Cabasse Pearl Ambiente1
Die Cabsse The Pearl sieht zunächst aus wie ein Design-Stück. Wer sie hört, spürt sofort, dass es sich hier um einen enorm klangstarken Lautsprecher handelt. Einer kostet 2719 Euro. Aber man kann sehr viele miteinander verbinden... (Foto: H. Biermann)

Test Wireless Aktivbox Cabasse The Pearl: Koax im Kugelgehäuse

Cabasse widerspricht den üblichen Bauformen. Bislang galt: Wer gewaltigen Bass will, braucht eine gewaltige Standbox. Nö. Die Franzosen verpacken alles in einer noch immer kompakten Kugel mit 32,6 cm Durchmesser – der „Perle“. Sieht super aus, klingt wie eine große Box und ist dank kabelloser Anbindung, aktiver Ansteuerung und viel verbauter DSP-Power ausgesprochen modern. Ganz nebenbei erfüllt die Cabasse The Pearl zwei absolute Ideale der HiFi-Wiedergabe: 1.) Sie arbeitet mit einem Koax (Punktschallquelle), welcher 2.) in einem Kugelgehäuse (keine stehenden Wellen, keinen Schallwand-Reflektionen) sitzt. Schaut man nur das Konzept an, müsste man sagen: besser geht es nicht.

Cabasse Pearl Totale
Die perfekte Kugel. Vorn schützt ein gerundetes Gitter den koaxialen Mitteltöner und vollendet die Kugelgestalt. Die silbernen Kunststoffstreifen sind reine Zierde (Foto: Cabasse)

Cabasse The Pearl: das Konzept

Eine Kugel, mystisch – schauen wir hinein: Das Ganze ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. Die Kugel ensteht aus zwei Halbschalen aus mit Holzmehl verstärktem und hochglanzpoliertem GFK. Ich dachte anfangs, so ein hübsches Gebilde kann ja nicht so schwer sein – wurde aber barsch eines Besseren belehrt: 18,5 Kilo stehen im Datenblatt. Und wenn man die perfekt verarbeitete (und somit recht schlüpfrige) Kugel in den Händen hält, fühlt sie sich fast doppelt so schwer an… Dabei hat sie vielleicht 4 Liter Innenvolumen – sensationell wenig, wenn man sich vergegenwärtigt, welche Bassgewalt die Cabasse Pearl entfachen kann.

Cabasse Pearl Explosions-Animation mit Info
Das Kugelkonstruktion ist eine große Ingenieursleistung. Denn neben dem Koax (vorn) und der Elektronik (Mitte) braucht ja auch noch der 10 Zoll Subwoofer (hinten) ausreichend Platz (Animation: Cabasse)

Doch wo kommt diese ungebremste Basswucht her? Die Animation von Cabasse erlaubt einen Einblick: Hinten sitzt ein mächtiger Subwoofer mit 25 Zentimetern Durchmesser, der nach Subwoofer-Art aufwändig entzerrt ist. In der Mitte sitzt die gesamte Elektronik. Das sind vornehmlich der D/A-Wandler, der DSP und drei kraftvolle Digital-Amps: Je 300 Watt sinus für Mittel- und Hochtöner, 1.000 Watt sinus für den Bass verkündet Cabasse im Katalog. Die Platzierung der Elektronik in der Mitte der Kugel ist clever gewählt, weil hier die die Halbschalen über einen Kranz massiver Kühlkörper verbunden werden. So wird gekonnt die (eh geringe) Abwärme abgeführt.

In Richtung des Hörplatzes arbeitet eine edle Koax-Kombination mit Karbonmembran. Das ist genau das, was wir eine Ein-Punkt-Quelle nennen: Mitten und Höhen treffen zeitidentisch in unseren Ohren ein.

