ChordOhmic Transmission Fluid
Die Kabelspezialisten von Chord Company haben eine spezielle, angeblich klangsteigernde Reiniguingsflüssigkeit entwickelt. Der Preis liegt bei 250 Euro pro Set. Wir hatten sie im Test (Foto: Chord Cable)

Zubehör-Ratgeber Teil 3: Kontaktreiniger ChordOhmic Transmission Fluid

Saubere und kontaktschlüssige Verbindungen sind ein nicht zu unterschätzendes Detail in einem anspruchsvollen Wiedergabesystem. Damit sind nicht Extremsituationen wie Wackelkontakte gemeint, die zu temporären oder dauerhaften Ausfällen führen können, sondern Klangeinflüsse durch beispielsweise korrodierte oder verschmutzte Verbinder. Auch dieses Thema ist alles andere als neu und unumstritten. Die Erklärungen oder wissenschaftlichen Betrachtungen dazu überlasse ich anderen. Erneut gilt für den ambitionierten HiFi-Enthusiasten nur: „Kann ich es hören?“ Genau das wollten wir herausfinden und nutzten dafür ein Mittel, das im Fachhandel durchweg als gut bewertet wird: das ChordOhmic Transmission Fluid für 250 Euro pro Set.

Selbstverständlich können und sollten HiFi-Freunde schon aus rein praktischen Gründen (Funktions- und Werterhalt) die Kontakte ihrer Kette möglichst sauber halten und ggf. deutliche Korrosionen beseitigen. Da die meisten Stecker und Buchsen heute vergoldet sind und keine mit der Zeit zerbröselnden Isolatoren haben, dürften Simpelkontakte, wie man sie an manchen gebrauchten HiFi-Geräten alter Tage findet, heute eigentlich kein Thema mehr sein.

Dennoch ist Pflege angebracht. Einfachste Möglichkeit: Isopropylalkohol aus der Apotheke besorgen. Aber das kann unter ungünstigen Umständen bestimmte Materialien und Oberflächen angreifen. Preisgünstige Kontaktpflegemittel aus dem Elektronikzubehör sind auch nicht der Weisheit letzter Schluss für teure Verbindungen. High-Ender lassen daher nichts anbrennen und geben auch mal ein paar Euro mehr für hochspezialisierte Mittel aus. Stammen die von einem bekannten, seriösen Hersteller, sollte ein vorurteilsfreier Blick darauf erlaubt sein.

ChordOhmic Transmission Fluid Set
ChordOhmic Transmission Fluid Set mit Politur zur Reinigung und Vorbehandlung, sowie einem Polymer zur Kontaktoptimierung (Foto: Chord)

Das Konzept des ChordOhmic Transmission Fluid

Der renommierte britische Kabelspezialist Chord Company, dessen Produkte hierzulande von der Drei H Vertriebs GmbH betreut werden, hat mit dem ChordOhmic Transmission Fluid (250 Euro) ein Zwei-Komponenten-Set zur Kontaktpflege und -Optimierung entwickelt, was angeblich vier Jahre lang gedauert und 500 Prototypen bzw. Versuchsmittel erfordert hat, bis das Ergebnis die Macher zufrieden gestellt hat. Das Set besteht aus einem 10-ml-Fläschchen mit einer Art Edelmetall-Politur und einem weiteren 10-ml-Fläschchen mit einem Kontaktpolymer – dem eigentlichen Wirkstoff. Eine gut verständliche Anleitung (englisch) und Wattestäbchen unterschiedlicher Größe gehören zum Lieferumfang.

Mit der cremig weißen Politur werden zunächst Stecker und Buchsen vorbehandelt und gründlich gereinigt. Das funktioniert sehr effizient, wie man an den verschmutzten Wattestäbchen und den anschließend fein glänzenden Verbindern gut sehen kann. Ein Nachteil ist, dass sich die leicht dickflüssige Substanz in Ritzen festsetzt (z. B. Cinch-Stecker mit Klemmpolen oder in Dehnungsfugen am Schirm), wo sie mit den Wattestäbchen nicht ohne weiteres heraus gewischt werden kann. Solange die Kontaktflächen sauber werden, ist das aber nicht schlimm.

