Cat Stevens in den 1970er Jahre
1971 legte Yussuf Islam unter seinem damailgen Künstlernamen Cat Stevens mit "Tea For The Tillermann" ein entrückend schönes Album auf. 50 Jahre später wurde es aufs Allerfeinste remastered.

Die audiophile Aufnahme: Cat Stevens Tea For The Tillerman 50th AE

Cat Stevens gilt als einer der Folk-Rock-Singer-Songwriter, der generationsübergreifend für herzerwärmende Songs steht. Eines seiner Top-Evergreens gibt’s nun – wiedermal – in einer Neuauflage: Remastert in den Abbey Road Studios und ergänzt um illustre Bonustracks fällt diese Version famos aus. Cat Stevens Tea For The Tillerman 50th AE ist unsere audiophile Aufnahme des Monats.

Bereits im noch recht zarten Alter von 18 Lenzen landete Steven Demetre Georgiou alias Cat Stevens – später alias Yusuf Islam – 1966 mit den Singles „I Love My Dog“ und „Matthew And Son“ Hits. Letzterer begeisterte die sonnige Sixties-Welt mit einem zackigen Popsong inklusive sonorem Basszupfen und Bläsereinsätzen – übrigens tontechnisch prima aufgenommen, wie viele seiner Songs. Später folgten Erfolge wie „Lady D’Arbanville“ oder „Father And Son“ – auf dem Album „Tea For The Tillerman“ stellt es den zehnten Track. Dazu später mehr.

Der Vater Zyperngrieche, die Mutter Schwedin, ließen dem kleinen Steven im Londoner Stadtteil Soho genügend Spielraum, um ausgiebig Gitarre und Klavier zu spielen. Nach dem Kinderzimmer trat er vorwiegend als Solokünstler in Cafés und Pubs als „Steve Adams“ auf. Eine Freundin soll ihm dann geschmeichelt haben, dass er die Augen einer Katze hätte – der Künstlername „Cat“ war geboren. Zugleich fürchtete er, dass sein eigentlicher griechisch-englischer Name wenig geeignet sein könnte, um berühmt zu werden.

Im Mai 1970 erschien das Album „Mona Bone Jakon“ mit Folk-Rock-DNA. Nur ein halbes Jahr später brachte Stevens „Tea For The Tillerman“ raus. Es sollte ihn zu verdienten Ruhm und Ehren führen, auch kommerziell. Übrigens schrieb Cat Stevens im Jahr darauf „Don’t Be Shy“ und „If You Want To Sing Out, Sing Out“ für den späteren Kult-Film „Harold And Maude“.

Welch Soundtrack für eine unbeschwerte Zeit. Die erinnert an zärtliche Momente jugendlicher Zweisamkeit zu denen das Kofferradio leise „Morning Has Broken“ oder „Where Do The Chidlren Play?“ säuselte. Und so wirkt das Werk von Cat Stevens für viele wie wonnige Nostalgie. Andere empfinden die gerne zartbesaiteten Songs als Kinder-Folk oder Flower-Pop. Einspruch: Hört man genauer hin, erkennt man das kluge Händchen, mit denen er seine Songs aufs Notenblatt schrieb – mit einem feinen Gespür für ultimative Melodien, aber auch für pointierte, reduzierte Arrangements um Gitarre und Piano, geprägt von seiner sonor-freundlichen Stimme. Dazu kamen hier und da mehrstimmige Vocals und gerne kinderklavierartige Keyboardtöne. Bleiben wir also nüchtern: Handwerklich zählt Cat Stevens mit seinen Kompositionen zu den Großen seiner Zunft. Das Album heimste 1971 zu Recht Gold sowie 2001 Dreifachplatin ein. Und die KollegInnen vom „Rolling Stone“ platzierten es auf Rang 206 der 500 besten Alben aller Zeiten.

Der Trubel um seinen Erfolg schmeckte ihm Mitte der 70er immer weniger. 1975 soll er in Kalifornien beinahe ertrunken sein, dass er überlebte sah er als Wink Gottes. Er vertiefte sich später in die Schriften des Koran, legte zum Jahresende 1977 seinen Künstlernamen ab und konvertierte zum Islam. 1978 nannte er sich dann Yusuf Islam. Ein – vorerst – letztes Album markierte den Schlusspunkt seines alten Lebens: „Back To Earth“, nochmals dabei die musikalischen Weggefährten Alun Davies und Paul Samwell-Smith. Siehe Auch die Rezension von „Back To Earth

Ende der 80er Jahre gab es dann unschöne Schlagzeilen zu Yusufs Haltung in Sachen Salman Rushdie, dem Verfasser des Buchs „Die satanischen Verse“. In einer BBC-Talkshow betrachtete er das Todesurteil der Fatwa des iranischen Revolutionsführers Ajatollah Chomeini als durchaus angemessen.