Cabasse Pearl Koax
Das Meisterwerk im Meisterwerk: Auf der Vorderseite der Cabasse Pearl sitzt ein koaxialer Mittelhochtöner. Die Tiefmitteltonmembran aus Kevlar-Geflecht ist wie ein Vulkan nach außen gewöbt. In ihrem „Krater“ sitzt der Hochtöner so weit zurückversetzt, dass eine perfekt zeitgenaue Wiedergabe erreicht wird (Foto: H. Biermann)

Bitte nicht vergessen: Mit diesem Lautsprecher sparen wir uns die Kosten für einen Streamer, für die Vorstufe und die Endstufe ebenfalls. Und wir brauchen erstaunlich wenig, um die Pearl zum klingen zu bringen. Über den Cinch-Port könnten wir sogar einen Plattenspieler anschließen. Doch prinzipiell folgt die The Pearl einem digitalen Konzept. Wir können optisch hinein, per Cinch oder per Ethernet und WLAN, wobei alle Formate der Gegenwart unterstützt werden; die PCM-basierten bis 24 Bit und 192 Kilohertz, auch DSD512 wäre erlauschbar. Doch ich habe für Hörtests ja immer einen USB-Stick in der Hosentasche. Auch das geht: Einfach einstecken und unfassbare Mengen an digitalen Songs in High-Res sind greifbar.

Cabasse Pearl Anschluss
Die Foto-Komposition von Cabasse zeigt das Anschluss-Terminal und seine Platzierung auf der Rückseite. Anschließen kann man die Quellen per Bluetooth, LAN, USB und optischem Eingang. Aber auch ein analoger Eingang ist noch vorhanden (Foto: Cabasse)

Die Einrichtung

Viele werden für die Bedienung vermutlich auf die mitgelieferte Fernbedienung zugreifen. Die ist rund und schön und lernbar. Aber besser und spannender wird es über die passgenaue App für das Smartphone. Eigens programmiert von Cabasse – eine Kombination aus Steuerung und Playlisten-Verwaltung. Die Lautsprecher sind schnell erkannt. Aber es braucht ein wenig, um das Stereo-Set zusammenzufügen. Welcher Lautsprecher klingt links, welcher rechts? Doch nach fünf Minuten ist auch diese Hürde überwunden.

Nochmals zum Mitschreiben und Verstehen: Die Pearl kann als Einzellautsprecher aufspielen oder im Verbund eines Multiroom-Netzwerkes. Nur ein gemeinsames LAN oder WLAN muss sein, mit Kabel oder ohne Kabel. Ich gehe vom Schlafzimmer ins Bad – und nehme den Klang mit. Wer Stereo will, muss zwei Perlen vermitteln, dass sie sich im gleichen Raum befinden. Alles einfach einstellbar, alles beherrschbar. Noch zwei Zahlen für das Lautsprecher-Spielkartenquartett: bis zu 16 Stereo-Paare The Pearl können mit jeweils unterschiedlicher Musik beschickt werden. Entwicklungsleiter Christophe Cabasse erzählte einmal etwas von 100 miteinander verbundenen Pearls, die dann allerdings dieselbe Musik spielten. Wir haben es nicht ausprobieren können. Aber das Konzept der Cabasse The Pearl scheint weit ausbaubar zu sein…

Und dann noch das: Die Pearl kann sich auf ihren Hörplatz einpegeln. Einfach die App anwerfen und auf den Button „Einmessen“ drücken. Dann ertönt ein Testsignal. Nur Sekunden braucht es dazu. Das beeindruckt. Aber genauso schnell bin ich irritiert: Alles wirkt anspringend, doch die Bässe sind schlicht zu fett. Wir haben den Einmessungs-Vorgang sicher ein halbes dutzend Mal gemacht: immer das gleiche Ergebnis. Nun könnte man sagen: Macht doch nichts, man kann die Cabasse The Pearl ja auch ohne Einmessung hören. Doch das ist ja wohl nicht im Sinne des Erfinders. Außerdem würde man sich um die Raum-Anpassung der Pearl im Mittelhochtonbereich bringen.

