JVC N-Serie Firmwareupdate v3.5 (Foto: R. Vogt)
JVC N-Serie Firmwareupdate v3.5 (Foto: R. Vogt)

Top-Projektoren gratis besser machen: Firmware-Update JVC N-Serie v3.5

Unter den aktuellen Heimkino-Projektoren bieten deritze die Modelle der JVC N-Serie wohl mit die beste Signalverarbeitung. Den JVC DLA-N5, den JVC DLA-N7 und den JVC DLA-NX9 haben wir ja bereits bei LowBeats getestet, als sie vor etwa zwei Jahren auf den Markt kamen. Ein Jahr später vergrößerten die Japaner ihren Vorsprung mit einem Firmwareupdate, das als Frame Adapt HDR die Wiedergabe von HDR-Inhalten auf Projektoren revolutionierte. Und nun legen die JVC Software-Spezialisten abermals nach: mit dem Firmware-Update JVC N-Serie v3.5.

"Kino Optimierer": der neue Modus individualisiert die HDR-Berechnung auf das eigene Kino (Foto: R. Vogt)
„Kino Optimierer“: der neue Modus individualisiert die HDR-Berechnung auf das eigene Kino (Foto: R. Vogt)

Was bringt das Firmware-Update JVC N-Serie v3.5?

Im seit dem 12.11.2020 erhältlichen, kostenlosen (!) Firmwareupdate kommt ein abermals weiterentwickelter Modus zur Wiedergabe von HDR10 hinzu: „Kino Optimierer“ nennt sich das, oder „Theater Optimizer“ im englischen Menü. Dazu kommt eine neue Struktur ins Menü und eine Komfort-Funktion, die nun für alle Signalarten die Einstellungen selbst anwählt.

Das Update geht wie immer vonstatten: Zuerst das Firmwareupdate bei JVC herunterladen. Dann die ZIP-Datei auf einen freien (FAT oder FAT32 formatierten) USB-Stick entpacken und in die USB-Buchse des Projektors einführen. Anschließend im Projektormenü die Firmware Update-Funktion wählen. Hat der JVC das Update auf dem Stick erkannt, erscheint das Menü wie im Titelbild dieses Artikels. Nun bestätigen und Geduld behaben. Schließlich erlöschen alle Kontrolleuchten und der Projektor geht aus. Zum Schluss neu starten und schon läuft die Maschine mit der neuen Software.

Dazu ein Tipp: nicht den neuesten USB-3.0-Stick verwenden, eher einen älteren, der besser kompatibel ist. Und noch eine Warnung dazu: Mit dem Update schreibt der Projektor eine komplett neue Speicherstruktur für die Bildverarbeitung. Das heißt, alle Bildparameter stehen anschließend auf Werkseinstellung! Einstellungen für das Objektiv (Fokus, Zoom, Shift, Lensmemory etc.) oder Farbkonvergenz bleiben erhalten. Wer also seine vorigen Einstellungen retten möchte, muss diese vor (!) dem Update notieren oder fotografieren und kann sie anschließend wieder einstellen. Die Parameter sind übetragbar.

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JVC N-Serie Firmwareupdate v3.5 (Foto: R. Vogt)
Firmware-Update JVC N-Serie v3.5 (Foto: R. Vogt)
Modusauswahl kann neben automatisch auf manuell erfolgen (Foto: R. Vogt)
Modusauswahl kann neben automatisch auf manuell erfolgen (Foto: R. Vogt)
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Eine Verbesserung durch das neue Firmware-Update für die JVC N-Serie v3.5 ist die konsequente Erweiterung des Menüs, das bislang nur für HDR automatisch den Bildmodus wählte. Hier lassen sich nun für alle vier gängigen Videostandards die Voreinstellungen definieren – also für konventionelles Digitalvideo, das gleiche in 3D und wie schon zuletzt für HDR10 und HLG. Man kann dort auch auswählen, dass einfach nur der zuvor benutzte Modus wieder gewählt wird. Das bedeutet für viele Anwender im Alltag: Außer Ein- und Ausschalten muss nichts mehr bedient werden. Endlich hat das ein Hersteller begriffen und entsprechend umgesetzt.

JVC N-Serie Firmwareupdate v3.5 (Foto: R. Vogt)
Statt der bisher drei erlaubt der HDR-Pegel nun fünf manuelle Stufen und eine Automatik (Foto: R. Vogt)

Für SDR in 2D und 3D sowie HLG hat sich außer einer etwas anders sortierten Folge der Einstellungen nichts geändert. Der spannende Bereich ist der für HDR10. Neben dem statischen (alten) HDR-Modus ist der seit Firmware Version 3.10 verfügbare Frame Adapt HDR Modus gründlich renoviert und erweitert.

