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Test: Elektrostat Martin Logan Montis

Dipol-Abstrahlung, elektrostatischer Antrieb und ein aktiver Subwoofer – die Lautsprecher von Martin Logan sind in allen Belangen etwas Besonderes und immer offen für das Gute. Innerhalb der Martin Logan ESL-Familie ist die Verwandtschaft unverkennbar: Unten der Bass in einem klassischen Holzgehäuse, darüber die leicht gebogene und nach hinten geneigte, perforierte elektrostatische Fläche in einem offenen Aluminium-Rahmen, die den gesamten Mittelhochtonbereich oberhalb 350 Hertz wiedergibt. Auch die hier vorgestellte Martin Logan Montis, in der Hierarchie genau zwischen den kleineren Theos und Ethos sowie den größeren Summit X und CLX angeordnet, ist eindeutig als Mitglied dieser Familie zu erkennen. Doch hört man sich mal alle nacheinander an, scheint dieser Lautsprecher irgendwie gleicher zu sein als die anderen …

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Martin Logan Theos: Die kleinste der ESL-Serie
Martin Logan Theos: Die kleinste Logan der ESL-Serie: Kleineres ESL-Panel mit 20 Zentimeter Aktiv-Bass. Paarpreis: ab 6.300 Euro (Foto: Martin Logan)
Martin Logan Ethos
Martin Logan Ethos: ESL-Panel mit 20 Zentimeter Aktiv-Bass plus gleich große Passivmembran. Paarpreis: ab 8.800 Euro  (Foto: Martin Logan)

 

Martin Logan Montis von allen Seiten
Großes Panel mir 25 Zentimeter Aktiv-Bass: Martin Logan Montis. Paarpreis: ab 12.900 Euro (Foto: Martin Logan)
Martin Logan Summit X
Das hybride Flaggschiff der ESL-Serie: die große Martin Logan Summit X mit zwei 25 Zentimeter Aktiv-Bässen. Paarpreis: ab 17.900 Euro (Foto: Martin Logan)
Martin Logan CLX
Die Krönung: Der Vollbereichs-Elektrostat, dessen Homogenität einzigartig ist. Paarpreis: ab 31.600 Euro (Foto: Martin Logan)
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Vielleicht ist die Montis einfach auch nur der beste Kompromiss aus Größe, Dynamikfähigkeit und Preis. In jedem Fall ist ihr physischer Auftritt noch dezent und weil ihre elektrostatische Fläche wie alle Mittelhochtonpanel von Martin Logan semi-durchsichtig ist, wirkt sie kleiner, als sie wirklich ist. Dieses elektrostatische Panel ist ein akustisches Meisterwerk, weil es von Martin Logan in den letzten 30 Jahren permanent weiter entwickelt wurde. Der letzte Schritt war die Anschaffung einer Vakuum-Kammer in der Herstellung, in der die (schwingende) Folie in den Rahmen und zwischen die Statoren eingespannt wird. Das geschah vorher von Hand und barg so einige Serienschwankungen.

Das Prinzip Elektrostatischer Lautsprecher …

…ist älter als der sehr viel weiter verbreitete dynamische Lautsprecher mit Schwingspule in einem Magnetsystem. Beim Elektrostaten schwingt eine – in diesem Fall sehr  große, aber extrem dünne und leichte, zudem unter Hochspannung stehende – Folie in dem bestehenden Raum zwischen den sogenannten Statoren. Das sind die gelochten Abdeckungen, die man gefahrlos anfassen kann: Die Spannung ist zwar hoch, aber es fließt quasi kein Strom. Die Folie kommt in Bewegung, weil das Musiksignal sowohl auf den vorderen als auch auf den hinteren Stator gegeben wird – nur bei dem einen um 90° phasenverkehrt angesteuert. Die aufgeladene Folie wird nun zwischen den Statoren angezogen und abgestoßen: Sie schwingt. Nicht viel, aber weil sie so groß ist, genügen hier Bewegungen im Millimeterbereich.

