Sony VPL-VW290ES (oben) und Sony VPL-VW890ES im Test als modellgepflegte 4K-Projektoren mit verbesserter HDR-Wiedergabe: 5.499 & 24.499 Euro (Foto: R. Vogt)
Sony VPL-VW290ES (oben) und Sony VPL-VW890ES im Test als modellgepflegte 4K-Projektoren mit verbesserter HDR-Wiedergabe: 5.499 & 24.499 Euro (Foto: R. Vogt)

Projektor-Modellpflege: Sony VPL-VW890ES und VPL-VW290ES im Test

Seit Ende Mai 2021 liefert Sony die zwei letzten bis dahin nicht modellgepflegten 4K-Projektoren in modernisierter Version aus. Das sind der kleinste SXRD-Projektor Sony VPL-VW290ES, der den VPL-VW270ES ablöst, und der Nachfolger des Serien-Flaggschiffs VPL-VW870ES, der nun unter dem Namen Sony VPL-VW890ES firmiert. Zwischen den beiden liegt eine Preispanne von 19.000 Euro. Ein besonders spannendes „Testfeld“.

Dabei sind die beiden Projektoren nicht von Grund auf neu aufgesetzt: Neu sind de facto nur die Elektronik und damit das HDMI-Bord und die Signalverarbeitung. Der eigentliche Projektor, also das Netzteil, die Lampe/der Laser und der optische Block bis zum Objektiv, wurden unverändert von den direkten Vorgängern übernommen. Die Spezifikationen im Datenblatt ändern sich daher nicht, aber die Projektoren nehmen endlich alle HDMI-Signale bis 4K/60p mit voller Bandbreite und Bit-Tiefe entgegen. Zudem ermöglicht ein neuer Signalprozessor namens Sony X1 for Projector eine etwas komplexere Optimierung der HDR-Wiedergabe. Damit sind die zwei Neulinge technisch auf demselben Stand wie der Sony VPL-VW590ES und der Sony VPL-VW790ES, die es schon seit dem Jahreswechsel gibt.

Sony X1 for Projector: Prozessor-Erbschaft aus den TVs für bessere HDR-Bilder (Foto: Sony)
Sony X1 for Projector: Prozessor-Erbschaft aus den TVs für bessere HDR-Bilder (Foto: Sony)

Die Gemeinsamkeiten von Sony VW290 und VW890

Im Alltag geben sich die zwei Projektoren nur wenig, obwohl sie unterschiedliche Chassis und Fernbedienungen verwenden. Das kleine Modell mit der Lampe als Lichtquelle verwendet traditionell die Fernbedienung mit oranger Hintergrundbeleuchtung, der große Projektor mit dem Laser bietet separate Tasten zur Objektiv-Einstellung mit kühl-blauer Hintergrundleuchtung.

Fernbedienungen des Sony VPL-VW290ES (links) und VPL-VW890ES (Foto: R. Vogt)
Fernbedienungen des Sony VPL-VW290ES (links) und VPL-VW890ES (Foto: R. Vogt)

Neu und nun auch bei den letzten beiden Projektoren der Sony Serie ist die Organisation der Speicherplätze für die Bildeinstellung. Es hat ja aus meiner Sicht ziemlich lang gedauert bis es möglich war, auf eine einzige Speichertaste unabhängige Werte für SDR, 3D und HDR zu legen. Leider ist es immer noch nicht ganz konsequent gelöst, denn HDR10 und HLG sind immer noch nicht separat. Schade, denn die Schwarzwerte für die zwei Standards sind ab Werk unterschiedlich voreingestellt.

Allerdings sind nun endlich – dank des neuen Bildprozessors in diesen beiden Modellen – die verbesserten Tone-Mapping Algorithmen im Einsatz. Die neuen angepassten Kurven lassen sich im von der Leinwand abgefilmten Video oben ganz gut nachvollziehen (gerne mal mit dem Zeitstrahl spielen…). Das Testbild von Florian Friedrich reicht von null bis 10.000Nit, es darf also obenrum ins Clipping laufen und ganz tief ins Schwarz abdriften.

Laut Sony analysiert der X1-Prozessor in Echtzeit den Bildinhalt und regelt dynamisch die Tone-Mapping-Kurven nach. Ehrlich gesagt, kann ich das bis heute im laufenden Film kaum feststellen. Und selbst spezielle Testsequenzen von Florian Friedrich, die genau diesen Effekt provozieren, zeigen nur eine minimale Reaktion der Sony Algorithmen. Das machen die Konkurrenten von JVC signifikant besser. Immerhin, die neuen Tone-Mapping Kurven sehen deutlich besser aus als die Vorgänger-Versionen und lassen das Bild heller und farbiger erscheinen.