ChordOhmic Transmission Fluid Zubehörr
Wattestäbchen werden mitgeliefert. Darüber hinaus ist ein Stück Haushaltspapier und/oder ein Mikrofasertuch (z. B. die kleinen Tücher vom Optiker) für die Prozedur erforderlich (Foto: F. Borowski)

Im nächsten Schritt wird dann in zwei Durchgängen eine kleine Menge des ebenfalls weißlichen, aber dünnflüssigeren Polymers aufgetragen. Diese Beschichtung hat gewisse Ähnlichkeiten mit einem Autowachs, welches die Lackoberfläche glatter macht. Nur geht es bei dem Kontaktmittel eher darum, mikroskopisch kleine Unebenheiten an Steckern wie Buchsen aufzufüllen und somit eine homogenere Kontaktfläche herzustellen. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt übrigens auch WBT mit seinen PlasmaProtect-KOntaktmitteln. Nur dass diese in einem aufwendigen Prozess mit einer nanotechnischen PVD-Beschichtung versehen werden.

ChordOhmic Transmission Fluid Prinzipdarstellung
Links: Kontakte unter geringem (oben) und hohem Anpressdruck. Rechts: Mikroskopische Unebenheiten der Materialoberfläche sollen mit dem Chord Polymer aufgefüllt werden und so für eine bessere Kontaktfläche sorgen (Grafik: Chord)

Nach jedem Polymer-Auftrag muss die Schicht mindestens 10 Minuten (besser eine halbe bis eine Stunde) trocknen. Allein dieser Vorgang macht schnelle Vorher/Nachher-Versuche praktisch unmöglich. Um dieses Problem zu umgehen haben beim Chord-Vertrieb für diesen Test zwei Sets exakt gleich konfektionierter Lautsprecherkabel Chord ClearwayX mitgeordert: von der gleichen Rolle, mit gleicher Länge (4 m) und gleichen Steckverbindern. Brandneu, unbenutzt und somit auch nicht eingespielt. Die Kontakte an einem der Kabel wurden dann von uns mit ChordOhmic behandelt, die des anderen Kabel blieben unbehandelt.

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ChordOhmic Transmission Fluid LowBeats Versuchsaufbau
Zwei exakt gleich konfektionierte Lautsprecherkabel. Die Stecker des Oberen wurden mit ChordOhmic behandelt (Foto: F. Borowski)
ChordOhmic Transmission Fluid
Hier eine Nahaufnahme eines der (fabrikneuen) Stecker am unbehandelten LS-Kabel. Es sind deutliche Unebenheiten zu erkennen (Foto: F. Borowski)
ChordOhmic Transmission Fluid
Ein Stecker nach der Behandlung. Die Oberfläche wirkt etwas matter, leicht milchig, aber deutlich homogener. In den Federkontakten sind leichte Rückstände der Politur zur Vorbehandlung erkennbar. Das ist unproblematisch (Foto: F. Borowski)
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Dass es sich dabei um relativ günstige LS-Kabel handelt, die zudem nicht eingespielt sind, ist unerheblich. Entscheidend ist nur, dass die Grundvoraussetzungen so gleich wie möglich sind. Das ist nötig, denn bei der Behandlung meiner eigenen Lautsprecherkabel mit ChordOhmic war der Zeitversatz von gut zwei Stunden zwischen dem Hören, Behandeln und erneut Hören einfach zu groß, um ein klares Urteil fällen zu können Denn natürlich reden wir hier nicht von dramatischen Klangveränderungen, wie bei einem Wechsel der Lautsprecher auf ein ganz anderes Modell. Außerdem gab es bei meinem Versuch kein Zurück auf ein unbehandeltes Kabel…

