ende
Home / Reportagen / Weitere Leidenschaften / Im V90 Cross Country Volvo Ocean Race zum großen Rennen um die Welt
V90 Cross Country Volvo Ocean Race

Im V90 Cross Country Volvo Ocean Race zum großen Rennen um die Welt

Das Volvo Ocean Race verdichtet all die Zutaten, aus denen spannende Serien bestehen: Durchtrainierte, dazu furchtlose Männer und Frauen, schnelle Yachten und schicke Autos und dazu die coolsten Locations auf diesem Planeten. Der letzte Hafen, in dem die finale Post abging, war Den Haag in den Niederlanden. Dort gab es nach der letzten großen Etappe von Göteborg zu der Stadt an der Nordseeküste ein In Port Race, bei dem Hunderttausende von Zuschauern den Kampf der sieben Segelyachten hinter den Wellenbergen zum Greifen nah erleben konnten. Nie gab es in der 45-jährigen Geschichte des Volvo Ocean Race ein so knappes Finish.

Als die Weltumsegler am Volvo Stammsitz in Schweden starteten, gab es noch drei mögliche Gewinner: Brunel, Dongfeng und Mapfre. Für mich bedeutete die Fahrt von einem Termin in München in das rund 900 Kilometer entfernte Den Haag ebenfalls eine Herausforderung. Gut, dass mir für die letzten, besonders von Staus geprägten 300 Kilometer von Köln ans Ziel ein besonderes Auto zur Verfügung stand: Der V90 Cross Country Volvo Ocean Race bot nicht nur den gewohnten Komfort, den ich bereits beim Test des Volvo V90 T6 AWD schätzen lernte. Er hatte auch wieder das fabelhafte B&W Sound-System an Bord. Damit nicht genug: Sein von dunkelbraunem Leder dominiertes, durch Karbon-Elemente aufgewertetes Interieur setzte auf die Kontrastfarbe Orange bei Sicherheitsgurten und gekederten Kontrastnähten. (Alternativ gibt es das Sondermodell auch mit heller Innenausstattung). Schade, dass ich mein selbstentworfenes, passend gestaltetes Hemd zugunsten maritimer Farbtöne zu Hause gelassen habe. Aber immerhin machte sich das Ambiente verdammt gut mit meinem Gürtel und den Schuhen, die ich gerade trug.

Vorwärts Zurück
V90 Cross Country Volvo Ocean Race
Das Interieur des V90 Cross Country Volvo Ocean Race gibt es in Dunkelbraun oder Beige, jeweils mit orangen Akzenten. Das B&W Sound System ist eh eine Klasse für sich (Foto: S. Schickedanz)
V90 Cross Country Volvo Ocean Race
Unser Autor Stefan Schickedanz mag den V90 Cross Country Volvo Ocean Race ganz besonders wegen seines Designs, das perfekt zu seinem Outfit passt (Foto: C. Teschke)
V90 Cross Country Volvo Ocean Race
Der Volvo V90 Cross Country Volvo Ocean Race pflegt einen ganz dezenten Off-Road-Look (Foto: Volvo)
Vorwärts Zurück

Die endlosen Staus sah ich deshalb durchaus positiv: So konnte ich nicht nur länger die perfekte Farbharmonie genießen, sondern auch knapp fünf Stunden lang – weitgehend ohne jegliche Fahrgeräusche – dem Sound von Bowers & Wilkins lauschen.

B&W belebt den Stau

Volvo gehört zu jenen Autoherstellern, die das Thema Sound sehr ernst nehmen und ein besonders glückliches Händchen haben, was die Abstimmung ihrer Anlagen betrifft. Obendrein greifen die Nordmänner auf eine ausgeklügelte Technologie zurück, die an der Universität in Upsala ihren Anfang nahm. Inzwischen ist die Software von Dirac ein wichtiger Bestandteil der Premium-Systeme von Harman. Und dazu gehört bekanntlich auch der Automotive-Bereich der britischen Lautsprecherschmiede Bowers & Wilkins. Wer das Resultat im V90 Cross Country Volvo Ocean Race in aller Ruhe mit 0 km/h auf der Überholspur einer Autobahn erlebt hat, kommt auch als abgebrühter Profi immer wieder ins Staunen.

Die Schweden haben wirklich den angestammten, warmen, farbstarken und satten Klang der legendären Studio-Monitore von Bowers & Wilkins ins Auto gebracht und sich gegenüber den meisten Mitbewerbern einen eklatanten Vorsprung in Sachen audiophiles Fahren herausgearbeitet.

Also komme ich nach einer gefühlten Ewigkeit entspannt im Hotel an, wo ich auf eine Gruppe von Sportreportern treffe. Im Laufe des Abends komme ich schnell auf dem Stand der Dinge, was das Volvo Ocean Race betrifft.

