Volvo V90 T6 AWD mit B&W Sound - Testbericht
(Foto: J. Zylla)

Test Volvo V90 T6 AWD mit B&W Soundsystem

Schweden-Krimis und -Thriller dominieren seit Jahren das deutsche Spätabendfernsehen. Im Automobilbereich gab es indes nach dem ikonischen Volvo P1800 ES aus Skandinavien jahrzehntelang eher solide Hausmannskost. Doch mit dem V90 erzeugt Volvo wieder starke Emotionen. Der Wagen ist bildschön, trägt nicht übermäßig auf und ist dabei auch noch überaus praktisch. Dass er sicher ist, versteht sich bei seiner Marke von selbst. Das gilt beim Volvo V90 T6 AWD sowohl aktiv als auch passiv. Mit seinem Allradantrieb bietet er auch auf rutschigem Terrain perfekten Grip und neben der beruhigenden Wirkung von gut zwei Tonnen Schwedenstahl kümmert sich eine Heerschar digitaler Nannies um die Unversehrtheit des todschicken Blechkleids samt Besatzung.

Als ob das tolle Design, der äußerst geschmackvolle, hochwertig verarbeitete Innenraum und der Schub von 320 PS noch nicht genug Emotionen wecken würden: Die Schweden schneiderten dem Luxus-Laster gemeinsam mit Bowers & Wilkins noch ein Hammer-Sound-System. Nun sitze ich hier und kann nicht anders: Gaspedal gedrückt, Anlage aufgedreht und raus ins Grüne. Wow, das rockt gewaltig.

Volvo V90 T6 AWD mit B&W Sound - Testbericht
Viel Platz, üppiger Komfort und gute Traktion auf jedem Untergrund kennzeichnen den Volvo V90 T6 AWD (Foto: S. Schickedanz)

Das Sound-System spielt mit seinen 19 Lautsprechern und 1400 Watt Musikleistung klanglich in einer Liga mit den Top-Systemen der deutschen Premium-Hersteller. Mit seinen verführerischen, farbstarken Mitten setzt es sich im Kapitel natürliche Stimmwiedergabe sogar noch knapp vor dem Burmester-High-End-3D-System der Mercedes E-Klasse an die Spitze des Angebots. Da kommt nicht einmal das technisch aufwändigere B&W-System im 7er BMW mit (hier finden Sie den ausführlichen Test). Im Volvo V90 klingt jede Art von Musik sehr angenehm, ohne subtile Feinheiten mit Zuckerguss zu überziehen. Das Plus an Information bezahlt man dagegen beim Diamond-System mit einem Hauch von Kühle in den Mitten.

Und auch die Abbildung des Volvo überzeugte mich mit ihrer außergewöhnlich breiten Hörbühne noch mehr als bei der bayerischen B&W-Interpretation. Hier setzen allerdings die E-Klasse und der neue Porsche Panamera mit ihren 3D-Systemen von Burmester noch eins drauf. Dort stehen Stimmen scharf fokussiert vor einem über dem Armaturenbrett, während der Volvo auch in der Disziplin Staging sozusagen tiefstapelt. Schließlich sitzen seine Aluminium-Hochtöner mit Nautilus-Röhrchen in den Türen direkt neben den 10-cm-Kevlar-Mitteltönern, was vom Phasenverhalten zwar Vorteile bringt, aber die Bühne nicht anhebt.

Außerdem sind ihm die Superanlagen der deutschen Oberklasse-Limousinen in dynamischer Hinsicht überlegen – allen voran Porsche und BMW 7er. Doch Powerplay ist nicht alles und die einheimischen Hersteller langen dafür auch kräftig hin. Während keiner von ihnen sein High-End-System für unter 5.000 bis 6.000 Euro herausrückt, verlangt Volvo gerade mal 3.950 Euro – inklusive Sensus Connect Infotainment System, großem Navi und Park Assistant Pilot. Auch das Basis-Fahrzeug liegt mit rund 40.000 Euro noch im erschwinglichen Bereich. Allerdings wollte uns Volvo mit dem 320 PS starken V90 T6 AWD mal nachdrücklich demonstrieren, wo Thors Hammer hängt. Diese Top-Version mit dem stärksten Benziner und Allrad-Antrieb beginnt bei 64.500 Euro, wobei man bedenken muss, dass die Schweden eine verhältnismäßig moderate Aufpreispolitik betreiben.

