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Kompaktbox B&W 805 D3 mit Ständer
Die kleinste B&W 800er ist schon seit Ewigkeiten so etwas wie die Mutter aller ambitionierten 2-Wege-Bassreflexboxen. In der neuesten Variante 805 D3 kostet sie 6.000 Euro pro Paar, mit Ständer 7.000 Euro (Foto: H. Biermann)

Test B&W 805 D3: Maßstab der Kompaktklasse

Jede 800er-Serie von B&W ist im HiFi das, was jede neue Mercedes S-Klasse im automobilen Bereich darstellt: State Of The Art, Maß der Dinge, Stand der Technik oder was immer einem sonst als Superlativ einfällt. Und das gilt weltweit. Und wie auch Mercedes seine S-Klasse alle 6-7 Jahre gründlich überholt, wird auch die 800er-Linie nach einer ähnlich langen Zeitspanne durch Nachfolger ersetzt. Die Zyklen sind in beiden Fällen geschickt austariert: Man hält das Interesse hoch, hat Zeit genug für wirkliche Innovationen und verprellt die Kunden der Vorgänger-Serie nicht unnötig. Nun also folgt die neue B&W Serie Diamond 800 D3 der B&W Diamond 800 D2 aus dem Jahre 2010. Oder in diesem speziellem Testfall: B&W 805 D3 ersetzt – zumindest im Firmenkatalog – die 805 D2.

Den Satz mit „ersetzen“ wollen die Finger nur widerwillig tippen: Lebe und höre ich doch zu Hause seit Jahren (und mit nie lahmender Begeisterung) über die 805 D2, die ich unterm Strich immer als die natürlichste Box der 800er-Serie empfunden habe. So einen Lautsprecher kann man nicht einfach ersetzen. Oder doch?

Die Voraussetzungen der neuen B&W 805 D3 sind jedenfalls nicht schlecht. Ich konnte als erster deutscher Journalist im September 2015 einen Blick auf die damals noch nicht vorgestellte Serie werfen und bei der Gelegenheit einen ausführlichen Rundgang durch die Produktion machen; B&W fertigt ja die großen Modelle wieder komplett im heimischen Worthing.

Das macht es den Briten möglich, die komplexe Holzfertigung – für die gerundeten Gehäuse wird ja Birkenholzlage auf Birkenholzlage geleimt und dann mit tonnenschweren Pressen in Form gebracht – unter eigener Qualitätskontrolle zu erstellen.

Es war keineswegs mein erster Besuch bei B&W, aber der erste, bei dem die gesamte Belegschaft und der Produktionsleiter auch von der Fertigung völlig überzeugt waren.

Mit der neuen 800er-Serie sind offensichtlich viele Abläufe perfektioniert worden. Und man sieht es tatsächlich: Obwohl sie wegen der stärkeren Rundung der Schallwand erheblich schwieriger zu fertigen sind als die D2-Modelle, wurden Verarbeitung und Finish nochmal um einiges besser. Und schon die „alten“ Diamonds von 2010 waren ja diesbezüglich nicht von schlechten Eltern …

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Kompaktbox B&W 805 D3 Seitenansicht
B&W 805 D3 von der Seite. Man sieht die eleganten Rundungen aller Ecken und Kanten (Foto: H. Biermann)
Die Kompaktbox B&W 805 D3 von hinten
Die B&W 805 D3 von hinten. Das sehr stabile Anschlussfeld ist versenkt und als Bi-Wiring-Terminal ausgeführt. Die Deckelplatte des passenden Ständers FS 805 D3 ist mit dem 805-Gehäuse verschraubt (Foto: H. Biermann)
Der Ständer zur 805 D3
Der Ständer zur B&W 805 D3 (Name: B&W FS 805 D3, Preis: 1.000 Euro/Paar) ist optisch ebenfalls sehr gelungen und eine Kombination aus Hochglanz-lackiertem MDF (Bodenplatte) und Stahl (Foto: H. Biermann)
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Doch die wesentlichen Verbesserungen sollen natürlich akustischer Natur sein. In Steyning, nur wenige Meilen landeinwärts von Worthing, leistet sich B&W schon aus den Zeiten von John Bowers (1923 – 1987) eine Denkfabrik, in der zwar auch ganz profane Dinge wie Hochtöner, Gehäuse oder Ähnliches entwickelt werden, in der aber die Ingenieure angehalten sind, immer auch mal quer zu denken.

Einer dieser Querdenker, Laurence Dickie, entwarf Mitte der 1990er Jahre die legendäre, gänzlich neuartige (und immer noch produzierte) Nautilus-Schnecke aus Kunststoff.

Ein paar andere B&W-Querdenker kamen 25 Jahre später auf die völlig abwegige Idee, das Firmen-typische und in der B&W-DNA eigentlich fest verankerte, gelbe Kevlar durch ein noch besseres Membranmaterial zu ersetzen. Ein Sakrileg? Nein, sondern das Abschneiden alter Zöpfe für den besseren Klang.

Continuum statt Kevlar: Revolution im Hause B&W

Tatsächlich dokumentiert die Abkehr von Kevlar in der 800er-Flaggschiff-Linie eine Art Zäsur, der auch die günstigeren Serien in absehbarer Zeit folgen werden. Bei allen Vorzügen, die Kevlar über all die Jahre bot, polarisierte das auffällig gelbe Material nicht nur optisch. So mancher HiFi-Fan sagte ihm eigenwillige Klang-Artefakte nach.

Das neue Material, das Kevlar in der Struktur übrigens sehr ähnlich sieht, ist viel weicher, hat daher eine viel größere innere Dämpfung und verspricht so eine sehr viel neutralere Wiedergabe.

Vor ihrem Einbau in den Korb – B&W produziert ja auch die Treiber der 800er-Serie komplett in Worthing – konnte ich bei meinem Factory-Besuch die Continuum-Membran eines 805 D3-Tiefmitteltöners intensiv begutachten.

Dieser Stoff ist quasi zerreißfest, aber so weich, dass ich nicht gedacht hätte, dass man damit Membranen für HiFi-Lautsprecher bauen kann – schon gar nicht im Tieftonbereich: Bei der 805 D3 wird das silbergraue Continuum ja auch im Bass eingesetzt. Aber das funktioniert – siehe Hörtest – einwandfrei. Wieder was gelernt.

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