Audiovector R3 Arreté Ambiente
Die Audiovector R 3 Arreté (Paarpreis: 9.900 Euro) ist ein außergewöhnlich hübsches Klangmöbel. Aber dank vieler kluger Akustik-Kniffs klingt sie auch herausragend gut (Foto: Audiovector)

Test Standbox Audiovector R3 Arreté

Die kleine dänische Lautsprecher-Manufaktur Audiovector gibt es schon seit über 40 Jahren und sie hat – weil sie stets engste Kontakte zu den dänischen Treiberspezialisten von Scan Speak, Vifa & Co pflegte und pflegt – immer hoch ambitionierte Schallwandler entwickelt. Das sorgt weltweit für Furore, aber in den deutschen Nachbarlanden verharrte die Marke in einem unerklärlichen Dornröschenschlaf. Nun aber wirkt sie wie wachgeküsst: Ein neues, engagiertes Verkaufs-Team und neue Lautsprechermodelle sorgen für frisches Leben. Bestes Beispiel dafür ist die zierliche Standbox Audiovector R 3 Arreté, die durch einen verblüffenden klanglichen Auftritt und dank vieler smart gelöster Details eine überzeugende Duftmarke in der 10.000 Euro Klasse setzt.

Lehnen wir uns einmal zurück und schreiben alle Klischees auf einen Zettel, die uns zu dänischen Lautsprecher-Manufakturen einfallen. „Technisch-akustisch ganz weit vorn“, stünde dann dort, weil die dänische Treibertechnologie die womöglich weltweit beste ist. „Anspruchsvoll gefertigte Gehäuse“ ebenfalls, weil ja auch die dänische Möbelindustrie in der Welt einen überragenden Ruf hat. Auch das geradlinig-edle „danish design“ darf auf dem Zettel nicht fehlen. Und letztendlich das „carefully handmade in denmark“: Handarbeit unter strengsten Umweltschutz-Auflagen von Menschen, die mit viel Lust & Liebe zu Werke gehen.

Audiovector erfüllt jedes diese Klischees – und legt noch ein paar weitere Argumente für diese kleine Lautsprecherschmiede drauf. So hat Firmengründer Ole Klifoth schon immer viel geforscht und hat daraus einige, bis heute für Audiovector gültige Grundregeln aufgestellt:

1.) die Treiber müssen immer von höchster Qualität sein.
2.) die Treiber müssen zudem gutmütig in ihrem Wiedergabe sein, damit man die „sanften“ 6 dB-Filter verwenden kann
3.) die Gehäuse sollten möglichst wenig parallele Wände haben und überhaupt wirksam gegen Vibrationen geschützt sein.

Schon in seinem Erstlingswerk von 1979, der auffälligen Audiovector Trapez, setzte Klifoth viele dieser Ansprüche um. Und tut es heute noch – nur vollkommender. „Heute“, sagt Klifoth, „haben wir einfach die deutlich besseren Materialien. Damit kommt man viel weiter, als es früher möglich war.“

Audiovector Trapez. Erste Box von 1979
Phasen-linear dank schräger Schallwand: schon das Audiovector Erstlingswerk „Trapez“ war konsequent auf besten Klang getrimmt. Durch die schräge Schallwand realisierte er eine phasenkorrekte Wiedergabe von Hoch-, Mittel- und Tieftöner (Foto: Audiovector)

Doch eines hat Ole Klifoth immer beibehalten: Die Abstimmung der Lautsprecher erfolgt immer mit den Ohren – trotz aufwendiger Computer-Simulation, trotz aufwendigstem Mess-Equipment. Linealglatte Frequenzgänge waren und sind daher bei Audiovector eher die Ausnahme. Denn obwohl Vater Klifoth die Geschäfte längst an seinen Sohn Mads übertragen hat, gibt er doch die Akustik nicht aus der Hand; er ist nach wie vor Chef des R&D (Research & Development-) Departments von Audiovector.

Mads und Ole Klifoth
Familie Klifoth: Sohn Mads (links) leitet heute die Geschäfte, Vater Ole nach wie vor das Entwicklungslabor (Foto: Audiovector)

Zu der Sache mit der Abstimmung kommen wir später noch und widmen uns zuerst einmal einer Sache, die die Klifoths ebenfalls gut beherrschen: dem Aufbau wirklich hübscher, akustisch optimierter Gehäuse.

