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Audi A4 2.0 TFSI ultra mit B&O Advanced 3D Sound System
Der neue Audi A4 2.0 TFSI ultra wirkt gestreckter und gibt sich im Detail sehr geschliffen. Der größte Fortschritt versteckt sich aber im Innenraum, der in allen Dimensionen leicht gewachsen ist. (Foto: S. Schickedanz)

Schon gefahren: 3D-Hörtest im neuen Audi A4 2.0 TFSI Ultra

Audis neuer Sound of Silence am Canale Grande. Steht das A im Namen jetzt etwa für Amphibium? Diese Frage drängte sich mir auf, als ich die Einladung nach Venedig zur Fahrvorstellung des neuen Audi A4 2.0 TFSI Ultra bekam.

Natürlich hat die im Nordosten Italiens dem Meer abgetrotzte legendäre Lagunenstadt im Hinterland einiges an Straßen zu bieten. Doch in Zeiten von Car-Sharing und ganz autolosen Mobilitätsalternativen zeugt es von Chuzpe, dort ein Auto zu präsentieren, das mehr dem Transportgedanken als dem puren Vergnügen verpflichtet ist.

Schließlich bekam man im Anschluss an einige Stunden Testfahrt durch malerische Landstriche in einer „Mehr-Kanal-Vorführung“ vor Augen gehalten, wie geschmeidig und vor allem begeisternd der Verkehr ganz ohne Autos fließt.

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Ein Fall für zwei: Keine neue Krimiserie, sondern einen Thriller in Sachen Sound schufen Adam Sulowski (links) vom Audi-Sound-Studio und Joachim Schaber, Projektleiter Infotainment, gemeinsam mit Partner B&O und dem Fraunhofer IIS (Foto: S. Schickedanz)

Allerdings unterstrich die Erfahrung mit der schwankenden, lauten Bootsfahrt durch den Canale Grande zum Hotel auch den überragenden Fahrkomfort der neuen, intern B9 genannten Generation des Massenfortbewegungsmittels für Handlungsreisende, die auf dem Festland unterwegs sind.

Die 9. Generation wuchs trotz bis zu 120 Kilogramm Gewichtserleichterung in den Abmessungen und bietet damit 2,3 Zentimeter mehr Platz im Fond und auch mehr Kopffreiheit. Doch das, was wirklich ganz besonders haften bleibt, gerade bei einem Ohrenmenschen wie mir, ist der überragende Akustik-Komfort.

Das beginnt mit der Akustikverglasung für die Frontscheibe und neuerdings auch optional für die vorderen Seitenfenster. Das Doppelglas trägt im Inneren eine Kunststoffschicht und ähnelt im Aufbau dem gewöhnlich bei Frontscheiben eingesetzten Verbundglas, welches aber nur der Sicherheit dient. Dem Vernehmen nach erwägt Audi sogar, das Akustikglas in Verbindung mit dem B&O 3D Sound System zu einem Wohlfühlpaket zu bündeln.

Anteil am auffallend ruhigen Reisekomfort haben selbst kleinste Details wie die Rückspiegel, die mit Windabrisskante und kleinen Spoilerchen zur Verringerung der Strömungsgeräusche beitragen. Nebenbei eroberten die Ingolstädter mit ihrem nachhaltigen aerodynamischen Feinschliff wieder einen cW-Wert-Rekord zurück.

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Frischer Wind fürs Design: Moni Islam wachte im Windkanal über die Aerodynamik und die formidable Aero-Akustik. Das Ergebnis ist ein cW-Wert von 0,23 und Oberklasse-Geräuschkomfort (Foto: S. Schickedanz)

Glücklicherweise saß der oberste Windkanal-Wächter Moni Islam beim Zwischenstopp im Weingut Cantina Collalto direkt neben mir und beantwortete freimütig Fragen rund um das Thema Luftbewegung.

So konnte ich unter anderem erfahren, dass Audi beim Thema Aerodynamik und Aeroakustik auf eigene Software vertraut, weil mit gebräuchlichen Programmen spätestens bei den Spiegeln, dem ganzen Stolz der Audianer, Schluss gewesen wäre. Mit einem cW-Wert von 0,23 wähnt sich Audi zudem in Bezug auf Realisierbarkeit ohne Komfortzumutungen wie einem nach hinten stark abfallenden Dach – wenig verwunderlich – am Ende der Fahnenstange.