Der Center-Hochtöner lehnt sich auch optisch an die Nautilus-Boxen von Bowers & Wilkins an (Foto: S. Schickedanz)

B&W Streaming aus dem Konserthuset direkt in den Volvo V90 T6 AWD

Wenn es ein Element gibt, das bei keinem Schweden-Krimi fehlen darf, dann sind es Rückblenden. Im Konzerthaus („Konserthuset“) von Göteborg spielt das Sinfonie-Orchester der Stadt. Auf dem Programm stehen internationale Klassiker von Komponisten wie Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Gänsehaut ist garantiert.Volvo lässt seine VIP-Gäste derweil in der klirrenden Kälte zittern. Doch handelt es sich dabei nicht um eine Folterszene à la Stieg Larsson oder  Jussi Adler-Olsen, sondern um ein mutiges Experiment.

Die Schweden stellen sich in ihrer Heimatstadt dem ultimativen akustischen Elchtest. Sie streamen die komplette erste Hälfte des zweiteiligen Konzerts unter Leitung von Dirigentin Eun Sun Kim via Smartphone in eine Reihe von Luxus-Fahrzeugen, die sie vor dem Eingang aufgereiht haben. Dabei fällt auf, wie viel Feininformationen das B&W-System in den Volvo transportiert und wie akribisch es die Klangfarben der Instrumente beibehält.

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Volvo V90 T6 AWD mit B&W Sound - Testbericht
Volvo ließ die die internationalen Gäste beim ersten Akt eines Konzerts in Göteborg in der Kälte stehen (Foto: S. Schickedanz)
Volvo V90 T6 AWD mit B&W Sound - Testbericht
Der Zweck heiligt die extremen Mittel. Volvo setzte die Journalisten in eine Reihe von Limousinen und Kombis vorm Konzerthaus der Stadt (Foto: S. Schickedanz)
Volvo V90 T6 AWD mit B&W Sound - Testbericht
Im Volvo Soundlabor in Göteborg bekam das B&W Sound-System des Volvo V90 T6 AWD mit DIRAC-Software den nötigen Feinschliff (Foto: S. Schickedanz)
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Den zweiten Akt mit der Symphonie Espagnole von Édouard Lalo können wir dann im wohlig warmen Konzertsaal erleben, dessen Akustik als zuschaltbarer DSP-Effekt im V90 und S90 abgespeichert wurde. Was mir besonders in Ohr sticht, ist die perfekt ins Auto transportierte Klangcharakteristik von Ort und Orchester im Bassbereich, der von einem sogenannten Fresh-Air-Subwoofer wiedergegeben wird. Diese verheißungsvolle Konstruktion nutzt wie bei BMW, Porsche oder Mercedes Hohlräume der Karosseriestruktur als Resonanzgehäuse.

Volvo V90 T6 AWD mit B&W Sound - Testbericht
Auf Schnee ermöglicht die Kraftverteilung des Allradantriebs im Volvo V90 T6 AWD sogar Drifts, während das B&W-System den Schneewalzer spielt (Foto: J. Zylla)

Was vorher geschah: Eine Handvoll Journalisten kann sich im Volvo Stammsitz in Göteborg ein Bild vom Soundlab machen. Dort demonstriert das junge, hoch motivierte Team von Sound-Ingenieuren seine moderne Ausrüstung, den Referenz-Hörraum mit High-End-Audio-System und die Vorzüge der neuesten DIRAC-Software, die im schwedischen Uppsala entwickelt wurde und für die tiefreichende, dabei recht straffe Basswiedergabe im Kombi V90 und der Limousine S90 verantwortlich ist.

