Home / Test / Verstärker / Kopfhörer-Verstärker / Test RME ADI-2 Pro: ADDAC-Headphone-Preamp

Test RME ADI-2 Pro: ADDAC-Headphone-Preamp

Nützliche Anwendungsmöglichkeiten für derart flexible Klangsteller finden sich auch im HiFi-Bereich genügend: Angefangen bei einer raumakustischen Ortsanpassung für die Lautsprecher über das Begradigen besonders störender Frequenzgang-Peaks bei Kopfhörern bis hin zum Einfügen von Subsonic-Filtern bei der Digitalisierung von Schallplatten – der Phantasie des Anwenders sind kaum Grenzen gesetzt. Selbst die Nachbildung einer simplen Aktiv-Weiche wäre mit dem ADI-2 Pro möglich.

Zum Thema aktive Klanggestaltung zählt zweifellos auch die pfiffige Loudness-Einrichtung des RME: Ähnlich wie die Digital-Vorstufe Nubert nuControl oder auch einige Vollverstärker von Yamaha bietet sie einen einstellbaren, unteren Schwellwert als Basis für die lautstärkeabhängige Bass- und Hochtonanhebung. Zudem lässt sich auch die maximale Anhebung im Bass- und Hochtonbereich vorgeben, was die Anpassung an individuelle Hörgewohnheiten ermöglicht.

Gewürzt wird das Ganze noch mit vielen hilfreichen Optionen, beispielsweise einer stufenlosen Reduzierung der Basisbreite bis hin zu Mono-Wiedergabe per Width-Einsteller. Nicht zu vergessen auch die Phase-Inverse-Optionen sowohl zum Umschalten der absoluten Phasenlage als auch individuell für jeden Kanal.

RME ADI-2 Pro: Intelligente Auto-Funktion

Ein derart pralles Feature-Paket wie beim RME ADI-2 Pro – das riecht doch förmlich nach komplizierter Bedienung. In der Tat kann man sich bei ihm nach Herzenslust in den vielfältigen Menüs verlustieren und dabei immer wieder neue, spannende Optionen entdecken – aber man muss es nicht. Denn vergleichbar dem Schnappschuss-Programm einer komplexen Digitalkamera bietet auch der ADI-2 Pro sinnvolle Automatik-Funktionen, die seine Inbetriebnahme in nur wenigen Minuten ermöglichen. Und weil die bereits im Auslieferungszustand aktiviert sind, können selbst Einsteiger dem RME in kürzester Zeit die ersten Töne entlocken.

Beispielsweise wählt der ADI-2 Pro auf Wunsch je nach aktuell anliegendem Eingangssignal automatisch den passenden aus vier „Basic Modes“ A/D-D/A; USB; Preamp oder Digital Thru. Ein für Einsteiger ebenfalls sehr segensreiches Feature ist die zuschaltbare, automatische Referenzpegel-Einstellung „Auto Ref Level“.

Der Hintergrund: Um sowohl in HiFi- wie auch in unterschiedlichen Tonstudio-Umgebungen stets im optimalen Pegelbereich arbeiten zu können, bietet der ADI-2 Pro eine vierstufig schaltbare Referenzpegel-Einstellung (+4 dBu; +13 dBu; +19 dBu; + 24 dBu): Auto Ref Level erledigt das auf Wunsch automatisch, indem es die aktuellen Ein- und Ausgangspegel überwacht – und sorgt auf diese Weise stets für optimalen Rauschabstand bei genügender Übersteuerungsreserve.

Ebenso registriert der ADI-2 Pro auch das Einstöpseln eines Kopfhörers in den frontseitigen Phones-Ausgang 1/2 und schaltet selbsttätig die dazugehörigen Optionen im Menü frei. Sehr nützlich, weil gehörschonend, ist auch das langsame Hochfahren der Lautstärke, wenn man die Kopfhörerausgänge in den Hi-Power-Betrieb schaltet – da bleibt ausreichend Zeit zum leiser Machen oder Absetzen.

Wie beim Fotografieren auch dürfte nicht wenigen ADI-2-Pro-Usern das im Auto Mode Gebotene bereits vollkommen ausreichen. Aber das Reizvolle an ihm ist eben, dass es auch anders geht. Denn begleitet durch die sehr informative Bedienungsanleitung, wird die maßgeschneiderte, individuelle Konfiguration selbst für Profis zur spannenden Entdeckungsreise.

Hilfreicher „Wegweiser“ im wahrsten Wortsinn ist dabei das zwar recht kleine, aber sehr fein auflösende IPS-Display: Abhängig von den vier per Tipptasten aufrufbaren Hauptmenüs zeigt es die weiteren, aktiven Drehgeber an, mit denen sich’s nun durch Drehen und Drücken durch die verfügbaren Optionen scrollen lässt. Hat man die dahinterliegende Systematik erst einmal verinnerlicht, geht das Ganze sogar ziemlich flott vonstatten. Und damit einmal gefundene Einstellungen nicht verlorengehen, lassen sich komplette ADI-2-Setups auf neun Presets abspeichern und per Knopfdruck erneut laden – für Equalizer-Einstellungen sogar separat.

RME ADI-2 Pro: kompromisslose Hardware

All die gebotenen Features sollten aber nicht davon ablenken, was der ADI-2 Pro in erster Linie sein will – nämlich ein technologisches Referenz-Design. Das äußert sich denn auch in seiner ungewöhnlich aufwändigen Hardware. Mit dem, was Matthias Carstens auf dem sage und schreibe zehnlagigen Mulitlayerboard des ADI-2 Pro verbaut, könnte (und wird) sich so manch kostspielige High-End-Komponente schmücken. Das beweist bereits ein Blick in die Wandler-Abteilung: Mit dem Vierfach-A/D-Konverter AK 5574 sowie zwei Zweifach-DACs AK 4490 vom japanischen Spezialisten Asahi Kasei arbeiten hier gleich drei der derzeit unbestritten weltbesten Wandlerchips.

