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2001 Odyssee im Weltraum Bild- und Ton-Check
2001 Odyssee im Weltraum frisch restauriert in Ultra-HD (Cover: Warner Home Video, Fotos: R. Vogt)

UHD-Blu-ray: 2001 Odyssee im Weltraum: Restauriert zum 50.

2001 Odyssee im Weltraum, das ist nicht nur für Filmhistoriker und Sience Fiction Nerds ein Meilenstein in der Kinogeschichte und das Meisterstück Stanley Kubriks. Kein anderer Film bietet einen derart mutigen und weiträumigen Blick auf kulturhistorisches und technisches Erbe der Menschheit in einer einzigartigen Ästhetik. Was kaum jemand auffällt: Kubrik illustriert die kulturelle Entwicklung des Menschen mittels der jeweiligen Essmanieren, achten Sie mal darauf.

Deutsches Filmmuseum: Modell des PanAm-Spaceshuttle (Foto: R. Vogt)
Deutsches Filmmuseum: Modell des Pan Am Spaceshuttle (Foto: R. Vogt)

Das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt war und ist mit der Familie Kubrik eng verbunden und zeigte in einer Sonderausstellung alles zum Film anlässlich dessen 50. Geburtstag. Ein Besuch der reich ausgestatteten Ausstellung konnte selbst mir als altem Fan noch eine Menge erklären und die vielen Original-Exponate faszinierten sowieso.

Deutsches Filmmuseum: Die Djinn Sessel aus dem Hilton auf Raumstation 5 (Foto: R. Vogt)
Deutsches Filmmuseum: Die Djinn Sessel aus dem Hilton auf Raumstation 5 (Foto: R. Vogt)

So ließ sich denn vor Ort auch der alte Streit um die Farbe der Sessel des Hilton Hotels auf Space Station 5 ein für allemal klären. Der Sessel namens „Djinn“, der regulär bis Mitte der 70er gebaut und gehandelt wurde, ist Rot mit einem leichten Einschlag Magenta. In diversen Videofassungen von 2001 Odyssee im Weltraum sehen sie mal pink, mal Feuerwehr-rot aus. Im Museum gab es denn am Fuß des Sessels auch eine Erklärung zu der Verwirrung: Kubrik gefiel die Originalfarbe nicht und so ließ er die Szene so ausleuchten, das die Sessel schlicht rot wirkten.

So hatte ich das auch aus der 70mm-Fassung in Erinnerung, die in den Achtzigern vom zum Frankfurter Filmmuseum gehörenden Deutschen Filminstitut restauriert wurde und dann über Jahre jeden Sonntag auf der 24-Meter-Leinwand im Royal Kino in der restaurierten 70mm Fassung mit 6-Kanal-Magneton zu erleben war.

Und genauso muss man 2001 eigentlich auch schauen: Riesen-Bild, satter Ton, dann bleibt der Film auch im Kleinhirn hängen. Apropos Ton: Ich hatte das Vergnügen, Christiane Kubrick und ihren Bruder und Filmproduzenten Jan Harlan mehrere Male im Filmmuseum zu treffen und weiß noch, wie Harlan nach der Filmpremiere in kleiner Runde von „Kubrick, Nixon und dem Mann im Mond“ erzählte; wie frustriert Stanley während des Schnitts von 2001 gewesen sein mußte, weil die für den Film komponierte Musik einfach nicht den Fluß und die Emotion wiedergab, die er wollte.

Nach einem Dinner bei Jan und Christiane wurde an jenem Abend aus Harlands privater Plattensammlung der heutige Soundtrack von 2001 Odyssee im Weltraum neu zusammengestellt. Seither sehen SciFi-Fans bei den Klängen der „Schönen blauen Donau“ eben keine leichtfüßge Ballerina oder meandernden Fluß mehr vor dem geistigen Auge, sondern eine beim Landen sanft einfedernde Mondfähre.

