Rega Aria Mk3 Front
Wir haben in den letzten Jahren ein echtes Faible für die Rega-Elektronik entwickelt. Und auch die Phonovorstufe Aria Mk3 (Preis: 1.200 Euro) ist uns schnell ans Herz gewachsen... (Foto: Rega)

Test Phonostufe Rega Aria MK3: Herzblut muss sein

Rega tickte schon immer ein wenig neben der offiziellen Spur. Gut so. Die Konkurrenten wollten sich in Feinmechanik überbieten, Rega war immer auf der Suche nach dem Herzblut einer guten Aufnahme. Hier ist wieder so ein Brocken. Die MM-/MC-Phonostufe Rega Aria MK3 spielt so herzergreifend gut, dass ich wette: Dieser kleine schwarze Kasten wird ein Fetisch unter Vinyl-Kennern.

Rega hat seine Fangemeinde fest im Griff. Egal wie laut wir die Konkurrenten beklatschen – die Rega-Fans sind taub und schauen an Scheuklappen vorbei auf ihre Company. Also eine Sekte? Natürlich nicht. Das sind eher Connaisseure. Wer das Klangideal von Rega einmal erkannt hat, bleibt der Marke treu. Genau das ist spannend: Die Plattenspieler von Rega strahlen dieses Klangideal aus, die Verstärker, die Tonabnehmer – da müssen natürlich auch die Phono-Amps dem Glaubensbekenntnis zustimmen. Wie hier die Aria MK3.

Hineingeschaut: die Technik der Rega Aria MK3

Wie auch die kleineren Rega Phonostufen arbeitet auch die Aria Mk3 analog und ist komplett diskret aufgebaut. Schaut man sich die Phonostufen dieser Klasse an, fällt auf, dass meist jene, die diskret (also mit nicht integrierten Einzelbausteinen) aufgebaut sind, auch am besten klingen.

Rega Aria Mk3 Platine
So muss einen Phonostufe aufgebaut sein: diskrete Bauteile von bester Qualität (Foto: A. Günther)

Rega hat alle Feineinstellungen auf die Rückseite seines Aria MK3 verlegt – auf das berühmte „Mäuseklavier“. Das sind mehrere Winzschalter im Verbund. Den einen hoch, den anderen herunter – und irgendwann sind die perfekten Werte kombiniert.

Die passgenaue Tabelle hat Rega auf die Rückseite aufgeklebt. Man braucht also eine Brille, einen schmalen Schraubenzieher oder einen Zahnstocher – das geht gut und schnell von der Hand. Im besten Fall hat der Hersteller des Tonabnehmers alle Vorgaben in einem Factsheet publiziert. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Und das gute Gefühl, dass man diese Einstellungen für lange Zeit vorgibt. Also: keine Hast.

Rega Aria Mk3 hinten
MM- und MC-Tonabnehmer lassen sich auf der Rückseite des Rega Aria Mk3 per „Mäuseklavier“-DIP-Schalter anpassen (Foto: Rega)

Für MM und MC gibt es jeweils eine eigene Eingangsbuchse. Die Umschaltung geschieht per Relais – blitzschnell, wobei hier natürlich keine Schnelligkeit gefordert ist. Wer die direkte Konkurrenz betrachtet, trifft in dieser Preisklasse auch echte XLR-Verbindungen an – wie in der Phono Box RS2 von Pro-Ject. Nichts davon bei Rega. Die Briten bleiben strickt dem Cinch-Standard treu.

Rega Aria Mk3 innen
Manche lagern die Stromversorgung aus, nicht so Rega – hier versorgt ein großer Ringkern-Trafo (links) die Verstärkungsstufen (Foto: A. Günther)

Also pirschen wir uns für den Test von einer anderen Seite an. Rechts von mir steht ein Linn LP 12. Hier geht es nur per Cinch heraus – also kein Nachteil, zudem versteht meine Röhrenvorstufe ebenfalls nur Cinch.

Der Klangtest: Ringo lebt

Ringo Starr hat es mal wieder vor die Mikrofone getrieben. Das ist einerseits Fun, andererseits die Furcht vor dem Alter, vor allem aber große Kunst. Zu einer EP hat es gereicht, gepresst auf 180 Gramm. Fünf Tracks sind zusammen gekommen, allesamt aufgenommen in seinem Homestudio während der Corona-Zeit. Die Freunde kamen hinzu, selbst Stars wie beispielsweise Steve Lukather. Es klingt wunderbar, ungebremst, natürlich ist das Schlagzeug der offensichtliche Motor des Geschehens. Meine Güte, der Mann an den Fellen ist 80 Jahre alt und noch immer in bestechender Form. Der Mix selbst ist sehr präsent, fast so rustikal wie die frühen Beatles-Alben. Da will ich in den Bauch getroffen werden, da muss der Fuß zucken und das Hirn den Melodie-Phrasen folgen. Genau das ist eine Stärke des Rega-Systems. Das hat mehr Atem als vergleichbare Modelle. Hier schwingt etwas, hier swingt etwas. Das ist bestes High-End und zugleich bestes Mit-Musizieren.

