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Amazon Echo mit Alexa im Test
Alexa gibt visuelles Feedback über einen Leuchtring (Foto: Stefan Schickedanz)

Test Amazon Echo: Alexa kann mehr als ihre Wireless-Box

Irgendwie war mir die ganze Sache mit der Amazon Echo nicht geheuer: Ein Lautsprecher, der die ganze Zeit mithört. Für jemanden, der mit distopischen Romanen wie Schöne neue Welt von Aldous Huxley und allem voran 1984 von George Orwell aufwuchs, bedeutet das den Super-Gau für die Privatsphäre.

Allerdings gibt es keine harte Grenze. Ich nutze beispielsweise Siri, die aber nur auf Druck des Homebuttons an meinem iPhone aktiv werden darf. Und jetzt steht auch noch Amazon Echo in meinem Wohnzimmer, denn als Tester finde ich das Produkt durchaus interessant.

Während ich mir ganz sicher bin, dass ich privat für diesen Wireless-Lautsprecher mit Sprach-Steuerung keine Verwendung habe, bin ich mir um die Bedeutung für die digitale Gesellschaft durchaus bewusst und habe Alexa für einen Test zu mir nach Hause eingeladen.

Schließlich hat Amazon in vielen Bereichen Außergewöhnliches geschaffen und mit seinem Versandhandel die Gesellschaft grundlegend verändert. Und ich habe, das kann ich nicht leugnen, sogar selbst davon profitiert, weil einige meiner Bücher und E-Books in dem internationalen Online-Kaufhaus zum Teil gut verkauft wurden. Dennoch sorge ich mich um den Einzelhandel, der unter dem Trend ganz schön leidet.

Amazon Echo mit Alexa im Test
Amazon Echo ist 23,5 cm hoch und verbindet eine Wireless-Lautsprecherbox mit der Spracherkennung Alexa (Foto: Stefan Schickedanz)

Allerdings ist diese Ambivalenz nicht schlecht für einen objektiven Test, bei dem das Ergebnis nicht schon im voraus feststeht. Schließlich war die deutsche Markteinführung der in den USA seit über einem Jahr erhältlichen Big-Brother-Box von Jubel-Berichten einiger Digital-Natives auf der einen und Horrormeldungen auf der anderen Seite begleitet.

Etwa, dass dank der Heerscharen sprachgesteuerter Assistenten die Kinder in Amerika schon verlernt haben, „bitte“ zu sagen, wenn sie etwas von einem Menschen wollen, weil die digitalen Diener auch so gehorchen. Auch forderte das FBI zur Aufklärung eines Mordfalls die Aufzeichnungen von Amazon an, was im Umkehrschluss die Frage aufwirft, wie viele Informationen Amazon über Alexa vom Nutzer aufschnappt.

Offiziell wertet Alexa, Amazons Gegenstück zu Apples Sprachassistenten Siri, immer noch drei Sekunden erst mal lokal aus. Sobald sie dabei das Losungswort „Alexa“ aufschnappt, startet die verschlüsselte Kommunikation mit dem Server in der Cloud.

Dazu braucht die Echo neben Strom aus der Steckdose noch einen WLAN-Zugang. Um ihn einzurichten, muss man sich die kostenlose Alexa App für iOS oder Android aus den Stores von Apple und Google auf sein Smartphone oder Tablet laden. Dieser Schritt ist essentiell, denn ohne Online-Zugang geht bei Alexa gar nichts. Der 23,5 cm hohe Echo-Lautsprecher hat außer einer Buchse für das Steckernetzteil keinerlei Anschlüsse.

Doch auch drahtlos gibt sich die in Schwarz und Weiß erhältliche Dose äußerst wählerisch. Bluetooth? Fehlanzeige. Streamen vom Server aus dem Netzwerk? Fehlanzeige. Nicht mal vom Handy lassen sich die darauf gespeicherten Songs via WLAN auf der Echo abspielen. Hätte ich einen Spotity-Account, könnte ich ihn mit dem Amazon-Konto verknüpfen, um Musik darüber zu hören. Hab ich aber nicht.

Mag sein, dass ich restlos altmodisch bin, aber für mich sieht das wie eine Auftragsbeschaffungs-Automatik für den Internetversender aus. Ein einziger Amazon-Animateur, für den man auch noch 180 Euro zahlen und seine persönlichen Daten herausrücken soll. Hmm, meine Begeisterung hält sich vorsichtig gesagt in Grenzen.

Nun stehe ich da und kann nicht anders: Ich klicke in der App das TuneIn-Symbol an und lausche Webradio-Sendern. Mehr Entertainment ist mit dem neuen Gadget offenbar nicht möglich – abgesehen davon, dass ich nach dem Wetter fragen kann. In Zeiten allgegenwärtiger Smartphones wohl kaum ein Grund, sich einen sprachgesteuerten Lautsprecher zuzulegen.