Fahrtest mit B&W

Zurück zu unserem silbernen Volvo V90 T6 AWD. Der probt den Spagat zwischen dem vor kurzen gefahrenen Langstrecken-Gleiter Mercedes E220 d auf der einen und den vergleichsweise wilden Bayern aus München und Ingolstadt auf der anderen Seite. Während ich mit ihm zum Wandern auf der Schwäbischen Alb unterwegs bin, lerne ich den fünf Meter langen Kombi von allen möglichen Seiten kennen. Während mich das satte, warme und dabei glasklare Sound-System von Bowers & Wilkins vom den ersten Metern an in seinen Bann zieht, ärgere ich mich mächtig über die Spracherkennung.

Beim kürzlich getesteten kleinen BMW M140i xDrive konnte ich aufs Knöpfchen am Lenkrad drücken und dann mit dem digitalen Assistenten wie mit einem Menschen sprechen. Zu 95 Prozent erfüllte er mir alle Wünsche, ganz gleich, ob er einen Anruf in der Redaktion einleiten, ein Ziel ins Navi eingeben oder einen bestimmten Song spielen sollte.

B&W Soundsystem Display Sound Setup
Die Bedienung des Sound-Setups im neuen Volvo V90 T6 AWD ist sehr überzeugend gelöst. Für die Klangverteilung stehen drei Presets bereit (Foto: S. Schickedanz)

Und was macht der Volvo? Abgeschreckt von der Touch-Screen-Tastatur –  will er mir nicht mal in der Eingabemaske von der Zieleingabe das Tippen abnehmen. Die Stimme aus dem Bordcomputer beklagt mal, sie hätte den Namen des Interpreten, den ich wiedergeben möchte, nicht verstanden, mal fordert sie mich auf, einen Eingabebereich zu nennen. Das ist der Moment, wo ich ernsthaft überlege, umzukehren und mit dem eigenen Wagen ins Wochenende zu fahren.

Doch der Tiefpunkt der gemeinsamen Reise ist schnell durchschritten und ich beginne den schicken Schweden richtig zu mögen. Trotz seines hohen Gewichts und seiner stattlichen Abmessungen liegt der Volvo V90 T6 AWD gut in der Hand und lässt sich mit Piepern und Rückfahrkamera auch leicht rangieren. Der weich gefederte Volvo taucht beim Bremsen zwar vorne ab wie eine Ente beim Fische fangen, doch seine Balance und Fahrstabilität lassen ihn recht schnell und elegant Kurven durcheilen. Vor allem auf der Autobahn fühlt sich der V90 T6 AWD mit seiner geringen Kurvenneigung und der ausreichend direkten Lenkung sehr gut an. Sein Abrollkomfort ist ausgezeichnet, die Bremsen beißen giftig zu, lassen sich aber gut dosieren. Und der Motor schiebt sehr ordentlich, vor allem gleichmäßig aus allen Drehzahlen an.

Dass der aufgeladene Direkteinspritzer 400 Newtonmeter Drehmoment hat, glaubt man gerne, dass er sie aus nur 2.0 Liter Hubraum zaubert, glaubt man eher nicht. Allerdings besteht spätestens nach dem ersten stärkeren Beschleunigen zumindest für mich nicht der geringste Zweifel, dass er nicht mehr als vier Zylinder hat. Er vibriert zwar nicht, aber er brummt und pfeift bisweilen mit seinem Bypass, dass es für einen Akustik-Gourmet nur eine Alternative zum Motorentausch gibt: Den satt in der Hand liegenden Lautstärkeknopf des formidablen B&W-Systems richtig aufdrehen und möglichst die Drehzahl gleich halten. Solange man keine Lastwechsel erzeugt, kriegt man erfreulich wenig von der Arbeit des Aggregats oder dem im Schiebebetrieb oft durch Brummen auffallenden Antriebsstrang mit.