Der Aufbau der Audiovector R 3 Arreté

Im Falle der R 3 Arreté bedeutet das: ein Gehäuse mit elegant geschwungenen Wänden und schräg eingebauter Bodenplatte, um jede Form parallel gegenüberliegender Flächen zu vermeiden. Die R 3 folgt der akustisch günstigen Bootsrumpf -Form, bei dem ein festes Gerüst beplankt wird. Das gewährt eine hohe Stabilität.

Die geschwungenen Wände entstehen, indem dünne Lagen HDF über heißem Wasserdampf in Form gebracht und über einen so genannten Akustik-Leim miteinander verpresst werden. Der Aufbau, aber auch die Biegung stabilisieren die Wände enorm, deshalb müssen sie auch nicht übermäßig dick sein. Und deshalb sind die R 3 Arreté auch mit ihren 19,7 Kilo vergleichsweise leicht.

Audiovector R3 Arreté Form
Edle Furniere und anmutige Formen: unabhängig vom klanglichen Potenzial ist die Audiovector R 3 Arreté ein echt hübsches Klangmöbel (Foto: H. Biermann)

Der hintere Teil ist zu stark gebogen. Das ist mit dem Schichtholzverfahren nicht machbar – es würde brechen. Hier sitzt stattdessen ein massiver, perfekt gefräster und lackierter Block aus HDF. Eine gute Lösung, die ebenfalls noch einmal mehr Stabilität verspricht.

Vorteile gerundeter Gehäuse
Die Skizze ist etwas vereinfacht, aber zeigt in etwa, den Effekt nicht-paralleler Wände (rechts) im Vergleich zu rechteckigen Gehäusen. Tatsächlich schwingen sich auch zwischen nicht parallelen Wänden stehende Wellen auf, allerdings längst nicht so stark wie bei eckigen Formen (Skizze: Audiovector)

Der einzige Teil dieses Gehäuses, das nicht durch die Krümmung eine höhere Festigkeit bekommt, ist die Schallwand. Sie ist deshalb mit einer zusätzlichen Schicht HDF verstärkt.

Audiovector R3 Arreté Schallwand
Die zusätzliche Verstärkung der Schallwand sieht gut aus und mininiert die Resoananzen dort, wo sie durch die Schwingungen der Bässe entstehen (Foto: H. Biermann)

Doch trotz wandverstärkender Krümmung sind Resonanzen so großer Flächen unvermeidlich. Klifoth spürt die Punkte der ärgsten Eigenschwingung auf und bedämpft sie durch interne Versteifungen. Aber nicht, wie es 99% aller Lautsprecherhersteller machen, sondern schlauer:

Audiovector R3 Arreté interne Versteifung
Die Versteifungsbalken zwischen den Wänden ist nicht fest verleimt, sondern mittels Dämpfungsgummi festgeklemmt. Akustisch ist das die überlegenen Lösung (Foto: H. Biermann)

Audiovector nutzt hier die neueste Forschung (unter anderem von Fink Audio Consulting), die besagt, dass starre Verbindungen dem Klang eher abträglich sind, weil sie eventuelle Vibrationen nicht nur unterdrücken, sondern auch übertragen. Die Art & Weise wie Audiovector es macht, ist sozusagen das Beste aus beiden Welten: der Resonanzpunkt wird bedämpft, ohne dass die gegenüberliegenden Resonanzen verstärkt werden.

Um der gefürchteten Längsresonanz die Kraft zu nehmen (bei einer Bauhöhe von einem Meter dröhnt diese stehende Welle bei etwa 80 Hertz), ist die Bodenplatte schräg eingebaut; so ergeben sich auch hier keine parallelen Flächen.