Weitere Insider-Informationen gibt es am nächsten Morgen vor dem In Port Race von Richard Brisius, Präsident Volvo Ocean Race, und Bouwe Bekking, Skipper des Teams Brunel. Die Holländer haben das Rennen erst auf der letzten Etappe verloren nach einer ganzen Reihe von 2. und 3. Plätzen in neun Volvo Ocean Races, die Bekking inzwischen bestritt.

Vorwärts Zurück
Volvo Ocean Race
Bouwe Bekkin hat gut lachen: Er gewann mit seinem Team Brunel das In Port Race in Den Haag vor heimischem Publikum. Beim Rennen rund um die Welt reichte es diesmal nur zum dritten Platz (Foto: S. Schickedanz)
Volvo Ocean Race
Keine Spur von Erschöpfung nach 80.000 Kilometern zwischen sechs Kontinenten: Burnels Skipper Bouwe Bekking vor dem finalen In Port Race (Foto: S. Schickedanz)
Volvo Ocean Race
Richard Brisius, Präsident Volvo Ocean Race (links), und Bouwe Bekking, Skipper des Teams Brunel gaben Einblick in die Gegenwart und Zukunft des Volvo Ocean Race. Die Neuauflage startet 2021 (Foto: S. Schickedanz)
Volvo Ocean Race
Prinz Carl Philip von Schweden fachsimpelte im Rahmen des Volvo Ocean Race in Den Haag mit Interessierten über das Segeln (Foto. S. Schickedanz)
Vorwärts Zurück

Bouwe Bekking ist ein fitter Mittfünfziger mit buschigen Augenbraunen und kahlrasiertem Kopf. Dem inneren Strahlen nach kann er, mit lässiger Sportkappe, frischem Taint und spitzbübigem Lächeln, eigentlich nur Schauspieler oder Spitzensportler sein. Wenn er von entbehrungsreichen Monaten auf dem Meer erzählt, glühen seine eisblauen Augen und sein Mund verzieht sich zu einem schelmischem Dauergrinsen. So sehen Sieger aus, auch wenn es diesmal wieder nur für den dritten Platz in der Gesamtwertung gereicht hat.

Ein Fotograf richtet das Tele auf die von Schwielen übersäten Hände – ein Tribut an die harte Arbeit auf rauer See. Bekkings Gesichsthaut ist von Sonne und Salzwasser gegerbt und erzählt unmißverständlich die Story seiner Odyssee tausende von Meilen von seiner Familie entfernt, in einer Nussschale gejagt von einem halben Dutzend anderer Nussschalen auf den Weltmeeren rund um den Globus. Seit dem Start im letztem Jahr fuhren Bekking und seine Rivalen rund 45.000 nautische Meilen (zirka 80.000 Kilometer) für jede Besatzung zusammen – zurückgelegt mit der Kraft des Windes.

Sein Boot, die Volvo Ocean 65 ist ein Auslaufmodell. Organisator Brisius verrät uns in kleiner Runde, dass es neuere und schnellere Boote geben soll, wenn 2021 die Neuauflage des Ocean Race startet.

In Port Race: Volvo Ocean Race zum Anfassen

Zum Start des In Port Races in Scheveningen, der Strandregion von Den Haag, tuckern die 20 Meter langen Yachten allerdings mit Motorkraft aus dem Hafen, der an diesen Tagen einem Sportzentrum gleicht. Immerhin erreicht das Volvo Ocean Race weltweit inzwischen mehr Menschen als die Championsleague – 2,5 Millionen, um genau zu sein – gibt uns Brisius mit auf den Weg. Auf FaceBook in den USA war es das Sportereignis des Jahres.

Auf einem Schlauchboot mit steifem Kern – RIB, sprich Rigid Inflatible Boot genannt – jagen wir mit über 300 PS den Yachten hinterher. Da wir den coolsten Skipper von allen haben, gehen wir ohne Schutzkleidung raus, was an diesem sonnigen Tag ein Segen ist.

Die paar Spritzer Salzwasser, die ich dabei abbekomme, sind eine willkommene Erfrischung. Gemessen an dem, was ich nach dem Rennen in hochemotionalen Filmen vom Rennen von Alicante nach Den Haag mit Besuch von sechs Kontinenten mitbekommen sollte, ist das bisschen Wasser selbst in der vordersten Reihe des RIB bei dem schwachen Seegang nicht der Rede wert. Die Besatzungen der sieben Yachten wurden mitunter tagelang in Salzwasser „eingelegt“ wie Heringe, hielten Kurs mit Eiszapfen im Gesicht und mussten monatelang unter Bedingungen essen und schlafen, gegen die selbst eine verkommene Jugendherberge wie das Hilton Hotel erscheinen muss. Chapeau! Zwar liebe ich Speed und Abenteuer, aber nicht unter solchem Dauerstress.

