The Reds, Pinks And Purples Uncommon Weather LP
Sonniges aus Kalifornien: The Reds, Pinks And Purples bezaubern mit beschwingtem Indie-Folk-Pop

The Reds, Pinks And Purples Uncommon Weather – das Album der Woche

Nach all den Corona-Lock- und Shutdowns wird es endlich Zeit, wieder Sonne, Wärme und das Gefühl der Freiheit unbeschwert genießen zu können. Den sommerfrischen Soundtrack dazu liefern die Alternative-Popper The Reds, Pinks And Purples. Das neue Album der Kalifornier knipst quasi akustisch das Licht an. Und entsprechend ist The Reds, Pinks And Purples Uncommon Weather unser Album der Woche.

Hören wir die Beach Boys, die Byrds? Oder die neuseeländischen Schmuse-Popper Crowded House? Oder eine Metamorphose aus Westcoast-Heroen. Oder eine neue Scheibe der Sunny-Boy-Truppe Allah-Las? Nö. Die Band um Glenn Donaldson schlägt ihre bunten Song-Zelte in San Francisco auf. Und die ehemalige Flower-Power-Hochburg scheint der perfekte Ort für neu- oder wiedergeborene Süßholz-Soundraspler zu sein. Im positiven Sinne selbstredend. Denn die akustisch bunt gefiederten Songs von Reds-Pinks-Purples wandeln auch auf den Spuren eines Scott McKenzie, Sänger des Gänsehautsongs „San Francisco“. Auf der Golden Gate Bridge im Cabrio auf dem Weg in die nahe Bucht von Sausalito abgespielt, wirkt der auch heute noch wie ein Trip.

Band-Chef Glenn Donaldson
Glenn Donaldson ist der Kopf und das Herz von The Reds, Pinks And Purples (Foto: Tough Love Records)

Aber bleiben wir nüchtern: Lauschen wir mal genauer hinein in das Album Uncommon Weather. Band-Chef Glenn Donaldson, gilt als umtriebiger Musiker, der mit seinem Indie-Talent schon mehrere, respektive viele Bandprojekte mit farbigen Namen beglückte, beispielsweise die Giant Skyflower Band, The Blithe Sons, The Skygreen Leopards oder die Painted Shrines. Die Range reiche von Punk-Rock über Sound-Kunst bis Psychedelic-Pop. In den Straßen von San Francisco, wo in den 70ern einst TV-Serien-Cops wie Karl Malden und Michael Douglas Schurken jagten, rauf die Hügel, runter die Hügel. Bis nach Haight-Ashbury, wo die Wiege der Hippies Kultblüten trieb, vorbei an den typisch bunten kleinen Reihenhäuschen. Die selbst gemachten Fotos dieser plakativen Wahrzeichen platzierte Donaldson auf sein aktuelles Album-Cover. Auch eine Hommage an sein Heimatviertel Inner Richmond. Und dort nahm er in seinem Homestudio viel Futter für seine Songs auf.

Kalifornien halt. Obwohl ja angeblich jeder nur mit Wasser kocht, rollen von der „Westcoast“ immer wieder mächtig beglückende Wellen um die Welt. Die Doors wandelten hier und Singer-Songwriter wie Jackson Browne (siehe CD der Woche vom 6. April 2020), Neil Young (siehe CD der Woche vom 26. März 2021) oder Tom Petty (siehe CD der Woche vom 22. Oktober 2020) wuchsen hier von grünen Jungs zu Sternen.

Auch Donaldson, der mit R.E.M. und den Smiths groß geworden ist, meint, dass zumindest der Sound der Bay Area eigenständige Wurzeln entwickelt hat und sich definitiv von australischen oder gar englischen Produktionen unterscheidet.

Die Musik von The Reds, Pinks And Purples Uncommon Weather

Aber lassen wir’s mit den Assoziationen. Donaldson haut auf „Uncommon Weather“ schlichtweg einen akustischen Sommer-Snack nach dem anderen raus. 13 an der Zahl. Obwohl die Folk-Pop-Pralinen aus der Notenkonfiserie es gerade mal auf 24 Minuten Spieldauer bringen. Unerhört? Nein, Das macht nichts: Die Songs reihen sich aneinander wie beglückte Kinder beim Geburtstags-Ringelreihtanz. Heitere Gesellen, durchtränkt von hellen Arrangements. Kurzweil ist angesagt, Plantschen im Soundbad. Und keine einzige Arschbombe dabei. Das wippt, das schiebt, das beschwingt. Nennen wir es den wohltemperierten Popsong.

Aber aufgepasst: Die Stories und Texte wollen hier und da zwicken – sie erzählen schon mal von Herz- und Weltschmerz, gekonnt aus der Lyrikfeder geschüttelt. Aber: Beseelt und beflügelt vom heller werdenden Horizont des Überwindens, der Lust und Neugier auf Neues. Auf Leben. Nix nach dem Motto: „Fürchte dicht nicht! Schau, im Kühlschrank, da brennt noch Licht.“

Das ist die reine Pop-Gold-Schürferei. Kleine Soundpartikel wäscht Donaldson aus der Waschpfanne heraus und bringt sie funkelnd ans Tageslicht, verschmilzt sie mit Folk und Indiepop. Seine Stimme behält dabei sonor die Contenance, bleibt auf dem Teppich.

Hallig jubelnde Gitarren, Drum-Computer, Keyboard-Streicher und Donaldsons wohlige Stimme formen so Up-Tempo-Nummern wie „The Biggest Fan“ oder „I’m Sorry About Your Life“. Stücke wie „The Record Player And The Damage Done“ nebst „The Songs You Used To Write“ schillern wärmend. Das ist zärtlicher, hoffnungsfroh melancholischer Indie-Pop. Also: Sonnenbrille aufsetzen – und nüscht wie raus nach Wannsee. Oder an die Westcoast…

The Reds, Pinks And Purples Uncommon Weather Cover
The Reds, Pinks And Purples Uncommon Weather erscheint auf Tough Love Records als CD sowie in verschiedenen LP-Formaten, u.a. farbigem Vinyl sowie als Stream und mp3-Download (Cover: amazon)
The Reds, Pinks And Purples Uncommon Weather
2021/04
Test-Ergebnis: 4,2
SEHR GUT
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Musik
Klang
Repertoirewert

Gesamt

 

Autor: Claus Dick

Musikfachmann seit Jahrzehnten, aber immer auch HiFi-Fan. Er findet zielsicher die best-klingenden Aufnahmen, die besten Remasterings und macht immer gern die Reportagen vor Ort.