Wharfedale Diamond 11.2 mit und ohne Abdeckung
Die Wharfedale Diamond 11.2 ist eine durch und durch gelungene Kompaktbox – besonders, weil sie jetzt für erstaunlich günstige 250 Euro zu haben ist (Foto: H. Biermann)

Kauftipp der Woche: Kompaktbox Wharfedale Diamond 11.2

Wir sagen „Wharfedale“ und lassen das Wort mal ein bisschen nachschwingen. Mit Wharfedale haben wir es nämlich mit einem der ältesten Lautsprecher-Hersteller der Welt zu tun. Knapp 90 Jahre entstehen schon Schallwandler unter diesem Namen. Und seit vielen, vielen Jahren schon unter dem Credo des „viel-Lautsprecher-fürs-Geld“ – vor allem, seit die britische Lautsprecherschmiede unter dem Dach der International Audio Group (IAG) auftreten, die traditionell für ein überragendes Preis/Klang-Verhältnis steht. Das gilt natürlich auch für die Diamond Lautsprecherserie, die es auch schon fast 40 Jahre gibt. Die Diamond 11-Linie allerdings ist jetzt schon auch bald Geschichte; sie wird jetzt ausverkauft. Das gilt auch für die kompakte Wharfedale Diamond 11.2, die wir bei Hidden Audio in Staßfurt für 250 Euro Paarpreis fanden. Gemessen an dem, was hier geboten wird, ist das schon unverschämt günstig.

Was die Wharfedale Diamond 11.2 so besonders macht

Zunächst einmal der immense Materialeinsatz. Ich war ganz schön überrascht, beim Auspacken festzustellen, dass die „kleine“ Diamond a.) gar nicht so klein ist und b.) mit 9 Kilo pro Box ganz schön massiv ist. Dann das Gehäuse selbst: Normalerweise sieht man auch in der Kompaktklasse bis 1.000 Euro gerundete Gehäusewände nur ganz selten. Hier schon. Der Korpus ist mit verschiedenfarbigem Vinyl verziert, die abgesetzte Schallwand immer in Hochglanzschwarz lackiert.

Wharfedale Diamond 11.2Gehäuse
Die gerundeten Gehäusewände reduzieren nicht nur Material-Resonanzen, sondern verhindern im Inneren, dass dröhnende Stehwellen entstehen (Foto: H. Biermann)

Bestückt ist die Zweiwegebox mit einer 25 mm großen Gewebekalotte im Hochton sowie einem 13 cm Tiefmitteltöner, der ungewöhnlich viel Gehäusevolumen spendiert bekommen hat. Aber viel Volumen steht in der Regel für viel Tiefgang und hohe Basspräzision. Und von beidem kann man ja eigentlich nicht genug haben…

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Der Tiefmitteltöner ist für dies Klasse erfreulich hochwertig. Die Membran aus gewebtem Kevlar ist recht hart und doch gut bedämpft (Foto: H. Biermann)

Wie bei LowBeats längst Tradition, haben wir auch dieses Mal einen Blick in die Box geworfen. Und auch danach muss man einfach den Hut ziehen: Dass die Gehäuse zusätzlich versteift sind, darf man mittlerweile auch bei günstigen Modellen erwarten. Aber die Frequenzweiche ist alles andere als mit dem Rotstift bestückt: Vor dem Hochtöner fanden wir sogar einen MKP-Kondensator – super.

Wharfedale Diamond 11.2 Frequenzweiche
Die Frequenzweiche der Wharfedale Diamond 11.2 ist an den wichtigen Stellen mit guten Bauteilen bestückt – hier der Spirit MKP-Kondensator vor dem Hochtöner (Foto: H. Biermann)

Besonders raffiniert (und aufwändig) ist hier die Bassreflex-Konstruktion umgesetzt. Neudeutsch spricht man hier von einer „Downfire“-Abstrahlung, weil das Bassreflexrohr am Boden seinen Austritt hat.

Wharfedale Diamond 11.2 BR-Port
Das Bassreflexrohr hat seinen Ausgang auf der Unterseite der 11.2. Auf den Abstandhaltern sitzt dann die Abschlussplatte (Foto: H. Biermann)

Aber einfach nur auf den Boden abstrahlen lassen, war den Entwicklern wohl zu simpel: Sie montierten noch eine Bodenplatte mit knapp 1 cm Abstand unter die Box. Dadurch wollen sie die Bassreflex-Energie harmonischer im Raum verteilen.

Wharfedale Diamond 11.2 innen
Der Aufriss zeigt die Raffinesse des Gehäuses (mehrschichtige Gehäusewände) und die der Bassreflex-Konstruktion, die nach unten abstrahlt  (Foto: Wharfedale)

Praxis

Zum einen ist die Wharfedale 11.2 erfreulich wirkungsgradstark: Im Vergleich zu anderen Modellen dieser Klasse spielt sie immer etwas lauter und selbst der „kleinste“ Verstärker unseres Referenzregals, der Cambridge Audio AXA25, holte einen erstaunlich hohen Pegel aus der Diamond. In dieser Beziehung ist die Kompaktbox also erfreulich anspruchslos.

