Reinigung von Vinyl-LPs: LowBeats hat von einfacher Bürste über Mini-Staubsauger, klassischer Platten-Waschmaschine über Klebefilm bis Wasch-Vollautomat alles ausprobiert. Was fundktioniert für welches Budget wie gut? (Foto: R. Vogt)
Reinigung von Vinyl-LPs: LowBeats hat von einfacher Bürste über Mini-Staubsauger, klassischer Platten-Waschmaschine über Klebefilm bis Wasch-Vollautomat alles ausprobiert. Was fundktioniert für welches Budget wie gut? (Foto: R. Vogt)

Testübersicht: Gründliche Vinyl-Schallplatten-Reinigung für jedes Budget

Was Musikhören angeht, komme ich fraglos eher aus der digitalen Ecke. Aber ich bin seit den 1980er Jahren immer Vinyl-Fan geblieben und habe natürlich noch einige Regalmeter Jugendsünden im Schallplattenregal. Nun habe ich nach langer Recherche 2020 einen für mich absolut passenden, wie ich finde sehr coolen Plattenspieler erworben und schnell entdeckt, dass die alten Platten verdammt gut klingen können – wenn da nur das Rauschen und Knacksen durch Staub und Schmutz nicht wäre. Also habe ich weiter recherchiert: Dieses Mal danach, wie man das nun wieder wegbekommt.

Knosti Plattenwaschmaschine (Foto: R. Vogt)
Knosti Plattenwaschmaschine (Foto: R. Vogt)

Erste Versuche, meine Platten zu reinigen, erfolgten mit einer geliehenen Knosti Plattenwaschmaschine. Das hat zwar ein bisschen geholfen, brachte aber nicht das erhoffte Ergebnis. Mit der Knosti wird die LP manuell durch ein Wasser/Alkoholbad gedreht und danach zum Trocknen in einen Ständer gestellt. Ehrlich gesagt, würde ich nach meinem jetzigen Erfahrungsstand diese Methode nicht mehr empfehlen. Mit deutlich unter 100 Euro sind diese einfachen Waschwannen zwar günstig, aber der Vorgang dauert lange und bringt nur eine mäßige Reinigungsleistung.

Aber es gibt wirklich Besseres: bewährte, gute und effiziente Lösungen, die immer auf wenige Funktionsprinzipien hinauslaufen: Entweder gute manuelle oder halbmanuelle Plattenwaschmaschinen als perfekte Vernunftslösung oder die teureren, aber noch etwas gründlicheren voll- und halbautomatischen Waschmaschinen mit Ultraschall. Und wenn die Platte erst einmal perfekt sauber ist, kann man sie mit guten Trockenbürsten recht lange knackfrei halten. Alleiniges Trockenbürsten hilft leider ohne Grundwäsche nach meiner Erfahrung nicht. Erkenntnis: Selbst niegelnagelneue LPs, frisch aus der Folie befreit, klingen nach einer Grundwäsche besser als direkt aus der Presse.

Die perfekte Vinyl-Schallplatten-Reinigung: was wurde getestet?

Wer in die Thematik Vinyl-Schallplatten-Reinigung eintaucht, stößt schnell auf eine riesige Zahl an Produkten und Mittelchen, die alle viel versprechen und besser sein wollen als alle anderen. Wir haben versucht, jeweils einen seriösen Vertreter für die jeweilige Produktgruppe herauszupicken – da kam schon eine Menge zusammen. Und wir gehen davon aus, dass vergleichbare Modelle der Mitbewerber jeweils auch ähnlich gute Leistung erzielen können. Im Test waren:

Jeder der Einzeltests umfasst eine ausführliche Produktvorstellungen und einen Demofilm zur Anwendung.

Zunächst war mein Ziel, einen schönen messtechnischen Beweis für einen Vergleichstest verschiedener Geräte und Methoden zu liefern. Das wäre ein klassischer LowBeats-Ansatz. Aber die Idee scheiterte an der Reproduzierbarkeit der Verschmutzung der Platten und einer klaren Quantifizierbarkeit. Dafür aber ist der empirische Ansatz gut dokumentierbar – wie unten im Bild mit den drei Spektrogrammen zu sehen. Sie zeigen die Leerrille einer LP zwischen dem ersten und zweiten Titel. Die obere Aufnahme ist nach Wäsche mit Knosti und vor dem Abtasten mit klassischer Carbon-Trockenbürste gefegt. Man sieht den Rauschgrund als blaue Partikel und Streifen. Die klaren Linien sind vernehmbare Knackser, die sich als breitbandiger Impuls manifestieren.

