ende
Home / Musik und Film / Film / UHD-Blu-ray: Shape of Water – Das Flüstern des Wassers
Filmtipp Aufmacherbild: Shape of Water - Das Flüstern des Wassers
Romantische Komödie oder Thriller? Beides. Unser besonderer Filmtipp: Shape of Water - Das Flüstern des Wassers (Foto: 20th Century Fox)

UHD-Blu-ray: Shape of Water – Das Flüstern des Wassers

Vier Oskars hat Shape of Water – Das Flüstern des Wassers bekommen und das zu Recht, wie ich meine, dabei die Statuen für den besten Film und die beste Regie. Dabei ist das Werk gar nicht so einfach einzuordnen. Basis sind alle Zutaten für eine romantische Komödie, diese wiederum ist verpackt in einen Thriller mit Science-Fiction Elementen. Filmemacher Guillermo del Toro lässt sich halt nicht gern festlegen.

Die zarte Romanze zwischen der stummen, leicht autistischen Elisa (Sally Hawkins) und dem gequälten amphibischen Wesen aus dem Militärlabor, in dem Elisa putzt, ist herzzerreißend und -erwärmend zugleich. Ein Film zum Sofa-Kuscheln bei einem Glas Wein. Hier die ausführliche Rezension von Timo Wolters.

Shape of Water: Das Flüstern des Wassers (Foto: 20th Century Fox)
Shape of Water – Das Flüstern des Wassers (Foto: 20th Century Fox)

Inhalt – Prinzessin ohne Stimme

Seit ihrer Kindheit hat Elisa kein Wort mehr gesagt. Ihre Stimme verlor sie aufgrund eines traumatischen Ereignisses und seitdem kommuniziert sie per Gebärdensprache. Als Waise wuchs sie auf und ihr Leben ist das eines zurückgezogenen, sehr schüchternen Menschen. Eines Menschen, der seinen Halt in täglichen Routinen findet, dessen Wunsch nach Liebe aber unerfüllt bleibt. Lediglich der ältere Nachbar Giles sowie ihre Kollegin Zelda hat sie ins Vertrauen gezogen. Arbeit fand sie vor Jahren schon als Putzkraft in einem geheimen Labor der US-Regierung. Unauffällig verrichtet sie ihren Dienst und bleibt stets unter dem Radar, wenn mal wieder seltsame Machenschaften in den Büros und Laboren vor sich gehen. Aber es ist nun mal Kalter Krieg und die USA wollen den Wettlauf um den bemannten Flug ins Weltall gewinnen. Dafür ist ihnen jedes Mittel recht. Als eines Tages ein amphibisches Wesen aus dem Amazonas-Gebiet ins Labor gebracht wird, geht der neue Sicherheitschef Strickland ganz besonders brutal gegen dieses empfindsame Geschöpf vor. Elisa bekommt mit. welche Grausamkeiten man diesem zufügt und beginnt ihrerseits und insgeheim, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Sie lehrt dem Wesen die Gebärdensprache und auf wundersame Weise verlieben sich die beiden Außenseiter ineinander. Als beschlossen wird, die Kreatur zu töten, damit sie nicht den Russen in die Hände fällt, fasst Elisa den Plan, sie zu befreien …

Elisa und ihr Nachbar Giles haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis zueinander (Foto: 20th Century Fox)
Elisa und ihr Nachbar Giles haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis zueinander (Foto: 20th Century Fox)

Ob Donald Trump den Mexikaner Guillermo del Toro auch gerne außerhalb seiner geplanten Mauer sähe? Wenn es so wäre, würde der amtierende US-Präsident einen der kreativsten Köpfe vor die Tür setzen, die Hollywood während der letzten 15 Jahre erlebt hat. Und das gilt genauso (und sogar noch verstärkt) für Shape of Water. Eben jenen Film, der bei der vergangenen Verleihung der Oscars mit insgesamt vier Trophäen nach Hause ging, wobei unter anderem jene für den Besten Film und die Beste Regie dabei war. Verdient ist das allemal, hätte man es ihm doch bei seinem bisherigen Meisterwerk, dem 2006er Pan’s Labyrinth schon gegönnt. Während der noch mit Auszeichnungen in technischen Bereichen erfolgreich war, durfte del Toro nun endlich den Goldjungen selbst in Empfang nehmen.

Shape of Water: Das Flüstern des Wassers (Foto: 20th Century Fox)
Bei der Arbeit bleibt Elisa stets unauffällig (Foto: 20th Century Fox)

Dass sich der Mexikaner, der sich zwischendurch vornehmlich aufs Produzieren von schaurigen Gruselfilmen konzentrierte, nach gut zehn Jahren wieder vom Hollywood-Bombast eines Pacific Rim verabschiedete und zu seinen fantastischen Wurzeln zurückkehrte, macht einen großen Teil des Reizes von Shape of Water aus. Wie man es von ihm kennt, zelebriert er das Kino und feiert vor allem gleich diverse Vorbilder der Filmgeschichte. So ist sein jüngstes Werk eine tiefe Verbeugung vor dem Creature-Film eines Jack Arnold und gleichzeitig (natürlich) auch politisch.