Schematischer Aufbau eines ESL
Aufbau eines klassischen Elektrostaten: Zwischen den beiden Statoren schwingt eine unter Spannung stehende, sehr dünne Folie (Schema: Martin Logan)

 

Das Panel ist nicht nur nach vorn, sondern auch nach hinten offen. Es ist ein Prinzip ohne Gehäuse, was einen ganz entscheidenden Vorteil hat: Kein Gehäuse, keine Gehäusevibrationen.  Mitschwingende Gehäuse sind ein wesentlicher Faktor, warum Musik über eine Anlage erkennbar „unecht“ klingt. Hier sind also beste Voraussetzungen gegeben. Ein zweiter Charakterzug dieses offenen Gehäuses ist die nach hinten im gleichen Maße wie nach vorn abgestrahlte Energie. „Dipol-Abstrahlung“ nennt man das. Am Nullpunkt der Achse, also am Panel selbst ergibt sich eine relativ starke Auslöschung. Je größer die Entfernung von diesem Punkt, desto stärker wird die Schallabstrahlung. Würde man von oben auf die Montis schauen und wäre die Schallenergie sichtbar, ergäbe sich die Abstrahlung in Form einer Acht: ein Kegel nach vorn, einer nach hinten.

Theoretisch kann dieses Panel auch Bässe wiedergeben. Aber nicht angemessen laut und nicht angemessen tief. Deshalb setzt Martin Logan schon seit je her auf hybride Konstruktionen – also mit einem klassischen Tieftöner für die Bässe.

Die perfekte Bass-Ergänzung für den Elektrostaten kann nur aktiv sein. Eine Digitalendstufe mit einem ICE-Power-Modul von B&O mit 200 Watt Leistung hat hier den 10 Zoll Bass bestens im Griff. Schon seit geraumer Zeit werden die Logan Speaker ja bei Paradigm gefertigt. Was kaum einer weiß: Die Kanadier sind echte Subwoofer-Spezialisten mit mehr als 20 Modellen im Programm. Und die meisten von denen sind richtig, richtig gut. Und das Subwoofer-Modul der Montis ist besonders gut gelungen. Die Einstellmöglichkeiten sind begrenzt, aber es hat genau die richtige Abstimmung zwischen knackig und satt, sodass es hier normalerweise wenig zu mäkeln gibt. Die Hybrid-Idee von passivem Mittelhochtonbereich und aktivem Bass lässt natürlich sofort alle Audiophile freudig erschauern: Wenn der Elektrostat nicht so viel Leistung braucht, weil er im Bass keine Pegel bringen muss, könnte man doch vielleicht mit einer kleinen Röhre … War das nicht schon in der 1950er und 1960er Jahren DIE Traumkombi?  Man denke nur an  Quad ESL 57 plus Quad-II. Damals vielleicht, heute – beziehungsweise mit Martin-Logan-Modellen – sollte man das nicht tun. Die elektrostatischen Flächen von Martin Logan sind top-modern, fallen aber im Hochton auf unter 2 Ohm in der Impedanz. Ich habe an dieser Stelle viele Röhren-Amps ausprobiert und so sehr ich eine solche Kombination auch gewollt habe – es klang meist ziemlich müde. Ein technisch stabiler Transistor ist hier die bessere Wahl. Super klingt es mit einem PASS INT 60. Das wird vielen zu teuer sein, schlägt dieser Super-Vollverstärker doch mit 12.000 Euro zu Buche. Aber auch mit der LowBeats 3.000-Euro Klassen-Referenz Yamaha A-S 1100 für 2.700 Euro klingt die Montis überragend.

Messungen und Aufstellung der Martin Logan Montis

Die Messung erfolgte ungefiltert im LowBeats Hörraum. Wie man sehen kann, hat Martin Logan das Prinzip mittlerweile bestens im Griff. Der Frequenzgang fällt zu höheren Frequenzen ganz sachte ab. So soll es sein. Die Senke zwischen 150 – 300 Hertz ist ein Charakterzug quasi aller Logan Modelle und auch bei Messungen in reflexionsfreien Räumen zu sehen. Diese Delle sorgt für eine schlackenfreie Grundtonwiedergabe. Über eine geschickte Aufstellung in Wandnähe könnte man die kleine Senke sogar „auffüttern“. Aber das ist nicht im Sinne des Erfinders. Die Martin Logan Montis ist ein Dipol-Strahler, der nach hinten die gleiche Energie abstrahlt wie nach vorn. Es ist also akustisch sinnvoll, einen gewissen Abstand zur Rückwand zu halten. Martin Logan selbst empfiehlt einen Mindestabstand von 60 Zentimeter. Aber das ist wohl eher ein Kompromiss-Tipp, weil ein Lautsprecher, der unbedingt komplett frei im Raum stehen muss, vielleicht schlechter verkaufbar ist …