Leerrille einer LP: Spektrogramm nur trocken gebürstet (oben), nach einer Wäsche mit Pro-Ject VC S2 (mitte) und nach einer zweiten Wäsche (Foto; R. Vogt)
Leerrille einer LP: Spektrogramm nur trocken gebürstet (oben), nach einer Wäsche mit Pro-Ject VC-S2 (Mitte) und nach einer zweiten Wäsche (Foto; R. Vogt)

Nach einer Nasswäsche mit der Pro-Ject VC-S2 zeigt das mittlere Spektrogramm derselben Leerrille eine erhebliche Minderung der Knackser – vor allem aber des Grundgeräuschpegels. Das untere Spektrogramm belegt eine weitere Reduktion nach einer zweiten Wäsche. Und so klingt es auch stets noch einmal feindynamischer und räumlicher – und zwar je öfter man sein altes LP-Schätzchen mit einer Nasswäsche behandelt.

Interessanterweise hilft es kaum, wenn man die Waschlotion länger einwirken lässt. Das ist wie mit dem Händewaschen: Wenn man nach einer Fahrrad-Reparatur ölverschmierte Finger hat, werden die auch oft nicht mit der ersten Reinigung perfekt sauber. Doch nach einiger Zeit noch ein paarmal gewaschen, wird die Haut wieder richtig sauber.

Die typischen Vertreter ihrer Gattung

Natürlich musste eine gute manuelle Plattenwaschmaschine im Testlauf dabei sein. Unsere Wahl fiel auf die Pro-Ject VC-S2 Alu, die alle klassischen Attribute eines solchen Geräts vereint und dabei robuste Bauweise mit toller Verarbeitung (in Ganzmetall-Ausführung) für unter 500 Euro bietet.

Die Pro-Ject VC S2 besteht aus Alu/Kundstoff-Sandwich-Platten, bietet einen kräftigen Antrieb und verblüffend starke Absaugung (Foto: R. Vogt)
Die Pro-Ject VC S2 besteht aus Alu/Kunststoff-Sandwich-Platten, bietet einen kräftigen Antrieb und verblüffend starke Absaugung (Foto: R. Vogt)

Bei der Pro-Ject wird einfach die Platte eingeklemmt, gedreht; man trägt manuell eine Waschlotion auf und bürstet dabei. Anschließend wird aktiv trockengesaugt – fertig. Die Reinigungsleistung hängt dabei primär von der Waschlotion, deren Einwirkzeit und dem Bürsten sowie der Bürste selbst ab. Und die Trocknung muss schnell gehen und darf keine Restfeuchte hinterlassen. Das erfüllt Pro-Ject perfekt und in einer Verarbeitung die vermutlich ein Leben lang hält.

Cyberchemics Reinigungsflüssigkeit "Pure Sound" für die Plattenwaschmaschine (Foto: R. Vogt)
Cyberchemics Reinigungsflüssigkeit „Pure Sound“ für die Plattenwaschmaschine (Foto: R. Vogt)

Zubehör gibt es für diese manuelle Wäsche reichlich, vor allem Wässerchen und Bürstchen. Ich folgte einem Tipp vom Wormser Plattenladen Heaven Records, die jährlich tausende Platten waschen und im Laufe der Zeit so gut wie alles ausprobiert haben. Die Wormser rieten mir zu Pure Sound von Cyberchemics. Cyberchemics ist eine kleine Firma, die ursprünglich aus der chemischen Forschung kommt. Und ja, von den Reinigungslotionen, die ich ausprobierte, reinigte Pure Sound am besten. Allerdings: Wer Schellackplatten waschen möchte, sollte lieber zu dem ebenfalls sehr gründlichen Pro-Ject Wash-It greifen, welches nur mit destilliertem Wasser verdünnt das historische Material nicht angreift. In den meisten Waschlotionen, wie auch in Pure Sound ist Alkohol enthalten – der löst Schellack…

