Philips Fidelio X3:Velourpolster und Textilbezug von Kvadrat
Philips Fidelio X3 – chic in Schale fürs anspruchsvolle Musikhören zuhause. Ein Top-Hörer für 349 Euro (Foto: Philips)

Test Philips Fidelio X3 – so geht Kopfhörer

Bluetooth-Kopfhörer empfehlen sich als praktische, musikalische Begleiter. Soll’s jedoch perfekt klingen, sind kabelgebundene Over-Ear-Hörer nach wie vor erste Wahl. Genau diesen hohen Anspruch will der hier vorgestellte, brandneue Philips Fidelio X3 erfüllen – und das sogar zu einem vergleichweise moderaten Budget von 350 Euro.

Wie bei jedem unserer Testgeräte haben wir versucht, durch Messungen und viele Vergleiche den Test wasserdicht zu machen. Beim Fidelio X3 gingen wir sogar noch einen Schritt weiter und haben einen kurzweiligen Testfilm gedreht. Dieser bringt in gut 10 Minuten alles auf den Punkt. Freunde der Hardfacts und des geschriebenen Worts sollten den (deutlich ausführlicheren) Test hier unten aber unbedingt zu Ende lesen. Zum Video einfach das Bild anklicken:

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Obwohl nicht so prominent wie die „Platzhirsche“ beyerdynamic oder Sennheiser, erwarb sich Philips in der Sparte Kopfhörer über die Jahre hinweg einen guten Ruf. Das lag nicht zuletzt an den Open-Ear-Hörern Fidelio X1 und X2: Die beiden direkten Vorfahren des hier vorgestellten X3 erfreuten und erfreuen sich in der HiFi-Gemeinde großer Beliebtheit.

Nach ziemlich genau fünf Jahren der Fidelio-Generation X2 war nun die Zeit reif für eine gründliche Revision. Glücklicherweise beließ es das Philips-Entwicklerteam um Benoit Burette bei den Primärtugenden. So zählt auch der Fidelio X3 zu den ohrumschließenden Hörern offener Bauweise. Als tragendes Element verwendet er ebenso wie seine Vorgänger eine Ganzmetall-Bügelkonstruktion mit flexiblem Kopfband.

Philips Fidelio X3 – dezent gestylt
Als bequem zu tragender Over Ear Kopfhörer ist der Philips Fidelio X3 der perfekte Spielpartner für ungestörtes Musikhören in den eigenen vier Wänden (Foto: Philips)

Allein schon durch seine erwachsene Bauform ist der X3 wie seine Vorgänger primär für das Hörvergnügen zuhause gedacht. Dank seiner niedrigen Kapselimpedanz von 32 Ohm musiziert er jedoch bestens auch mit Smartphone oder Tablet – dazu später mehr im Kapitel Technik.

Die Kabelführung beim Fidelio X3 ist anders als bei den Vorgängern: Linke und rechte Hörkapsel verfügen nun beide über ihre eigene dreipolige Miniklinkenbuchse. Grund hierfür ist die symmetrische Anschlussweise der Wandlersysteme. Dadurch lässt sich der Fidelio X3 nun auch an hochwertigen Kopfhörerverstärkern mit symmetrischem Ausgang betreiben. Ein zusätzliches symmetrisches Kabel mit gerätseitig vierpoligem 2,5-mm-Klinkenstecker gehört dabei zum Lieferumfang.

Philips Fidelio X3 – dezentes Styling

Top-Klang allein genügt heutzutage nicht mehr als Auslöser für den entscheidenden Kaufimpuls: Das Auge hört schließlich auch mit. Daher hat Philips dem neuen X3 ein ausgesprochen gediegenes Outfit verpasst. Zwar knüpft es mit seinen runden Hörschalen noch immer an die Formensprache der Vorgänger an. Jedoch steht die optische Ausrichtung auf musikalisches „Cocooning“ daheim klar im Mittelpunkt.

