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Audio Physic Classic 25 Ambiente
Dezente Lautsprecher-Kunst. Die Audio Physic Classic 25 (Paarpreis: ab 3.690 Euro) fällt vor allem durch ihren herausragend feinen und natürlichen Klang auf (Foto: Audio Physic)

Test Standbox Audio Physic Classic 25

Audio Physic, diese kleine Lautsprecher-Manufaktur im sauerländischen Brilon, steht seit ihrer Gründung (seinerzeit durch Joachim Gerhard) für herausragend feines, aber nie herausragend teures High End. Auch wenn es aus diesem Stall mit der Structure jetzt mal wieder ein richtiges Flaggschiff zum stolzen Preis von fast 50.000 Euro gibt, so haben die Briloner ihren bodenständigen Ansatz nie aus den Augen verloren. Und es gibt einen Lautsprecher, der diese Ideale besser verkörpert als jeder andere im Programm: die Audio Physic Classic 25, die LowBeats jetzt für einige Wochen zum Test hatte.

Der Auftritt des 3-Wege-Lautsprechers ist angenehm dezent. Die Maße lauten: 105,0 x 17,0 x 29,0 cm (H x B x T) – das klassische Beispiel einer schlanken Standbox. Mit Ausnahme der Rückwand ist die Classic 25 rundherum mit Glas beplankt. Das sorgt für makellos glatte Oberflächen und eine Vielzahl von Farbvarianten, weil der Glas-Zulieferer die Glasplatten von hinten lackiert – und somit theoretisch jede gewünschte Farbe des Lautsprechers machbar ist.

Audio Physic Classic 25 Farben
Die Audio Physic Classic 25 gibt es in sieben unterschiedlichen Farben. Sie ist rundrum mit Glasscheiben bedeckt, die inwandig lackiert sind. Wegen der aufwendigen Sandwichgehäuse ist die Classic 25 gar nicht so leicht wie sie aussieht: immerhin 27,0 Kilo bringt sie auf die Waage (Foto: Audio Physic)

Eigentlich hat Glas im HiFi nichts verloren. Es klirrt unangenehm und macht so den Klang hart. Wenn man sich allerdings auskennt und etwas von Dämpfung versteht, dann kann mit Glas Großes entstehen. Und Expertise darf man bei Audio Physic getrost unterstellen. Denn in der Entwicklungsabteilung des sauerländischen Lautsprecher-Experten arbeitet seit 20 Jahren Manfred Diestertich. Diestertich ist unter den deutschen Lautsprecherentwicklern derjenige, der sich am intensivsten mit dem Thema Entkopplung auseinandersetzt. Noch zu IQ Zeiten erfand er Anfang der 90er Jahre die SSC-Unterstell-Füßchen, die heute immer noch erfolgreich und gut unter dem Namen VCF ihren Dienst tun – und zufälligerweise auch unserem Test-Pärchen beilagen. Doch dazu später mehr.

Das Konzept der Audio Physic Classic 25

Das Gehäuse der Audio Physic Classic 25 besteht natürlich nicht allein aus Glas. Diestertich hat einen Gehäuse-Sandwich ersonnen, bei dem 12 mmm starke MDF-Platten mittels elastischer Acrylat-Klebestreifen mit den Glasplatten verbunden werden. So verbindet er zwei gegensätzlich resonierende Materialien über eine dünne, aber elastische Schicht miteinander und erreicht dadurch (neben dem guten Aussehen) eine immense Steifigkeit und hohe Schallundurchlässigkeit.

Audio Physic Classic 25 Sandwichaufbau
Das dauerelastische Acrylat wird in Brilon per Hand aufgetragen (Foto: Audio Physic)

Es ist ja eines der größten Problem von Lautsprechergehäusen, dass einige Schallanteile durch die Wände diffundieren und so den Klang beeinträchtigen. „Dieser Sandwich“, sagt Diestertich, „funktioniert wie eine Doppelverglasung. Da kommt nur ganz wenig Schall durch.“

Audio Physic Classic 25 Schallwand2
Auf der Schallwand ist das Sandwich zu zu erkennen: innen MDF, dann eien hauchdünne Schicht Acrylat, die auch Luft einschließt, außen das Glas (Foto: H. Biermann)

Diese Kombination ist alles andere als zufällig, sondern entstand in zahllosen Hörsitzungen. „Der Manfred“, sagt Audio Physic Geschäftsführer Wolfgang Lücke dazu schmunzelnd, „hört sich jede Schraube an.“ Wer Diestertich kennt, ahnt: das ist nicht untertrieben.

Und so erklären sich einige Details der Audio Physic Classic 25, die man in dieser Preisklasse sonst nie sieht. Wie zum Beispiel, dass die Frequenzweiche auf Kupferschaum. Warum? „Klingt viel präziser als die üblichen Platinen“, sagt Diestertich. Oder dass die Chassis in Kunststoff-Muffen verankert sind. Oder dass die (Single-Wiring-) Anschlüsse natürlich die exzellenten WBT NextGen-Klemmen (ebenfalls aus Kunststoff) sind. Oder dass der Korb des klangrelevanten Tiefmitteltöners in sich entkoppelt ist, sodass Vibrationen von der Schallwand ausgefiltert werden. Wo man auch hinschaut: nichts ist zufällig, alle Lösungen sind offensichtlich aus guten akustischen Gründen gewählt.

