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B&W 800 D3 Exklusiv-Demonstration LowBeats 7
B&W 803 D3 in der LowBeats Exklusiv-Vorführung mit Produktmanager Andy Kerr (Foto: R. Vogt)

New B&W 800 D3 exklusiv: die ersten Hörtests

Bringt so viel Innovation auch so viel mehr Musikalität? Unser Besuch bei B&W kam zu einem Zeitpunkt, als sich bei den Engländern langsam die Gewissheit breit machte, den Wahnsinn doch in den Griff zu bekommen. Kurz: Man hatte Zeit für uns. Im Hörraum des B&W-Schulungszentrums hatten B&W Senior-Produktmanager Andy Kerr und sein deutsches Pendant Ulf Soldan alles vorbereitet. An der großen Classé-Kette (Vorstufe CP 800 plus zwei CA-M 600 Monoblöcke; die Musik kam vom Apple-Rechner) konnten Kollege Raphael Vogt und ich über einige Stunden nach Herzenslust alle neuen verfügbaren D3-Modelle (die 800er kommt ja erst nächstes Jahr) intensiv hören. Sinnvoller Weise starteten wir unseren Hörtest mit dem wichtigsten Vergleich – nämlich alt gegen neu, in diesem Fall: 805 Diamond D2 versus 805 Diamond D3.

Hörtest Teil 1: 805 D2 gegen 805 D3

Aus der alten 800er Serie gefiel mir die Zweiwege-Konstruktion 805 stets am besten, weil sie für mich die homogenste war. Deshalb steht ein Pärchen 805 D2 bei mir zu Hause und deshalb habe ich sie auch ziemlich gut im Ohr … Umso spannender war für mich, wie sich denn wohl mein Favorit gegen seinen Nachfolger schlagen würde. Ich erwartete ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit – natürlich – leichten Vorteilen für die D3. Aber falsch. Die 805 D3 zog den Raum genau so großzügig auf, spielte genau so homogen und druckvoll – und trotzdem in den Mitten um eine ganze Welt offener und feindynamischer. Dadurch wurde das Klangbild lebendiger und detailreicher – vor allem aber viel plastischer. Beim Umschalten auf die 805 D 3 erschienen der Raum und die Instrumente viel „echter“. Die 805 D2, fraglos ein exzellenter Lautsprecher, wirkte in ihrer Abbildungsschärfe wie ein Fernseher mit 3D-Funktion, die 805 D3 dagegen wie das wahre Leben.

Cover Mozart Klavier-Sonaten Pogorelich
Fantastische Aufnahme, fantastisches Spiel: Ivo Pogorelich interpretiert Mozart (Cover: Amazon)

Kerr spielte unter anderem Mozart Klavier-Sonaten von Ivo Pogorelich. Die Art und Weise, um wie Vieles deutlicher die 805 D3 die Abmessungen des Konzertflügels nachzeichnete, beeindruckten den Kollegen Vogt und mich nachhaltig. Aber auch, um wie viel farbfreudiger, facettenreicher und lebendiger das Klavierspiel wurde. Weil sie das Nachschwingen der Klaviersaiten noch feiner und genauer herausarbeitete, hauchte die D3 der Aufnahme noch mehr Leben ein. Sehr überzeugend.

Beim nochmaligen Umbau wurde auch deutlich, dass auch der Bass- und Grundtonbereich bei der Neuen doch noch strukturierter, nachvollziehbarer wurde. Die Tastenanschläge in den tiefen Lagen wurden bedrohlicher, weil klarer durchhörbar. Dieser Punkt bleibt für mich ein Rätsel, ist doch die Continuum-Membran des neuen Tiefmitteltöners vergleichsweise weich. In meiner bisherigen Vorstellung sind steife Membranen eine wesentliche Voraussetzung für substanzielle Bässe. Dass die Mitten mit Continuum gefälliger und resonanzärmer sind, verstehe ich. Aber auch die Bässe knackiger? Wunder über Wunder.

Wir haben von diesen Hörtests Aufnahmen gemacht: mittels Sony-Kamera mit eingebautem DAT-Recorder und Stereo-Mikrofon. Zum besseren Vergleich nahmen wir dafür überwiegend die – aber auch wirklich hervorragend geeignete – Einspielung von Ivo Pogorelich, für die uns die Deutsche Grammophon freundlicherweise die Freigabe überließ. Die von uns gemachten Aufnahmen entsprechen in etwa CD-Qualität. Aber bitte, bitte: Das Ganze nur über eine gute Anlage oder über einen guten Kopfhörer abhören. Mit den Lautsprechern Ihres Rechners werden die Unterschiede sicherlich nicht sehr deutlich …

Was hört man sofort? Der B&W-Demo-Raum klingt so übel nicht. Und die B&W 805 D2 ist – da beißt die Maus keinen Faden ab – ein wirklich guter Lautsprecher. Nur ist die Neue halt noch besser …

