Stewart Filmscreen Phantom HALR+ (Foto: R. Vogt)
Stewart Filmscreen Phantom HALR+ (Foto: R. Vogt)

Test: Stewart Filmscreen Phantom HALR+ für extra Kontrast

Für ein großes Kinobild kommt heute wie vor Jahren nur eine gute Projektion in Frage. Erst wenn die Bildschirmbreite das gesamte aktive Gesichtsfeld – und im Idealfall noch teilweise das periphere Sehen stimuliert – beamt es den Zuschauer förmlich in die Handlung. Gängige Fernseher bieten nur 55 bis 75 Zoll Bilddiagonale. Ultrakurzdistanz-Projektoren schaffen vielleicht bis 100 Zoll. Die gängigste Leinwandgröße für Projektionen liegt bei 120 Zoll, respektive bei knapp über 2,70 Meter Bildbreite mit 16:9. Das ist Kino!

Stewart Filmscreen Phantom HALR+ als 16:9-Rahmenleinwand aufgebaut vor der matt weißen Leinwand des LowBeats Testkinos im Cinemascope (Foto: R. Vogt)
Stewart Filmscreen Phantom HALR+ als 16:9-Rahmenleinwand aufgebaut vor der matt weißen Leinwand des LowBeats Testkinos in CinemaScope (Foto: R. Vogt)

Im Kino ist nach dem Projektor die Leinwand der entscheidende Baustein in der Signalkette. Sie entspricht dem Lautsprecher in einem Audiosystem: er ist der letzte Baustein in der aktiven Kette. Allerdings, wie in der Akustik, spielen der Raum und seine Beschaffenheit eine gewichtige Rolle für die Performance. Ein akustisch perfekter, bedämpfter Raum belohnt den Zuhörer mit maximaler Dynamik und fokussierter Abbildung.

So ähnlich verhält es sich auch mit dem Bild: Die Leinwand wirft das Licht des Projektors in den Raum. Ist dieser eine „schwarze Höhle“, also visuell stark bedämpft, ist ein maximal dynamisches Bild zu sehen. Wirft aber ein Wohnraum mit hellen Wänden/Böden/Decke/Möbeln viel Licht zurück, kostet dies Kontrast und damit Bilddynamik sowie Farbqualität. Das gilt erst recht für Lichtquellen (den Projektor ausgenommen) wie Sonne und Beleuchtung.

Stewart Filmscreen Phantom HALR+ (Foto: R. Vogt)
Stewart Filmscreen Phantom HALR+ (Foto: R. Vogt)

Mehr Kontrastgewinn als ein besserer Projektor!

Hier helfen Leinwandtücher, die Licht richtungsselektiv reflektieren oder absorbieren und damit das Umgebungslicht im Filmbild dämpfen. Ambient Light Rejection, kurz ALR, nennt sich das im Fachchinesisch. Das sind aber keine simpel grau gefärbten Leinwände – die es tatsächluch auch gibt. Vielmehr werfen gut gemachte ALR-Tücher von vorn kommendes Licht – wie etwa das Bild des Projektors – besser zurück in den Raum als Licht, das durch Fenster dringt oder von Lampen stammt. So steigert ALR den Kontrast im Bild deutlich. Die Stewart Filmscreen Phantom HALR hatten wir bereits im Test. Nun kommt die Variante „Stewart Filmscreen Phantom HALR+“ mit entscheidenden 30 Prozent hellerem Bild.

Stewart Filmscreen Vertrieb Screen Professional war in Form von Ralf Lulay mit einer 120-Zoll Phantom HALR+ zum Lowbeats-Kino angereist. Als Träger diente ein „WallScreen Deluxe“ Leinwandrahmen mit Standfüßen. Das System funktionier prima: In weniger als 15 Minuten war das Ganze aufgebaut.