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Sony VPL-VW290ES: BT.709 (SDR) Colorchecker Projektor im Auslieferungszustand (Foto: R. Vogt)
Sony VPL-VW290ES: BT.709 (SDR) Colorchecker Projektor im Auslieferungszustand (Foto: R. Vogt)
Sony VPL-VW890ES: BT.709 (SDR) Colorchecker Projektor im Auslieferungszustand (Foto: R. Vogt)
Sony VPL-VW890ES: BT.709 (SDR) Colorchecker Projektor im Auslieferungszustand (Foto: R. Vogt)
Im Referenz-Modus kalibriert mit Farbtemperatung und Farbraum angepasst, sieht bei beiden Projektoren praktisch gleich aus (Foto: R. Vogt)
Im Referenz-Modus kalibriert mit Farbtemperatur und Farbraum angepasst, sieht bei beiden Projektoren praktisch gleich aus (Foto: R. Vogt)
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Bei der Erst-Inbetriebnahme starten beide Projektoren im „Kino Film 1“ Modus und zeigen ein dezent Magenta betontes Bild mit übertriebenen Farben und angehobener mittlerer Helligkeit. Das ist im Grunde gut beim Schauen mit einer ordentlichen Portion Umgebungslicht, die genau so etwas eigentlich kompensiert. Fürs Heimkino mit korrekter Verdunkelung und dem Wunsch, den Film so zu sehen, wie ihn der Regisseur gedreht hat, ist das eine Portion zu viel gewürzt. Ein Umschalten in den „Referenz“ Modus sieht schon ausgewogener aus. Und dann noch ein wenig an den richtigen Stellen kalibriert, und schon passt alles ziemlich auf den Punkt – wie die Messungen mit dem Colorchecker belegen. Das von LowBeats verwendete Colorchecker-Chart misst die wichtigsten und häufigsten Farben so, wie sie in einem typischen, korrekt belichteten Film (oder Foto) real vorkommen. Und diesbezüglich erreichen die beiden Testgeräte jeweils alle Werte unter Delta-E 2, was praktisch einem Studiomonitor entspricht: beide schaffen kalibriert für HDR gleich 88% des erweiterten DCI-P3 Farbraums.

Sony VPL-VW890ES

Rein äußerlich hat sich der Sony VPL-VW890ES gegenüber seinem Vorgänger nicht verändert. Er teilt sich das Chassis mit dem VW790 bietet aber das schärfere und lichtstärkere Objektiv. Und das ist signifikant schärfer, vor allem am Rand und den Ecken. Da braucht man nicht zweimal hinzuschauen. Mit den separaten Tasten für die Objektivsteuerung geht das auch direkt mit der Nase vor der Leinwand.

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Sony VPL-VW890ES Front und Fernbedienung (Foto: R. Vogt)
Sony VPL-VW890ES: Front und Fernbedienung (Foto: R. Vogt)
Das riesige und knackscharfe ARC-F Objektiv mit 18 Glaselementen (Foto: R. Vogt)
Das riesige und knackscharfe ARC-F Objektiv mit 18 Glaselementen (Foto: R. Vogt)
Anschlußfeld mit 2x HDMI mit 18Gps, 2x Trigger, LAN und RS-232 zur Steuerung und USB für Firmware-Updates (Foto: R. Vogt)
Anschlussfeld mit 2x HDMI mit 18Gps, 2x Trigger, LAN und RS-232 zur Steuerung und USB für Firmware-Updates (Foto: R. Vogt)
Sony VPL-VW890ES Bedienfeld auf der Seite (Foto: R. Vogt)
Sony VPL-VW890ES: Das Bedienfeld ist an der Seite (Foto: R. Vogt)
Bodenplatte mit zwei Drehfüßen, Messingbuchsen für Halterungen und Klappe zur Filterreinigung (Foto: R. Vogt)
Bodenplatte mit zwei Drehfüßen, Messingbuchsen für Halterungen und Klappe zur Filterreinigung (Foto: R. Vogt)
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Die mit dem Vorgänger bereits eingeführten Helligkeit-Steuerungen mit Laser-Dimming und Blende in Kombination sind weiterhin eher Geschmacksache. Das gleiche gilt für die digitale Nachschärfung der Ecken, die mindestens so viele Artefakte erzeugt, wie sie in der Theorie einem besseren Bild verhilft. Denn an Schärfe, In-Bild-Kontrast und Schwarz mangelt es dem Sony-Laser sicher nicht. Alles wirkt knackig scharf und hell genug auch für größere Leinwände. Aber stets auch ein wenig aufgehübscht-prozessiert.