"Audio Desk Systeme Gläss Vinyl Cleaner Pro X" wäscht und trocknet vollautomatisch und nutzt rotierende Bürsten plus Ultraschall zur Reinigung (Foto: R. Vogt)
„Audio Desk Systeme Gläss Vinyl Cleaner Pro X“ wäscht und trocknet vollautomatisch und nutzt rotierende Bürsten plus Ultraschall zur Reinigung (Foto: R. Vogt)

Bequemer, und in diesem Falle auch noch gründlicher, ist der Wasch-Vollautomat Audio Desk Systeme Gläss Vinyl Cleaner Pro X. Der wurde mir von diversen Vinyl-Kennern empfohlen und sie hatten eindeutig Recht. Der vollautomatische Ablauf mit Waschen, Bürsten, Ultraschall und anschließender Trocknung reinigte so porentief wie kein anderes Produkt, das wir im Test hatten. Vorbildlich ist zudem die wirklich simple Handhabung und Wartung. Nur für Eilige ist die Gläss nichts, dafür sind aber gleich beide Plattenseiten gleichzeitig fertig.

Astat Grüner Record-Film wird flüssig aufgetragen und lässt sich getrocknet mitsamt Schmutz wieder abziehen (Foto: R. Vogt)
Astat Grüner Record-Film wird flüssig aufgetragen und lässt sich getrocknet mitsamt Schmutz wieder abziehen (Foto: R. Vogt)

Ebenfalls sehr gründlich und effizient auch hartnäckigen Schmutz und Ablagerungen aus der Plattenrille zu ziehen ist der Astat Grüner Record-Film. Das flüssige Latex trocknet innerhalb einer Stunde und lässt sich mitsamt Schmutz rückstandsfrei vom Vinyl abziehen. Cool bei alten Partyscheiben und ehemaligen nass-gespielten LPs. Vor allem für alle jene perfekt, die nicht gleich in eine Waschmaschine investieren möchten.

Die Flux Brush verbindet die klassische Kohlefaserbürste zum statischen entladen mit der Reinigung durch langflorigen Samt (Foto: R. Vogt)
Die Flux Hifi Vinyl Brush verbindet die klassische Kohlefaserbürste (gut zum statischen Entladen) mit der Reinigung durch langflorigen Samt (Foto: R. Vogt)

Einmal gewaschen, kann man die Platten recht gut mit Bürsten staubfrei halten. Im Idealfall zieht die Bürste Staub auch tief aus der Rille und schafft es gleichzeitig, die elektrostatische Ladung des Vinyls ableiten, um unschöne Entladungen am Tonabnehmer zu verhindern. Gerade beim Ableiten der statischen Elektrizität versagen die meisten Bürsten auf dem Markt – egal, was sie versprechen. Empfehlenswert ist hier die Vinyl-Brush von Flux-Hifi. Ihre Kombination aus Geometrie, Samtauflage und Kohlefaserbürste – verbunden mit guter elektrischer Ableitung – überzeugte uns am stärksten.

Ähnlich Dyson oder Vorwerk saugt der Turbo 2.0 den von der Bürste aufgewirbelten Staub auf (Foto: R. Vogt)
Ähnlich Dyson oder Vorwerk saugt der Turbo 2.0 den von der Bürste aufgewirbelten Staub auf (Foto: R. Vogt)

Noch gründlicher geht es mit dem Flux-Hifi Turbo 2.0 Ministaubsauger. Der reitet auf Filzgleitern und fegt dabei mit superfeiner Carbonbürste die Rillen und leitet gleichzeitig die Statik ab. Der gefegte Schmutz aus der Rille wird im gleichen Moment vom kleinen, aber kräftigen Handsauger entfernt und landet wie beim großen Staubsauger gesammelt im Filter. Klingt zunächst verrückt, funktioniert aber prächtig.