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Die Rahmen der WallScreen Serie können für besseren Transport mit geteilten Latten bestellt werden (Foto: R. Vogt)
Die Rahmen der WallScreen Serie können für besseren Transport mit geteilten Latten bestellt werden (Foto: R. Vogt)
Ein innerer und ein äußerer Winkel halten die Lattenhälften bombensicher gerade (Foto: R. Vogt)
Ein innerer und ein äußerer Winkel halten die Lattenhälften bombensicher gerade (Foto: R. Vogt)
Massive Schrauben sorgen für dauerhaften Halt (Foto: R. Vogt)
Massive Schrauben sorgen für dauerhaften Halt (Foto: R. Vogt)
Massive Gußwinkel halten den Rahmen stabil in Form (Foto: R. Vogt)
Massive Gusswinkel halten den Rahmen stabil in Form (Foto: R. Vogt)
Kommt aufgerollt: Stewart Filmscreen Phantom HALR+ (Foto: R. Vogt)
Kommt aufgerollt: Stewart Filmscreen Phantom HALR+ (Foto: R. Vogt)
Alle Teile zu zusammen gehören sind entsprechend beschriftet. Passgenaue Druckknöpfe spannen das Tuch über einen leichten Steg für maximale dauerhafte Planlage (Foto: R. Vogt)
Alle Teile sind entsprechend beschriftet. Passgenaue Druckknöpfe spannen das Tuch über einen leichten Steg für maximale dauerhafte Planlage (Foto: R. Vogt)
"Alles ganz einfach!": Stewart Filmscreen Vertrieb Ralf Lulay von Screen Professional (Foto: R. Vogt)
„Alles ganz einfach!“: Stewart Filmscreen Vertrieb Ralf Lulay von Screen Professional (Foto: R. Vogt)
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Wie immer bei Stewart Filmscreen gibt es keine vorgefertigten Standardgrößen. Jede Leinwand wird auf Maß gefertigt und praktisch jedes Tuch kann in jeden Rahmen – als Rollo, mit oder ohne Maskierung – geliefert werden. Wie die meisten Materialien bietet Stewart auch das Phantom HALR+ als mikroperforierte Variante in akustisch transparent an, um die Lautsprecher dahinter platzieren zu können. Durch diese Vielfalt reichen die Beispiele in der Preiseliste auch von gut 5.000 bis knapp 64.000 Euro.

Nach dem Aufbau und ersten Tests habe ich mich mit Ralf Lulay ausführlich über die Phantom HALR+ unterhalten:

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Ja, man kann sagen: Die Phantom HALR+ hält was sie verspricht: Selten habe ich ein derart knackiges und farbechtes Bild im LowBeats Kino gesehen. Der Gain von 1,3 macht das Bild gegenüber der permanent verbauten Leinwand (akustisch transparentes Gewebetuch mit Gain 0,8) fast doppelt so hell – und das bei sensationell tieferem Schwarz. Und weil die Phantom HALR+ spektral perfekt neutral ist, also keine eigene Färbung besitzt, entstehen realistische Farben von einer Leuchtkraft, die man sonst eher von Highend-OLED-TVs kennt. Das gilt erst recht für HDR-Bilder.

Woher kommt der Gewinn an Kontrast?

Das Bild wird spürbar schärfer und die Schärfe wird als Kontrast über Fläche definiert. Hier liefert der maximierte Kontrast auf der gleichen Fläche also präzisere Details und Konturen – was in der Praxis leicht nachvollziehbar ist. Gibt es denn keine Nachteile? Doch, klar: von Nix kommt Nix. Das Plus an Helligkeit erkauft wird mit etwas höherer Blickwinkel-Abhängigkeit erkauft. Selbst wer genau gerade vor der Leinwand Sitz erkennt eine spürbare Vignettierung, sprich die Bildränder und Ecken sind dunkler als die Bildmitte. Wohl bemerkt: Ich rede nicht von einem kleinen leuchtenden „Hotspot“ wie ihn manch billige Highgain- oder ALR-Leinwand erzeugen. Das sieht ähnlich aus wie ein Zoom-Objektiv an seiner Weitwinkelgrenze. Schauen wir uns mal ein paar Messungen von Stewart Filmscreen dazu an:

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Studiotek 100: Half-Gain-Messung (Messung: Stewart F.)
Studiotek 100: Half-Gain-Messung (Messung: Stewart F.)
Studiotek 130 G4: Half-Gain-Messung (Messung: Stewart F.)
Studiotek 130 G4: Half-Gain-Messung (Messung: Stewart F.)
Phantom HALR: Half-Gain-Messung (Messung: Stewart F.)
Phantom HALR: Half-Gain-Messung (Messung: Stewart F.)
Phantom HALR+: Half-Gain-Messung (Messung: Stewart F.)
Phantom HALR+: Half-Gain-Messung (Messung: Stewart F.)
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Das Studiotek 100, das ich auch im Labor zum Kalibrieren von Projektoren verwende, ist ein perfekter Lambertscher Strahler und liefert praktisch aus jedem Winkel dasselbe Bild mit derselben Helligkeit. Homogener geht es nicht. Zum Vergleich: Das Studiotek 130 ist in der Mitte (gerade projiziert, gerade betrachtet) mit „Gain 1,3“ 1,3x heller, dunkelt zu den Rändern hin aber ab. „Half Gain“ erreicht es bei 80° seitlichem Betrachtungswinkel. Dort zeigt sich das Bild nur noch halb so hell. Beim Phantom HALR (ohne Plus-Zeichen) besitzt das Bild einen Gain von 1,0 und erreicht bei 30 Grad noch halbe Helligkeit. Das HALR+ ist mittig 1,3-mal heller und erreicht nach 27° aus der Mitte die halbe Helligkeit. Es wird aber erst jenseits 35° dunkler als das HALR ohne „+“. Der Helligkeitsgewinn ist also erheblich bei nur gering ungünstigerer Ausleuchtung.

