Astat Grüner Record-Film: Als flüssiges Latex auftragen und getrocknet mitsamt Schmutz rückstandsfrei abziehen, 24,99 Euro (Foto: R. Vogt)
Astat Grüner Record-Film: Als flüssiges Latex auftragen und getrocknet mitsamt Schmutz rückstandsfrei abziehen, 24,99 Euro (Foto: R. Vogt)

Test: Vinyl-Tiefenreinigung mit Astat Grüner Record-Film

Mein Erstkontakt mit HiFi war Ende der 1970er Jahre und so ist mir der Discofilm natürlich noch ein Begriff. Was hat uns die zähe Flüssigkeit seinerzeit begeistert: Auf die Rillen auftragen, trocknen lassen, abziehen, knackfrei sauber. So die Idee, die nicht immer funktionierte. Aber oft. Und so gibt es auch heute noch LP-Reiniger, die auf dieser Basis arbeiten. Moderner und deutlich weiter entwickelt ist ein Produkt namens Astat Grüner Record-Film, das mit Latex arbeitet und vor allem wesentlich schneller in der Anwendung sein will.

Astat Grüner Record-Film (Foto: R. Vogt)
Astat Grüner Record-Film (Foto: R. Vogt)

Den Discofilm gibt es ja immer noch, oder vielmehr: wieder. Der wird mit einem Applikator flüssig aufgetragen und dann nach zehn Stunden (!) Trocknungszeit abgezogen. Man kann zwar beide Plattenseiten gleichzeitig behandeln und die Platte auf einem Trocknungsständer parken, aber trotzdem ist das verdammt lang.

Moderner Discofilm: der Astat Grüner Record-Film

Das dachten sich wohl auch die Leute von Astat und haben vor ein paar Jahren den Grüner Record-Film entwickelt. Das Funktionsprinzip ist das Gleiche: Man trägt eine Flüssigkeit auf, in diesem Falle gelöster Latex, und lässt es trocknen. Die entstehende Schicht zieht man anschließend mitsamt dem gebundenen Schmutz aus der Rille ab. Und siehe: sauberes Vinyl.

Dosierung: Ein leichter Druck auf die Flasche lässt kleine Mengen flüssigen Latex austreten (Foto: R. Vogt)
Dosierung: Ein leichter Druck auf die Flasche lässt kleine Mengen flüssigen Latex austreten (Foto: R. Vogt)

Naja, ganz so einfach ist es nicht, aber fast. Auf der elastischen Kunststoffflasche sitzt oben ein Applikatorschwämmchen. Man dreht die Flasche auf den Kopf und drückt nur ganz wenig auf die Flaschenseite. Dann läuft flüssiges, Giftgrün gefärbter Latex durch das Schwämmchen. Mit dem Schwämmchen verteilt man die Flüssigkeit möglichst gleichmäßig, bis ein homogener Latexfilm auf der Plattenseite entstanden ist. Übrigens: Sollte durch langen Nichtgebrauch das Schwämmchen eintrocknen, lässt es sich im Dreierpack nachbestellen.

Den Verteilungs-Vorgang wirklich gleichmäßig hinzubekommen, fand ich gar nicht einfach. Aber es spielt aber in der Praxis auch keine dramatische Rolle, ob wirklich alles gleichmäßig ist. Beim Verteilen des Astat Grüner Record-Film kann man im einfachsten Fall die Platte auf ein Handtuch legen. Oder man nutzt etwas anderes Weiches, das rutschfest ist. In jedem Fall muss es sauber und fusselfrei sein. Theoretisch könnte man das „Einseifen“ auch auf dem Plattenteller machen. Mir aber war mir das zu heikel; es ist nämlich gar nicht lustig, wenn man dann kleckert…

Mit dem Applikatorschwamm verteilt man das Latex möglichst gleichmäßig (Foto: R. Vogt)
Mit dem Applikatorschwamm verteilt man den Latex möglichst gleichmäßig (Foto: R. Vogt)

Solange man einen dünnen, aber – wichtig! – ununterbrochenen Film hinbekommt, lässt sich das Kunstwerk auch wieder an einem Stück abziehen. Kniffelig fand ich vor diesem Hintergrund, auch die Einlaufrille gleichmäßig bis an den Rand zu bestreichen. Es sollte dabei möglichst kein Latex über den Rand laufen. Da Schallplatten an der Kante in aller Regel durch das Stanzen oder Hobeln rau sind, geht von dort der getrocknete Latex nur schwer ab oder reist beim Abziehen.

Astat Grüner Record-Film: Als flüssiges Latex auftragen und getrocknet mitsamt Schmutz rückstandsfrei abziehen, 24,99 Euro (Foto: R. Vogt)
Astat Grüner Record-Film: Als flüssiger Latex auftragen und getrocknet mitsamt Schmutz rückstandsfrei abziehen (Foto: R. Vogt)

Offiziell beträgt die Trocknungszeit 50 Minuten, ich habe mir mehrmals einen Timer auf eine Stunde gestellt: Die Zeit hat stets gereicht. Wenn die grüne Farbe verblasst ist, ist es Zeit zum Abziehen. Am einfachsten nimmt man ein Stückchen Klebeband – Tesa Packband hat sich bewährt – um ein Anfangsstück zu lupfen. Der Rest geht mit den Fingern ganz leicht. Sollte mal ein Stück reißen oder zurückbleiben, weil es zu dünn war, muss man den Astat Grüner Record-Film erneut (und ausreichend) auftragen. Dann wieder trocknen lassen und beim zweiten Versuch abziehen. Geht problemlos. Das verbleibende grüne Klümpchen Latex kann man bedenkenlos im Restmüll entsorgen; es ist ja derselbe Naturstoff wie bei Handschuhen, Ballons oder Kondomen.

Astat Grüner Record-Film (Foto: R. Vogt)
Astat Grüner Record-Film, Applikatorschwämmchen kann man nachbestellen (Foto: R. Vogt)

Fazit: Astat Grüner Record-Film für Vinyl Grundreinigung

Insgesamt finde ich das Produkt von Astat recht gelungen und durchdacht. Das Latex ist ein Naturstoff, das Lösungsmittel erzeugt beim Trocknen allerdings eine Dunstglocke, die ein Lüften erforderlich macht. Die Farbe als Indikator für den Trocknungsgrad ist clever. Das Reinigungsergebnis ist nach meinen empirischen Vergleichen das Gründlichste nach den Nass-Waschmaschinen. Wer also für nur wenige LPs eine Tiefenreinigung benötigt, ist hier für rund 25 Euro bestens bedient. Schwämmchen und Nachfüllflaschen für Astat Grüner Record-Film lassen sich nachkaufen.

Hier meine Beschreibung und eine Demonstration der Anwendung im Film:

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Die anderen Produkte und meine Zusammenfassung zum Thema Vinyl-Reinigung:

 

Astat Grüner Record-Film
2021/09
Test-Ergebnis: 4,3
SEHR GUT
Bewertungen
Reinigung
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Sehr gute Tiefenreinigung
Leichte Anwendung
Biologisch abbaubar
starker Geruch beim Trocknen

Vertrieb:
D.V.G. GmbH
Puschkinstr. 21
16348 Wandlitz
www.astatdirekt.com

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Astat Grüner Record-Film (250ml): 24,99 Euro
Astat Grüner Record-Film Nachfüllflasche (500ml): 34,99 Euro

 

Autor: Raphael Vogt

Technischer Direktor bei LowBeats und einer der bekanntesten Heimkino-Experten der Republik. Sein besonderes Steckenpferd ist die perfekte Kalibrierung von Beamern.