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Die Piega AP 1.2 im LowBeats Wohnhörraum
Die Piega AP 1.2 hat eine Dreiecksform, die den Hochtöner deutlich nach hinten versetzt. Es ergibt sich so ein kohärente, also zeitlich richtige Wiedergabe. Die Kleine AP 1.2 ist komplett Aluminium-ummantelt und kostet pro Paar 1.380 Euro (Foto: H. Biermann)

Test Piega AP 1.2: die High End Minibox

Erst kürzlich stellte Piega, der größte, wichtigste und womöglich beste Lautsprecherhersteller unserer eidgenössischen Nachbarn, seine Master Line (MLS) 2 vor. Die Box mit ihren 65.000 Euro Einstandspreis ist vergleichsweise stattlich, aber bereits die geschrumpfte Version der großen, zweiteiligen MLS 1. Beide MLS klingen fantastisch. Und beide wollen sagen: Piega kann richtig groß und richtig teuer. Aber die Schweizer können auch anders. Die hier vorgestellte Piega AP 1.2 ist ein Kleinstmonitor mit einem Nettovolumen von knapp 2 Litern für 690 Euro pro Stück.

Gemessen an dem, was drinsteckt, ist das gar nicht so viel. Denn die Verarbeitung der AP 1.2 ist natürlich – Piega-gemäß – über jeden Zweifel erhaben. Das kleine, bezaubernden Dreieck-Böxchen ist zwar aus MDF aufgebaut, aber umlaufend mit 3 Millimeter starkem Aluminium armiert.

Die Kombination dieser Materialien sorgt für eine hohe Steifigkeit und gleichzeitig für perfekte Bedämpfung. Die Steifigkeit ist notwendig, denn der Druck im geschlossenen Gehäuse ist zum Teil gewaltig.

Ein Piega-Lautsprecher ist auch immer Handarbeit. In der Manufaktur im Schweizer Örtchen Horgen herrscht der Drehmomentschlüssel und das Wissen um den perfekten Umgang mit Aluminium.

Es gibt weltweit keinen Lautsprecherhersteller – allenfalls noch B+O –, der mehr Knowhow zu dem Leichtmetall hat. Deshalb sieht alles so perfekt aus, deshalb ist auch das Dreieck-Gehäuse der AP 1.2 makellos.

Ebenfalls zur DNA von Piega gehört die hauseigene Herstellung der wohl besten Bändchen-Hochtöner, deren kleinste Ausführung auch die AP 1.2 aufwertet.

Der (eigentlich für die größeren Piega-Serien) charakteristische Bändchenhochtöner LDR 2642 MkII kann aufgrund seiner extrem leichten Membran feinste, leuchtkräftige Höhen aus den Aufnahmen zaubern und ist dank seines sehr hohen Wirkungsgrads fast nicht zu überlasten. Die AP 1.2 ist übrigens die günstigste Möglichkeit, an diesen Ausnahmehochtöner zu kommen …

Die Pegel-Limits liegen bei der Piega AP 1.2 wohl eher im Tiefmitteltonbereich, wo ein kleiner 13-Zentimeter Bass aus – wie gesagt – knapp 2 Litern Gehäuse habhafte Bässe produzieren muss.

Das ist natürlich nur schwer mit der Physik vereinbar, zumal  das Gehäuse der AP 1.2 auf die Unterstützung einer Bassreflexöffnung verzichtet. Geht das überhaupt? Ja, sogar recht gut. Sind die Parameter richtig gewählt, kann ein Tieftöner im geschlossenen Gehäuse plus Hochpassfilter einen erstaunlich tiefen und kräftigen Bass erzeugen.

Und letztendlich ist es auch eine Frage der Abstimmung: Mit der Piega AP 1.2 ist es wie mit dem legendären (ebenfalls geschlossenen) BBC-Monitor LS 3/5a: Durch eine geschickte Überhöhung oberhalb 80 Hertz wird sympathische Grundtonwärme erzeugt und mehr Bass vorgegaukelt als tatsächlich vorhanden.

Stimmen klingen voll und selbst Elektrobässe bekommen ein Bassfundament unterlegt, das man diesem Lautsprecher-Dreikäsehoch nicht zugetraut hätte.

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Der PIega-eigene Bändchenhochtöner LDR 2642
Der Piega-eigene Bändchenhochtöner LDR 2642 in der MK-2-Version arbeitet mit einer Folie von 26 x 42 Millimeter Fläche und extrem starken Magneten. Der von Piega gemessene Wirkungsgrad liegt bei über 97 dB (1Watt/1Meter) (Foto: H. Biermann)
Der 13 Zentimeter Tiefmitteltöner der Piega AP
Der 13 Zentimeter Tiefmitteltöner der AP 1.2 mit geschirmtem Magneten (Foto: H. Biermann)
Piega AP 1.2 von hinten
Das feste Aluminium-Blech der Piega AP 1.2 ist umlaufend und lässt keinerlei Spaltmaße erkennen. Die Anschlüsse sitzen hinter dem Wandhalter-Bügel (Foto: H. Biermann)
Die Frequenzweiche der Piega AP 1.2
Die Frequenzweiche der AP 1.2 ist vergleichsweise aufwändig und hat eine Art Subsonic-Filter (einen Hochpass) integriert, der den Tieftöner vor den tiefsten Bässen bewahrt. Gut zu sehen ist hier auch, dass das eigentliche Gehäuse aus MDF besteht, welches von den (sichtbaren) Alu-Platten armiert wird. Das MDF der Schallwand ist schwarz eingefärbt (Foto: H. Biermann)
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Der Legende nach entstand die Piega AP 1.2, weil Entwicklungsleiter Kurt Scheuch einfach nur eine richtig gute Box für seinen Schreibtisch wollte. Aber die AP 1.2 kann natürlich sehr viel mehr.

Sie ist für alle Hörsituationen, bei denen wenig Platz vorhanden und die Zimmerwand nah ist. Also Positionierung auf dem Schreibtisch, im Regal, neben dem TV oder direkt an der Wand.

Vor allem die Wandbefestigung drängt sich auf, weil die AP 1.2 eine Halterung in Form eines kräftigen Alu-Bügels auf der Rückseite gleich mitbringt; das Gewicht von fünf Kilo pro Stück sollte auch von Rigips-Wänden noch locker getragen werden.

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