Hörtest Teil 2: Der dritte Weg bringt noch mehr Details

Chris Jones
Der leider schon 2005 verstorbene Chris Jones hat mit „No Sanctuary Here“ einen High End- Superhit gelandet (Foto: Stockfisch)

Der nächste Schritt war dann der zur 804 D3. Die Dreiwege-Standbox ohne den Turbine-Mitteltonaufsatz brachte, was man von dem zusätzlichen dritten Weg erwarten darf: noch mehr Lebendigkeit. Die tiefe Stimme von Gregory Porter wurde authentischer, farbenprächtiger, noch genauer verständlich. Das lag nicht zuletzt an der höheren Dynamik der 804 D3, die dynamische Herausforderungen wie brutale Schlagzeugsoli noch spielerischer meisterte. Auch die sehr direkt aufgenommene Einspielung „No Sanctuary Here“ von Chris Jones kam viel körperhafter und spürbar druckvoller. Dabei reichte der Bass bei der 804er gefühlt kaum tiefer als bei der kompakten 805 D3. Wir haben auch diesen Vergleich per Video festgehalten. Und auch hier wieder die Bitte: eien ordentliche Abhöranlage – please!

Hörtest Teil 3: Alles Kopfsache

Spannend wurde es natürlich beim Vergleich zwischen 804 D3 mit integriertem Mitteltöner und 803 D3 mit aufgesetztem, heißt: entkoppeltem Turbine-Mitteltongehäuse. Das ist wirklich verrückt, was da passiert: Die Stimme von Chris Jones wurde noch klarer, feiner, akzentuierter. Es sind natürlich nur Nuancen und doch honoriert unser Ohr die Abwesenheit von Resonanzen: man hört einfach lieber ohne. Gerade bei höheren Lautstärken erspielte sich die 803 D3 deshalb eindeutig Vorteile –auch, weil sie mit ihrer größerer Membranfläche (2 x 18 Zentimeter Bässe gegenüber 2 x 16,5 Zentimeter Bässe bei der 804) im Bass weniger Verzerrungen produziert.

Unterm Strich spielten die 804 D3 und die 803 D3 in dem stark bedämpften B&W-Hörraum durchaus knackig und sauber – also wie ihre Vorgängerinnen recht schlank. Natürlich müssen wir für eine genaue Einordnung beide noch ausgiebig im LowBeats Hörraum testen. Persönlich kann ich aber einer solchen Abstimmung viel abgewinnen, weil sie einer wandnahen Aufstellung entgegen kommt. Denn die dürfte in der überwiegenden Mehrheit aller kontinentaleuropäischen Haushalte äußerst realistisch sein …

Hörtest Teil 4: Die Ich-kann-alles-Box

Plattencover Fink
Unnachahmliche Stimme, tolle Gitarre: Fink (Foto: JPC)

Kollege Vogt, der sich gern als Anhänger satter Bässe outet und zu Hause vier 38-Zentimeter-Bässe zum Hören braucht, setzte sein zufriedenstes Lächeln auf, als dann die 802 D3 angeschlossen wurde. Hier stimmte alles: der Druck von unten genauso wie die äußerst natürliche Wiedergabe. Das annähernd perfekte Timing, mit dem schon die kleine 805 D3 punktete, versetzte auch die 802 D3 in die Lage, die Räume perfekt abzubilden. Aber dank ihres erheblich substanzielleren Bassfundaments reichten die Räume noch sehr viel tiefer. Wo schon 804 und 803 mit großer Lebendigkeit punkten konnten, legte die 802 D3 noch eine satte Lage Wohlfühl-Wärme und spürbaren Tiefgang drauf. Nach den langen Hör-Sessions war dies genau der richtige Abschluss. Zuerst mit Fink, dessen sonore Stimme die 802 so wunderbar  echt und komplett zelebrierte. Und dann dieses unbekannte Techno-Stück, das Kerr mit diabolischem Grinsen auflegte. Woraufhin uns die 802 D3 minutenlang und bei beängstigend hohem Pegel nahezu unverzerrt die Ohren akustisch durchspülte. Fantastisch. Überragend. Süchtig machend.

Wir haben auch Teile dieses Hörtests mitgeschnitten. Was also soll ich hier noch schreiben? Bitte hören!

Fazit B&W Diamond D3: überragende Luftigkeit

Wie gesagt. Das alles bedarf noch einer genaueren Verifizierung im LowBeats Hörraum, aber zwei Punkte können wir nach den Stunden des Hörtests eindeutig festhalten: 1.) Auch die neuen Modelle 800 Diamond D3 sind klanglich immer noch als B&W-Lautsprecher zu erkennen. 2.) Die neue Serie D3 überragt die alte Serie D2 – die ja nun wirklich in vielen Belangen Maßstäbe setzte – um Längen. Und zwar in den Punkten Lebendigkeit, Durchsichtigkeit und Verzerrungsarmut. Wenn man sich vor Augen hält, wie schwer es ist, gerade in diesen qualitativen Bereichen Verbesserungen auf so hohem Niveau zu erzielen, darf man hier wirklich von revolutionären Fortschritten sprechen.

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