Gab sich der Fidelio X2 mit Metallgeflecht-bedeckten Earcups nach außen hin eher technophil, zeigt sich der neue X3 nun gekleidet in heimeliges Akustikgewebe vom dänischen Textilspezialisten Kvadrat. Das harmoniert perfekt mit den Echtleder-Einfassungen vom schottischen Nobel-Hersteller Muirhead, die sowohl den Kopfbügel als auch das Kopfband umgeben. Sprichwörtlich den Bogen um das Ganze spannt der aus einem Stück Aluminium gefertigte Kopfbügel: Dezent dunkelbronze eloxiert, scheint er dank seiner trickreichen Earcup-Halterung über diesen zu schweben.

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Philips Fidelio X3: Der fliegende Holländer
Fliegender Holländer: Dank trickreicher Montage scheint der Kopfbügel über den Earcups zu schweben (Foto: Philips)
Philips Fidelio X3: Edler Materialmix
Dezenter Akustikstoff von Kvadrat sowie feinstes Leder von Muirhead prägen das edle Erscheinungsbild des Philips Fidelio X3 (Foto: Philips)
Philips Fidelio X3 Connections
Das Anschlusskabel des X3 lässt sich leicht auswechseln. Die Kabelstecker verfügen über griffige Gummitüllen. Deren Kanalkennzeichnung könnte jedoch größer ausfallen (Foto: Philips)
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Liebe zum Detail zeigt sich auch bei den Anschlüssen: Die Buchsen an den Earcups sind sauber eingefassst, während die Kabelstecker dank Gummiüberzügen griffig gerieten und zudem sauber einrasten. Lediglich ihre Kanalkennzeichnungen wünscht man sich etwas größer. Ehrensache bei all dem heimeligen Charme des Fidelio X3, dass beide mitgelieferten Anschlusskabel griffsympathisch textilummantelt sind.

Philips Fidelio X3 – Technik und Praxis

Wie bereits beim Fidelio X2 kommen auch beim X3 dynamische Wandlersysteme von 50 Millimetern Durchmesser zum Einsatz. Übernommen hat der X3 auch die Linear Motion Control (LMC) genannte Membrantechnologie. Bei ihr besteht die schallabstrahlende Kalotte aus zwei Lagen Polymerfolie in Sandwich-Bauweise. Dazwischen befindet sich eine Spezialgel-Dämpfungsschicht, deren Aufgabe es ist, auftretende Biegeschwingungen zu absorbieren. Schmalbandige Pegelspitzen im Hochtonbereich, wie sie bei Kopfhörern vielfach zu beobachten sind, werden damit wirksam unterdrückt.

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dynamischer 50-Millimeter-Wandler
Als Schallwandler nutzt der Philips Fidelio X3 dynamische 50-Millimeter-Systeme. Gegenüber dem Vorgänger zeigen sich einige Detailverbesserungen: So wurden die Schichtdicken der Sandwich-Membranen resonanzoptimiert sowie die Sicken neugestaltet (Foto: Philips)
angled driver systems
Die Montageplatte (3. von links) lässt erkennen, dass die Wandlersysteme beim Philips Fidelio X3 einen Azimutwinkel von etwa 15 Grad zur Medianebene aufweisen. Das entspricht etwa dem Anstellwinkel der Ohrmuscheln (Foto: Philips)
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Durch Feintuning der jeweiligen Schichtdicken konnten die Philips-Entwickler das Steife-zu-Dämpfung-Verhältnis der Kalotte nochmals verbessern. In Verbindung mit der neugestalteten Sicke zeigt der neue LMC-Wandler im Fidelio X3 daher ein präziseres Schwingungsverhalten bei mittleren und hohen Frequenzen.