B&W Soundsystem Display Live-Stream
Die Schwedischen Autobauer haben sogar den akustischen Fingerabdruck des Konzerthauses am Volvo-Stammsitz in Göteborg im B&W Sound-System verewigt. Die Qualität demonstrierten sie mit einem Live-Stream ins Auto (Foto: S. Schickedanz)

Da Volvo keine Sechszylinder anbietet, erweist sich das B&W-System in meinen Ohren als alternativlos. Es blendet mit seinem betörenden Klang sämtliche akustischen Schwächen des Antriebs aus. Schade, dass Volvo zwar einen von den Fahrleistungen durchaus adäquaten, vom Verbrauch mehr als angemessenen Antrieb anbietet, der allerdings von seinen klanglichen Eigenschaften besser zu einem Kompakt-GTI passen würde.

Das gilt auch für die 8-Gang-Automatik, die mitunter beim Herunterschalten, vor allem aber beim vollen Beschleunigen über 200 mitunter recht ruppig agiert. Mit dem Flüster-Sechszylinder und den geschmeidigen Gangwechseln des BMW M140i mit seinem ZF-8HP, der genau den umgekehrten Weg geht, wäre der Volvo V90 T6 AWD ein Auto zum Niederknien geworden. So ein Glück, denn neben dem nötigen Kleingeld fehlt mir für das prächtigste schwedische Schlachtschiff seit der Vasa aus dem 17. Jahrhundert ganz besonders der Platz in meiner Garage, in der es spätestens ab Autos im Format eines 3er-BMW lästig eng wird. Aber nichts desto trotz zieht mich der V90 mit jedem Kilometer mehr in seinen Bann. Man darf nicht vergessen, dass ich zu den Schnöseln gehöre, die an jedem Auto etwas zu nörgeln finden.

Nehmen wir besagten M140i xDrive. Der fährt sich im Grunde wie ein Rammbock mit Raketenantrieb: Hart, grobschlächtig, ungelenk. Während er mit „schmalen“ 225er Winterreifen unter Volllast selbst mit über 220 Sachen in Autobahnbiegungen noch das Heck anstellt, musst Du ihn mit seinen 245er-Hinterreifen im Sommer mit sanfter Gewalt in die Kurve zwingen. Da fühlt sich der lange, schwere Volvo V90 T6 AWD mit seinem Radstand von rund drei Metern zumindest in schnellen Autobahnkurven fast schon geschmeidiger an. Auf Schnee lässt der schwere Schwede übrigens bei deaktiviertem ESP durchaus Driftfreuden zu, die man diesem Familienauto überhaupt nicht zugetraut hätte.

Zum Erzielen hoher Reisedurchschnitte fehlt dem Volvo V90 T6 AWD eigentlich nur ein größerer Tank und eine etwas berechenbarere Tankanzeige, die nicht ständig große Sprünge macht und am Ende in 10er-Schritten herunterzählt. Vor allem könnte das Navi ruhig auch wie alle anderen die Entfernung zum Ziel anzeigen. Mag sein, dass man in den Tiefen der Menüs irgendwo auf diesen Wert stößt, aber das sollte neben der Anzeige der Ankunftszeit eigentlich immer selbstverständlich sein. Der Benzin-Verbrauch lag bei meinem Fahrrhythmus zwischen 11 und 12 Litern, was für das Gebotene völlig in Ordnung geht, aber gerade für ein Down-Sizing-Aggregat nicht gerade rekordverdächtig ist. Bei moderater Fahrweise waren aber immerhin unter 10 Liter drin.

Die Sitze sind exzellent, ein echter Traum, die Sitzposition verbindet Sportlichkeit mit Komfort. Das Leder wirkt sehr hochwertig, die langflorigen Teppiche und die Holzbeplankung der Türen  ebenfalls. Die Akustik des unter Lastwechseln reichlich vulgären Vierzylinders muss man sich als Genießer halt mit dem B&W-System schönspielen. Wenn die Musik groovt, bekommt man die Folgen des Antriebs nur noch auf den virtuellen Instrumenten mit.