Der A/D-Konverter nutzt dabei den sogenannten „4-to-2-Mode“, was ihm einen Dynamikbereich von stattlichen 124 dB (bewertet) ermöglicht. Für perfekten Frequenz- und Phasengang auch bei allertiefsten Frequenzen arbeitet der gesamte Signalpfad im ADI-2 Pro durchwegs gleichspannungsgekoppelt ohne Trennkondensatoren – lediglich unmittelbar am Analog-Eingang blocken zwei edle Nichicon-Kondensatoren von außen eindringende Gleichspannungskomponenten ab, um den äußerst störenden DC-Versatz im Digitalsignal zu verhindern.

RME ADI-2 Pro Anordnung der Baugruppen auf dem Board
So verteilen sich alle Funktionsgruppen auf dem Board des ADI-2: Die zehnlagige Multilayer-Platine ermöglicht nicht nur kürzeste, sondern auch optimale Signalpfade. Mehrfache, extradicke Masseflächen bewirken eine stabile Performance und höchste Einstrahlfestigkeit (Grafik: RME)

So hat denn der ADI-2 Pro auch beachtliche Leistungsmerkmale vorzuweisen: AD/DA-Wandlung in PCM bis hin zu 768 Kilohertz sowie DSD bis 256-fach – letzteres auf Wunsch sogar nativ bis hin zu den Analogausgängen, dann jedoch DSD-Prinzip-bedingt ohne Signal-Processing und Lautstärkesteller. Ehrensache, dass der RME sowohl im A/D- wie auch im D/A-Zweig umschaltbare Digitalfilter zur Klangoptimierung bereithält.

Auch in Sachen Konnektivität lässt der ADI-2 Pro kaum Wünsche offen: So gibt es digitale Ein- und Ausgänge jeweils XLR-symmetrisch (AES 3), koaxial und optisch (S/P-DIF), letztere wahlweise auch im Mehrspur-ADAT-Standard (Spuren 1 und 2).

RME ADI-2 Pro rear view
Das Anschlussfeld beim RME ADI-2 Pro: Die analogen Ein- und Ausgänge sind symmetrisch wie asymmetrisch ausgeführt. Der Anschluss von Digitalquellen via AES-3 (XLR) und koaxial (RCA) erfolgt über ein mitgeliefertes Breakout-Kabel. Praktisch: Der DC-Anschluss für das externe, 24 Watt leistende Schaltnetzteil ist verriegelbar (Foto: J. Schröder)

Universell nutzbar zeigt sich auch die USB-Schnittstelle. An diese können nicht nur Mac- oder Windows-Computer, sondern dank „Class Compliant“-Kompatibilität auch iOS-Gerätschaften wie iPad & Co zum Aufnehmen oder Wiedergeben andocken. Darüber hinaus bietet der USB-Class-Compliant-Betrieb die sehr interessante „Multichannel“-Option: Mit dieser lassen sich über die Ausgänge 1/2 und 3/4 zeitgleich unterschiedliche Stereo-Signale ausspielen.

Ein wahrer Segen beispielsweise für alle Profi- und Hobby-DJs, die den Computer für ihre Sets nutzen; entsprechende Programme wie zum Beispiel die beliebte Freeware „Virtual DJ“ bieten die Möglichkeit, die Vorauswahl von Tracks via Kopfhörer über separate Audio-Wege vorzunehmen, ohne das laufende Set zu stören.

Für solche Anwendungen ist der RME ADi-2 Pro also ebenfalls bestens geeignet. Darüber hinaus lässt er sich auch als Digitalformat-Konverter nutzen. Eigens hierfür steht der Modus „Dig Thru“ zur Verfügung, bei dem das zu konvertierende Signal sogar abgehört werden kann.

RME ADI-2 Pro: Alles im Blick

Zum korrekten Einpegeln beim Aufzeichnen sind gute Aussteuerungsanzeigen bei A/D-Wandlern naturgemäß Pflicht. Auch in dieser Hinsicht bietet der ADI-2 Pro deutlich mehr als seine Mitbewerber. Per Knopfdruck auf den unteren Drehgeber zeigt das Display zunächst eine Schnellübersicht, die die aktuellen Pegel sämtlicher Ein- und Ausgänge vertikal nebeneinander darstellt.

Bei jedem weiteren Knopfdruck erscheint dann – getrennt für Analogeingang, Ausgang 1/2 und 3/4 – ein kompletter Terzband-Analyser, ergänzt um einen waagerechten, höher auflösenden Pegelmesser mit Spitzenwert- und Peak-Hold-Anzeige. Dabei nutzt der Terzband-Analyser nicht das zumeist verwendete FFT-Prinzip mit nachlassender Auflösung zu tiefen Frequenzen hin: Vielmehr basiert er auf – wie es bereits der analoge Analyser-Klassiker DN60 von Klark Teknik tat – echten Terzbandfiltern mit ihrer gehörrichtigen und augenfreundlichen Darstellung.

RME ADI-2 Pro Analyser view
Kein Spielzeug: Der Echtzeit-Analyser des RME ADI-2 Pro arbeitet mit digital programmierten, echten Terzband-Filtern. Er steht allen Ein- und Ausgängen zur Verfügung und zeigt das Frequenzspektrum unabhängig von ihrer Pegeleinstellung an (Foto: J. Schröder)

Seite 1    RME ADI-2 Pro: Allgemein, Klanggestaltung
Seite 2    Anwendungen, Hardware, Anschlüsse, Display
Seite 3    Hörtest, Fazit, Bewertung