Amazon Echo liest Kindle E-Books vor

Zum Glück habe ich mir als digitale Belegexemplare meine E-Books bei Amazon gekauft und kann zum ersten Mal schmunzeln: Alexa, der Geist in der Dose, beherrscht überraschend fließend Deutsch und Englisch. Damit mutieren Männerspielsachen und die englische Version von Crash – The Last Rendezvous zu Hörbüchern. Die gibt es zwar auch schon, von den Schauspielern Frank Beier und Jim Boeven gelesen, doch die habe ich nicht auf dem Handy.

Außerdem kann Alexa beim Lesen das erste Mal zeigen, was sie drauf hat. Das ist speziell in Englisch mit amerikanischer Aussprache eine ganze Menge und ich muss zugeben, dass ich mir das glatt abendfüllend anhören würde, wenn ich den Verlauf der Endzeitstory, die durch den drohenden Konflikt zwischen den USA und Nord Korea gerade an trauriger Aktualität gewinnt, nicht schon in- und auswendig kennen würde. Abgesehen davon will ich ja den Lautsprecher testen.

Erste Eindrücke habe ich allerdings bereits bei diesem Warm-up gewonnen. Für Sprache ist die Klangqualität der Amazon Echo durchaus gut, zum Radiohören im Hintergrund reicht es auch. Aber richtiger Klanggenuss wollte sich bisher nicht einstellen.

Immerhin geht das Konzept von Cleverle Jeff Bezos auf. Nach 1.000 Werbeeinblendungen und -mails, die bisher keine Wirkung zeigten, entschließe ich mich jetzt spontan, in drei Teufels Namen ein Abonnement bei Amazon Prime abzuschließen. Immerhin haben diese Leute Top Gear mit Jeremy Clarkson, Richard Hammond und James May reanimiert. Die Folgen der turbulenten Auto-Show unter dem Titel The Grand Tour kann man zwar nicht mit Alexa sehen, aber ich wollte sie mir schon lange holen.

Kaum bei Amazon Prime angemeldet, stehen mir die Songs von Amazon Music in der App zum Streamen aus der Cloud bereit. Das ist praktisch. Was den Klang betrifft, reicht es aber immer noch nicht für Begeisterung. Und das liegt in dem Fall nicht am Stream, sondern am Lautsprecher.

Die Amazon Echo hat gute Mitten, geizt aber mit Höhen und vor allem mit Bässen. Zudem klingt gerade bei hohen Lautstärken alles etwas diffus und das mäßige Timing lässt selbst bei geeigneten Songs kein Fußwippen, geschweige denn Headbanging aufkommen. Irgendwie gibt es einen Phasenversatz zwischen dem lahmen, unkonturierten Bass und dem Rest. Da spielt selbst das halb so große JBL Flip 4 um Welten breitbandiger und knackiger.

Als Hintergrundbeschallung lasse sich mir Echo gerade noch gefallen, wenn man beim – gemessen an der Leistung – hohen Preis die Interaktivität mit Alexa einbezieht. Aber laut will man beim besten Willen damit nicht hören.

Das ist auch gut so, denn bei gehobener Wiedergabelautstärke erkennt einen Alexa oft nicht einmal mehr, wenn man direkt vor der Echo steht und ins Mikrofon brüllt. Klassisches Eigentor.

Amazon Alexa: Gelungene Sprachsteuerung

Denn wenn uns schon die Werbung im Fernsehen ständig vor Augen führt, dass wir Alexa alles via Sprachsteuerung übertragen können (Alexa reagierte lustigerweise bei der Amazon-Werbung im Fernsehen auf die Nennung ihres Namens und begann zu blinken), dann will man logischerweise nicht von der Couch aufstehen und die Lautstärke an dem großen Drehring oben am Gehäuse regeln.

Mit der App ginge es zwar auch, doch das Anwerfen des Handys zu diesem Zweck ist dann wirklich vergleichsweise umständlich. Dann brauche ich Alexa nämlich auch nicht für Fragen nach dem Wetterbericht oder anderen Dingen, die ich normalerweise Siri übertragen würde.

Allerdings muss ich zugeben, dass bei niedrigen und mittleren Abhörlautstärken und erst recht bei Stille im Raum die Spracherkennung von Amazon ausgezeichnet funktioniert. Ganz gleich, ob vom Sofa oder vom Schreibtisch aus dem anderen Raum, konnte ich der Echo meine Sprachkommandos übermitteln.

Nur, ehrlich gesagt, fehlt mir abgesehen von der Sorge über meine durch Facebook, Google und Amazon eh schon reichlich ausgehöhlte Privatsphäre der zwingende Grund, Alexa zu benutzen.

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