iFi Audio iPower Elite Aufbau
Das iFi Audio iPower Elite ist ein externes Schaltnetzteil, das Audio-Komponenten mit Billig-Netzteilen richtig nach vorn bringen kann. Sein Preis: 350 Euro (Foto: iFi)

Zubehör-Ratgeber Teil 2: Zusatz-Netzteil iFi Audio iPower Elite

Teil 2 unserer kleinen Zubehör-Reihe hat das Thema Zusatz-Netzteile im Fokus. Hintergrund: Viele Audiokomponenten mit geringem Leistungsbedarf werden mit einfachen externen Stecker- oder Klotznetzteilen statt mit einem integrierten Netzteil ausgeliefert. Meistens handelt es sich dabei um zugekaufte Schaltnetzteile, die im Einkauf nur wenige Euro kosten. Insbesondere kleine DACs und Kopfhörerverstärker, wie der kürzlich getestete Cambridge Audio DacMagic 200M, aber auch Plattenspieler, Phonovorstufen oder Streaming-Devices, sind typische Kandidaten. Will man diese Komponenten spürbar aufwerten, schlägt die Stunde spezieller Audio-Netzteile wie dem iFi Audio iPower Elite. Und genau das haben wir uns hier genauer angesehen.

iFi Audio iPower Elite Gehäuse
Das iFi Audio iPower Elite ist mit 349 Euro im Bereich HiFi-Netzteile vergleichsweise erschwinglich (Foto: iFi Audio)

Der Grund für den Einsatz so vieler Günstig-Netzteile liegt auf der Hand: Netzteile in Eigenregie und gezielt für eine Schaltung zu entwickeln (sowie die nötigen Betriebsgenehmigungen für den Weltmarkt zu erlangen) ist zeitaufwendig und kostspielig. Der in den Beispielen genannte DacMagic würde mit einem individuell entwickelten Netzteil sicher nicht für 500 Euro verkauft werden können – von noch günstigeren Geräten, wie dem iFi Audio ZEN DAC ganz zu schweigen. Die mitgelieferten Zukauf-Netzteile sind für die reine Funktion natürlich ausreichend. Durch den Austausch gegen hochwertigere Netzteile kann aber unter Umständen ein merklich höheres Klangpotential freigelegt werden. Ob es tatsächlich etwas bringt bzw. für welche Komponenten sich eine solche Anschaffung lohnt, kann nur im individuellen Hörtest ermittelt werden.

Die Bauart des Netzteils – Linear oder Schaltnetzteil – ist Gegenstand zahlreicher Diskussionen. Manche schwören ausschließlich auf Liniearnetzteile und verteufeln die Schaltfraktion grundsätzlich, während andere ein gut konstruiertes Schaltnetzteil eindeutig bevorzugen. Die Wahrheit dürfte wie so oft im Leben irgendwo dazwischen liegen und auch von den jeweiligen Begleitumständen abhängen. So setzt beispielsweise Antipodes in seinen High-End-Server- und Streaming-Lösungen (siehe Test des K50) auf gezielten Einsatz. Für manche Bereiche der Schaltung setzen die Neuseeländer lineare Netzteile, für andere wiederum Schaltnetzteile ein. Einig ist man sich eigentlich nur darin, dass nicht für den Audiobereich optimierte Netzteile von der Stange die schlechteste Wahl sind. Das lassen wir mal so im Raum stehen. Letztlich zählt nur, was hinten rauskommt.

Beispiel: Der seit einigen Jahren von mir als Referenz eingesetzte Exogal DAC Comet wurde standardmäßig mit einem Netzteil von der Stange ausgeliefert. Optional bot Exogal für etwa 500 Euro Aufpreis ein selbst entwickeltes Linearnetzteil an. Der klangliche Zugewinn damit ist frappierend. Einmal gehört, will man den Standard-Brikett nie wieder anschließen. Anderes Beispiel: In einem Versuch, der sich eher zufällig ergab, habe ich kürzlich das hier getestete NuPrime Netzteil LPS-205 mit dem iFi Audio ZEN DAC verbunden. Der kann standardmäßig über die USB-Leitung mit 5 Volt Busspannung versorgt werden und benötigt nicht zwingend ein externes Netzteil, hat aber dennoch einen 5-V-Anschluss für Aufrüstungen.

Das NuPrime LPS-205 in der 5-V-Version passt bestens dafür. Auch hiermit ergibt sich eine deutlich nachvollziehbare Klangverbesserung in vielen Bereichen. Allerdings ist die Kosten/Nutzen-Relation in diesem Fall kritisch, denn das kleine NuPrime Kraftwerk kostet mehr als doppelt so viel wie der ZEN DAC. iFi selbst bietet mit dem 99 Euro teuren iPower X eine preislich eher passende Netzteillösung für Geräte wie den ZEN DAC an.