Das Fahrverhalten des Volvo V90 T6 AWD und Thors Hammer

Der Spurassistent des Volvo V90 T6 AWD stand mit meinem Fahrstil allerdings auf Kriegsfuß. Er unterbrach das gleichmäßige, schnelle Gleiten immer wieder durch Gegenlenkbewegungen, selbst wenn ich beim Spurwechsel einsam auf leerer Strecke ganz korrekt den Blinker betätigte. Das führte einmal bei hohem Tempo zu einer Schrecksekunde, weil es sich im ersten Moment anfühlte, als ob das Fahrzeug unvermittelt auf der Vorderachse ausbricht.

Danach war ich jedenfalls trotz später Stunde noch wacher als zuvor. Der Totwinkelassistent gefiel mir dagegen sehr gut, davon abgesehen, dass er die Streckenbegrenzungen aus Beton auf der A8 vor München beim Wechsel auf die linke Spur gerne mal als überholende Autos interpretierte. Was ich aber nie mehr missen möchte, ist Thors Hammer, wie die Schweden ihr Fernlicht nennen. Die Mutter aller Lichthupen zeigte großartige Wirkung, als nachts auf freier Autobahn zum Beispiel ein Kleinwagen urplötzlich ohne Blinker, vor allem aber ohne erkennbaren Grund von der leeren mittleren auf die linke Spur wechselte.

So schnell wie er zurückschreckte, sollte man meinen, dass ihm schlagartig das Rechtsfahrgebot einleuchtete – im wahrsten Sinne des Wortes. Das Fernlicht war derart hell und weit gefächert, dass ich beim Betätigen der Lichthupe fast selbst zusammenzuckte, weil ich im Unterbewusstsein mit einem Rückstoß rechnete. Doch auch das adaptive LED-Abblendlicht war begeisternd. Für meine Freundin, die sich nicht für Autos interessiert, war das sogar das Beste am ganzen Wagen, womit sich der V90 in bester Gesellschaft mit meinem eigenen Auto befindet, das von ihm allerdings auf den zweiten Platz verwiesen wurde.

Volvo V90 T6 AWD mit B&W Sound - Testbericht
Aluminium-Kalotten-Hochtöner mit Nautilus System und Kevlar Membranen für die Mitteltöner sind die edlen Zutaten des B&W Systems im Volvo V90 T6 AWD. Die Hochtöner sitzen zwar etwas tief, aber dafür in direkter Nachbarschaft zu den Mitteltönern, was dem Phasenverhalten sehr zuträglich ist (Foto: S. Schickedanz)

Was die Platzzuweisung in Sachen Sound betrifft, bietet das gut zugängliche Klangsetup drei Presets für Fahrer, alle Plätze oder die hintere Reihe. Obgleich die Fahrer-Fokussierung Stimmen besser abbildet, gefiel mir die besonders breite, gleichmäßige Bühne bei der Optimierung für alle Passagiere am besten. Das gilt auch hinten, wo man dann die Band oder das Orchester auf der gleichen Bühne wie in der ersten Reihe vorm Armaturenbrett ortet – sehr authentisch, wirklich fast wie im Konzertsaal.

Zum Glück ist die Leihzeit noch nicht verstrichen, während ich diese Zeilen schreibe. Der Volvo V90 ist eines jener Autos, die man am liebsten behalten würde. Zwar gibt es eine ganze Reihe von Details, die man nach meinem persönlichen Geschmack nach besser oder zumindest anders machen könnte. Doch diese zeitlose Design-Ikone ist weit mehr als die Summe ihrer Teile. Ein Statement, ein lässiges, stylisches, dabei im Kern sogar vernünftiges Lebensgefühl. Ein Auto mit enormem Nutzwert, das nicht für Testsiege, sondern für das tägliche Leben von Vielfahrern und Familienvätern konzipiert wurde. Eine äußerst individuelle Alternative zu Audi, BMW und Mercedes, die genau in der Mitte zwischen Bayern und Schwaben angesiedelt wurde.

Eine Sonderstellung gilt auch für die Anlage, die farbenprächtig und satt klingt, wie man es von den audiophilen Boxen von Bowers & Wilkins schon lange kennt. Die Mitten und Höhen sind sehr vollmundig und im Vergleich zu den Deutschen eher warm, der Bass kommt gerade für Autoverhältnisse sehr differenziert, doch nicht mit dem gleichen Kick wie im  Porsche oder BMW. Bei Pop-Musik kann das schon mal etwas viel werden, wenn man schon länger nicht mehr im einem Musik-Club war.