Genug der Schwärmerei. Am Ende der nun folgenden Rezension unseres Filmspezialisten Timo Wolters gibt es noch ein cooles Easter-Egg aus der Ausstellung des Filmmuseums, also schön bis zum Ende lesen.

2001 Odyssee im Weltraum frisch restauriert in Ultra-HD (Cover: Warner Home Video)
2001 Odyssee im Weltraum, frisch restauriert in Ultra-HD (Cover: Warner Home Video)

Also sprach Zarathrustra

Der legendärste Sci-Fi-Film aller Zeiten erreicht das Heimkino in 4k.

Der Monolith des Anstoßes (Foto: Warner Home Video)
Der Monolith des Anstoßes (Foto: Warner Home Video)

Wir schreiben das Jahr 2001: Die USA haben die ultramoderne Raumfähre Discovery One entwickelt und zur Vollendung gebracht. Mit dieser soll sich eine Crew auf den Weg zum Jupiter machen, um dort wissenschaftliche Untersuchungen anzustellen. Die Discovery One hat aber nicht nur Kosmonauten an Bord, sondern auch einen Supercomputer, der auf die Bezeichnung HAL 9000 hört. Ausgestattet mit einer artifiziellen Intelligenz kann HAL das Schiff selbstständig steuern. Während der Reise beginnt der Supercomputer plötzlich immer unberechenbarer zu werden. Deshalb beschließen die Crew-Mitglieder Frank Poole und Dave Bowman, HAL abzuschalten. Doch der Rechner denkt gar nicht daran, sich deaktivieren zu lassen und beginnt wortwörtlich damit, um sein Leben zu kämpfen. Für die Besatzung bedeutet das echte Gefahr für Leib und Leben …

Vom Sammler zum Jäger (Foto: Warner Home Video)
Vom Sammler zum Jäger (Foto: Warner Home Video)

Fragt man heute einen beliebigen Regisseur von Sci-Fi-Filmen, wird man von kaum einem hören, dass 2001 Odyssee im Weltraum nicht das prägende und hauptsächliche Vorbild bei der eigenen Arbeit war. Von Spielberg bis Burton reicht die Riege der Fans von Kubricks Meilenstein. Nicht umsonst steht 2001 auf vielen Bestenlisten des Genres an vorderster Stelle.

Die obige Inhaltsbeschreibung umreißt dann auch nur äußerst grob, was eigentlich in den gut zweieinhalb Stunden geschieht und zu sehen ist. Was der britische Kult-Direktor 1968, also vier Jahre nach seiner Kriegs-Satire Dr. Seltsam auf die Leinwand bannte, war in vielerlei Hinsicht bahnbrechend, innovativ und absolut ungewöhnlich. Welcher Regisseur begann bis zu diesem Zeitpunkt schon mal einen Film mit einem komplett schwarzen Bild, das nur von orchestraler Musik begleitet wird?

Noch nicht ungewöhnlich genug? Dann aber vielleicht die Tatsache, dass in der sich daran anschließenden Viertelstunde nicht ein Dialog zu hören ist, während auf der Leinwand eine Gruppe Primaten zu sehen ist, deren Verhalten sich nach dem Berühren eines schwarzen Monolithen schlagartig verändert?

2001 Odyssee im Weltraum: Still aus Film (Foto: Warner Home Video)
Mehrere Jahrtausende später (Foto: Warner Home Video)

Überhaupt, der Monolith: Kubrick lässt keinen Zweifel daran, dass der schwarze Brocken von Außerirdischen stammt. Fasziniert vom Gedanken an außerirdisches Leben hatte der Regisseur aus dieser Faszination heraus überhaupt erst den Film auf den Weg gebracht.

So könnte der Monolith möglicherweise von einer Rasse sein, die schon vor Millionen von Jahren in der Lage war, durch den Raum zu reisen.