Aus praktischer Sicht kann ich mit meinen eigenen Versuchen die einfache Anwendung der zwei Komponenten bestätigen. Etwas Zeit und Muße sollten Sie sich dafür aber auf jeden Fall nehmen. Eine ebenfalls wichtige Erkenntnis ist, dass beide Mittel bei Anwendung nach Anleitung äußerst ergiebig sind. Selbst wer einmal im Jahr damit alle wichtigen Kontakte – hauptsächlich Lautsprecherkabel- und Terminals – behandelt (häufiger ist auf keinen Fall erforderlich), sollte mit einem Set viele Jahre auskommen.

Hörtest ChordOhmic Transmission Fluid: Es wirkt!

Meinetwegen halten Sie mich für verrückt, aber in meinen Versuchen ist definitiv ein Unterschied zwischen den beiden Testkabeln vorhanden. Mit dem eindeutigen positiveren Ergebnis für die mit ChordOhmic behandelte Strippe. Ich hatte schon früher zu verschiedenen Gelegenheiten ähnliche Erfahrungen mit anderen Kontaktmitteln und auch mit identischen Kabeln aber unterschiedlichen Steckverbindern gemacht. Perplex bin ich daher nicht.

ChordOhmic Transmission Fluid LowBeats Versuchsaufbau
Unbehandeltes vs. behandeltes Lautsprecherkabel (Foto: F. Borowski)

Das mit ChordOhmic behandelte Kabel lieferte neben transparenter wirkenden Mitten vor allem eine besser konturierte, weniger gebremste, beschwingt federnde Basswiedergabe, was mutmaßlich auf den angestrebten verbesserten Kontaktschluss zurückzuführen ist und damit das komplexe Zusammenspiel zwischen Verstärker und Lautsprecher erleichtert. Jedenfalls gefällt mir das Ergebnis, welches sich durch mehrfachen Tausch zwischen den beiden Testkabeln immer mehr verfestigte. Eine subtile Verbesserung – allerdings etwas mehr, als der von uns ebenfalls ausprobierte passiven Netzfilter von Furutech – siehe Zubehör-Report Teil 1. Dennoch sind die Fortschritte wahrscheinlich zu dezent, um weniger engagierte Musikhörer vom Nutzen überzeugen zu können. Aber für diese Gruppe ist das auch nicht gedacht. Aus audiophiler Sicht ist das Fluid eindeutig ein Fortschritt.

Fazit

Nicht nur der nachvollziehbare und eindeutig positive Klangeinfluss der ChordOhmic-Lösung ist ein gutes Argument. Die Tatsache, dass mancher viele tausend Euro in seine Verkabelung investiert und dass die Zwei-Komponenten-Lösung einen Pflege- und Konservierungseffekt hat, relativiert den hohen Anschaffungspreis und erübrigt zudem langwierige und vielleicht schädliche Versuche mit handelsüblichen Metallpolituren und möglicherweise zu aggressiven oder klanglich kontraproduktiven Tinkturen und Hausmittelchen.

Für anspruchsvolle Musikhörer und Besitzer hochklassiger Komponenten und Kabel ist die Investition in das ChordOhmic Transmission Fluid aus meiner Sicht einen durchaus sinnvolle Investition.

ChordOhmic Transmission Fluid
2021/04
Test-Ergebnis: 3,7
GUT
Effekt
Preis/Leistung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Mehr Transparenz und Basspräzision im Klang
Kluge Kombination zweier Substanzen
Reicht für viele Anwendungen
Recht teuer

Autor: Frank Borowski

LowBeats Experte für Schreibtisch-HiFi und High End kennt sich auch mit den Finessen der hochwertigen Streaming-Übertragung bestens aus. Zudem ist der passionierte Highender immer neugierig im Zubehörbereich unterwegs.