Volvo V90 T6 AWD mit B&W Sound - Testbericht
Für einen Kombi wirk der neue Volvo V90 T6 AWD ganz schön schnittig (Foto:J. Zylla)

Doch lassen wir mal die üblichen Bewertungsschemen weg: Ein Luxus-Auto wie den Volvo V90 T6 AWD kauft man nicht wegen seiner Features, sondern zur Steigerung der Lebensqualität. Dabei geht es um das nötige Feeling. Und hier setzen sich Volvo und B&W gemeinsam an die Spitze des derzeitigen Angebots.

Man ist zwar in der Regel schon etwas älter, bis man sich einen Audi A8, BMW 7er oder einen Porsche Panamera leisten kann. Doch das Plus an Power, Besitzerstolz und Komfort ändern unterm Strich nichts daran, dass Du Dich letztlich nicht viel erwachsener fühlst als in einem A3, 1er oder Boxster. Fahrerisch entwickelst Du Dich dabei nicht weiter, sondern eher zurück. Dafür sorgen die größere Gutmütigkeit des Fahrwerks und die unzähligen Assistenzsysteme. Dafür behältst Du ausgerechnet alle Flegelhaftigkeiten bei.

Dagegen fühlte ich mich im Mercedes E220 d auf einen Schlag ganz schön alt. Ich mutierte schneller zum kleinkarierten Oberlehrer, als mir lieb war, indem ich den bösen Buben von BMW und Audi eifrig Lektionen mit der Lichthupe erteilte, weil sie meines Erachtens im Regen viel zu schnell unterwegs waren. Im Volvo frönte ich dann endlich dem Gefühl, der Pubertät entwachsen zu sein, ohne mich auch nur im geringsten alt oder spießig zu fühlen. Nebenbei fuhr ich ähnliche Schnitte wie mit hochmotorisierten 6-Zylinder-BMWs mit einem fast so niedrigen Nervenverbrauch wie mit dem braven, aber höchst komfortablen E220 d.

Fazit

Fünf Sterne an Bowers & Wilkins für das extrem harmonische, Nautilus Sound-System und noch mal fünf Sterne für die Fahrfreude, die sich aus dem Zusammenspiel von B&W und AWD made in Sweden ergibt. Weil die Wertung ja preisbezogen ist, kommt der ganze Wagen trotz meiner kleinen Kritikpunkte im Bereich von Bedienung und Antriebsstrang unterm Strich auf 4,7 Punkte.

Macht in der Summe nach unseren Kriterien für den Volvo V90 T6 AWD ein überragendes Ergebnis für einen exzentrischen Außenseiter, der in klassischen einheimischen Autozeitschriften eher auf die Opferrolle abonniert ist.

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Volvo V90 T6 AWD mit B&W Sound
2017/02
Test-Ergebnis: 4,7
Überragend
Bewertung
Auto
Anlage
Spassfaktor

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Natürliche, farbenprächtige Stimmwiedergabe, feine Detailzeichnung und satter, recht differenzierter Bass
Sehr breite, gleichmäßige Hörbühne
Hoher Fahrkomfort, stabiles, gutmütiges Fahrverhalten mit exzellente Traktion, gute Bremsen
Hörbühne könnte etwas höher sein und die Nase müsste beim Bremsen auch nicht so tief abtauchen

Preis (Herstellerempfehlung):
Volvo V90 T6 AWD ab 64.500 Euro, B&W Premium Sound System Teil des Business-Paket Pro für 3.950 Euro.

Vertrieb:
Volvo Cars Deutschland
Köln
www.volvocars.com

Autor: Stefan Schickedanz

Stefan Schickedanz
Schneller testet keiner. Deutschlands einziger HiFi-Redakteur mit Rennfahrer-Genen betreut bei LowBeats den Bereich HiFi im Auto sowie die Themengebiete Mobile- und Smart-Audio.