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Test Aufmacherbild Nubert nuPyramide 717 – 360 Grad
Die nuPyramide 717 ist die Wiedergeburt einer Nubert Legende und hat vier Hochtöner und eine Menge Tricks eingebaut – 3D-Klang inklusive. Der Preis liegt bei 11.800 Euro pro Paar (Foto: Nubert)

Test Nubert nuPyramide 717: Pyramidenbox mit 3D-Klang

Was macht der schwäbische Erfinder des „ehrlichen“ Lautsprechers – dessen Modelle natürlich immer extrem vernünftig sind und viel Klang für wenig Geld, dafür aber sehr wenig Schnickschnack bieten – zum 40. Geburtstag eines seiner Klassiker? Dieser Herr Nubert gönnt sich eine Jubiläumsbox, die mit 11.800 Euro pro Paar gar nicht mehr schwäbisch günstig und zudem herrlich unvernünftig ist. Die Jubiläumsbox Nubert nuPyramide 717 hat Tieftöner, die aus einem Contest von Car-HiFi-Posern stammen könnten, eine ganze Spielwiese von Einstellmöglichkeiten und sie kommt in einer Retro-Optik daher, die polarisieren wird – ein Pyramidenstumpf.

Nubert nuPyramide 717 – Totale
Die nuPyramide in voller Pracht und in der Mahagoni-Ausführung unseres Testmusters. Die stattliche Box misst 102 x 45,7 x 45,7 cm (H x B x T) und wiegt 70,3 kg (Foto: Nubert)

Ein hässliches Wort. Und auch keine wirklich anmutige Form. Dazu ein kurzer Auszug aus Wikipedia: „Der Pyramidenstumpf ist eine Form aus der Geometrie, die dadurch entsteht, dass man von einer Pyramide (die Ausgangspyramide) parallel zur Grundfläche eine kleinere, ähnliche Pyramide (die Ergänzungspyramide) abschneidet“. Alles klar soweit? Als Bauform für HiFi-Lautsprecher gilt der Pyramidenstumpf seit den 1980er Jahren als weitgehend ausgestorben. Ich denke mal, es liegt an der Optik, die doch sehr stark nach den Achtzigern aussieht.

Denn akustisch hat die Lautsprechergehäuseform des Pyramidenstumpfs fast nur Vorteile. Zum Beispiel gibt es in seinem Inneren so gut wie keine parallelen Wände – und damit keine ausgeprägten stehende Wellen. Und weil sich der Pyramidenstupf nach oben hin verjüngt, fallen mögliche Schallwandreflektionen ebenfalls immer gering aus. Als Günther Nubert 1977 seine nuPyramide 707 entwarf, ließ er sich von diesen Vorzügen leiten. Und nun, 40 Jahre später, gibt es wieder eine Nubert Pyramide – mit all der Technik und dem Wissen, das Nubert in den letzten vier Jahrzehnten angehäuft hat.

So ist die neue nuPyramide 717 alles andere als ein simpler Remake. Sie ist eine komplette Neuentwicklung, die letztendlich sehr viel mehr Zeit in Anspruch nahm als gedacht und das Jubiläumsjahr 2017 fast verpasste… Kein Wunder. Denn die Pyramide 707 aus den 1970er Jahren war ein 360°-Rundumstrahler mit nicht weniger als 10 Treibern (4 x Hochtöner, 4 x Mitteltöner, 2 x Bass), der wohl so gut gelungen war, dass – so war bei Nubert zu vernehmen – etliche 707-Besitzer noch heute damit hören. Doch viele Treiber bedeuten auch viele Probleme durch Auslöschungen. Früher konnte Günther Nubert da womöglich noch etwas nonchalant hinwegsehen. Doch 40 Jahre später ist Nubert neben Canton der größte Lautsprecheranbieter Deutschlands: mit einer ausgewachsenen Entwicklungsabteilung, die bestens ausgestattet ist und so etwas wie das Projekt Nubert nuPyramide 717 mit gebührend hohem Anspruch angeht. Da muss man natürlich einiges anders, beziehungsweise besser machen als vor 40 Jahren…

Nubert nuPyramide 717 – Vorgänger
In der Anfangszeit gab es bei Nubert noch einige sehr „unvernünftige“ Lautsprecher. Von links: der mannshohe Obelisk,  die Pyramide (707) und die kleine Pyramide. Das Bild stammmt aus dem Jahre 1989 (Foto: Nubert)

Das Konzept des Rundumstrahlers ist ja heute nicht mehr sehr verbreitet. Was schade ist. Anbieter wie Duevel oder German Physiks zeigen mit ihren Modellen (wie etwa der German Physiks Borderland Mk V Ultimate), dass das Hören mit 360°-Strahlern durchaus seinen Reiz hat: die Räumlichkeit wird großzügiger und der Hörer ist für das optimale Stereo-Imaging nicht zwingend auf diesen einen Platz an der Spitze des Stereo-Dreiecks festgenagelt. Dennoch sind heute mehr als 99% aller Lautsprecher am Weltmarkt sogenannte Direktstrahler, also Schallwandler, die ihre Schallenergie direkt auf den Hörer abstrahlen. Und weil man mit der Jubiläumsbox ja möglichst vielen Leuten Freude machen wollte, sollte sie mit einem Klick umschaltbar sein: zwischen Direkt- und Rundumstrahler. Eine knifflige Aufgabe.