Sony VPL-VW290ES

Das kleinste Modell mit 4K-Auflösung, der Sony VPL-VW290ES, kommt dem Bruder aus dem Highend-Lager fürs Geld erstaunlich nah. Das Gehäuse ist neben Schwarz wahlweise auch in wohnzimmertauglichem Weiß bestellbar. In Sachen Ausstattung gleichen sich mit dieser Modellpflege alle Sony „VW“-Modelle wie ein Ei dem anderen. Beim Benjamin muss man lediglich auf die Blendensteuerung verzichten und bekommt eben weniger streng selektierte SXRD-Panels und Objektive sowie eine Lampe statt eines Lasers.

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Groß, beleuchtet und übersichtlich: Sonys bewährte Fernbedienung (Foto: R. Vogt)
Groß, beleuchtet und übersichtlich: Sonys bewährte Fernbedienung (Foto: R. Vogt)
Sony VPL-VW290ES ist neben Schwarz in Weiß erhätlich (Foto: R. Vogt)
Sony VPL-VW290ES: In den Gehäusefarben Weiß und Schwarz erhältlich (Foto: R. Vogt)
Das neue Eingangsboard mit 2x HDMI bis 4K/60p (Foto: R. Vogt)
Das neue Eingangsboard mit 2x HDMI bis 4K/60p (Foto: R. Vogt)
Sony VPL-VW290ES erlaubt rudimentäre Bedienung am Gerät (Foto: R. Vogt)
Sony VPL-VW290ES erlaubt rudimentäre Bedienung am Gerät (Foto: R. Vogt)
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Das Bild hat entsprechend etwas weniger „Schärfe“ und weniger Leuchtkraft. Aber ganz ehrlich: Welten liegen aber nicht dazwischen. Dank desselben Mainboards verarbeitet auch dieses Modell alle Auflösungen bis 4K mit 60Fps. Und ja: Ich meine 4K. Also 4096 x 2160p und nicht nur UHD mit 3820 x 2160p, denn beide Projektoren verwenden Panels im 17:9 (1,85:1) Format des kommerziellen Digitalkinos. Als kleiner Haken bleibt, dass die Zwischenbildrechnung Motion Flow bis UHD (3840 x 2160 Pixel) funktioniert, bei maximalen 4K (4096 x 2160 Pixel) aber nicht mehr arbeitet.

Fazit: Sony macht kleine, aber wichtige Fortschritte

Man könnte sagen: „It’s a Sony.“ Beide Projektoren machen verlässlich das, was auch ihre Vorgänger schon ausgezeichnet hat: Sie bieten – jeweils in ihrer Preisklasse – ein knackscharfes Bild. Und dank der Modellpflege wurden nun auch der Sony VPL-VW290ES und der Sony VPL-VW890ES auf den aktuellen Stand der restlichen Serie gebracht.

Sony Projektoren mit 4K-SXRD-Paneln (Foto: R. Vogt)
Sony Projektoren mit 4K-SXRD-Paneln (Foto: R. Vogt)

Das betrifft die zwei HDMI-Eingänge die nun 18Gbps Bandbreite für 4K/60p bieten. Vor allem aber das Signalprozessing mit dem neuen X1 Chip erlaubt ein im Detail verbessertes Tone Mapping für HDR-Bilder und (endlich, endlich) die Speicherverwaltung separater Einstellungen für SDR, 3D und HDR im selben Bildmodus. Formfaktor und optische Parameter ändern sich dagegen nicht.

Ist das genug, um vom Vorgänger auf das neue Modell umzusteigen? Für die meisten Heimcineasten wohl nicht. Auf- und Umsteiger aber sollten vor dem Hintergrund der verbesserten Performance ruhig einmal länger über die neuen Sonys nachdenken…

Sony-VPL-VW290ES-VU
Sony-VPL-VW290ES-Sterne
Detailreiches natives 4K-Bild
Zoom und Lensshift sehr flexibel
Gute HDR und HLG Darstellung
Werkseinstellung für HDR

Vertrieb:
Sony Europe B.V.
Zweigniederlassung Deutschland
Kemperplatz 1
10785 Berlin
https://pro.sony

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Sony VPL-VW290ES: 5.499 Euro

Sony VPL-VW890ES
2021/07
Test-Ergebnis: 4,5
überragend
Bewertungen
Bild
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Knackscharfes 4K-Bild
Laser mit hoher Lebensdauer
Gute HDR und HLG Integration
Werkseinstellung für HDR

Vertrieb:
Sony Europe B.V.
Zweigniederlassung Deutschland
Kemperplatz 1
10785 Berlin
https://pro.sony

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Sony VPL-VW890ES: 24.499 Euro


Autor: Raphael Vogt

Technischer Direktor bei LowBeats und einer der bekanntesten Heimkino-Experten der Republik. Sein besonderes Steckenpferd ist die perfekte Kalibrierung von Beamern.