Lindsey Buckingham „Lindsey Buckingham“ Cover
Big Mac: Mit der Supergroup Fleetwood Mac feierte der Kalifornier Jahre lang als prägende Gestalt Erfolge. Jetzt wandelte er auf Solopfaden – mit seinem neuen Album „Lindsey Buckingham“ (Foto: Warner)

Lindsey Buckingham „Lindsey Buckingham“: unser Album der Woche:

Lindsey will’s nochmal wissen: Der Sänger, Gitarrist, Songwriter und Produzent powerte die Mega-Band Fleetwood Mac und legt nun nach der Trennung 2018 ein frisches Solowerk vor – unter kalifornischer Sonne gereifte Songs voller Gitarren-Lust und -Laune plus gewitzte Sound-Spielereien. Lindsey Buckingham „Lindsey Buckingham“ ist unser prickelndes Album der Woche.

„Go Your Own Way“, „Monday Morning“, „Big Love“, „Tusk“ – der Sänger, Gitarrist, Songwriter und Produzent powerte die Mega-Band Fleetwood Mac mit seiner Kreativität über Jahre hinweg. 2018 flog er angeblich wegen Tour-Indifferenzen raus und widmete sich – wieder einmal – Soloporojekten. Das Multitalent spielte seinen neuen, selbst geschriebenen und produzierten Longplayer in seinem Homestudio in L.A. ein.

Vor seiner Karriere als Big-Gitarren-Mac bei Fleetwood Mac frönte er mit Stevie Nicks als Duo dem Folk – und zwar ziemlich adrett (Album „Buckingham Nicks“ 1973) – bis Mitte der 70er Jahre Mick Fleetwood die beiden fragte, ob sie sich denn nicht der Band anschließen wollten. Sie taten es sofort. Die war damals im stilistischen Umbruch vom deftigem Blues zu locker-flockigeren Tönen mit Westcoast-Touch. Siehe auch die links: Fleetwood Mac mit „Before The Beginning 1968-1970“ und „Rumours“ als 4-CDEdition sowie auch: Stevie Nicks und ihr „24-Karat-Gold-Tour“-Album.

Lindsey Buckungham mit Chrstie McVie
Außerhalb von Fleetwood Mac machte Buckingham schon Projekte mit Christie McVie (Foto: Warner)

Seit seinem letzten Solo-Studio-Album Seeds We Sow sind mittlerweile auch schon wieder zehn Lenze ins Land gegangen. Vor vier Jahren spielte er dann mit Christine McVie Songs ein. Sieben Studio- und drei Live-Alben pflastern Buckinghams Soloweg bislang. „Wie viele der Songs auf meinem neuen Album, handelt auch „I Don’t Mind“ von den Herausforderungen, mit denen sich Paare in Langzeitbeziehungen konfrontiert sehen“, so der Barde aus Palo Alto (San Francisco Bay Aerea) zur ersten Single-Auskopplung.

Und weiter: „Im Laufe der Zeit verspüren zwei Menschen unweigerlich das Bedürfnis, ihre anfängliche Dynamik durch eine Flexibilität zu ergänzen, die Fehler des anderen zu akzeptieren und kontinuierlich an Problemen zu arbeiten. Es ist die Essenz einer guten Langzeitbeziehung. Dieser Song zelebriert diese Einstellung und die dafür erforderliche Disziplin.“ Klingt wie ein kurzer Auszug aus dem kleinen Ratgeber für Hobby-Psychologen. Ist aber wohl wahr.

