extremfall einen sehr großen Hub machen kann. Kein Wunder, dass die Tieftonwiedergabe der Nubert nuLine 334 so beeindruckend ist…

Der Tieftöner der Nubert nuLine 334
Die Tieftöner der Nubert nuLine 334 sind ursprünglich Subwoofer-Treiber und daher ziemlich Tiefbass-fähig. Die Membran ist aus festem Polypropylen und der Antrieb sehr kräftig (Foto: H. Biermann)

Aber auch der Mitteltöner ist besonders. Seit geraumer Zeit hat Nubert nämlich die Vorzüge der Flachmembran für den Mitteltonbereich entdeckt: die Abstrahlung soll besser sein. Dafür ist die Stabilität natürlich nicht so hoch wie bei einem trichterförmigen Konus. Diesen kleinen Malus kontern die Nubert Entwickler mit einer Wabenstruktur, die exakt diese Stabilität gewährleisten soll.

Der Mitteltöner der Nubert nuLine 334
Der Mitteltöner der 334 hat – ungewöhnlich – eine flache Membran (Foto: H. Biermann)

Die Frequenzweiche, die allen Treibern ihren Bereich zuweist, ist ein größeres Werk. Nach dem Ausbau des unteren Tieftöners (dem Besitzer natürlich nicht empfohlen) sieht man die Platine für den Mitteltonzweig, die wie die Hochtonplatine am Anschlussterminal befestigt ist. Alle Kabel sind ummantelt, um mechanische Geräusche zu unterdrücken.

Die Nubert nuLine 334 Im Vergleich zur Canton Vento 886.
Die Frequenzweiche sitzt auf der Rückwand. Die Kabel sind alle mit einem dämpfenden Schlauch ummantelt, um mechanische Geräusche zu unterdrücken (Foto: H. Biermann)

Das ganze Ausmaß der Frequenzweiche kann man auf dem folgenden Bild erkennen: 52 Bauteile beanspruchen auch ihren Platz. Deshalb sind Hoch-, Mittel- und Tieftonzweig jeweils auf einer eigenen Platine untergebracht.

Die Frequenzweiche der Nubert nuLine 334
Die Frequenzweiche der Nubert nuLine 334 ist auf drei Platinen verteilt und hat nicht weniger als 52 Bauteile (Foto: Nubert)

Aber warum überhaupt so viele Bauteile? Bei Nubert sind weitgehend lineare Frequenzgänge Pflicht. Dafür mussten in die Weiche der Nubert nuLine 334 einige Entzerr-Glieder eingearbeitet werden. Und dann sind da ja noch die Sicherungen eingebaut.

Ich persönlich kenne diese Nubert Besonderheit nur vom Hörensagen; bei der 334 habe ich die Sicherungen nicht mal mit sehr hohen Pegeln dazu bringen können, anzusprechen. Aber es ist schön zu wissen, dass sie da sind…

Und auch die Anpassung der 334 an den Raum oder an die eigenen Hörgewohnheiten, die man am Anschlussfeld über kleine Kippschalter vornehmen kann, müssen ja mit passiven Bauteilen umgesetzt werden. Da kommt einiges zusammen…

Das Anschlussfeld der Nubert nuLine 334
Das Anschlussfeld ist Bi-Wiring- oder Bi-Ampig fähig. Zwischen den Anschlüssen befinden sich Kippschalter zu Anpassung des Tiefbass- und des Hochtonpegels (Foto: H. Biermann)

Apropos Anpassung: Für den Hochtöner gibt es neben der „neutralen“ noch die Einstellungen „brillant“ und „sanft“. Und, wie üblich bei Nubert, wird bei diesen Anpassungen der Hochtöner nicht einfach breitbandig im Pegel angehoben oder abgesenkt, sondern die Veränderungen im Frequenzgang entsprechen eher der Bewegung einer Wippe, die ab etwa 5 kHz entweder ansteigt oder abfällt.

Der Kippschalter zur Bassanpassung erlaubt nur eine weitere Einstellung zur Absenkung des Tieftonpegels. Was sinnvoll ist: Zum einen haben die Nubert nuLine 334 wirklich Bass satt, zum anderen haben die meisten Menschen ja gar nicht den Platz für eine freiere Aufstellung und somit eigentlich immer zu viel Bass, wenn sie die Lautsprecher – zwangsläufig – direkt vor die Rückwand stellen.

Über den besagten Kippschalter wird einfach der untere Tieftöner abgeschaltet. Das klingt einfacher als es ist, denn die Gesamt-Impedanz muss ja – will man die Charakteristik nicht ändern – beibehalten werden. Eine spezielle Schaltung auf der Frequenzweiche garantiert auch in diesem Fall die vorgegebene Impedanz.

Die BR-Ports der Nubert nuLine 334
Die Nubert nuLine 334 ist eine Bassreflexbox, die großzügig mit zwei großen BR-Ports ventiliert ist. Die BR-Ports sind auf der Rückseite der nuLine 334, sodass sich eine sehr nahe Aufstellung an der Rückwand nicht empfiehlt, zumal die Bassreflexrohre bei einer geringen Distanz von 3 oder 4 Zentimeter zur Wand nur eingeschränkt funktionieren (Foto: H. Biermann)

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Autor: Holger Biermann

Holger Biermann
Chefredakteur mit Faible für feinste Lautsprecher- und Verstärkertechnik, guten Wein und Reisen: aus seiner Feder stammen auch die meisten Messe- und Händler-Reports.