Aufbau & Machart des iFi iPower Elite

Doch nun zum Testkandidaten. Das brandneue iPower Elite ist, wie der Name schon andeutet, iFis Flaggschiff unter den diversen optional angebotenen Netzteilen des Herstellers. Mit einem Preis von 349 Euro ist es dabei aber noch vergleichsweise günstig und somit unbedingt einen Versuch wert.

iFi Audio iPower Elite von innen
Das Innenleben des iFi Audio iPower Elite (Foto: iFi Audio)

Das iPower Elite ist vom Typ Schaltnetzteil und wird in vier Spannungsvarianten angeboten: 5 V / 5,0 A, 12 V / 4,0 A, 15 V / 3,5 A und 24 V / 2,5 A. Für eine davon muss man sich vor dem Kauf entscheiden. Ein Kaltgerätenetzkabel gehört zum Lieferumfang. Als Steckverbinder ist an der DC-Verbindungsleitung ein Hohlstecker angelötet. Dazu gleich noch mehr. Ein Stecker zur Umkehrung der Polarität liegt bei.

iFi Audio iPower Elite Zubehör
Der Lieferumfang des iPower Elite (Foto: iFi Audio)

Anwendungsbeispiele: Die 5-V-Version passt für den iFi ZEN DAC und unzählige USB-Bus-Powered-Devices. Diesem Modell liegen deshalb zusätzlich zwei USB-Adapter bei. Die 12-V-Variante eignet sich u. a. für den Cambridge DacMagic 200 M, die 15-V-Lösung für den Exogal Comet. Auch Geräte wie der Melco S100 Switch, der Silent Angel Rhein Z1 Musikserver und viele andere lassen sich mit einem passenden iPower Elite betreiben. Für meinen Test habe ich die 12-V-Variante geordert, um auszuprobieren, ob sich damit ein Klangvorteil am Rhein Z1 ergibt, der nur mit einem 08/15-Netzteil aus dem Computer-Zubehörregal geliefert wird.

Das Ziel solcher Lösungen ist stets dasselbe: Den Rausch- bzw. Störgrund der Netzversorgung zu senken. Die Störungen entstehen übrigens hauptsächlich in den eigenen vier Wänden durch alle möglichen Verbraucher, was auch die Erklärung dafür ist, warum es tatsächlich „auf den letzten Meter“ ankommt. Bitte lesen Sie dazu auch unseren Hintergrundbericht „Wie gut ist unsere Stromqualität“. Besonders LED- und Energiesparlampen gelten als üble Schmutzfinken. Kernaussage: 99% aller Störkomponenten entstehen erst nach der Hauptsicherung.

In den Stromnetzprodukten von iFi wird weniger gefiltert als vielmehr ausgelöscht. „Active Noise Cancellation II“ nennt sich die Primärwaffe im iPower Elite. Diese ähnlich wie Noise Cancelling Kopfhörer funktionierende Technik soll das Störspektrum im iPower Elite im Vergleich zu anderen Netzteilen drastisch reduzieren. Der Hersteller selbst zeigt im begleitenden Whitepaper dazu die folgenden Grafiken:

Vorwärts Zurück

iFi Audio iPower Elite

iFi Audio iPower Elite

Vorwärts Zurück

Wir konnten das noch brandneue Netzteil bislang nicht selbst messen, aber nach Einschätzung unseres Labor-Experten Jürgen Schröder werden die abgebildeten Vergleichsnetzteile durchaus realistisch dargestellt. Einfache Schaltnetzteile aus dem Computerzubehör (lila Kurve) produzieren oft die gezeigten Störspitzen im oberen Frequenzbereich und haben einen erhöhten Rauschgrund, während Linearnetzteile (die gelbe Kurve) Störungen unter anderem durch Brummkomponenten verursachen. Das wie mit dem Lineal gezogene Spektrum des iPower Elite sieht demgegenüber natürlich fantastisch aus. Sogar besser als reine Batteriespeisung soll das sein, die entgegen landläufiger Meinung durchaus gewisse Störkomponenten verursacht.

Soweit also das Herstellerversprechen. Die Praxis und die eigenen Ohren entscheiden. Zunächst mal sei festgehalten, dass das Alu-Gehäuse des iPower Elite ziemlich schick und das Gehäuse vergleichsweise kompakt und leicht (550 g) ist. Die Alu-Flanken haben eine dezente Champagner-farbene Tönung. Eigentlich viel zu schick, um es hinter dem Rack zu verstecken.