"Schallplattenreinigungsbürste" heißen die Manufaktur-Produkte von Levin Design schlicht. Es gibt Kaschmir-Ziegenhaar für den trockenen und Roßhaar für den nassen Einsatz sowie edle Hölzer für den Griff. (Foto: R. Vogt)
„Schallplattenreinigungsbürste“ heißen die Manufaktur-Produkte von Levin Design schlicht. Es gibt Kaschmir-Ziegenhaar für den trockenen und Rosshaar für den nassen Einsatz sowie edle Hölzer für den Griff. (Foto: R. Vogt)

Wer etwas edler bürsten möchte, für den bietet Levin Design mit der Schallplattenreinigungsbürste Manufakturprodukte vom Bürstenmachermeister mit Naturhaar. Edelste Hölzer stehen dabei zur Auswahl. Die Bürste „dry“ (für die Staubentfernung vor dem Abspielen) verwendet feinstes Kaschmir Ziegenhaar, die Rosshaarbürste „wet“ ist für den Einsatz auf manuellen Plattenwaschmaschinen wie der Pro-Ject VC-S2 gedacht. Aus den gleichen Hölzern kann man zur Aufbewahrung ein Etui bestellen.

Reinigung und Aufbewahrung: Was es noch zu beachten gibt

Meine Platten sind die letzten dreißig Jahre praktisch nicht mehr gelaufen. Eine Gefahr bei der Langzeitlagerung kommt dabei aus manchen Plattenhüllen. Hintergrund: Bei Plattenhüllen aus oder mit Kunststoff kann sich der Weichmacher auf und in das Vinyl ablagern. Diese sogenannten „Phthalate“ werden zu Rückständen, die sich nicht wieder entfernen lassen, da sie chemisch mit dem Vinyl verbinden. Das gilt für Pressungen aller Preislagen.

Gefahr aus dem Kunststoff: Phthalat (Weichmacher) diffundiert aus der Hülle in das Vinyl (Foto: R. Vogt)
Gefahr aus dem Kunststoff: Phthalat (Weichmacher) diffundiert aus der Hülle in das Vinyl (Foto: R. Vogt)

Auf dem Foto ist eine ECM-Scheibe von Keith Jarrett aus den 80ern. Die ist zwar nach dem Waschen optisch wieder blank, aber nicht mehr so störarm wie zuvor. Schade. Oft ist das nicht so offensichtlich wie auf dem Foto. Also: Beim Archivieren besser reine Papierhüllen oder Kunststoff ohne Weichmacher (oft ausgewiesen) verwenden. Denn die Phthalat-Rückstände erzeugen zusätzliches Rauschen und Knackser.

Fazit Vinyl-Schallplatten-Reinigung: waschen, waschen, waschen.

Mein persönliches Fazit nach einigen Monaten des Experimentierens mit all den Mittelchen, Methoden und Geräten, nach viel Austausch mit Herstellern und Phono-Kennern: Wer Vinyl klanglich auf die Spitze treiben möchte, der muss regelmäßig nass waschen. Nur so kommt wirklich alles aus der Rille, was zuvor in der Press-Matrize steckte. Selbst ganz neue Platten gewinnen spürbar, wenn man sie zuvor wäscht. Und sorry: Nur mit Waschen bekommt man die Rille wirklich blank.

Auch das Flüssiglatex funktionierte gut, ist aber für größere Mengen an Platten viel zu umständlich und zu langsam. Es ist eine perfekte Lösung für Einzelfälle. Mit einer guten Trockenbürste oder dem Turbo-Sauger lassen sich gewaschene Platten einige Einsätze lang mit wenig Aufwand staubfrei halten.

Ich hätte es ja zuvor nicht gedacht: Aber ich denke, man sollte dem Waschen so viel Aufmerksamkeit schenken wie etwa dem Tonabnehmer. Sonst verschenkt man mächtig Klangpotenzial.

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Hier noch einmal die Auflistung der Einzeltests, zu denen wir ausführliche Produktvorstellungen (alle mit Demofilm zur Anwendung) gemacht haben:


Autor: Raphael Vogt

Technischer Direktor bei LowBeats und einer der bekanntesten Heimkino-Experten der Republik. Sein besonderes Steckenpferd ist die perfekte Kalibrierung von Beamern.