Und dann können wir festhalten, dass die Theorie der präzisen Basswiedergabe bei der 11.2 tatsächlich greift: Man kann die Wharfedale durchaus auch dichter an die Wand stellen – der Bass wird nur in Ausnahmefälle zu fett.

Wharfedale Diamond 11.2 Ambiente
Die Diamond 11.2 im LowBeats Büro. Auch mit wenig Abstand zur Rückwand klingt sie hervorragend (Foto: H. Biermann)

Tatsächlich ist es sogar zu empfehlen, die 11.2 etwas näher an die Wand zu rücken. Das macht das Klangbild etwas voller, den Ton etwas satter. Die Wharfedale ist in den Mitten recht prägnant abgestimmt, deshalb ist ein bisschen mehr Bass von Vorteil. Und dieser Charakterzug der 11.2 birgt einen weiteren Vorzug: Die 11.2 spielt auch mit Vintage-Komponenten wie meinem alten Stereo-Receiver, dem Onkyo TX-2500 von 1977, ganz wunderbar. Denn diese Komponenten nehmen sich oft in der Mitte etwas zurück.

So klingt’s

Sehr dynamisch, offen und frisch. Das gängige Wharfedale-Bild vom britischen, leicht kuscheligen Klang erfüllt die 11.2 jedenfalls nicht. Aufbauend auf einem durchaus kräftigen, aber nie molligen Bass entwickelt sie ein quicklebendiges Klangbild, das durch eine kleine Anhebung in den oberen Mitten ungemein detailreich wirkt.

Es ist schon außergewöhnlich, was die 11.2 aus komplexen Aufnahmen – wie beispielsweise „Hurrican Come And Gone“ von Monty Alexander – herausarbeitet. Dieses feine Ausschwingen des Beckens, die Dynamik des Pianos ist wirklich mitreißend. Wie auch die herausragend gute Sprachverständlichkeit: Noch nie habe ich in dieser Preisklasse die Stimme der wunderbaren Arlo Parks (Collapsed In Sunbeams – das Album der Woche) so aufgeräumt und klar gehört.

Aber auch mit modernem Electro-Pop (Underworld) schiebt die Wharfedale ein so beeindruckendes Tieftonbrett vor sich her, dass man echt nur erstaunt noch einmal aufs aktuelle Preisschild blicken muss. Aber da steht es schwarz auf weiß: Paarpreis 250 Euro. Unglaublich.

Fazit Wharfedale Diamond 11.2

Kauftipp der Woche Quad Artera PlayDie Zeit schlägt gerade eigenwillige Kapriolen. Oft gibt es die Wunschbox gar nicht oder es dauert ewig, bis sie ausgeliefert werden kann. Und dann gibt es auf der anderen Seite Angebote, bei denen man nur erstaunt den Kopf schütteln kann. Wie bei der Wharfedale Diamond 11.2.

Wir haben ja in den letzten Monaten viele exzellente Angebote im Rahmen des Kauftipp der Woche vorgestellt. Aber die 11.2 legt noch eine Schippe drauf. Material, Verarbeitung, Klang: Hier stimmt einfach alles. Und um es noch einmal zu sagen: Das Paar kostet bei Hidden Audio nur 250 Euro. Um es mal so zu sagen: Zu diesem Kurs gibt kenne ich derzeit definitiv nichts Besseres.

 

Kauftipp der Woche: Wharfedale Diamond 11.2
2021/11
Test-Ergebnis: 5,0
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Klang-Potenzial
Wert-Beständigkeit
Preis/Leistung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Quicklebendiger Klang mit feinen, sehr offenen Mitten
Tadellose Verarbeitung
Hoher Wirkungsgrad
Gut geeignet auch für Vintage-Verstärker

Angebot:
Hidden-Audio e.K.
Löbnitzer Weg 9
39418 Staßfurt
Telefon: 03925 / 3288637
www.hidden-audio.de

Aktionspreis (zeitlich begrenzt):
Wharfedale Diamond 11.2: 250 Euro (Paar)

Technische Daten

Wharfedale Diamond 11.2
Konzept:2-Wege Bassreflex Kompaktbox
Bass-Bestückung:1 x 13 cm Tiefmitteltöner
mind. empf. Verstärkerleistung:>20 Watt
empfohlene Raumgröße:bis maximal 20 Quadratmeter
Anschlüsse:Single-Wiring
Farben:weiß, Esche schwarz, Nussbaum
Gewicht:9,0 Kilo
Abmessungen (H x B xT):
35,6 x 22,0 x 28,9 cm
Alle technischen Daten

Autor: Holger Biermann

Chefredakteur mit Faible für feinste Lautsprecher- und Verstärkertechnik, guten Wein und Reisen: aus seiner Feder stammen auch die meisten Messe- und Händler-Reports.