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Großes Kino: Auf dem 8,3-Zoll-Monitor des MMI Touch kriegt der Fahrer auch beim Rangieren narrensichere Unterstützung. Bei Apple-CarPlay wäre allerdings ein Touchscreen wie bei der Konzernmutter VW hilfreich (Foto: S. Schickedanz)

Leider war kein Fahrwerksexperte zur Hand, denn was in Sachen Abroll- und Abrollgeräuschkomfort beim neuen Audi A4 2.0 TFSI Ultra geleistet wurde, macht für mich das Besondere an diesem äußerlich schicken, aber reichlich unspektakulären, um nicht zu sagen, emotionslosen Mittelklasse-Modell aus.

Das adaptive Fahrwerk entkoppelt Dich von rauen Straßenbelägen – die italienischen Autobahnen stehen schließlich nicht im Ruf, die besten zu sein – und feinen Unebenheiten und bleibt dennoch gerade im Dynamik-Modus frei von übermäßigen Karosseriebewegungen. Der Faktor Abrollgeräusche wird in diesem neuen Audi dezent ausgeblendet. Das macht sich gerade in Verbindung mit dem aus 19 Lautsprechern bestehenden B&O-3D-Audio-System bemerkbar.

 

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Second Screen im Trend: Neben dem virtuellen Cockpit gibt es noch einen 8,3-Zoll-Ferbmonitor für das MMI Touch (Foto: S. Schickedanz)

Du kannst während der Fahrt tiefer in die Musik reinhören, erkennst feinste Aufnahmedetails wie im Nahfeld einer sehr guten Heim-Stereo-Anlage. Auch in den unteren Mitten, die gewöhnlich besonders unter Abrollgeräuschen leiden, ist die Auflösung so gut, dass es sich lohnt, immer die besten Aufnahmen mitzunehmen.

Das können auch mal gut gewandelte AAC-Dateien vom iPhone sein – es lässt sich wahlweise über Bluetooth oder USB anschließen, doch im Normalfall bringt CD optimale Ergebnisse. Neben dem CD/DVD-Laufwerk im Handschuhfach gibt es dort auch einen SCDX-Kartenleser für Flashspeicher bis 2TB.

Hörtest im Audi A4 2.0 TFSI Ultra

Mit der Klangbalance auf die vorderen Sitze gerichtet und mittelstarken 3D-Effekten materialisierte etwa Johnny Cash (Album American V: A Hundred HighWays) vor mir über dem Armaturenbrett und seine Begleitinstrumente machten sich bis über die physischen Grenzen des Autos breit.

So kann man von breitbandiger, ausgewogener Hintergrundmusik bis zu gehobenem Pegel vortrefflich Musik genießen, die nicht nur den Kopf des Testers überzeugt, sondern bisweilen Gänsehaut bei ihm erzeugt. Allerdings gibt es dabei Ärger mit dem grimmigen Nachbarn, wobei es sich hier nicht um einen gelangweilten Frühpensionär, sondern um einen brummigen Vierzylinder-Direkteinspritzer handelt.

Kraft hat der elastische, drehmomentstarke Turbo-Benziner ja in einem Maße, das die moderaten Papierwerte von 190 PS in Verbindung mit dem knapp 1.500 Kilo schweren Audi A4 2.0 TFSI Ultra Lügen straft. Aber es mangelt ihm einfach etwas an Kultur. Er verdirbt den maximalen Spaß an der extrem ausgewogenen Klangabstimmung, von der während der Fahrt nur gut 90 Prozent abgerufen werden können.

Audi A4 2.0 TFSI ultra Ausblick vom Beifahrersitz
Mit zusätzlichen 3D-Lautsprechern in den A-Säulen erzeugt das B&O Advanced 3D System eine äußerst plsatische Hörbühne (Foto: Stefan Schickedanz)

Das liegt auch gerade an der besonders „ehrlichen“ Abstimmung ohne die – nicht ganz umsonst – verbreitete Überbetonung im Oberbass. Hier bewegt sich die Klangabstimmung des Systems auf einem schmalen Grat, der maximale Punktzahl nur im Stand, aber nicht, wie in der Praxis wichtig, während der Fahrt möglich macht: Im Streben nach maximalem Tiefgang und mustergültiger Präzision nimmt Audi in Kauf, dass tieffrequente Fahrgeräusche je nach Situation dem System etwas von seinem knackigen Punch rauben und es mitunter in den unteren Oktaven etwas dünn wirken lassen.

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