Als Ausgangspunkt der Geschichte bildet der Monolith Projektionsfläche für zahlreiche Interpretationen. Zumeist beschreibt man ihn als Symbol für den Übergang. So überwinden die Primaten zu Beginn ihre Zeit als Sammler und werden zu Jägern. Im Finale wiederum zeigt sich der Übergang des Menschen (in Person von Dave) in einen neuen, transzendentalen Zustand.

Arthur C. Clarke beschreibt den (bzw. die) Monolithen in seinen Buchvorlagen als Maschinen. Als unzerstörbare Computer scheinen sie entweder (Interpretationsmöglichkeit Eins) Einfluss zu nehmen auf das Handeln der Menschen oder (Interpretationsmöglichkeit Zwei) reine Beobachter zu sein, die hernach ihr Urteil über die Menschheit fällen.

Die Stühle sehen zwar nicht sonderlich bequem aus, aber cool sind sie allemal. (Foto: Warner Home Video)
Die Stühle sehen zwar nicht sonderlich bequem aus, aber cool sind sie allemal (Foto: Warner Home Video)

Das Schöne an 2001 Odyssee im Weltraum: Man kann, darf und soll interpretieren.

Und es gibt dabei nicht den EINEN Weg. Vielmehr lassen Kubrick und sein Autor Clarke genug Spielraum, damit jeder seine eigene Variante der Geschehnisse deuten kann.

Dass man dafür Zeit mitbringen muss, ist klar. 2001 Odyssee im Weltraum ist die Antithese zu Star Wars. Wenn in Lucas‘ Weltraum-Seifenoper geschossen und gelichtschwertet wird, schaut man in Kubricks Opus einer Dame mit Tablett zu, wie sie (fast) minutenlang (die Schwerkraft scheinbar überwindend) in einer Zentrifuge läuft, um ins Cockpit zu gelangen.

Dazu gibt es durchwegs klassische Musik von Komponisten wie Johann und Richard Strauss oder auch des zeitgenössischen György Ligeti. Ohnehin hört man über die Filmlänge von gut 140 Minuten nur etwa in einem Drittel der Zeit auch Dialoge. Ansonsten herrschen Stille, Filmmusik oder schlicht Geräusche. Action sieht anders aus, so viel ist klar. Und wer sich heute nicht auf die Langsamkeit eines Kubrick einlassen kann, der ist mit 2001 denkbar schlecht bedient.

Alle anderen freuen sich darauf, das Meisterwerk zum x-ten Mal anschauen zu können; darauf, die ballettartigen Bildkompositionen, die von Perfektionist Kubrick bis aufs Kleinste durchchoreografiert wurden, mal wieder zu sehen und darauf, handgemachte Spezialeffekte zu bestaunen, die auch unglaubliche 50(!) Jahre später noch Maßstäbe setzen können.

2001 Odyssee im Weltraum: Discovery One
Die Discovery One – vielleicht eins der schönsten Raumschiffe, die je fürs Kino designet wurden (Foto: Warner Home Video)

2001 Odyssee im Weltraum:  Bild- und Tonqualität BD

Die in der 3-Disk-Box enthaltene Blu-ray von 2001 Odyssee im Weltraum profitiert bereits schon von der 4K-Restauration und basiert ebenso auf dieser wie die UHD selbst. Mehr zum technischen Prozess des Remasters dann im nächsten Kapitel.

Eins dabei vorweg: Ja, die alte Blu-ray hatte satteres Schwarz und deshalb mehr Kontrastumfang. Ja, die alte BD ist in den allermeisten Szenen farbiger.

Jetzt weiß man natürlich: Wo ein „Ja“ steht, kommt meist auch ein „Aber“. Und in der Tat: Ja, aber …

Denn die neue, auf dem remasterten 4K-Transfer basierende BD macht – den Schwarzwert ausgenommen – nahezu alles besser. Fangen wir zunächst bei der Komprimierung an: Schon allein der alte VC-1-Codec der bisherigen Blu-ray sorgte dafür, dass die Datenkompression eher stark und somit die Datenrate eher schwach war. Die neue BD liefert für den Film allein mehr als die anderthalbfache Datenmenge.