Was bedeutet das in der Praxis? Nun, in bewährter Manier haben wir Leinwandmuster mit der Phantom HALR+ verglichen. Als Testbild für die Helligkeit dient einfach eine voll weiße Fläche vom Projektor. Hier die Vergleiche mit gängigen anderen Leinwandmaterialien:

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Stewart Filmscreen Phantom HALR+ im Vergleich mit Studiotek 130 Musterstück. Beide haben einen Gain von 1,3 im Datenblatt und sind tatsächlich in der Bildmitt gleich hell (Foto: R. Vogt)
Stewart Filmscreen Phantom HALR+ im Vergleich mit Studiotek 130 Musterstück. Beide haben einen Gain von 1,3 im Datenblatt und sind tatsächlich in der Bildmitte gleich hell (Foto: R. Vogt)
Hält man das Studiotek 130 Muster in de entfernteste (dunkelste) Ecke wird die gleichförmigere Ausleuchtung des neutral matten Tuchs deutlich (Foto: R. Vogt)
Hält man das Studiotek 130 Muster in die entfernteste (dunkelste) Ecke wird die gleichförmigere Ausleuchtung des neutral matten Tuchs deutlich (Foto: R. Vogt)
Das Grayhawk RS ist ist mit Gain 0,9 in der Bildmitte signifikant dunkler .... (Foto: R. Vogt)
Das Grayhawk RS ist ist mit Gain 0,9 in der Bildmitte signifikant dunkler …. (Foto: R. Vogt)
...dafür am Rand nicht mehr. Es schluckt nur halb so viel Streulicht, bietet bei weniger Leuchtdichte dafür ein homogeneres Bild als die HALR-Schwestern (Foto: R. Vogt)
…dafür am Rand nicht mehr. Es schluckt nur halb so viel Streulicht, bietet bei weniger Leuchtdichte dafür ein homogeneres Bild als die HALR-Schwestern (Foto: R. Vogt)
Stewart Filmscreen Phantom HALR Muster vor der HALR+: Man erkennt es ist dunkler, und zwar im Weiß wie im schwarz. Der Kontrast ist letzten Endes der gleiche (Foto: R. Vogt)
Stewart Filmscreen Phantom HALR Muster vor der HALR+: Man erkennt es ist dunkler, und zwar im Weiß wie im schwarz. Der Kontrast ist letzten Endes der gleiche (Foto: R. Vogt)
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Um Missverständnissen vorzubeugen: Gegen direkte Sonneneinstrahlung hilft das alles nicht. Aber für ein hell gestaltetes Wohnzimmer machen eine Phantom HALR oder HALR+ den Unterschied zwischen einem guten Bild und einem highendigen Bild mit sattem Kontrast und knackigen Farben. Gerade, wer viel in HDR streamt oder sich noch für 3D begeistert, dem ist das Mehr an Licht auf der Phantom HALR+ sicherlich den finanziellen Aufwand wert. In aller Regel ist ein um 30 Prozent hellerer Projektor wenigstens genauso teuer, wie der Aufpreis der HALR gegenüber einer Null-Acht-Fünfzehn-Leinwand und so eine Leinwand hält 10-20 Jahre, überlebt also mehrere Projektoren! Und sie liefert den Megakontrast auch für die künftigen Projektoren – langfristig also eine gute Wertanlage.

Fazit Phantom HALR+: knackigeres Bild für Jahrzehnte!

Ich habe schon viele Leinwände gesehen, die kontrastverstärkend wirken (sollen). Wenig davon taugt was, erst recht, wenn man homogene Ausleuchtung und realistische Farben möchte. Daher hatte mich schon die Phantom HALR begeistert. Die Variante Stewart Filmscreen Phantom HALR+ bietet die gleichen Qualitäten mit einem in der Spitze um 30 Prozent hellerem Bild in gleicher Qualität. Gute 80 Prozent allen Lichts, das nicht vom Projektor kommt, schluckt die Leinwand einfach weg. Die Folge ist ein schärferes, helleres und farbsatteres Bild. Das ist insbesondere für normale Räume wie Wohnzimmer interessant die eben nun einmal nicht komplett schwarz gestaltet werden können. Insbesondere hier lässt sich die Bildqualität steigern, wo auch kein besserer Projektor hilft.

Stewart Filmscreen Phantom HALR+
2022/07
Test-Ergebnis: 4,5
Überragend
Bewertungen
Bild
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Helles Bild, maximiertes Schwarz
Maximierte Schärfe und Farbsättigung
Perfekt für HDR und 3D
Projektor-Mindestabstand, seitliche Betrachtung

Vertrieb:
Screen Professional GmbH
Zweibrückenstr. 39
91301 Forchheim
www.screenprofessional.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Stewart Filmscreen Phantom HALR+: ab circa 5.000 Euro

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Autor: Raphael Vogt

Technischer Direktor bei LowBeats und einer der bekanntesten Heimkino-Experten der Republik. Sein besonderes Steckenpferd ist die perfekte Kalibrierung von Beamern.