Die Technik der Audio Physic Classic 25

Die meisten Entwickler hätten sich bei einem Lautsprecher dieser Größe und dieses Anspruchs wohl zu einer 2-Wege Konstruktion entschlossen. Im Grunde ist die Classic 25 auch eine 2-Wege-Box – allerdings eine mit eingebautem, nicht sichtbarem Subwoofer.

Audio Physic Classic 25 Konstruktion
Die Skizze zeigt den Subwoofer-Einschub im unteren Gehäuseteil. Hier werkelt ein 21 cm Bass auf eine Bandpass-Konstruktion. Rückseitig arbeitet er auf ein sehr kleines Volumen, vorderseitig hat er fast das gesamte Volumen der Classic 25 (abzüglich der Kammer für den Tiefmitteltöner) zur Verfügung. Sein Beitrag zum Gesamt-Signal kommt ausschließlich aus dem Bassreflex-Port (Zeichnung: Audio Physic)

Diese eingebauten Subwoofer sind eine Besonderheit der Classic-Linie. Die Effizienz dieser Konstruktionen ist meist bescheiden, aber gut gemacht, stehen sie für sehr präzise Bässe und einen geringen Filteraufwand auf der Weiche – weil der Bassreflex-Ausgang in sich schon eine Filterwirkung hat. Ein weiterer, fast unschlagbarer Vorteil: man sieht den internen Subwoofer nicht…

Audio Physic Classic 25 BR-Port
Der Blick bei abgenommener Bodenplatte: Hier bilden Glasscheibe und MDF-Gehäuse einen schmalen Kamin – den Bassreflex-Ausgang des internen Bandpass-Subwoofers. Der interne Subwoofer wird als komplette Einheit aufgebaut und eingeschoben (Foto: H. Biermann)

Und weil die Idee des 2-Wege-Systems plus Subwoofer in der Audio Physic Classic 25 konsequent umgesetzt wird, liegt auch die Trennfrequenz sehr niedrig: bei 100 Hertz: Eine so tiefe Trennung erfordert einen sehr breitbandigen und hochbelastbaren Tiefmitteltöner.

Audio Physic Classic 25 Tiefmitteltöner
Der 15 cm Tiefmitteltöner hat eine Glasfasermembran, einen entkoppelten (doppelten) Korb und eine auffällige Schwingspulenabdeckung in der Mitte der Membran. Der Tiefmitteltöner überträgt den klanglich relevanten Bereich zwischen 100 – 2.000 Hertz ab (Foto: H. Biermann)

Diestertich fand ihn – wie auch den Hoch- und den Tieftöner – beim chinesisch-dänischen Spezialisten Wavecor. Aber natürlich fand der Tüftler viele Punkte, die man an den Treibern aus dem Standardprogramm verbessern müsste.

Wieder stoßen wir auf das Thema Entkopplung. Gerade der Treiber, der den wichtigen Stimmbereich überträgt – also der Tiefmitteltöner –, sollte von den fast unumgänglichen Vibrationen des Gehäuses nicht beeinträchtigt werden. Diestertichs Antwort auf diese Herausforderung war ein entkoppelnder Doppeltkorb, in dem ein Materialmix kaum noch Vibrationen passieren lässt. Diesen Spezialkorb lässt er von Spezialisten aufbauen und zu Wavecor schicken; die bauen ihm dann den optimalen Treiber zusammen.

Der Hochtöner mit 22 mm Gewebekalotte stammt aus dem Standardprogramm, aber auch der kommt nicht ungeschoren davon: Dessen Frontplatte lässt Diestertich mit einer festen Schicht Filz bekleben. Durch diesen Trick beruhigt er sowohl den Tieftöner selbst als auch die aufliegende Glasplatte. Ich wiederhole mich gern: Das wirkt alles sehr durchdacht.

Audio Physic Classic 25 Hochtöner
Der obere Teil der gläsernen Schallwand ist abnehmbar. Darunter sieht man den Hochtöner mit einem kleinen Hornvorsatz und Filz-beklebter Frontplatte. Der Filz beruhigt das aufliegende Glas. Die 22 mm kleine Gewebekalotte stammt vom deutschen Zuliefer-Spezialisten Dr. Kurt Müller (Foto: H. Biermann).

Auf der Suche nach passenden Verstärkern schauen wir zunächst einmal die Impedanz- und Phasenverläufe der Classic 25 an, die recht ordentlich aussehen – zumal vor dem Hintergrund einer Bandpass-Konstruktion mit sehr tief liegender Trennfrequenz. Das Impedanz-Minimum von 3 Ohm bei 80 Hertz meistern Verstärker von heute in der Regel ohne jedes Problem.

Impedanz Audio Physic Classic 25
Kritisches Impedanzminimum von 3 Ohm @ 80Hz. Unkritischer Phasenverlauf der Impedanz. (Messung. J. Schröder)

Wie auch die induktiven (blau) und kapazitiven Phasenverläufe. Die verlaufen über den gesamten Wiedergabebereich ebenfalls sehr moderat verlaufen.

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