Vergleich True Wireless In Ear: Apple, Cambridge Audio, Sennheiser, Sony

Vergleich True Wireless In Ear Teil 3: Sennheiser Momentum True Wireless

Vergleich True Wireless In Ear: Sennheiser Momentum True Wireless Modell
Der Sennheiser Momentum True Wireless verzichtet auch im Ohr auf jede Art von Fashion. Es ist die aus Sennheiser Sicht beste Form, wie man so etwas machen kann (Foto: Sennheiser)

Nun ist die Welt glücklicherweise nicht eindimensional. Keine Scheibe, von der man am Rand abrutschen kann. Deshalb pirscht sich auch die Gegenseite an. Nicht von der Computer-Welt wie Apple, sondern aus dem Kosmos der etablierten Kopfhörerhersteller. Hier spielt auch Sennheiser mit – und zwar mächtig. Nordwestlich von Hannover haben die Ingenieure ebenfalls einen komplett kabellosen In-Ohr-Kopfhörer entwickelt. Der zudem um einiges teurer ist als das Apple-Original. Wir liegen bei rund 300 Euro. Da darf man schon einiges erwarten.

Sennheiser Momentum True Wireless mit Case
Klassisch Sennheiser: Das Case wirkt mit seinem Stoffbezug eher gediegen (Foto: Sennheiser)

Und tatsächlich lassen sich die Niedersachsen nicht lumpen. Streckt sich Apple in die Länge, so sucht Sennheiser den Weg im Kubus – das ist eine veritable Wuchtbrumme in den Ohren. Kein Knopf, sondern eher ein miniaturisiertes Fässchen. Das fühlt sich in den Ohren dennoch recht angenehm an. Man könnte damit joggen. Der Halt ist sehr gut – wenn man in der Vielfalt der beigefügten Passstücke die richtige Größe ausgewählt hat. Hier zeigt sich das Knowhow der Kopfhörer-Profis. Der Treiber ist effektiv, das Klangbild wirkt deutlich schneller als bei Apple.

Sennheiser Momentum True Wireless aufladen
Über kleine Pins werden alle In Ears (nicht nur der hier gezeigte Sennheiser) aus dem größeren Akku des Case aufgeladen (Foto: H. Biermann)

Zudem hat Sennheiser eine umfangreiche App entwickelt, über die sich der Frequenzgang nach Geschmack anpassen lässt. Einfach mit dem Finger den Bass anheben, oder die Mitten bevorzugen – sinnlicher und effektiver lässt sich ein Frequenzgang nicht anpassen. Wir hören das Ergebnis subito. Auch in allen weiteren Optionen kann Sennheiser mit Apple mithalten. Die Ohr-Winzlinge sind empfindlich für Fingerberührungen. Hier lässt sich die Lautstärke anpassen, ebenso kann man Telefonanrufe annehmen. Wer eine gute Freisprecheinrichtung sucht – auch hier wird er fündig. Die eingebauten Mikrophone entstammen ebenfalls dem Sennheiser-Wissen – das klingt auch für den Gesprächspartner höchst annehmbar. Klasse dazu die Konstruktion der an- und abgeschalteten Realität – auf einen Fingertipp verschwinden alle Musiksignale, und die Mikrofone übertragen direkt die Geräusche und Informationen der Außenwelt.

Klanglich liegen wir deutlich über den Apple-Tropfen. Sennheiser kennt einfach die Feinheiten des richtigen Klangs. Hier wird nichts gefiltert, hier kommt deutlich mehr Drive in das Klangbild. Mitunter kann es hart werden. Doch das liegt an der kritischen Auflösung der Ur-Bits. Also: Wer diese Sennheiser-Knöpfe sein eigen nennt, der sollte das Maximum an Auflösung an die Membranen streamen. Die Analyse ist hoch, dazu stimmt das Tempo – hier wird rasant schnell und detailreich gewandelt. Nie hätte ich dieses Klangerlebnis von einem so kleinen, kabellosen System erwartet.

Vergleich True Wireless In Ear Teil 4: Sony WF-1000XM3

Vergleich True Wireless In Ear: Sony WF-1000WM3 Modell
Der Aufbau und die Ergonomie gelang Sony mit am besten: der Korpus ragt nicht sehr weit heraus. Ein Liegen auf der Seite ist mit den WF-1000XM3 so eben noch denkbar (Foto: Sony)

Jetzt kommt das Wunderwerk. Sony verpackt in seinem WF-1000XM3 nicht nur zwei gute Wandler, nicht nur ein Bluetooth-Modul – in der Kür gibt der Erfinder des Walkman seinem In Ear sogar ein aktives Noise-Cancelling dazu. Einfach in die Ohren stecken und den Lärm der Umwelt ausblenden. Vor einigen Jahren noch hatte allein dieser Baustein Kubikzentimeter gefressen, nun passt er in einen In-Ear-Speaker.

Sony WF-1000WM3 Explosionszeichnung
Auch dies ein Meisterwerk der Feinmechanik. Und dann steckt sogar noch eine Noise-Cancelling-Schaltung drin… (Foto: Sony)

Die WF-1000XM3 sind erstaunlich klein und gut zu tragen. Sechs passende Ohrstücke liegen bei. Da sollte für jedes Ohr etwas dabei sein. Dazu gibt es noch den Lifestyle-Faktor. Den Sony vorbildlich auslebt. Man sieht einfach gut aus mit diesen Knöpfen im Ohr. Die Seitenflächen sind tipp-aktiv. Ein Tipp – und wir lassen die Umweltgeräusche durch und können die hübsche Dame nach dem Weg fragen. Ein anderer Tipp – und wir nehmen ein Telefongespräch an. Super inszeniert, elegant umgesetzt. Auch Sony hat – das sei hier noch erwähnt – eine App, mit der man das Handy steuern kann. Doch die ist im Vergleich zur Sennheiser App nicht sehr vielseitig. Sinnvoll ist das Herunterladen für den Besitzer des WF-1000XM3 aber trotzdem.

