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Piega Master LIne Source 2 im Gegenlicht
Piega Master Line Source 2: Im Gegenlicht sind die Schallverteilerlinsen, die den rückwärtigen Schall verteilen sollen, gut zu erkennen. Das Paar Piega MLS 2 kostet 65.000 Euro und wird ab der High End 2016 verfügbar sein (Foto: H. Biermann)

Piega MLS 2: Neuer Dipol-Linienstrahler

Schon 2013 setzte der Schweizer Lautsprecher-Hersteller Piega mit der Master Line Source (MLS) für 165.000 Euro ein Ausrufezeichen. Der zweiteilige Lautsprecher war der maßstabsetzenden Infinity Referenz Standard aus den 1980er Jahren nachempfunden – mit einer seperaten Bass-Säule und einer weiteren Säule mit zwei nebeneinander platzierten, senkrecht angeordneten Linien, in denen jeweils zwölf Bändchenhochtöner und neun Bändchenmitteltöner aufgereiht waren. „Linienstrahler“ nennt man diese Art Lautsprecher, weil sie aufgrund der linienförmigen Anordnung der Treiber den Schall nicht wie klassische Lautsprecher, sondern in einer recht genau definierten  Zylinderwelle abstrahlen. Die Zylinderwelle ist nahezu gleich hoch wie der Lautsprecher selbst und hat den immensen Vorteil, dass so gut wie keine Boden- und Deckenreflexionen entstehen und der Schall sehr weit trägt. Linienstrahler wie die hier vorgestellte Piega MLS 2 sind immer dann erste Wahl, wenn größere Hörabstände zu überwinden sind, also für große Räume.

Die Piega Master Line Source
Die Piega Master Line Source mit 12 Bändchen-Hochtönern,  9 Bändchen-Mitteltönern und sechs Bässen in einer eigenen Bass-Säule (Foto: Piega)

Das Projekt Master Line Source war technisch ein großer Wurf und ich konnte mich von seinen klanglichen Qualitäten bei der Vorstellung 2013 überzeugen: Die Verzerrungsfreiheit von zwölf Hoch- und neun Mitteltönern hat schon was … Die Mühelosigkeit und Dynamik dieses Systems ist überragend.

Aber die MLS ist halt nicht nur sehr teuer, sondern auch noch sehr groß. Und so ist es nur konsequent, dass die Schweizer nun eine etwas „zivilere“ Version auf den Weg bringen: Die einteilige Piega MLS 2 für 65.000 Euro, die technologisch gegenüber der großen MLS sogar einiges mehr zu bieten hat.

Vor allem den neuen Bändchenkoax-Treiber. Piega setzt ja seit jeher auf Bändchentechnologie und ist weltweit der einzige Anbieter eines echten High-End-Bändchen-Koax mit einer kleinen Hochtönerfläche im Zentrum.

Dieses seit vielen Jahren bewährte System haben die Piega Entwickler nun für die MLS 2 so modifiziert, dass das Hochtonbändchen in der Mitte über die ganze Höhe des Treibers läuft – flankiert von der Mitteltonfläche links und rechts. Setzt man nun mehrere dieser Systeme übereinander, entsteht wieder ein Linienstrahler. Genial!

Ebenso genial ist die Auslegung des Mittelhochtonsystems als offene Konstruktion, also als Dipol. Offene Konstruktion heißt erst einmal, man vermeidet viele Probleme, die geschlossene Gehäuse mit sich bringen. Offene Systeme wie Magnepan Magnetostaten, Martin Logan oder Quad Elektrostaten profitieren immer von diesem Gehäuse-losen Klang.

Ein elementarer Wesenszug des Dipols macht ihn aber etwas schwer umgänglich: Er strahlt die gleiche Schallenergie nach vorn wie nach hinten ab. Das erfordert in der Regel große Abstände zur Rückwand – idealerweise im Maßstab 1:2, also auf ein Drittel der Raumlänge.

Die Lösung, die Piega für dieses Problem gefunden hat, ist ebenso hübsch wie gut. Über eine Vielzahl von Schallverteilerlinsen wird die Zylinderwelle in viele kleine Einzelwellen zerlegt und diffus in alle Richtungen verteilt.

Man kann die MLS 2, wir haben es auf der ersten Hör-Session ausprobiert, vergleichsweise dicht (etwa einen Meter) an die Rückwand heran schieben.

Wie auch die klassischen Koax-Systeme der Schweizer sind die der Piega MLS2 keine Vollbereichs-Systeme. Entwickler Kurt Scheuch weist ihnen den Bereich ab 400 Hertz (nach Piega Aussagen bis 50.000 Hertz) zu.

Darunter spielen zwei brandneue Seas-Tieftöner mit versteifter Aluminium-Membran, die auf der Rückseite zwei gleich große Passivmembranen zur Unterstützung haben.

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Die Piega MLS 2 Im Piega Hörraum
Die Piega MLS 2 im Piega Hörraum spielte (hier im Bild) mit T+A sowie mit Primare Elektronik (Foto H. Biermann)
Piega-Entwickler Daniel Raymann neben der neuen MLS 2 mit Abdeckung.
Piega Entwickler Daniel Raymann neben der neuen MLS 2 mit Abdeckung (Foto: H. Biermann)
Piegas Entwicklungs-Mastermind Kurt Scheuch mit dem MLS2-KOax
Piegas Entwicklungs-Mastermind Kurt Scheuch mit dem eigens für die MLS 2 entwickelten Line-Koax, bei dem die Bändchenfläche von oben bis unten durchgeht. Angeblich haben diese Koax-Systeme eine Effizienz von knapp 100 Dezibel bei 1Watt/1Meter  (Foto: H. Biermann)
Die Gehäuse der MLS 2 von hinten
Die Gehäuse der MLS 2 von hinten. Gut zu sehen sind die speziell geformten Schallverteilerlinsen (Foto: H. Biermann)
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Die Piega MLS 2 überzeugt klanglich in allen Belangen

Gut eine Stunde Zeit reichten, um zu hören, dass die Piega MLS 2 ein wirklich großer Wurf ist. Nie war ein Bruch zwischen Bändchen-Koax und Tieftönern zu hören: Homogenität und Schnelligkeit waren herausragend.

Das gleiche gilt bei der Abbildung, die natürlich beim Linienstrahler immer recht hoch, aber im Falle der MLS 2 sehr genau ist. Die neue Piega hat auch nicht den Nachteil vieler anderer Linienstrahler, dass man in der Nähe keine Schallenergie, also wenig Spaß hat.

Während der Vorführung nahm ich auf verschiedenen Plätzen mit unterschiedlicher Entfernung zur Box Platz und es war immer fantastisch. Die Auflösung von Gitarren-Obertönen eine Wucht, die Sprachverständlichkeit der gespielten Aufnahmen überragend.

Die Vorführung lief pegelmäßig vergleichsweise moderat. Erst auf dezenten Druck drehte Entwickler Daniel Raymann den Lautstärkeregler in höhere Regionen und legte entsprechende Musik auf.

Und siehe: Die MLS 2 ist auch dafür wie gemacht. Druckvolle, sehr saubere Bässe und ein völlig klirrarmer Mittelhochton-Bereich verzauberten die gesamte Zuhörerschaft. Ein großer Wurf!

Die neue Piega ist ab der High End 2016 liefer- und erlebbar.

Weitere Informationen zur MLS 2 unter www.in-akustik.com

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