Bei den rein objektiven Parametern fällt dann auch sofort auf, um wie viel besser die Auflösung der 4K-Abtastung ist, auf der auch die BD basiert. Details sind plötzlich erkennbar, wo die alte BD matschig war. Das gilt für Schriften auf Monitoren wie auch für Gesichts-Texturen oder die Feinheiten an der Discovery One. Schon erstaunlich, wie viel man hier aus 50 Jahre altem Material herausgeholt hat.

2001 Odyssee im Weltraum: Still aus Film
Kubricks Vision von 1968: Flachbildschirm und Video-Telefonie. Im Zeitalter von Skype und LCD/OLED Wirklichkeit geworden (Foto: Warner Home Video)

Bei der Farbgebung neutralisierte man vornehmlich. So sind die orangeroten Himmel zu Beginn nicht mehr so kräftig wie zuvor. Das mag man vermissen, wenn dort eher ein leichter Grüngelb-Ton hinzu kommt, doch spätestens, wenn man das rosafarbene Kostüm der Dame zu Beginn von Kapitel Sieben anschaut, wird man sich freuen, dass es nun rosa ist und nicht mehr lila-magenta. Auch übertrieben rötliche Hauttöne sind nun reduziert und wirken natürlicher, wobei sie etwas ins Bläuliche tendieren. Gut zu erkennen ist der Unterschied auch bei den roten Djinn Chairs. Diese wirken nun roter und nicht mehr (analog zum Kleid der Dame) so magentafarben.

Interessanterweise gibt es in 2001 Odyssee im Weltraum aber auch Szenen, die ganz bewusst farbiger auf neutralen Flächen gestaltet wurden. So geschehen bei 72’11, wenn wir unseren Kosmonauten durch die Lichtröhre spazieren gehen sehen. Dort war die bisherige BD erstaunlich neutral, während die neue Farbgebung eine deutliche Tendenz ins Orangerote zeigt (siehe Bildvergleich unten). Da man sich aber wohl am originalen Color-Grading orientierte, muss man vermuten, dass es so eben richtiger war. An den meisten anderen Stellen werden neutralere Flächen ein wenig grünbläulicher dargestellt. Auch Schwarztöne tendieren dorthin.

Kommen wir zum oben angesprochenen Manko: Schwarzwert/Kontrast. Die neue BD ist in den Weltraumszenen und auch bei den Primaten zu Beginn grauer und fader. Das All ist lange nicht so schwarz wie bisher über die alte Blu-ray. Schade drum und für Kontrastfans ärgerlich. Dennoch überwiegen die positiven Eigenschaften der Auflösung und der neuen, in weiten Teilen besseren und natürlicheren Farbgebung.

Übrigens: Auch die Blu-ray hat schon das leicht veränderte Bildformat – im Vergleich zur bisherigen Fassung. Dazu im nächste Kapitel mehr.

2001 Odyssee im Weltraum: HAL 9000
Konversation mit IBM … ähm … HAL 9000 (Foto: Warner Home Video)

Beim Sound von 2001 Odyssee im Weltraum liefert die Blu-ray (wie auch die UHD) fürs Deutsche lediglich die altbekannte Dolby-Digital-Fassung. Für den englischen Sound gibt’s hingegen zwei dts-HD-Master-Varianten, die der hiesigen Version dann doch vehement überlegen sind. Zum einen findet man beim O-Ton eine „restored-and-re-mixed“-Variante und zum anderen eine „original-1968-theatrical-audio“-Version

Vergleicht man die deutsche DD- mit der englischen „restored“-Fassung, fällt sofort auf, dass das Orchester bei „Also sprach Zarathrustra“ viel weniger Raum einnimmt. Die Original-Spur stellt es wesentlich breiter auf die Bühne und gibt ihm viel mehr Raum. Höhen klingen differenzierter und präsenter, dazu gibt’s viel mehr Dynamik. Hier muss die deutsche DD-Fassung den Kürzeren ziehen.

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