Vorwärts Zurück
Volvo Ocean Race
Volvo zeigt mit einem großen Pavillon Präsenz in den vielen Weltstädten, in denen das Volvo Ocean Race gastiert (Foto: S. Schickedanz)
V90 Cross Country Volvo Ocean Race
Der V90 Cross Country Volvo Ocean Race war der Star der kleinen Autoausstellung im Hafen von Den Haag (Foto: S. Schickedanz)
Volvo Ocean Race
Nach der letzten großen Etappe von Gothenburg nach Den Haag gab es zum Abschluss des Volvo Ocean Race noch ein In Port Race unter strahlend blauem Himmel (Foto: S. Schickedanz)
Vorwärts Zurück

Doch beim In Port Race geht alles ganz schnell. Das wäre was nach meinem Geschmack. Ein paar schnelle Runden vor dem publikumsgesäumten Hafen drehen und dann am besten noch Siegeschampagner schlürfen – eine Ehre, die diesmal Bekking mit dem Team Brunel zu Teil wurde. Den Gesamtsieg hatte die Segellegende allerdings auf der 11. Etappe an das chinesische Dongfeng-Team mit seinem französischen Skipper Charles Caudrelier und den Zweitplazierten Mapfre verloren.

So konnte der Local Hero vor heimischem Publikum zum Abschluss doch noch einen kleinen Triumph davontragen. Als die Crew von der Anlegestelle Autogramme schreibend ihren Weg zur Siegerehrung geht, werden die Segler gefeiert wie die deutsche Nationalmannschaft bei einer Fussball WM – wenn sie mal nicht in der Eröffnungsrunde ausscheidet.

Bei der Abendgala im Kongresszentrum fanden sich 1.800 Leute aus dem weltweiten Umfeld des Rennens, die Bürgermeisterin von Den Haag und gleich drei Vertreter dreier Königshäuser, nämlich von Holland, Spanien und Schweden.

Dabei gab es auch bewegende Momente, etwa das Gedenken an den tödlich verunglückten John Fisher von der Scallywag-Crew, dem eine Verknüpfung unglücklicher Ereignisse auf offener See zum Verhängnis wurde. Die Ocean Racer würdigten den Seefahrer mit Schweigeminute und epischem Filmbeitrag und gedachten auch eines chinesischen Fischers, der im Hafen von Hong Kong bei Nacht einem Crash mit der Vestas-Yacht zum Opfer fiel.

Silent Running

Als ich am nächsten Tag mit dem schneeweißen Volvo Cross Country Volvo Ocean Race, diesmal mit einem 190 PS starken T4 Diesel statt des 250 PS starken T5 Benziners, den Rückweg nach Köln antrete, stoße ich beim Zappen durch die Playlists auf den alten Song von Mike & The Mechanics „Silent Running“ – der Titel steht symbolhaft sowohl für das Volvo Ocean Race als auch für das leise, relaxte Sondermodel des V 90 Cross Country. Dabei schwelge ich in den übermächtigen Bildern des Rennens.

Im Gegensatz zu von Werbern gekonnt in Szene gesetzten Fussballern oder Rennfahrern haben diese Bilder noch eine besondere Authentizität. Das sind keine Ronaldos, die nach einem Zwischenfall erst mal ihre Frisur zurechtrücken. Und auch die zahlreichen Frauen scheinen äußerst tough zu sein. Die Frage, warum in Zeiten der Geschlechtergleichheit beim Volvo Ocean Race zwei Frauen für einen Mann an Bord dürfen, konnte ich Skipper Bekking leider aus Sicherheitsgründen nicht stellen. Die Kollegin vom Segelmagazin schien in dieser Hinsicht keinen Spaß zu verstehen.

Auch mein Testbericht des Volvo V90 kam mir auf der Rückfahrt wieder in den Sinn. Abgesehen davon, dass mir sein Design als V90 Cross Volvo Country Ocean Race besonders gut gefällt, konnte ich nach der langen Zeit alles nachvollziehen, was ich über Auto und Anlage geurteilt habe. Das Sound-System hat einen vollen, dabei gut konturierten Bass und eine Stimmwiedergabe, die so natürlich ist, dass man nicht darüber nachdenkt, einem Car-Audio-System zu lauschen. Da ich im Stau genug Zeit hatte, suchte ich aus den drei Klang-Presets jeweils das beste für die verschiedenen Titel heraus. Live-Rock- und -Jazz-Aufnahmen machten sich wirklich gut mit dem gut umgesetzten Effekt „Gothemburg Concert Hall“, ansonsten gefiel mir das puristische, front-betonte „Studio“ am besten.

