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Cambridge Audio AX A25 + A35 + C35
Cambridge Audio bringt seine neue Elektronik-Linie: Die AX-Komponenten sind enorm klangstark und kosten nicht einmal 350 Euro (Foto: H. Biermann)

Cambridge Audio AX Familientest: A25, A35, C35

In den letzten Jahren hat sich Cambridge Audio ganz schön gestreckt – und zwar nach oben. „Edge“ war die Marke, die sich die Briten selbst gesetzt hatten und die nach unserem Dafürhalten fantastisches High End für immer noch vergleichsweise wenig Geld bietet. Aber das ist nicht die Ecke, aus der Cambridge Audio eigentlich kommt. Robin-Hood-Hifi war immer die eigentliche Herzensangelegenheit: Also guten Klang auch jenen Leuten zugänglich machen, die nicht so viel Geld erübrigen können. Und damit sind wir bei Cambridge Audio AX. Im Familientest haben wir den beiden Vollverstärkern AXA25 (250 Euro), AXA35 (350 Euro) sowie dem größeren der beiden CD-Player, den AXC35 (350 Euro), über einige Wochen auf den Zahn fühlen können. Es gibt innerhalb der Familie auch noch den „kleineren“ CD-Player AXC25 (250 Euro); dem fehlt aber – und hier gönnen wir uns die 100 Euro Aufpreis – der Digitalausgang. Mit dem AXC35 ist man flexibler.

Cambridge Audio AX A25 + A35 + C35
Die drei Günstlinge im kleinen LowBeats Hörraum. Von oben: Vollverstärker AXA25, Vollverstärker AXA35 und CD-Player AXC35. Selbst aus relativ kurzer Distanz sehen die drei Gehäuse im klassische 43-Zentimeter-Format (Höhe: 8,3, Tiefe: 34,0 cm) deutlich teurer aus, als sie in Wirklichkeit sind. Aber auch beim Anfassen erweisen sie sich als erfreulich solide (Foto: H. Biermann)

Drei Fragen drängen sich auf. 1.) Wie günstig kann klassisches HiFi heute sein? 2.) Wer kauft überhaupt noch einen reinen CD-Player? 3.) Wie schaffen die Briten nur diese winzigen Preise?

Fangen wir mit der letzten Frage an. Sie lässt sich am leichtesten beantworten. Nämlich mit einem Blick auf die Rückseite der AX-Komponenten. Hier lesen wir: „Designed & Engineered in Great Britain – Assembled in China“. Aha – also werden die Hirne von britischen Ingenieuren ausgebeutet, aber die weitaus günstigeren Finger von chinesischen Fertigungsstraßen.

Cambridge_AXA35-Assembled
Wie bei vielen Marken – gerade aus dem Königreich – sitzen nur noch die Ingenieure und Designer im Inland. Die Produktionsbank steht in China (Foto: H. Biermann)

Cambridge Audio AX C35 – der CD-Player

Das ist nicht ehrenrührig. Hunderte von HiFi-Firmen folgen diesen Spielregeln. Trotzdem: ein gehobener CD-Player für 350 Euro ist geradezu unsittlich günstig. Wir haben dem AXC35 unter die Haube geschaut. Keine großen Überraschungen. Fast wirkt dieser Player wie ein moderner Archetyp.

Cambridge Audio AX C35 Laufwerk
Erstaunlich solider Aufbau, erstaunlich gute Bauteile (Foto: H. Biermann)

Als Digital/Analog-Wandler wird ein Chip von Wolfson Microelectronics beschäftigt. Wer es genau wissen will: er heißt WM8524 und liefert exakt die mögliche Datenausbeute einer CD – von 20 bis 20 000 Hertz. Cambridge Audio setzt ihm einen zweipoligen Butterworth-Filter an die Seite. Das ist alles kein Hexenwerk, sondern stabile Hausmannskost, aber sehr gut umgesetzt. Beim kleineren AXC25 gehen nur zwei Cinch-Muffen an die Rückseite, hier gibt es noch einen digitalen Cinch-Port dazu.

Cambridge Audio AX C35 hinten
Der Unterschied zum kleineren C25 vor allem liegt im Digitalausgang (Cinch) neben den beiden Analogausgängen (Foto: Cambridge Audio)

Zur ersten Frage: Wer kauft überhaupt noch einen CD-Player? Der Markt müsste gesättigt sein. Jeder nachdenkliche Kenner der Branche würde sich eher einen modernen Streamer zulegen und seine Musikfiles per Internet herbei ordern. Alles Dinge, die der AXC35 nicht kann und nie können wird. Wozu ihn also kaufen?

