Furutech NCF Clear Line Gehäuse
Der Furutech NCF Clear Line ist ein rein passiver Netzfilter für 250 Euro, der das Klangbild beruhigen soll. Doch das klappt nicht in allen Fällen – wie der Test zeigt (Foto: Furutech)

Zubehör-Report Teil 1: Netzfilter Furutech Clear Line

Im Zuge unserer Recherchen und Tests rund um HiFi-Komponenten aller Art stoßen wir bei LowBeats auch immer wieder auf Zubehör, das potenziell das Zeug hat, den Klang der Geräte noch einmal zu verbessern. Das Spektrum reicht von Kabeln über Gerätebasen, Kontaktmittel, bis hin zu Optimierungen für das Stromnetz wie dem hier vorgestellten Furutech NCF Clear Line. Abseits der oft vollmundigen Marketingversprechen versuchen wir, den tatsächlichen klanglichen Nutzen solcher Gadgets oft über Wochen und manchmal Monate hinweg im Testalltag für Sie zu ergründen. Heute und in den kommenden Tagen möchten wir Ihnen drei dieser interessanten Zubehör-Komponenten vorstellen und unsere Hör- und Praxiserkenntnisse im Rahmen von Zubehör-Report Teil 1 – 3 mit Ihnen teilen.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Keines der im dreiteilig angelegten Zubehör-Report vorgestellten Produkte erhält von uns eine Pauschalempfehlung. Aber nicht aus Gründen der Untauglichkeit. Vielmehr liegt es einfach in der Natur der Sache. Zunächst einmal sind alle genannten Zubehöre nur für Nutzer interessant, die bereits über eine hochwertige und ordentlich abgestimmte Wiedergabekette verfügen, die aber noch „den letzten Schliff“ vertragen kann. Wasser in Wein verwandeln kann keines der Produkte und sie sind auch nicht das Mittel der Wahl, um die Tonalität der Anlage zu justieren. Aber im richtigen Umfeld sind Klangsteigerungen sehr wohl möglich und geben vielleicht sogar den entscheidenden Kick.

In den drei Zubehör-Reports stellen wir Ihnen folgende Komponentenn vor:

Teil I: Furutech AC Power Supply Optimizer NCF Clear Line Stromnetz-Optimierer (rund 250 Euro)
Teil 2: Fi Audio iPower Elite Netzteil für Komponenten wie DAC, Kopfhörerverstärker, Phonostufen etc. (rund 350 Euro)
Teil 3: Chord Cable ChordOhmic Transmission Fluid zur Kontaktpflege und -Optimierung (rund 250 Euro)

Furutech NCF Clear Line: der AC Power Supply Optimizer

Ist das Esoterik, oder kann man es wirklich hören? Wenn es um Zubehöre wie diese geht, ist das Urteil in den sozialen Medien und Internetforen längst gefallen: Voodoo-, Abzocke- oder Astrologie-Vorwürfe sind da nur einige von vielen unschönen (Vor-?) Urteilen. Es reicht schon, sich damit zu beschäftigen und zu berichten, um in die Spinner-Schublade gesteckt zu werden. Dabei ist wirklich nicht alles aus diesem Bereich für die Katz. Wobei die Preisgestaltung und die teils fadenscheinig wirkenden Erklärungen der Hersteller eine sachliche Analyse nicht gerade erleichtern.

Furutech NCF Clear Line
Furutech NCF Clear Line: Gewürzstreuer für die Steckdose? Das unscheinbare Modul soll Netzstörungen auf rein passive Weise filtern (Foto: F. Borowski)

Die Furutech AC Power Supply Optimizer stehen rein funktional betrachtet nicht allein auf weiter Flur. Die Idee zur Beseitigung von Netzstörungen mittels eines Steckers, der in eine freie Dose irgendwo in der Nähe der Anlage gesteckt wird, ist nicht neu. So bieten Hersteller wie iFi Audio, Ansuz Acoustics oder auch Nordost verschiedene AC-Optimierer an. Der technische Ansatz ist aber nicht bei allen gleich. Ich gebe die Erklärung von Furutech hier nur mit eigenen Worten wieder, soweit mir verständlich. Die Analyse der technischen Hintergründe sei erst mal dahingestellt.

Im Kern des rein passiven Konzepts steht das sogenannte NCF, was für „Nano Crystal² Formula“ steht. Das ist laut Furutech ein kristallines Material, welches einerseits negative Ionen erzeuge, die statische Aufladung beseitigen sollen, und andererseits Wärmeenergie in Ferninfrarot (ein Teilbereich des Infrarotspektrums) umwandeln soll. – Was schon mal merkwürdig klingt, ist doch Infrarot letztlich auch Wärmestrahlung. Also Wärme, die in andere Wärme umgewandelt wird? In Kombination mit nanoskopischen Keramikpartikeln und Kohlenstoffpulver sollen diese Kristalle zum „ultimativen elektrischen und mechanischen Dämpfungsmaterial“ werden. Zusätzlich kommen mit Rhodium beschichtete Elektroden und spezielle Luftspulen zur Resonanzdämpfung zum Einsatz. Das alles steckt in einem mehrlagigen Carbon-Gehäuse mit aufwendiger Versiegelung.