So erlaubt die Software bei den Modellen N7 und NX9 nun eine Farbraum-Kalibrierung mit und ohne Kino-Filter. Und für die Steuerung des Tone Mappings werden neben dem Automatik-Modus drei manuelle Stufen angeboten, die sich in verschiedenen Helligkeiten ebenfalls automatisch gegen Übersteuerung anpassen. Dabei habe ich den Eindruck, dass die Stufen -2, -1 und 0 den drei bisherigen Stufen entsprechen, während Stufe 1 und Stufe 2 heller sind als bislang möglich.

Erstaunlich ist dabei die Farbqualität. Zwar scheint mir die Korrektur immer noch nur ein einfaches 2D-Tone-Mapping zu verwenden  – wozu JVC sich ausschweigt. Dennoch lässt die Farbsättigung selbst bei starker Aufhellung deutlich weniger nach als bei dem bisherigen Modus.

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Der neue Modus Kino Optimierer ist alternativ zur generischen "HDR-Pegel" Automatik zu verwenden (Foto: R. Vogt)
Der neue Modus Kino Optimierer ist alternativ zur generischen „HDR-Pegel“ Automatik zu verwenden (Foto: R. Vogt)
Vom Kino Optimierer Menü springt man in die Leinwandeinstellungen (Foto: R. Vogt)
Vom Kino Optimierer Menü springt man in die Leinwandeinstellungen (Foto: R. Vogt)
Level erlaubt drei unterschiedlich helle Grundeinstellungen (Foto: R. Vogt)
Level erlaubt drei unterschiedlich helle Grundeinstellungen (Foto: R. Vogt)
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Komplett neu (wenngleich mit ähnlichen Algorithmen arbeitend) ist der Modus „Kino Optimierer“ als Alternative zur quasi pauschalen automatischen Regelung. Hier trägt man in einem Untermenü seine Leinwandgröße und den Gain der Leinwand ein. Mit „Größe“ ist die Bilddiagonale in Zoll (1 Zoll = 2,54 cm) gemeint. Die Reflexivität des Tuchs kann man dem Datenblatt seiner Leinwand entnehmen.

Dann muß man auf „Anwenden“ klicken, woraufhin der Projektor eine Tone Mapping Kurve berechnet, die für die entsprechende Leuchtdichte (Bildhelligkeit) sorgt. Und das klappt hervorragend. Man kann in drei Schritten die Grundhelligkeit einstelllen (Level optimieren), den Rest erledigt eine automatische Regelung.

Doch auch hier ist es wie immer bei HDR auf einem Projektor: Je dunkler die Grundeinstellung, desto mehr HDR-„Effekt“ mit herausstechenden Highlights und Farbreserve bleiben übrig, und entsprechend plastischer zeigt sich das Bild. Es bleibt aber selbst in Einstellung „Hoch“ erstaunlich viel Farbsättigung übrig und das Bild wirkt fast so hell wie SDR.

Fazit Firmware-Update JVC N-Serie v3.5: bestes HDR vom Projektor

Als jemand, der privat wie professionell mit HDR-Projektoren arbeitet, kann ich nur sagen: Respekt. Das ist das klarste, hellste und farbechteste Bild, das man aktuell von einem Projektor auf die Leinwand bekommen kann. Dank Update kann ich die voreinstellbaren Modi für alle Signalarten einfach finden. Dazu bekomme ich nun auch noch eine HDR-Qualität auf der Leinwand, die nur mit separaten Bildprozessoren wie Lumagen Radiance Pro oder MadVR Envy zu toppen ist. Deren Manko aber ist: Beide kosten zusätzlich so viel wie ein JVC DLA-N7…

Ebenfalls erfreulich am neuen Update ist, dass die neuen Algorithmen sehr weiträumig regeln und dazu so schnell, dass man die Regelvorgänge nicht erkennt. Genial ist auch die Idee, mittels Bildgröße und Gain die realistisch geschätzte Helligkeit als Basis für eine individuell angepasste Tone Mapping Kurve zur Bildumrechnung zu verwenden. Mein Aufruf an alle Besitzer eines N-Projektors lautet also: Dieses Update unbedingt durchführen!

Tone Mapping des Kino Optimierers mit verschiedenen Leinwänden (Foto: R. Vogt)
Tone Mapping des Kino Optimierers mit verschiedenen Leinwänden (Foto: R. Vogt)
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Autor: Raphael Vogt

Raphael Vogt
Technischer Direktor bei LowBeats und einer der bekanntesten Heimkino-Experten der Republik. Sein besonderes Steckenpferd ist die perfekte Kalibrierung von Beamern.