Geht das Konzept auch bei Klassik auf? Natürlich. Vor über einem Jahr ist Mariss Jansons, der große Dirigent gestorben. Am 8. November 2019 dirigierte er sein Lieblingsensemble, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks auf einem Gastspiel in der Carnegie Hall zu New York. In der Pause rieten ihm die Ärzte zum Abbruch des Konzerts. Doch Jansons hielt durch. Sein letzter Auftritt. Man spürt die besondere Aura. Es gibt eine Symphonie, die eigentlich nach harter Hand, nach Struktur und Kraft geschrieben wurde – die Vierte von Brahms. Doch Jansons agiert wie eine Elfe – alles muss leicht sein, sonst droht der Zusammenbruch. Ein faszinierendes Konzert.

Mariss Jansons Last Concert
Das letzte Konzert eines ganz Großen: Mariss Jansons dirigiert Brahms in der Carnegie Hall (Cover: amazon)

Der Bayerische Rundfunk hat die Aufnahme von seinen us-amerikanischen Kollegen angekauft und glücklicherweise auch auf LP veröffentlicht. Ich kenne die CD, den Download – aber die LP bringt die Faszination am besten auf den Punkt. Hier muss die Kette mystisch-analoge Feinheit ausstrahlen. Also steht rechts von mir besagte Rega-Box, dazu ein Linn LP12 als Beschleuniger und ein Transfiguration Aria als MC-Abtaster. Heraus kommt ein Klangbild zum Niederknien, zum Eintauchen. Soviel Samt habe ich noch nie von einer Pressung und einer Kette erlebt. Der Abnehmer bringt die Analyse, der Linn den Drive und der Rega meldet sich als Meister der edlen, punktgenauen Phrasen.

Das alles wirkt „analoger“, hat mehr Atem als vergleichbare Modelle. Als direkten Konkurrenten hatte ich beispielsweise den RS2-Amp von Pro-Ject zur Verfügung. Auch er ein echter Kauftipp von unserer Seite – aber komplett anders ausgestattet und auch klanglich grundverschieden gedacht. Der Pro-Ject wirkte direkter, heller, auf Tempo gezüchtet. Der Rega tönte dagegen zwar nicht langsamer, so aber tendenziell wärmer, eben samtiger. Hier schwingt etwas, hier swingt etwas. Das ist bestes High-End und zugleich bestes Mit-Musizieren.

Fazit Rega Aria Mk3

Manche definieren High-End-Klang als ein glattes, kühles Überideal. Das stimmt so natürlich nicht. Wäre ja auch langweilig. Rega zeigt mit dieser Phonostufe, wie fein die Grenze zwischen absolut-richtig und eigenwillig-mutig aussehen kann. Das ist ein Superkistlein. Der Preis ist fair und die Klangausbeute wunderbar feindynamisch und dennoch auf Samt getrimmt. Alles gelingt leicht, mit tiefer, musikalischer Spielfreude. Wenn es nach mir ginge, würden wir die Aria MK3 als Ideal ihrer Preisklasse nicht mehr hergeben und in unsere Idealkette einflechten.

Rega Aria Mk3
2021/05
Test-Ergebnis: 4,6
ÜBERRAGEND
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Wunderbar harmonisch „analoger“ Klang
Kompakte Bauform, gute Verarbeitung
Kanalgetrennt, komplett diskret aufgebaut
nur RCA- Ein- und Ausgänge

Vertrieb:
TAD Audio Vertriebs GmbH
Rosenheimer Straße 33
83229 Aschau
www.tad-audiovertrieb.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Rega Aria Mk3: 1.190 Euro

Rega Aria Mk3: die technischen Daten

Rega Aria Mk3
Technisches Konzept:Phonostufe für MM und MC
Ein- Ausgänge:1 x RCA MM, 1 x RCA MC
Ausgänge:1 x RCA
Anpassungswerte MM:1000, 2000, 3200, 4200 pF
Anpassungswerte MC:
70, 100, 150, 400 Ohm
Subsonicfilter / Fernbedienung:
ja / nein
Abmessungen B x H x T:21,8 x 7,8 x 32,5 cm
Gewicht:3,2 Kilo

Autor: Andreas Günther

Der begeisterte Operngänger und Vinyl-Hörer ist so etwas wie die Allzweckwaffe von LowBeats. Er widmet sich allen Gerätearten, recherchiert aber fast noch lieber im Bereich hochwertiger Musikaufnahmen.