Ähnlich teure Linearnetzteile, wie die beliebten SBooster mit Kunststoffgehäuse, von denen ich eines in meiner Kette am Melco S100 einsetze, sind etwa vier mal so groß und erheblich schwerer. Einen Schalter zur Feinanpassung der Ausgangsspannung, wie beim SBooster, braucht das iPower Elite aufgrund seiner Bauweise als Schaltnetzteil nicht. Auch nett: Die Betriebs-LED an der Oberseite ist dezent orange und nicht zu hell. Ganz im Gegensatz zu der grünen Party-LED im SBooster.

Beim Anschluss gab es dann jedoch eine unschöne Überraschung. Natürlich hatte ich vor der Bestellung genau die Leistungsanforderung und die Anschlussgröße für den Musik-Server Silent Angel Rhein Z1 überprüft. Die Silent-Angel-Webseite nennt für den Rhein Z1 12 V, maximal 3 Ampere. Also elektrisch passt es. Die Anschlussbuchse des Z1 wird mit 5,5 x 2,5 mm und Plus auf dem Mittelpin beschrieben. Genau das sind scheinbar auch die Maße Steckers am iFi-Netzteil. Allerdings bezieht sich diese Angabe beim iPower Elite leider etwas missverständlich nur auf den mitgelieferten Adapterstecker zur Polaritätsumkehr. Der am Kabel angelötete Stecker hat ein Innenmaß von 2,1 mm – was in den technischen Daten nicht gesondert erwähnt wird.

Nach Rücksprache bestätigte mir der Vertrieb WOD Audio, dass die iPower Elite inzwischen mit weiteren Steckadaptern ausgeliefert werden. Schließlich soll es nicht an so einer Kleinigkeit scheitern. Nachdem ich den Adapter erhielt, konnte es losgehen.

Hörtest: dieser Power-Ziegel rockt

Ab einem gewissen Niveau können selbst kleinste Veränderungen in der Wiedergabekette Auswirkungen haben, die klar als besser oder schlechter eingestuft werden können. Ein hochwertiges Netzteil gehört eindeutig in die Kategorie „Nützlich, wo es passt“. Das iFi iPower Elite hat im Vergleich zum Standard-Netzteil am Rhein Z1 sofort eine positive Wirkung entfaltet, die typisch für Optimierungen im Strombereich sind: Erhöhter Kontrast in der Abbildung, gepaart mit einer größeren Raumtiefe und natürlicher wirkenden feinen Details und besser konturierter Bass. Tonal bleibt natürlich alles beim Alten.

Der Wechsel zurück zum Standard-Brikett bestätigt das Gehörte. Nicht, dass dadurch das Klangbild gleich völlig in sich zusammenfällt, aber sofort vermisst man die mit dem besseren Netzteil festgestellten Attribute. Dabei bin ich mir ziemlich Sicher, dass der Einsatz des iPurifier Elite an einem DAC/Kopfhörerverstärker oder einer Phono-Vorstufe noch deutlichere Auswirkungen haben dürfte.

Fazit: Du kommst hier nicht mehr raus!

Für mich ist die Sache klar: Das iFi iPower Elite hat mein System erneut einen kleinen, aber bedeutsamen Schritt nach vorn gebracht. Seine praktischen Vorzüge – vornehmlich der im Vergleich zu hochwertigen Linearnetzteilen geringe Platzbedarf – sind da nur das Sahnehäubchen.

Die Investition von rund 350 Euro dürfte sich für viele Besitzer passender Streamer, DACs und sonstiger Kleinverbraucher in der Audiokette lohnen. Den Austausch der einfachen Beipack-Netzteile hört man so gut wie immer. Wer es nicht glaubt, bitte ausprobieren…

iFi iPower Elite
2021/04
Test-Ergebnis: 4,4
SEHR GUT
Bewertung
Effekt
Preis/Leistung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Bringt mehr Transparenz, Präzision und räumliche Tiefe
Gute Verarbeitung, wenig Gewicht
In vier Spannungs-Varianten lieferbar
Für das Ergebnis günstig

Vertrieb:
WOD Audio
Westendstr. 1a
61130 Nidderau
www.wodaudio.com/

Preis (Hersteller-Empfehlung):
iFi Audio iPower Elite: 349 Euro

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Autor: Frank Borowski

LowBeats Experte für Schreibtisch-HiFi und High End kennt sich auch mit den Finessen der hochwertigen Streaming-Übertragung bestens aus. Zudem ist der passionierte Highender immer neugierig im Zubehörbereich unterwegs.