Furutech NCF Clear Line Spulen
Die Luftspulen im Clear Line. Das Video unten zeigt weitere Details des Aufbaus (Screenshot: F. Borowski)

Der Aufbau des Furutech NCF Clear Line

1. NCF-Körper (Multi-Material-Hybridstruktur): NCF-Nylonharz
2. Spulen: α(Alpha)-Reinkupfer-Rhodium-beschichtete Leiterelektroden und passive Luftspulen, aus α(Alpha)-OCC Lackdraht, beschichtet mit einem silberfarbenen, resonanzdämpfenden Material (siehe Bild zuvor).
3. Spezielle, selbstsichernde T10-Schneidschrauben und Unterlegscheiben aus Edelstahl
4. Gehäuse: 4-Schicht-Hybrid-NCF-Carbon-Gehäuse, bestehend aus einer äußeren harten Klarlackschicht über einer NCF-strukturierten Carbonfaser; Partikel-Verbundschicht mit einer weiteren Schicht aus NCF und einer darunter liegenden 3K-Kohlefaserschicht. Die innere Oberfläche besteht aus NCF-Nylon Isolierung.
5. Die interne Luftkammer ist für zusätzliche Dämpfungseffekte druckversiegelt.
6. NCF-Endabdeckung (Multi-Material-Hybridstruktur): Antistatische und resonanzunterdrückende Eigenschaften mit geformten Kanälen vergrößert die Oberfläche des NCF-Materials um 76%, um die Effektivität zu erhöhen – ultimative Resonanzdämpfung für verbesserte tonale Ausgewogenheit.

Bevor ich zu meiner klanglichen Einschätzung komme sei noch erwähnt, dass mein Hörraum weit abseits industrieller Anlagen und sonstiger externer Netzverschmutzer liegt. Innerhalb des Hauses ist der Hörraum auf einer eigenen Etage und hängt an einer eignen Haussicherung. Sind alle lokalen Verschmutzer (Lampen, Computer…) auf dieser Etage abgeschaltet, dürfte das Stromnetz bei mir vergleichsweise unbelastet sein. Dafür spricht, dass Tuningmaßnahmen für das Stromnetz hier in aller Regel nur sehr geringe klangliche Auswirkungen zeitigen. In anderen Hörumgebungen habe ich mit manchen von mir eingesetzten Produkten schon weitaus deutlichere Klangverbesserungen erlebt.

Die Wirkung des Furutech NCF Clear Line lässt sich zum Glück von der Methodik her leicht überprüfen. Sofort nach dem Einstecken in eine freie Dose in der Nähe der Komponenten (also idealerweise in der selben Netzleiste) soll eine Klangverbesserung nachvollziehbar sein, die man auch gleich vermissen soll, wird der NCF Clear Line wieder entfernt. Der Einsatz mehrerer Clear Lines soll die Wirkung verstärken – was dem Hersteller natürlich in die Hände, beziehungsweise ins Portemonnaie spielt. Für den Einsatz mehrerer Plugs ist natürlich Voraussetzung, dass ausreichend freie Dosen in der Netzleiste vorhanden sind.

Als einen gewissen Vergleichsmaßstab habe ich den Furutech-Stecker mit dem iFi Audio AC iPurifier (119 Euro) verglichen, der einen etwas anderen und technisch leichter nachvollziehbareren Ansatz zur AC-Optimierung verfolgt, indem Störspitzen mit gegenphasigen Signalen ausgelöscht werden sollen. Ähnlich wie bei Noise Cancelling Kopfhörern. Der iFi AC iPurifier bietet darüber hinaus noch rein praktischen Nutzen, wie Überspannungsschutz, Erkennung fehlender Erdung und falscher Polarität. Der Furutech bietet keine zusätzlichen Eigenschaften außer der versprochenen Klangsteigerung.

Hörtest – Das Umfeld entscheidet

Ich mache es kurz: In meinem Hauptsystem, das schon mit ausgesuchten Komponenten und Zubehören sehr weitreichend feingetunt ist, konnte ich mit dem einzelnen Furutech NCF Clear Line keinen Klangvorteil feststellen. Wenn überhaupt sind die Unterschiede mit und ohne den Stecker so subtil, dass die Investition in keiner günstigen Relation dazu steht. Dabei habe ich den NCF Clear Line an zwei verschiedenen Stellen ausprobiert: In der von mir genutzten iFi Audio PowerStation Netzleiste (die bereits über einen integrierten AC iPurifier verfügt), sowie ein Stück weit vor der Kette, an einer Steckdose mit Fehlerstrom-Schutzschalter (FI), von der die Dosen der Anlage abzweigen. Weder hier noch dort lohnte sich der Einsatz des Furutech.