Elisa entdeckt das Wesen (Foto: 20th Century Fox)
Elisa entdeckt das Wesen (Foto: 20th Century Fox)

War es in Pan’s Labyrinth die Franco-Diktatur, die in Gestalt des Hauptmanns Vidal ihr Fett wegbekam, ist es nun der Kalte Krieg der 1960er, den del Toro den beiden Hauptfiguren als Dämon gegenüberstellt. In Person des Sicherheitschefs Strickland wird der antikommunistische Wahn deutlich, der die damalige Zeit bestimmte. Shape of Water nutzt dabei ähnliche Elemente wie Pan’s Labyrinth. War es im 2006er Film ein junges, unschuldiges Mädchen, so ist es hier eine traumatisierte und schutzlos wirkende Frau, die wie ein Engel in einer Zeit wirkt, die von Misstrauen, Angst und Hass geprägt ist. Diese Dynamik macht die Filme des Regisseurs immer wieder aus und wird mit den für ihn typischen Fantasy-Elementen angereichert. Natürlich erinnert das an seine bisherigen Werke – immerhin ist der Look die Handschrift del Toros. Da ist es auch nur konsequent, dass die Amazonas-Kreatur sehr viel Ähnlichkeit mit Abe Sapian aus den Hellboy-Filmen hat und (natürlich) auch hier von Doug Jones verkörpert wird. Zwar gibt er seinem Wasser-Wesen hier kaum Identität und im Prinzip keine Hintergrundgeschichte, doch das ändert nichts daran, dass man als Zuschauer mit ihm empfindet. Erneut schildert der Regisseur die äußere Welt als Böse und die vermeintlich böse Kreatur als fühlendes und verletzliches Wesen.

Wieder einmal verquickt er Horror mit Fantasy mit Märchen. Denn Shape of Water ist vor allem ein Erwachsenen-Märchen. Wenn man den beiden unschuldigen Protagonisten dabei zuschaut, wie sie Gefühle füreinander entwickeln und sich in Tagträumen tanzend durch den Saal bewegen, ist das schlicht märchenhaft.

Strickland gibt Dr. Hoffstetler Anweisungen für den Umgang mit dem Wesen vom Amazonas (Foto: 20th Century Fox)
Strickland gibt Dr. Hoffstetler Anweisungen für den Umgang mit dem Wesen vom Amazonas (Foto: 20th Century Fox)

Ohnehin darf man sich beim Schauen des Films einer wohligen Gänsehaut nicht schämen, wenn del Toro seine Liebe ans Kino in zärtliche und poetische Bilder kleidet und mit charmanten französischen Musik-Klängen unterlegt. Diese Elisa, so scheint es, ist zu gut für diese Welt. Der sprichwörtliche Engel auf Erden, der noch dazu fast schwerelos über den Flur zu schweben scheint, wenn sie ein paar Schritte im Stepptanz vollzieht.

Sally Hawkins spielt diese Elisa mit einer sensationellen Mischung aus anfänglicher Zurückhaltung und späterer Bestimmtheit. Gerade weil sie sich bis auf einen kurzen Moment auf sprachlose Performance beschränken muss und mit ihrem Gesicht und ihrer Gestik mehr ausdrückt als manch anderer, der auch seine Stimme nutzen kann. Dass Michael Shannon als ihr Gegenspieler diabolisch kann, wissen wir. Als Strickland ist er aber wirklich großartig. Wenn er voller Geringschätzigkeit Zelda und Elisa als „Scheißeputzer“ und „Pissewischer“ bezeichnet und sich auch sonst als glühender Rassist outet, dann nimmt man ihm dieses fiese Arschloch ab.

Ganz und gar nicht fies ist Richard Jenkins in der Rolle des Giles. Er sorgt für den warmherzigen Humor, der von den traurigen oder dramatischen Momenten entspannen lässt und zeigt am Ende sogar vollen Körpereinsatz.

Apropos Ende: Um zum eingangs geschilderten, sicher überspitzten Satz zurück zu kehren: Donald Trump täte gut daran, sich Shape of Water anzuschauen und (nötigenfalls) erklären zu lassen. Denn ein größeres Plädoyer gegen Hass und für grenzüberschreitende Liebe und Zuneigung kann Film nicht liefern. Del Toro beschreibt sein Werk als „Salbe gegen eine Welt, in der man täglich mit noch schlimmeren Nachrichten aufwache“ – wahre Worte, die kaum klarer Kritik (auch) an der Eskalationspolitik des US-Präsidenten üben könnten.

Erster echter Kontakt zwischen Mensch und Kreatur (Foto: 20th Century Fox)
Erster echter Kontakt zwischen Mensch und Kreatur (Foto: 20th Century Fox)

Seite 1    Filmbeschreibung
Seite 2    Bild- und Tonqualität, Bonusmaterial, Fazit, Bewertung