Sony WF-1000WM3 case
Die Verpackung ist elegant, aber nicht mehr ganz klein. Dennoch: Die nimmt man doch gern mit auf Reisen… (Foto: Sony)

Doch die Entwickler werfen auch mit einigen kryptischen Fachkürzeln um sich. Beispielsweise DSEE HX – hier sollen komprimierte Daten auf HighRes-Qualität geliftet werden. Ehrlich – genau hier liegt die Grenze. Der WF-1000XM3 hat das Format, jeder Klangkost auf den Grund zu gehen. Noch vor fünf Jahren hätte ich beispielsweise beim iPhone empfohlen, dass man seine Songs in ACC rastern soll. Mit WF-1000XM3 hingegen erkennt man solche Komprimierungen. Der WF-1000XM3 zeigt eindeutig, das AppleLossless die bessere Wahl ist.

Das Noise Cancelling funktioniert überraschend eindrucksvoll – obwohl dieser Kopfhörer kaum über passive Geräuschunterdrückung verfügt. Hier gibt es keine Polster, die das Ohr abschirmen, alles muss über den internen Chip geschehen. Die Klangabstimmung ist für Japaner erstaunlich europäisch-neutral. Wir staunten über die Klarheit, die Mittenbetonung, das Tempo. Wunderbar viele Informationen, richtig und stark.

Fazit

Es ist uns noch nie passiert, dass wir in einem Test mit vier Testmodellen viermal das Urteil „überragend“ vergeben haben. In dem Vergleich True Wireless In Ear sehr wohl. Es ist wirklich faszinierend, wie viel Technik auf so wenig Raum unterzubekommen ist. Und dennoch unterscheiden sich die True Wireless In Ear Hörer so deutlich, dass jeder von ihnen seine Fan-Gemeinde gewinnen wird.

Apple Airpods 2: Jeder wird diese Kopfhörer in Ihren Ohren erkennen. Das Design ist singulär. Der Klang hingegen wirkt fast nebensächlich gegenüber der Macht von Apple. Doch keine falsche Kritik. Diese Hörer sind tendenziell sehr natürlich abgestimmt. Nicht warm, aber elegant. Die höchste Auflösung fehlt, aber der Drive ist da – das ist ein Spaßmacher, den man am besten mit allen Funktionen in Anbindung an ein iPhone genießt. Der Preis für die Airpods 2 im kabelgebundenen Case liegt offiziell bei 180 Euro. Das ist schon sehr günstig. Doch bei den riesigen Stückzahlen, mit denen Apple den Markt flutet, purzeln auch die Preise. Genauer: Auch bei seriösen Anbietern kostet er kaum mehr als 140, die Version mit kabellosem Case liegt bei 170 Euro. Da gibt es wenig Argumente, die gegen Apples Airpods sprechen…

Beim Cambridge Audio Melomania 1 hat man den Eindruck, hier stimmt was nicht. Mit einem offiziellen Verkaufspreis von 130 Euro unterbieten die Briten alle Konkurrenten deutlich. Und obwohl hier bei weitem nicht die Stückzahlen der Airpods 2 aufgelegt werden, stellt sich an keiner Stelle das Gefühl von „billig“ ein. Die Ladeleistung ist immens, der Klang etwas mittenbetont, schlank im Bass, aber ehrlich. Auch das Finish ist in Ordnung. In der Summe kann das fast mit dem Marktführer Apple konkurrieren. Wer nicht über die große Brieftasche verfügt, aber unbedingt True Wireless In Ear hören will und nicht auch zu den Abertausenden von Airpods-Usern gehören möchte – hier ist der Alternativ-Tipp. Nur den ganz satten Bass sollte hier niemand erwarten…

Sony WF1000XM3: Bislang hatten die Japaner immer eine Spur zu viel an Brillanz aufgelegt. Hier hingegen zeigt sich eine audiophilere Gangart mit harmonischem Klangbild und rassigem Tempo: großartig. Als einzigartige Zugabe gibt es ein aktives Noise-Cancelling on top. Das Gesamtpaket könnte viel runder nicht sein. Auch die Praxiswerte stimmen – das Case birgt Akkus, in wenigen Minuten sind die Winzlinge wieder komplett aufgeladen. Wer viel auf Reisen ist, findet hier den optimalen Reisebegleiter.

Die Sennheiser Momentum True Wireless sind nicht wirklich klein. Etwas dicklich ragen sie aus dem Ohr. Aber wen stört’s? Wir sprechen über Klang und die Klangausbeute des kabellosen Momentum wird von keinem uns bekannten True-Wireless-Hörer angefochten. Dieses Maximum an Analyse, diese innere Geschlossenheit – ein wunderbarer Klangwandler, dazu kombiniert mit einer starken App, die eine perfekte Anpassung an die eigene Akustik oder an den eigenen Geschmack ermöglicht. Der Preis ist gehoben, aber angesichts von Klang und Finish absolut angemessen.

Die Ergebnisse in der Übersicht:

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LowBeats Bewertung Apple Airpods 2
LowBeats Bewertung Cambridge Audio Melomania 1
LowBeats Bewertung Sony WF-1000XM3
LowBeats Bewertung Sennheiser Momentum True Wireless
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Autor: Andreas Günther

Andreas Günther
Der begeisterte Operngänger und Vinyl-Hörer ist so etwas wie die Allzweckwaffe von LowBeats. Er widmet sich allen Gerätearten, recherchiert aber fast noch lieber im Bereich hochwertiger Musikaufnahmen.