Die fünf Meter lange Limousine liegt mit ihrer auch im Dynamic-Modus komfortabel abgestimmten Luftfederung spursicher und komfortabel auf der Straße. Bei der Motorisierung scheint mir der nach dem Kaltstart im Leerlauf etwas brummige T4-Diesel die beste Wahl zu sein, denn sein 8-Gang-Automatikgetriebe hält auch beim zügigen Beschleunigen in der Regel den eingelegten Gang, während die Benziner bisweilen nervös beim kleinsten Gasstoß erst mal hektisch herunterschalten.

Fischernetze zu Fußbodenbelägen

Die Rückfahrt ohne Stau verging dann auch wie im Fluge. Um guten Gewissens in den Menüs des Infotainment-Systems herumzusuchen, verwendete ich sehr oft den Beinahe-Auto-Piloten, der allein die Spur und den Abstand zum Vordermann einhält. Dabei lasse ich auch die Blicke über das aufgeräumte Interieur-Design kreisen und erfreue mich an den hochwertigen Materialien. Hier ist Volvo schon ein ganzes Stück weiter im Kampf gegen Plastik.

Doch auch auf den Ozeanen haben die Schweden mit dem Ocean Race schon mal ein Zeichen zum Ausstieg gesetzt. Die sieben Boote sammelten auf ihrer Tour um den Globus eifrig Daten im Auftrag der Wissenschaft.

Im Rahmen des Forschungsprogramms zum Volvo Ocean Race wurden die Yachten mit verschiedenen Sensoren ausgestattet, um Daten aus den entlegensten Teilen der Weltmeere zu sammeln. Dazu gehören Temperatur, Luftdruck, Strömungen und Windgeschwindigkeiten, um damit zu genaueren Wetterprognosen und Klimamodellen für Wissenschaftler in aller Welt beizutragen.

Die Boote messen obendrein den Anteil an Salz, gelöstem CO2 und Algen im umgebenden Meerwasser. In Verbindung mit weiteren Daten zu Mikroplastik sollen die Messungen helfen, die Plastikverschmutzung und deren Auswirkungen auf Meeresbiotope besser zu verstehen. Zu den wissenschaftlichen Partnern des Programms zählt die amerikanische Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration).

Zudem hat die britische Segel-Veteranin Dee Caffari mit ihrem Team „Turn the Tide on Plastic“ den Millionen von Zuschauern auf sechs Kontinenten eindrucksvoll ein großes Problem unserer Zeit vor Augen gehalten. Ja, an Tagen wie diesen braucht man kein Elektro-Auto, um sich so richtig gut zu fühlen.

Der Volvo Cross Country Ocean Race leistet immerhin selbst einen kleinen Beitrag mit großer Symbolwirkung, um die Meeresverschmutzung zu reduzieren: In Unterstützung des Volvo-Ocean-Race-Forschungsprogramms zu Plastik im Ozean spendet der schwedische Autobauer 100 Euro für jeden der ersten geplanten 3000 V90 Cross Country Volvo Ocean Race – sprich eine Gesamtsumme von 300 000 Euro zur Bekräftigung des langfristigen Umwelt-Engagements von Volvo Cars.

V90 Cross Country Volvo Ocean Race
Der Volvo V90 Cross Country als Sondermodell zum Volvo Ocean Race setzt auch hinten dezent auf die Kontrastfarbe Orange (Foto: Volvo)

Was ich besonders bemerkenswert finde: Die Teppichbeläge des Volvo Cross Country Ocean Race bestehen aus Econyl, einem Gewebe aus 100% recyceltem Nylon unter anderem aus alten Fischnetzen, die vom Meeresgrund geborgen wurden. Dieses für die Vegetation am Boden der Ozeane höchst bedrohliche Problem ist den meisten vor lauter Stadtluft-Hysterie und Diesel-Nebel nämlich gar nicht so bewusst – ich bin auch nur im Bilde, weil mich eine früher bei Greenpeace aktive Freundin darüber aufgeklärt hat.

Das ist doch mal ein nachhaltiger Luxus, wenn auch bei Preisen ab 71.000 Euro der Kreis der Umwelt- und Style-Aktivisten so überschaubar bleibt, dass die meisten von uns wohl ganz profan weiterhin durch den Einkauf mit Jutetaschen im Bioladen und den Verzicht auf Badezimmerartikel mit Mikroplastik ihren Beitrag zur Weltrettung leisten müssen.

Mehr von Volvo:
Test Volvo V90 T6 AWD mit B&W Soundsystem
Schon gefahren: Neuer Volvo XC60 mit B&W im Soundcheck
Test Volvo XC40 mit Harman Kardon: Music on the rocks

Weitere Leidenschaften:
Bodensee Klassik: Rallye im Volvo P 1800 ES