Als Jungspund wollte Lindsey wie sein Bruder und Schwimmweltmeister Greg Buckingham gerne Sportlerass werden. Doch in der Musik fand er größeres Talent – gottseidank. Denn so beglückte er Millionen rund um den Globus mit seiner eigenständigen picking-orientierten Gitarrenspielart und seiner genial nölig-gequetschten Stimme, die kantige Kontrapunkte in den melodiengetränkten Westcoast-Songs von Fleetwood Mac setzte. Zudem führte er ja noch als Komponist und Arrangeur Band-Co-Regie. Dafür nannte ihn der „Rolling Stone“ einen „großen Visionär“ der Rockmusik, im Top-Gitarren-Ranking des Musikmagazins schaffte es der Saiten-Springer gerade noch unter die besten 100. Übrigens mischte er auch mal gern als kreativer Partner oder mit einem Gitarren-Solo genre-übergreifend mit – zum Beispiel 2020 bei The Killers und ihrer Hitsingle „Caution“.

Die Musik von Lindsey Buckingham „Lindsey Buckingham

Wie erwähnt, hat Buckingham seine frischen Songs in seinem Homestudio in Los Angeles aufgenommen – tonal recht ausgewogen, solide, ohne Sperenzchen (bis auf ein paar Soundspielerein und mehrlagige Stimmen). Und so glänzen Songs wie „I Don’t Mind“ mit eben solchen Vocals-Spielereien, bestechend wie eh und je sei Fingerpicking, beeindruckend sein Händchen für schnörkellose sonnige Westcoast-Melodien und packenden Rock-Drive.

Auf „Scream“ lässt Buckingham seine Finger ebenso zackige Saiten picken, ein hüpfender Rhythmus und leicht verhallte Vocals treiben das Stück zudem an wie einst in den guten alten Mac-Zeiten. Mehrstimmige Vokalsätze durchdringen im Fast-Forward-Modus und einem seiner typischen E-Gitarren-Soli „On The Wrong Side“. Mit dem „Swan Song“ wird’s psychedelisch – mit spanischem Touch und vehementer Saiten-Springerei geht das in Richtung „Tango In The Night“ vom gleichnamigen 87er Fleetwood-Mac-Album. Pointierte Drum-Einsätze, schmusige Melodienwatte – „Blind Love“ betört als dezenter Schleicher mit Genusspotential.

Akustisch-filigran lockt „Time“ mit Tex-Mex-Touch – das wiederum etwas an die kalifornischen Westcoastler The Eagles und ihr „Tequila Sunrise“ erinnert – tatsächlich aber ein Cover-Song seiner Teenager-Lieblinge, den texanischen Pozo-Seco Singers.

Time, oh time where did you go?
Time oh good, good time where did you go?

Und damit ist auch schon eine Wahrheit benannt: Die Zeit vergeht verdammt schnell, manchmal zu schnell. Auch für Westcoast-Stars. Prima Songs hat Buckingham hier mit seinen 71 Lenzen gemacht, mit Herzblut eingespielt. Und das dürfte noch lange nicht das letzte Notenwerk des Kaliforniers gewesen sein: Wie man Lindsey und die anderen alten Hasen aus L.A. so kennt (man denke nur an die jüngsten Spätwerke von Jackson Browne – (siehe CD der Woche) oder David Crosby), dürfte von Mister Mac Guitar noch zu hören sein. Braucht man das unbedingt? Nicht zwingend – aber es tut einfach gut, dass die Singer-Songwriter-Kunst der guten alten Westcoast-Schule noch lebt. Und das will Lindsey Buckingham auch während seiner 30-Städte-Tour durch die USA im Herbst zeigen.

Lindsey Buckingham „Lindsey Buckingham“ Cover
Lindsey Buckingham mit „Lindsey Buckingham“ erscheint bei Reprise / Warner als CD, LP oder als Stream sowie MP3-Download (Foto: Amazon)
Lindsey Buckingham „Lindsey Buckingham“
2021/09
Test-Ergebnis: 4,2
SEHR GUT
Musik
Klang
Repertoirewert

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Autor: Claus Dick

Musikfachmann seit Jahrzehnten, aber immer auch HiFi-Fan. Er findet zielsicher die best-klingenden Aufnahmen, die besten Remasterings und macht immer gern die Reportagen vor Ort.