Cowboy Junkies
Die Cowboy Junkies covern auf ihrem neuen Album „Songs Of The Recollection“ Songs ihrer Helden – im Mittelpunkt steht dabei wieder die wunderbare Strahlkraft von Margo Timmins Stimme.

Cowboy Junkies „Songs Of The Recollection“ – das Album der Woche

Sie gelten auch in HiFi-Kreisen als beständige Band mit audiophilen Album-Highlights wie ihren legendären „Trinity Sessions“ von 1988. Auf ihrem Neuling ehrt das kanadische Quartett Vorbilder und KollegInnen wie Bob Dylan, David Bowie, Gordon Lightfoot, The Rolling Stones oder Neil Young mit klug ausgewählten Coverversionen im herrlichen Slow-Motion-Blues-Folk-Outfit. Cowboy Junkies „Songs Of The Recollection“ ist unser Album der Woche.

Sie tut es schon wieder. Margo Timmins, Erst-Stimme der kanadischen Cowboy-Junkies, verleibt sich Songs mit Coverversionen ein. War es 1988 das Lou-Reed-Stück „Sweet Jane“, das der Velvet-Underground-Mann angeblich als seine Lieblingsversion verehrte und das auf dem Soundtrack von Oliver Stones Kinoknaller „Natural Born Killers“ zu hören ist, stehen auf der Setlist des neuen Junkies-Albums gleich neun Titel. Es sollte eine kleine Heldensammlung werden: Für ihre „neuen“ Songs ehren sie Größen wie David Bowie, Gordon Lightfoot oder The Cure, aber auch weniger bekannte Stars wie Vic Chesnutt.

„Lange bevor wir selbst als Musiker aktiv wurden, waren wir Musikfans. Wir sind nicht jammend am Küchentisch aufgewachsen. Wir sind damit aufgewachsen, gemeinsam um den Plattenspieler herumzusitzen, uns durch die Plattensammlungen der anderen zu hören. Das war die Leidenschaft, die wir teilten. Deshalb sind uns Cover von Songs, die uns als Fans und Künstler beeinflussten, so wichtig“, erklärt Michael Timmins.

Michael spielt Gitarre und Ukulele, Schwester Margo singt und Bruder Peter sitzt an den Drums. Der langjährige Weggefährte Alan Anton bedient Bass und Keyboards. Für die Cover-Sessions kamen weitere Gäste ins Studio: Jeff Bird (elektrische Mandoline), Aaron Goldstein (Pedal steel und Dobro), Jesse O’Brien (Piano) und Andy Maize (Vocals).

„Unser Ziel war es immer, Musik zu machen, die den Hörer so ergreift, wie uns die Musik der Künstler ergriffen hat, die wir verehren. Auf ‚Songs of the Recollection‘ befinden sich Tracks von Künstlern, die in den zurückliegenden fünfzig Jahren ihren Weg in unser Leben und schließlich in unser Repertoire gefunden haben“, erzählt Michael Timmins weiter.

Die Highlights von Cowboy Junkies „Songs Of The Recollection“

Beginnen wir mit dem Klang: Die Aufnahme zeichnet sich durch eine prima Auflösung, stimmige Klangfarben, Körperhaftigkeit und Dynamik aus. Auch das Raumgefüge stimmt. Und das alles verleiht den „Songs“ zusätzliche Vitalität.

Das fünf Dekaden junge „Five Years“ von David Bowie („The Rise and Fall of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars“) zeigt als Album-Opener wie schön altbewährt federnd und relaxt die Band auftrumpft – die klar-prägnante, dunkel temperierte Stimme von Margo Timmins hält dabei das Instrumentengefüge mühelos zusammen.

„No Expectations“, hievten Mick Jagger und Keith Richards 1968 auf ihr Album „Beggars Banquet“. Die Einsamkeit des Songs lassen die Cowboy Junkies mit Akustikgitarre in gediegene Country-Gefilde gleiten. Die spürbare Einsamkeit im Song vertiefen Dobro und Pedal-Steel-Gitarre.

„Don’t Let It Bring You Down“ und „Love In Mind“ stammen aus der Feder von Neil Young. Während letzterer Song sonnig-folkig und beinahe zeitlupenhaft die Sinne erwärmt, braust „Don’t Let It …“ experimentell-psychedelisch aufgepeitscht auf, mit stolpernden Beats und harschen E-Gitarren und elektrischer Mandoline.

Bob Dylans „I’ve Made Up My Mind To Give Myself To You“ beeindruckt mit herrlichem Fingerpicking nebst Orgeltupfern und Tex-Mex-Rhythmus-Allüren im gediegenen Walzertakt.

„Seventeen Seconds“ schrieb Laurence Andrew Tolhurst, Ex-Drummer von The Cure. Margo & Co transformieren das Stück mit einer bluesig-coolen Note, verspielten Instrumenten-Einsprengseln, die um Margos zärtliche Vocals tänzeln.

Cowboy Junkies Cover
Cowboy Junkies „Songs Of The Recollection“ erscheint bei Proper Records / Bertus Musikvertrieb als CD, LP oder als Stream sowie MP3-Download (Cover: Amazon)

Cover-Alben sind so eine Sache, das war bereits vor nicht allzu langer Zeit mit der Neuinterpretation des Velvet-Underground-Debüts von 1967 das Thema. Nur wenige sind der Mühe wert und schaffen etwas aufregend Neues oder bereichern und beleuchten die „alten“ Songs lebendig. Das gelang diesem Tribute „I’ll Be Your Mirror“ formidabel (siehe LowBeats CD der Woche: ). Und auch die Cowboy Junkies schaffen mit ihren neun handverlesenen Stücken auf ihre Weise einen gelungenen Zeitsprung, der die alten Perlen eigenständig aufleben lässt.

Cowboy Junkies „Songs Of The Recollection“
2022/03
Test-Ergebnis: 4,3
SEHR GUT

Das Video zum Bowie-Coverstück „Five Years:

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Autor: Claus Dick

Musikfachmann seit Jahrzehnten, aber immer auch HiFi-Fan. Er findet zielsicher die best-klingenden Aufnahmen, die besten Remasterings und macht immer gern die Reportagen vor Ort.