Furutech NCF Clear Line in Steckdose
NCF Clear Line in einer Wandsteckdose mit FI-Schalter. Der Durchmesser des Steckers ist zum Glück kaum Größer als die Schuko-Buchse (Foto: F. Borowski)

Zweiter Versuch: An meinem Desktop-System mit den Wilson Audio TuneTot und dem Lyngdorf TDAI-1120 herrschen deutlich andere Verhältnisse. Dieses System ist in unmittelbarer Umgebung meines Computers und einer Reihe von Peripheriegeräten wie Thunderbolt/USB-Hubs, Festplatten, Ladegeräten, Telefon, Router, sowie einiger LED-Lampen – die meisten davon mit einfachen Schaltnetzteilen gespeist. Zwar wird das Audiosystem hier über eine separate (ungefilterte) Stromleiste von XLO versorgt, die an einer anderen Dose als die restlichen Verbraucher steckt, aber letztlich an derselben Wandleitung hängt. Hier habe ich den NCF Clear Line in der HiFi-Netzleiste vor den Audio-Verbrauchern eingesteckt.

Zwar ergab sich auch hier kein als weltbewegend zu bezeichnender Klangvorteil durch den Furutech, aber immerhin ein nachvollziehbarer. Das wurde nicht nur beim HiFi-typischen Intensivvergleich ein und desselben Songs deutlich, der immer und immer wieder mal mit mal ohne Clear Line gehört wurde, sondern eben auch beim ganz normalen nebenbei hören bei geringer Lautstärke. Das Klangbild wirkte mit dem Furutech aufgeräumter und besser durchhörbar.

Furutech NCF Clear Line Gehäuse
Das Gehäuse ist nicht zerkratzt. Zu sehen sind einige Fasern des Verbundmaterials, aus dem der Korpus gefertigt ist (Foto: F. Borowski)

Mit dem später hinzugefügten zweiten NCF Clear Line wurden die Wirkung tatsächlich noch ein kleines bisschen ausgeprägter und damit auch leichter nachvollziehbar. Eine für Klangperfektionisten definitiv willkommene Verbesserung. Doch hier muss sehr vorsichtig kalkuliert werden, ob sich dafür der Einsatz von 250 Euro pro NCF Clear Line wirklich lohnt. Zumal sich mit dem weniger als halb so teuren iFi AC iPurifier – zumindest in meiner Systemumgebung – fast ähnlich gute Ergebnisse erzielen ließen.

Furutech NCF Clear Line im Doppel
Die Wirkung des Furuchtech NCF Clear Line soll kaskadierbar sein: je mehr, desto besser (Foto: Furutech)

Fazit: spürbarer Effekt in „verseuchten“ Stromnetzen

In einem noch nicht netzoptimierten Umfeld mit beispielsweise laufendem Computer und anderen „Störenfrieden“ in unmittelbarer Nähe des Wiedergabesystems ist der Furutech NCF Clear Line ein Zubehör, das sich auszuprobieren lohnt. Dass sich die Wirkung mit multiplen Steckern steigern lässt, macht den Vorgang einfacher. Der User kann für sich skalieren, wie viel er braucht: vielleicht sind es ja sogar drei oder vier? Hier gilt aber unbedingt, sich vorab einige NCF Clear Lines beim Händler übers Wochenende auszuleihen. Immerhin kostet einer 250 Euro…

Furutech NCF Clear Line
2021/04
Test-Ergebnis: 3,6
GUT
Bewertung
Effekt
Preis/Leistung

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Mehr Transparenz und „Ruhe“ bei Anlagen in „verseuchter“ Netzumgebung
Gute Verarbeitung, Furutech-typisch hohe Materialqualität
Wirkung ist durch den Einsatz mehrerer Module steigerbar
Nicht ganz billig, unklare technische Erklärung

Vertrieb:
PADIS
August-Thyssen-Straße 13a
45219 Essen
www.padis-furutech.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Furutech NCF Clear Line: 250 Euro

Teil 2: Fi Audio iPower Elite Netzteil für Komponenten wie DAC, Kopfhörerverstärker, Phonostufen etc.
Teil 3: Chord Cable ChordOhmic Transmission Fluid zur Kontaktpflege und -Optimierung
6 Lautsprecherkabel im Test – im Fokus: Kimber Kable
Schnäppchen-Tuning plus Schutz: Netzwerkadapter Delock 62619 mit galvanischer Trennung
Test Streamer NuPrime Omnia WR-1, Netzteil LPS-205 und SW-8 Switch
5 Lautsprecherkabel im Test. Im Fokus: Wireworld LS Series 8
Test: Lautsprecherfüße Audio Physic VCF II Magnetic plus

 

Autor: Frank Borowski

LowBeats Experte für Schreibtisch-HiFi und High End kennt sich auch mit den Finessen der hochwertigen Streaming-Übertragung bestens aus. Zudem ist der passionierte Highender immer neugierig im Zubehörbereich unterwegs.