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Philips Fidelio X3 Impedance and Phase
Impedanzprofil Philips Fidelio X3: Die Nennimpedanz beträgt 33 Ohm bei 950 Hz. Sie verläuft für einen offenen, dynamischen Hörer erstaunlich flach. Damit ist der Fidelio eine leicht zu treibende Last, weil er den treibenden Verstärker von induktiven Rückwirkungen weitestgehend verschont (Messung: J. Schröder)
Philips Fidelio X3 Frequency Response on KU100 @94dBspl
Amplitudenfrequenzgang Philips Fidelio X3, gemessen mit Neumann KU100 bei einem Schalldruckpegel von 94dBspl. Positiv fällt die hohe Kanalgleichheit auf (Messung: J. Schröder)
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Wie die LowBeats Messungen zeigen, verläuft die Kapselimpedanz beim Fidelio X3 weitestgehend linear mit leichtem Anstieg zu hohen Frequenzen hin. Damit arbeitet er klanglich auch gut mit Geräten zusammen, die keinen besonders hohen Dämpfungsfaktor aufweisen, sprich einen eher hochohmigen Ausgang im 10-Ohm-Bereich haben. Für ein 32-Ohm-Hörer fällt der Fidelio X3 allerdings eher „leise“ aus – am Kopfhörerausgang eines älteren iPad erreichte er aber durchaus gehobene Lautstärkepegel. Soll’s jedoch mal ein richtiges „Brett“ sein, empfiehlt sich ein passender Kopfhörer-Amp – beispielsweise der ifi Audio ZEN DAC.

symmetrisches Anschlusskabel
Zum Lieferumfang des Fidelio X3 gehört ein zusätzliches, symmetrisches Anschlusskabel mit vierpoligem 2,5-Millimeter-Klinkenstecker (Foto: Philips)

Dank seiner mit Memory-Schaum gefüllten Verlourspolster trägt sich der Fidelio X3 sehr angenehm. Das ist insofern bemerkenswert, da es in Sachen Passform an ihm nichts einzustellen gibt. Man setzt ihn auf und er passt – bei insgesamt recht straffem Sitz, den Bügel und Kopfband gleichermaßen vermitteln. Etwas Kritik muss sich das Anschlusskabel gefallen lassen: Selbst in Abständen von mehr als einem Meter leitete es störende Körperschallgeräusche deutlich hörbar an die Earcups weiter. Für den Konzertabend zuhause ist also eher Flauschpulli als Strickjacke mit Reißverschluss angesagt.

Der Klang

Wenn es das Wort „Wohlfühl-Klang“ nicht schon gäbe, müsste man es für den Fidelio X3 auf jeden Fall erfinden. Er zählt unbedingt zu den wenigen Hörern, die man nach dem ersten Aufsetzen sofort ins „Ohr“ schließt. So glich der Hörtest mit ihm einem musikalischen Galaempfang: Auftakt machte das brandneue, traumhaft schöne Album KP01: Selected Guitarworks des britischen Multiinstrumentalisten und Weltmusik-Produzenten Seb Taylor. Bei Ghasi Ram Blues (Acoustic Reprise) schnurrte der Bass sonor in wohliger Wärme, während die Akkorde von Slide- und Akustikgitarre perlten und glitzerten, dass es eine wahre Pracht war. Das rauchige Organ des indischen Sängers Ghasi Ram Bhopa fühlte sich dabei hörbar wohl in der stilistisch eher untypischen Umgebung – einfach herrlich.

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Mit seiner Fähigkeit, authentische Atmosphären zu schaffen, zog der Fidelio X3 unmittelbar in die Musik hinein. Und die brauchte keineswegs immer nur schöngeistig oder lyrisch sein. Wenn es der Verstärker hergibt, kann’s der X3 nämlich auch so richtig knallen lassen. Bestes Hörtest-Beispiel hierfür war der gnadenlos vorantreibende Floorfiller Unity vom Bristoler Elektrobeat-Spezialisten Phaeleh: Aufdrehen und trotz Lockdown nach spätestens zwei Minuten echte Clubatmosphäre verspüren – Gänsehaut garantiert!