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Audiovector R3 Arreté Fuss
Das haben die Dänen hübscher umgesetzt als alle Hersteller von BR-Downfiring-Systemen vor ihnen: Durch die Schräge der Bodenplatte entsteht eine Öffnung, die durch ein feines Gitter abgedeckt wird (Foto: H. Biermann)
Audiovector R3 Arreté Downfire-BR
Das BR-Rohr mündet auf der schräg eingesetzten Bodenplatte. Das Bild zeigt auch die Spikes, die nicht einfach im Holz verschraubt sind, sondern in eigens eingelassenen Metallschienen verankert sind. So wird eine viel höhere Stabilität gewährleisten. Wo man hinschaut: überall perfektionierte Lösungen (Foto: H. Biermann)
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Und die schräge Bodenpartie eröffnet noch weitere Möglichkeiten. Ole Klifoth platziert hier das Bassreflexrohr für eine so genannte Downfiring-Abstrahlung. Zwei HDF-Platten öffnen sich durch die Fuß-Konstruktion wie eine Muschel. Durch die entstehende Öffnung kann die Tiefton-Energie definiert entweichen. Das ist effizient und sieht ziemlich chic aus.

Audiovector R 3 Klasse
Die R 3 gibt es in drei Qualitätsstufen: Die kleinere Signature ist mit Kalottenhochtöner ausgestattet, die beiden „größeren“ Modelle Avantage und Arreté mit AMTs (Foto: Audiovector)

Das Gehäuse ist bei allen Modellen der R 3-Gruppe gleich. Gruppe deshalb, weil es unter diesem Label gleich drei Modelle gleicher Größe (Abmessungen: 103,4 x 23 x 36 cm), aber unterschiedlicher Qualitäts-Ausformung gibt. Die R 3 Arreté ist das Spitzenmodell der Gruppe und dementsprechend mit der aktuellen Audiovector Spitzen-Technologie ausgestattet.

Das ist vor allem die Treibertechnologie. Die R3 Arreté ist mit zwei 17 cm Tiefmitteltönern bestückt. Der untere läuft nur bis etwa 300 Hertz, der obere bis etwa 3.000 Hertz, wo dann der Hochtöner übernimmt. Diese Tiefmitteltöner hat Klifoth selbst entwickelt und lässt sie nach eigenen Vorgaben bei Scan Speak fertigen. Eine bessere Adresse gibt es nicht.

Audiovector R3 Arreté TMT-Membran
Diese Tiefmitteltöner werden zwar bei Scan Speak gefertigt, sind aber im Katalog nicht zu finden. Es sind Audiovector Speialanfertigungen. Deren Membranen aus gewebten Aramidfasern sind in  Kunstharz eingelegt und so besonders gut bedämpft. Jeder Tiefmitteltöner ist mit einem Phase-Plug aus Metall ausgestattet, der die Titan-Schwingspule kühlt (Foto: H. Biermann)

Oder vielleicht doch – direkt bei Audiovector. Den exzellenten AMT-Hochtöner nämlich fertigen die Dänen selbst. Die Produktion im eigenen Haus ist zwar sehr viel aufweniger als die Treiber bei Spezialisten zuzukaufen und erfordert auch sehr viel Knowhow, aber die Produktion vor Ort garantiert höchste Qualitäts-Standards. Und irgend etwas scheint Audiovector an dieser Stelle auch richtig zu machen, denn die hauseigenen AMTs klingen außergewöhnlich fein.

Audiovector R3 Arreté handmade Tweeter
Die AMT-Hochtöner entstehen in Handarbeit bei Audiovector. In der R 3 Arreté läuft er ab 3.000 (Foto: Audiovector)

Der hauseigene AMT-Hochtöner ist nach hinten offen. Das minimiert Resonanzen im Gehäuse. Aber wohin mit der nach hinten abgestrahlten Hochtonenergie? Klifoth macht aus der Not eine Tugend und aus der Audiovector R 3 Arreté einen Lautsprecher, der im Hochton als Dipol fungiert.

Audiovector R3 Arreté Rückseite
Durch die beiden vergitterten Ausgänge auf der Rückseite strahlt die R 3 Arreté den gesamten Hochtonbereich mit vollem Pegel auch nach hinten ab.  (Foto: H. Biermann)

SEC (Soundstage Enhancement Concept) heißt das bei Audiovector. Und tatsächlich: Richtig aufgestellt, wird die Wiedergabe durch den Dipol-Effekt noch räumlicher.

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