Die das Nubert Team aber bravourös meisterte. Im „Rundum“- Modus laufen die beiden 3-Wege-Kombinationen vorn und hinten parallel – plus der beiden Hochtöner an den Seiten. Diese allerdings erst ab etwa 5.000 Hertz. Im „Direkt“-Modus haben der Hoch- und der Mitteltöner auf der Rückseite Sendepause und die beiden seitlichen Hochtöner laufen auch hier mit, um das Abstrahlverhalten im Hochton zu verbessern, allerdings mit verringertem Pegel. Denn wenn sie schon mal eingebaut sind, kann man sie ja auch nutzen… Die beiden Tieftöner aber laufen – wie auch Hoch- und Mitteltöner auf der Schallwand – dauerhaft parallel.

Die Treibertechnik der Nubert nuPyramide 717

Die Nubert nuPyramide 717 ist also zwei Lautsprecher in einem. Dafür reichen der Pyramiden-Neuauflage acht Treiber: 4 x 26 mm Hochtöner, 2 x 15 cm Mitteltöner und 2 x 28,5 cm Tieftöner. Vorn und hinten arbeitet je eine komplette 3-Wege-Einheit; die Jubiläumsbox ist ein Bipol, der nach vorn wie nach hinten die gleiche Energie abstrahlt und von zwei weiteren Hochtönern an den Seiten unterstützt wird. Jetzt haben wir es ganz genau. Mit dieser Anordnung ergibt sich im „Rundum“-Modus eine 360°-Ausleuchtung des Hörraums. Die Ur-Pyramide hatte ja noch vier Mitteltöner. Doch wegen der zahlreichen Auslöschungen, die so viele Mitteltöner mit sich bringen, verwarf das Nubert Team einen ähnlichen Aufbau.

Das Auffälligste an der Pyramide sind die beiden 11 Zoll (28,5-Zentimeter-) Tieftöner, der stärkste Bass, der bislang bei Nubert eingesetzt wurde. Günther Nubert hat zu Allan Isaksen, dem Chef des Zulieferers Wavecor, seit vielen Jahren ein gutes Verhältnis und auf die Frage, ob dieser für Nubert nicht einmal etwas Ultimatives entwickeln wolle, wollte er sich wohl nicht lumpen lassen. Die Bilder hier sprechen für sich. Und dass Nubert von diesen Basspumpen gleich zwei einbaut, lässt erahnen, in welchem Bereich die Nubert nuPyramide 717 wohl keine Pegel- oder Dynamikprobleme bekommen dürfte…

Nubert nuPyramide 717 – 11 Zoll Bass
Ein riesiger Magnet, der über eine 10cm Schwingspule die Glasfasermembran in Sandwich-Bauweise antreibt (Foto: H. Biermann)

Doch der Einsatz des doppelten Bassmonsterchens dient nicht allein dem noch größeren Bassdruck. Zum einen gelingt so, weil die Tieftöner nur bis 130 Hertz laufen, eine perfekte Rundumabstrahlung – für einen 360°-Strahler nicht unwichtig. Zum anderen machte Günther Nubert schon bei der Ur-Pyramide 707 die Erfahrung, dass zwei Tieftöner Rücken an Rücken in sogenannter Push-Push-Anordnung das Gehäuse sehr viel weniger anregen als ein einzelner Tieftöner alleine.

Man kann sich das gut vorstellen: In dem Moment, in dem die Membran des einen Tieftöners nach außen schnellt, macht die des zweiten Tieftöners auf der Rückseite das Gleiche. Bei nur einem Tieftöner würde sich das Gehäuse durch die Membranauslenkung bewegen; bei dieser Anordnung wird das Gehäuse von den divergenten Kräften in der Mitte gehalten.

Nubert nuPyramide 717 – Tieftönersicke
Auffällig sind die Fahrradschlauch- großen Sicken, die der Membran eine sehr große Auslenkung erlauben und den Bass so zu enormem Tiefgang befähigen (Foto: H. Biermann)

Beide Bässe arbeiten auf ein Bassreflexgehäuse, dessen Ports nach unten hin ausgeführt sind und den beiden Bässen noch ein bisschen mehr Tiefgang verleihen. Wir haben es bei uns nicht nachgemessen; da fehlt uns eine seriöse Freifeldmöglichkeit. Nubert Entwickler Thomas Bien kommt mit seinen Messungen auf 25 Hertz bei -3 Dezibel. Das Erlebnis bei uns im LowBeats Hörraum im Ohr, würde ich sagen: die Nubert nuPyramide 717 reicht womöglich noch weiter runter…

Die Mitteltöner sind neu und ebenfalls mit einer Membran aus bedämpfter Glasfaser aufgebaut und mit ihrem Korbdurchmesser von 15 Zentimeter für Nubert recht groß. Wegen des besseren Abstrahlverhaltens verwenden die Schwaben normalerweise lieber kleinere Kaliber. Aber bei der nuPyramide 717 brauchte es Größeres – auch, weil die Übergangsfrequenz zum Tieftöner mit 130 Hertz sehr niedrig liegt und der Mitteltöner nicht zum begrenzenden Faktor werden sollte.

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