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Nach ausgiebigen Hörtests könnte man dem Fidelio X3 eine minimale Tendenz zum „schöner als echt“ attestieren. Doch das verzeiht man ihm allzugern, weil es sich erstens im Rahmen des Neutralen hält und zweitens einen gewissen Suchtfaktor nach musikalischen Leckerli beinhaltet. In der Tat klang sein Konkurrent, der Sennheiser HD 660 S, ein wenig „asketischer“. Etwas direkter in den Mitten, fokussierte sich der Hannoveraner mehr auf das akustische Zentrum. Zudem tönte er im Bass weniger vollmundig als der Fidelio, dafür aber noch etwas straffer. Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Sennheiser HD 660 S klingt noch etwas neutraler, der Philps Fidelio X3 betont hingegen den musikalischen Erlebniswert.

Fazit

Mit dem Fidelio X3 zeigt Philips auf eindrucksvolle Weise, wie man ein gutes Produkt erfolgreich auf einen sich verändernden Markt anpasst. Assozierte man HiFi bislang vor allem mit hohem technischen Anspruch bei funktionaler Optik, so steht nunmehr der Erlebnisfaktor klar im Vordergrund. Anspruchsvolle Technik wird dabei als selbstverständlich vorausgesetzt.

So lautet denn auch die Erfolgsformel des Fidelio X3: Ästhetische Formgebung, edle Materialien, tolle Verarbeitung, unkomplizierte Handhabung – all das gepaart mit hochentwickelter Wandlertechnik. Um zu zeigen, wie das in der Realtät rüberkommt, möchte ich noch einmal auf unser Video-Testimonial hinweisen:

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Viele gute Gründe sprechen für den Fidelio X3 – zuvorderst seine allen Hörpräferenzen gerecht werdende Klangabstimmung. Genau dies ist bei Kopfhörern eine echte Herausforderung, weil die von Mensch zu Mensch recht unterschiedlich ausfallende Außenohr-Charakteristik die empfundene Klangqualität stark beeinflusst. Hier bewies die X3-Entwicklungsabteilung großes Können. Besitzer eines Philips Fidelio X3 werden jedenfalls gern nach Hause kommen, um sich der Musik hinzugeben. Und das ist schließlich die Hauptsache. Umso erfreulicher ist dabei, dass man für ihn kein Vermögen aufbringen muss.

Philips Fidelio X3
2020/12
Test-Ergebnis: 4,7
überragend
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Packend fulminanter, atmosphärischer Klangcharakter
Komfortabler Sitz
Hochwertig verarbeitet
Anschlusskabel überträgt Hantierungsgeräusche

Vertrieb:
TP Vision Europe B.V. Niederl. Deutschland
Philips TV & Sound
Steindamm 98
20099 Hamburg
www.philips.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Philips Fidelio X3: 350 Euro

Philips Fidelio X3
Bauform:Stationärer Over-Ear-Kopfhörer in akustisch offener Bauweise
Wandlerprinzip:Dynamisch; 50 Millimeter Durchmesser mit Neodym-Magnet
Anschlüsse Earcups:Links/rechts mit jeweils eigener Miniklinkenbuchse, 3,5 Millimeter
Anschlusskabel:Textilummantelt, Länge = 3 Meter, Adapter 3,5/6,3-mm im Lieferumfang
Nennimpedanz:33 Ohm @950Hz
Kennempfindlichkeit:100 dB/1mW (Herstellerangabe)
Besonderheiten:Symmetrische Kapselverdrahtung; zusätzliches symmetrisches Anschlusskabel im Lieferumfang (Armatur verstärkerseitig: 4-polige Miniklinke, 2,5-Millimeter Durchmesser); Echtleder-bezogenes, selbsteinstellendes Kopfband; Memoryschaum-befüllte Velours-Ohrpolster
Abmessungen
(B x H x T):

19 x 23 x 11 cm

Gewicht:331 Gramm (ohne Anschlusskabel)
Alle technischen Daten

Autor: Jürgen Schröder

Jürgen Schröder
Toningenieur, Mess-Chef und das technische Gewissen von LowBeats. Kümmert sich am liebsten um Wissens-Themen, Kopfhörer und den spannenden Bereich zwischen Studio und HiFi.