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Neuer Audi A4
(Foto: Stefan Schickedanz)

Erster Check: neuer Audi A4 mit B&O 3D-Klang

Audi drängelt mal wieder mächtig: Nach dem riesigen SUV Q7 kommt jetzt auch der neue Audi A4 mit einem 3D-Sound-System. Damit jagen die Ingolstädter ihre Erzrivalen aus München und Stuttgart in der Firmenwagenklasse von der Überholspur.

Die Bayern bauen mit B&O nicht einfach nur ein paar zusätzliche Höhenlautsprecher in die vorderen A-Säulen. Sie verwenden dazu auch noch einen ausgeklügelten Algorithmus von Fraunhofer.

Dessen 2D-Variante debütierte letztes Jahr im Sportwägelchen TT, dann startete die Fahrgemeinschaft aus Audi, Fraunhofer und B&O Anfang des Jahres mit dem Q7 in die dritte Dimension, musste sich aber Burmester und Benz geschlagen geben. Die hatten nämlich schon im Jahr davor die neue S-Klasse mit einem superben 3D-System auf die Straße geschickt.

Allerdings improvisierten die Preußen mit ihrem schwäbischen Konzertsaal etwas, was das jetzige Ergebnis nicht schmälern soll. Audi tüftelte mit dem Fraunhofer IIS aus Erlangen jahrelang an einem semantischen Ansatz, der sogar nachträglich den Hall von den fein säuberlich separierten Stimmen oder Instrumenten trennen und damit diese Schritte des Tonstudios rückgängig machen kann.

Am Ende liegt im DSP der 16-Kanal-Digital-Endstufe eine Sammlung aus einzelnen Tonspuren vor, die als Objekte im virtuellen Raum überall positioniert werden können. Das gibt den Ingenieuren unendliche Power, birgt allerdings Risiken, sich zu vergaloppieren. Deshalb holte sich das deutsch-dänische Team früh Beistand von Künstlerseite – durch eine Kooperation mit den Münchner Farao-Studios.

Neuer Audi A4
Der neue Audi A4 besitzt ein B&O-Sound-System, das für 3D-Klang zusätzliche Höhenlautsprecher in den vorderen Dachsäulen verwendet. (Foto: S. Schickedanz)
Neuer Audi A4
Mit dem Design des neuen A4 zeigt Audi Kante, ohne sich auf Experimente einzulassen. Die 9. Generation bleibt sich optisch treu. (Foto: S. Schickedanz)

Peter Blum, bei Audi für den gesamten Infotainment-Bereich zuständig, wollte es auch nicht übertreiben, vor allem nicht die Fahrer durch verstörende Klangeffekte über ihren Köpfen ablenken. Und das halbe Orchester auf die Hutablage verfrachten wollte der bekennende stereoplay-Leser auf keinen Fall.

Das Ziel war lediglich, ohne spezielle Aufnahmen mit diskreten Höhen-Spuren wie bei Dolby Atmos die Bühne anzuheben, die bei vielen Autos im Fußraum liegt, und die Grenzen des Autos akustisch aufzulösen.

Der „Symphoria“-Algorithmus macht 3D aus Radio, CD und normalen 5.1-DVDs. Damit unterstützen die Akustiker die Designer, die eine visuelle Weiträumigkeit inszenierten und nebenbei das effektive Platzangebot verbesserten.

Hinten können Handballer noch bequem sitzen, ohne mit den Knien an den Sitzlehnen der ersten Reihe anzustoßen. Und mit den optionalen Audi-Tablets an den Rückseiten der vorderen Kopfstützen lässt sich von hinten sogar das umfangreiche Infotainment-Angebot nutzen und steuern.

Eine Bühne für alle – wie im Konzert

Dank 3D-Klang gibt es selbst hinten eine riesige Bühne. Zwar nicht ganz so krass wie im Q7, wo ich am liebsten im Fond hören möchte, doch weit besser als aus vergleichbaren Autos dieser Klasse gewohnt. Im SUV zerfiel in der ersten Reihe bisweilen beim konzentrierten Hören der Klang in seine Bestandteile, weil man zu nah an den Lautsprechern saß.

Die Instrumente konnten schon mal wandern, während sich hinten im Q7 ein Klangbild wie in einem kleinen Zimmer mit guten Stereo-Boxen aufbaute.

Im Audi A4, der mit seinem angewinkelten Cockpit unverkennbar als Fahrerauto konzipiert ist, hört man vorne geringfügig besser, hat aber ebenfalls auf allen anderen Plätzen das Gefühl, auf die gleiche Bühne zu blicken, ganz wie im Konzert. Das ist gar kein Vergleich zu anderen Autos, die meist jedem Insassen eine fast schon penetrante, enge Hörbühne vor die Nase halten.

Audi A4 2015 mit B&O-System Türlautsprecher
Langhubige ovale Türlautsprecher von B&O sorgen mit einem Subwoofer für abgrundtiefe Bässe. (Foto: Audi)

Das Ziel, die innerhalb ihres Konkurrenzumfelds innen mustergültig verarbeitete und gestaltete viertürige Limousine oder den Kombi namens Avant besonders weiträumig und offen wirken zu lassen, erreicht das B&O-System locker. Dabei bleibt die Präzision nicht auf der Strecke. Wenn man den dreistufigen 3D-Effekt abschaltet, scheint einen die Anlage, die übrigens ohne akustische Linsen auskommt, im ersten Moment sogar sehr energisch anzufahren.

Man kann mit ihr jedenfalls ebensogut Klassik mit authentischen Klangfarben goutieren wie sich Rock oder Pop mit sattem Punch hinzugeben. Die Tonalität ist auf dem Punkt, das Timing auch. Die Instrumente springen nicht, der Bass wird vorne geortet, obwohl die üppigen ovalen 4 x 7 Zoll großen Türbässe Unterstützung von einem Subwoofer auf der Hutablage kriegen.

Die Vibrationen im Interieur halten sich dank der neuentwickelten Halbschalen-Bauweise der Treiber in Grenzen, und auch hinten kriegt man selbst bei Orkanlautstärke nicht über Gebühr den Rücken massiert.

Wenn es laut wird und gleichzeitig komplex, etwa beim Symphonie-Orchester, hört man irgendwann im Mittel-Hochtonbereich, dass nicht die allerteuersten Treiber zum Einsatz kommen.

Aber man käme nie darauf, dass Audi für das geniale 3D-System mit den schicken, illuminierten Lautsprecher-Grills in B&O-Qualität nur knapp über 1.000 Euro verlangt.

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