Eine Rücksprache beim deutschen Cabasse Vertrieb (ATR) brachte uns weiter. Stefan Harms, Cabasse Spezialist bei ATR: „Wir wissen um das Problem und begegnen ihm mit einem Trick: Ist der Bass auf der Original-Position zu kräftig, rücken wir die Pearl für die Einmessung an die Wand, im härtetsten Fall in die Ecke. Nach dem Einmess-Vorgang stellen wir die Pearl dann wieder auf die gewünschte Position.“ Naja. Etwas ungewöhnlich. Doch im kleinen LowBeats Hörraum klappte der Trick super. Aber als Dauerlösung ist das natürlich nicht geeignet. Also wollen die Franzosen reagieren: Noch in diesem Jahr soll ein Update an jede Perle vermittelt werden, die den Bass um einige Dezibel zurücknimmt.

im kleinen LowBeats Hörraum
Die Cabasse Pearl im kleinen LowBeats Hörraum. Nach etlichen Versuchen hatten wir die Kugel auch für die wenigen Quadratmeter (15) optimiert  (Foto: H. Biermann)

Wie fast jeden Lautsprecher haben wir auch die Cabasse The Pearl gemessen – und Erstaunliches herausgefunden. Bei normalen Pegeln reicht der Bassbereich bis auf ungewöhnlich tiefe 20 Hertz runter. Wird es lauter – und die Pearl kann verdammt laut spielen – nimmt der DSP den die Tiefe mehr und mehr zurück und ermöglicht so der Kugel enorme Schalldrücke. Auch das gehört zu den Vorzügen moderner, DSP-entzerrter Aktivboxen.

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Cabasse Pearl bei 94dB
Bei der üblichen 94 dB Messung (gehobene Ziummerlautstärke) zeigt die Cabasse The Pearl oberhalb 150 Hertz überhaupt keine Verzerrungen (Messung: J. Schröder)
Cabasse Pearl bei 103dB
LowBeats Pegel-Messung bei 103 dB. Gemeinhin kann man dazu noch 12 dB addieren. Die Pearl schafft also bis 115 dB. Ein fantastischer Wert (Messung: J. Schröder)
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Die Cabasse The Pearl im Hörraum

Der erste Eindruck: Sehr dynamisch, sehr kernig und mit enormem Bassfundament unterfüttert. Wie üblich wurden Yello (das neue Album Point), Felix Laband und Underworld zugestreamt. Respekt: Was die kompakte Kugel an Tieftonteppichen auslegt, ist Disco-tauglich. Die Bässe sind – bedenkt man die Größe der Kugel – brachial. Irgendwann mussten wir runterregeln: das war schlicht zu viel Schalldruck für den kleinen Hörraum.

Die Pearl beherrscht aber auch das Feine, Konzentrierte. Ich spiele über meinen USB-Stick ein Heiligtum zu. Maria Callas singt die Titelrolle in Norma – „Casta Diva“. Die Cabasse zaubert die Primadonna assoluta perfekt in den Raum. Vor allem die Dynamik der Wiedergabe und die Raumtiefe verzaubert. Ich entdecke eine leichte Rauigkeit bei den Stimmen, die aber nicht stört, denn auch der Hochton ist sehr fein, sehr dynamisch.

Und immer wieder erstaunt der Bass. Die meisten dieser aktiv-entzerrten Konzepte, die mit eigentlich viel zu kleinen Gehäusen arbeiten (viele Subwoofer sind so konzipiert), beginnen irgendwann, zu „pumpen“. Das sind hörbare Geräusche, die in der Wiedergabe nichts verloren haben. Und die Cabasse Pearl? Nichts. Keine Geräusche, die hier nichts verloren hätten. Hier ziehen wir vor den mechanischen Konstrukteuren unseren Hut, denn der Druck im Inneren der Pearl ist bei höheren Pegeln enorm. Da darf nichts klappern.