Dann wurde es still um ihn. Sehr still. Immerhin sang er 2005 mit Paul McCartney „Let It Be“ bei einem Benefizkonzert gegen Landminen. Ein Jahr später gab’s dann endlich nach rund 28 Jahren ein neues Album – An Other Cup, eine Assoziation zum Mega-Album Tea For The Tillerman, dessen Cover ebenso eine Tasse ziert. Das Cover hat er einst selbst gezeichnet.

Die Crew-Liste 1970 sieht wie folgt aus: Cat Stevens übernahm Gesang, Gitarre und Keyboard. Hinzu kamen Alun Davies (Gitarre, auch beim Album „Teaser And The Firecat“ dabei), der Australier John Ryan (Bass, spielte auch mit Carly Simon), Harvey Burns (Schlagzeug, spielte auch mit Al Stewart), John Rostein (Violine) und Del Newman (Elton John, Carly Simon, Rod Stewart), der für die Arrangements verantwortlich zeichnete, Paul Samwell-Smith produzierte.

Die Musik und der Klang von Cat Stevens Tea For The Tillerman remastered 2020

Und damit kommen wir zur aktuellen, remasterten Version des 50 Jahre jungen Top-Albums. HiFi-Kenner wissen: Schon damals gab’s hochwertige, audiophile Aufnahmen – siehe zum Beispiel „The Bert Kaempfert Anthology“, ein Teil unserer BoxSet-Besprechungen vom Dezember 2020: Die Jungs und Medels in den Londoner Morgan Studios hatten es jedenfalls damals drauf.

 

Im Dezember 1999 knöpfte sich Toningenieur Ted Jensen (Eagles, Norah Jones) von Sterling Sound in New York das Album schon einmal vor. Und 2008 gab es bereits eine Wiederveröffentlichung als Doppel-CD mit elf Bonustracks (ebenfalls bei Sterling Sound remastert).

Die aktuelle Version vereint 14 Bonustracks, darunter das Happy-Pop-Häppchen „If You Want To Sing Out, Sing Out“ vom Film „Harold And Maud“ sowie ein wirklich sehr wertig gemachtes, eingebundenes Booklet. Das aktuelle Remastering übernahmen die Abbey Road Studios in London.

 

Geoff Pesche Abbey Road Studios B&W 805 D3
Abbey Road Toningenieur Geoff Pesche ist für den exzellenten Ton verantwortlich. Er nutzt zum Mischen unter anderem die B&W 805 D3, auch bei LowBeats eine Klassenreferenz (Foto: Abbey Road)

Für den erstklassigen Klang zeichnet der langjährige Toningenieur Geoff Pesche verantwortlich, der unter der Begleitung von Stevens-Produzent Paul Samwell-Smith im wahrsten Wortsinne alle audiophilen Register zog. Fein aufgelöst, tonal herrlich ausbalanciert, mit authentischem Raumgefühl gesegnet, kommt die aktuelle Version daher. Im Vergleich zur 1999er/2000er-Scheibe punktet das neue Remastering mit einem kleinen Plus an Lockerheit, Selbstverständlichkeit und Durchhörbarkeit – wenn man so will, dem gewissen audiophilen Extra.

Ein Tonträger-Highlight, das seinerzeit die KollegInnen von AUDIO und Stereoplay begeisterte (also einen Teil der heutigen LowBeats Crew) stellt die MFSL-Gold-CD dar: AUDIO schwärmte, dass das Gold-Stück im Vergleich zur Normal-CD transparenter klang, stereoplay lobte die audiophile, klanglich ausbalancierte Überspielung und erwähnte ein minimal hörbares Bandrauschen. Nun, das verkneift sich die 2020er Version und liegt damit mindestens im Preis-Leistungsverhältnis vorne.

Knapp 37 Minuten Seelenbalsam pur. Plus 14 spannende Live-, Single- und Demoversionen, die klanglich eine Bandbreite von 3 bis 4,5 VU-Einheiten aufweist – „If You Want…“ begeistert dabei mit schönem Raum und großer Transparenz.

Cat Stevens "Tea For The Tillermans 50th AE"
Cat Stevens Tea For The Tillerman 50th Anniversary Edition erscheint bei bei Island / Universal. Weitere Versionen: 1 CD, 1 LP sowie 5CDs/ 1 Blu-ray/ 1LP, 1 Single (Cover: Amazon)
Cat Stevens
Tea For The Tillerman 50th AE
2021/01
Test-Ergebnis: 4,8
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Musik
Klang
Repertoirewert

Gesamt

DVD-Veröffentlichung:

A Classic Concert“ – Tea For The Tillerman Live
Liveaufnahmen vom 8. Juni 1971 in den KCET Studios in Los Angeles.

Weitere Top-Alben von Cat Stevens:

Mona Bone Jakon (1970)
Teaser And The Firecat (1971)

Autor: Claus Dick

Musikfachmann seit Jahrzehnten, aber immer auch HiFi-Fan. Er findet zielsicher die best-klingenden Aufnahmen, die besten Remasterings und macht immer gern die Reportagen vor Ort.