Hier droht eine Milchmädchen-Rechnung. Denn oft wird vergessen, dass schon Milliarden an Silberscheiben gepresst worden sind. Es ist der erfolgreichste Tonträger aller Zeiten. Da kann man nölen und kritisieren – die CD ist für viele Menschen noch immer Standard. Und im Falle des AXC35 versteht man auch warum: Er klingt phantastisch für diesen Preis. Wir haben aus lauer Not (es gibt kaum Player in dieser Preisjklasse) deutlich teurere CD-Player daneben gestellt – der AXC35 hielt wacker dagegen. Da gab es eine herrliche Süffigkeit und hohe Spielfreude. Dazu das Negieren von jeglicher digitalen Härte.

Großartig ist eine Aufnahme von Brecht-Texten zu Weill-Musik gelungen. Anne Sofie von Otter singt, Sir John Eliot Gardiner dirigiert – zwei nicht gerade typische Kenner des Metiers. Aber das macht ihre Arbeit auch frei von dummer Routine. „Surabaya-Jonny“ ist ein Kleinod. Das Orchester hat Samt und Schmiss, herrlich dazu die Gesangsphrasen.

Kurt Weil Dreigroschenoper
Großartige Interpretation mit Rene Kollo und Ute Lemper (Cover: Amazon)

Der AXC35 suhlte sich geradezu in dieser Atmosphäre. Wir haben als weiteren Konkurrenten den weit größeren Universalplayer  CXUHD von Cambridge Audio daneben gestellt. Der kann sogar HiRes-Material auslesen – doch an die CD-Ausbeute des kleinen Bruders kam er nicht heran. Das war mitunter unelegant und hart. Der AXC35 hingegen brachte fast analoges Lebensgefühl in das Spiel ein. Bei CD eindeutig die bessere Wahl.

Und dann konnten wir es natürlich nicht lassen: Wir nutzen den Digitalausgang und verkabelten den AXC35 mit unserem Referenz-Wandler Questyle CAS192D. Huch! Was passiert denn da noch? Der Raum ging auf, alles lebte, alles atmete. DerAX C35 entpuppte sich als erstaunlich gutes Laufwerk. Wie Cambridge Audio das zu diesem Preis hinbekommt, bleibt ein Rätsel.

Cambridge Audio AX – die Vollverstärker AXA25 + AXA35

Überraschenderweise widerfuhr uns die gleiche Faszination auch beim Vergleichstest der beiden günstigen Vollverstärker von Cambridge Audio. Es treten gegeneinander an: der kleine AXA25 (250 Euro) und der potentere AXA35 (350 Euro), der auch äußerlich die dickeren Backen macht.

Cambridge_AXA35 versus A25
Für den großen Bruder AXA35 (oben) spricht vieles: das zusätzliche Display, die Fernbedienung, eine Phonostufe (MM) und 50% mehr Leistung. Der kleine A25 hat lediglich auch die Klang- und Balance-Regler, überzeugt aber vor allem durch den noch feineren klanglichen Auftritt (Foto: H. Biermann)

Der kleinere wurde abgespeckt auf ein Minimum, der größere protzt mit Display und allerlei Zugaben. So gibt es am AXA35 auf der Front einen Kopfhörerausgang, dazu im Rücken einen Phonozugang. Ganz wichtige Botschaft an dieser Stelle: Wer einen Plattenspieler mit MM-Tonabnehmer besitzt, sollte seinen Fokus unbedingt auf den 35er legen – das interne Phonoboard ist gut, hier entsteht keine Sehnsucht nach einer externen Phono-Box.

Mark Whiteman, der Marketing Manager der Briten, stellte das Trio bei LowBeats vor und verstieg sich zu der These, dass im A35 eine Cambridge Audio Solo verbaut sei. Zur Erinnerung: Die Solo ist eine der besten Einsteiger-MM-Vorstufen am Markt und kostet allein schon 175 Euro – die Hälfte des AXA35.

Cambridge Audio AX A35 hinten
Punktet mit einem Phono-Eingang: der Cambridge Audio AX A35 (Foto: Cambridge Audio)

Zweifel sind deshalb berechtigt. Glücklicherweise steht immer eine Solo im LowBeats Referenz-Regal. Doch nach dem Vergleich musste ich meinen Respekt zollen: Die externe Solo klang zwar noch etwas offener und druckvoller. Aber groß war der Unterschied wirklich nicht…

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