Ich werfe noch einmal den Turbo an. Abermals mit Klassik, doch diesmal die Carmina Burana von Carl Orff. Ricardo Muti dirigiert. In seinen Dreißigern war er noch ein Hitzkopf, mittlerweile kratzt der Maestro schon deutlich an der Achtzig. Jede Note war damals wie elektrisch aufgeladen. Auch hier in der Paradeaufnahme der EMI. Wir sind in der Taverne. Alle trinken und geben sich dem Rausch hin, in Lateinisch. Plötzlich ein Peak in der Dynamik. Muti feiert ihn. Die Cabasse erkennt die Botschaft blitzschnell. Sie könnte in der dynamischen Kraft fast Monitor in einem Tonstudio sein. Die Präzision ist enorm und es passiert, was mir sonst selten widerfährt: Alles strömt, die Cabasse reißt mich mit. Die Solostimme in der Mitte, dahinter der Chor. Das Klangbild löst sich absolut mühelos von den Kugeln – eine absolut authentische Vorstellung.

Nebenbei ein Tipp: Wer die Form liebt, es aber etwas kleiner haben will: Es gibt auch die Cabasse The Pearl Akoya. Die nur acht Kilo auf die Wage bringt, aber dem gleichen digitalen Konzept und dem gleichen Design gehorcht (2900 Euro im Paar). Ich hatte die Akoya vor kurzem für das Printmagazin Audio getestet und die Kleine ganz gut im Ohr. Deren Bass ist ebenfalls präsent, aber nicht so überbordend wie bei der großen Schwester. Insgesamt klingt sie etwas kultivierter, für Feingeister ist sie vielleicht sogar der bessere Lautsprecher.

Doch wer das Konzept mag und die Größe eines Live-Konzerts erleben möchte, kommt an der The Pearl quasi nicht vorbei. Denn deren Schalldruck-Potenzial um Welten höher als das der kleinen Akoya. Am besten einmal beim Händler des Vertrauens vergleichen.

Fazit

Zunächst einmal ist die Cabasse Pearl eine Ingenieurs-Meisterleistung: So viel Klang aus seiner so kleinen Kugel. Hinzu kommt ein ausgeschlafenes Konzept. Man kann mit einer, zwei oder vielen hören. Immer ist der Klang sehr dynamisch, sehr beeindruckend.

Und man braucht ja sonst nichts: Wer will, kann zwar viele Quellen anschließen, doch in den meisten Fällen ist man mit Streaming vom Handy, dem Rechner oder per Streaming-Dienst bestens versorgt. Die Pearl ist eine echt moderne Box – und eine Wuchtbrumme. Sie ist stark in der high-endigen Auflösung und so pegelstark, dass sie selbst riesige Standboxen in den Schatten stellt.

Zählt man alles zusammen, kann man zu dem Schluss kommen, dass wir es hier mit dem perfektem Lautsprecher zu tun haben: für Ohren, Augen, Raum, Konto, Herz.

Ständer
Für die Pearl gibt es spezielle Ständer aus Stahl. Ganz chic. Und mit 400 Euro pro Stück gar nicht teuer (Foto: H. Biermann)
Cabasse The Pearl
2020/20
Test-Ergebnis: 4,7
ÜBERRAGEND
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Dynamisch-präziser Klang, tolles Panorama
Extrem pegelfest, Schalldruck bis 115 dB
Kabellos, bis zu 16 Paare ansteuerbar, einfach einzurichten
Exzellentes Preis/Leistungsverhältnis

Vertrieb:
ATR – Audio Trade
Schenkendorfstraße 29
45472 Mülheim an der Ruhr
www.audiotra.de

Paarpreis (Hersteller-Empfehlung)
Cabasse The Pearl: 5.438 Euro (Paar)
Cabasse The Pearl Stand: 800 Euro (Paar)

Technische Daten
Cabasse The Pearl
Konzept:3-Wege, aktiv entzerrte Wirelessbox
Abmessungen∅ 32,6 cm
Gewicht18,5 Kilo
Maximaler Pegel
115 dB (Paar, LowBeats Messung)
AusführungenHochglanz-Weiß und -Schwarz
BesonderheitenKoax, Kugelform, pegelabhängiger Bass
Alle technischen Daten
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Autor: Andreas Günther

Andreas Günther
Der begeisterte Operngänger und Vinyl-Hörer ist so etwas wie die Allzweckwaffe von LowBeats. Er widmet sich allen Gerätearten, recherchiert aber fast noch lieber im Bereich hochwertiger Musikaufnahmen.