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Die B&W 802 D3 als Silhouette
Die B&W 802 D3 als Silhouette. Von der Vorgängerin 802 D2 unterscheidet sie sich in vielen Punkten – auch im Preis. Die Neue kostet pro Paar 22.000 Euro (Foto: B&W)

Test B&W 802 D3: der Referenz-Lautsprecher

Die B&W 802 D3 von vorn
B&W 802 D3: Dreiwegebox mit zwei 20-cm Tieftönern, einem 15 cm Mitteltöner und einem Hochtöner mit Diamant-Kalotte. Abmessungen: 39 x 121,5 x 58,3 cm (B x H x T). Gewicht: 94,5 Kilo. Es gibt die 802 D3 in den Ausführungen Nussbaum, Samt-Weiß und Hochglanz-Schwarz (Foto: B&W)

Da murren zwar viele andere Lautsprecher-Hersteller: Aber insgeheim müssen sie B&W doch ein Kompliment machen. Denn mit der 800er Serie üben die Engländer im Bereich der Highend-Lautsprecher seit fast 20 Jahren eine spürbare Dominanz aus. Der Durchbruch kam, als der amerikanische B&W-Vertriebsleiter Joe Atkins die Marke übernahm und B&W 1998 die Nautilus 800er Serie in die Läden brachte. Die Linie hatte so viele Anleihen aus der revolutionären „Schnecke“ namens Nautilus – das reichte, um sich für einige Zeit vor die Mitbewerber zu schieben. Seitdem bietet sich mit jeder neuen 800er Serie das gleiche Bild: Wird sie ankündigt, kommt Bewegung in den Markt. Die Händler füllen die Lager und die HiFi-Fans werden nervös. Natürlich ist nicht jeder ein B&W Fan, aber was die neue 800er kann, das will dann doch jeder wissen. Ist sie besser als die Vorgänger-Serie? Um wie viel? Wir hatten ja das Privileg, bereits vor der Markteinführung die B&W Manufaktur in Steyning zu besuchen und durften dort vorab einen Vergleich unter den Modellen machen – siehe auch unsere ersten Hörtests. Damals ging die kleine B&W 805 D3 und die B&W 802 D3 als die interessantesten aus dem kleinen Contest hervor.

Zumindest was die 802 angeht, wird das bei B&W gern bestätigt. Innerhalb der 800er Serie war es keineswegs immer das Flaggschiff 800, das am besten lief, sondern das Modell eine Nummer kleiner – die 802. Im Bereich der Lautsprecher um 15.000 Euro gilt die Vorgängerin B&W 802 D2 als der mit Abstand meistverkaufte HiFi-Lautsprecher weltweit. Auch in den letzten Jahren meiner Arbeit bei stereoplay hatten wir die 802 D2 immer als Referenz im Hörraum.

Sie war ein Maßstab, der im Handel und bei den Lesern einen hohen Status hatte. Ein sympathischer Lautsprecher, mit dem jeder Redakteur gut arbeiten konnte, aber bei dem auch leichte Vorbehalte blieben: Diese minimal nasale Färbung der Mitten und die nicht greifbare Phasen-Unsauberkeit im gleichen Bereich machten sie nicht immer zu dem unbestechlichen Monitor, den wir so gern gehabt hätten.

Letztendlich ging es den Leuten von B&W wohl ähnlich. So gründlich veränderten sie die 800 D2- zur D3-Linie, dass man fast von einer kompletten Neukonstruktion sprechen muss. Das Konzept der 3-Wege-Bassreflexbox mit zwei 20 Zentimeter Bässen, dem großen Mitteltöner und der Hochtonkalotte aus Kunstdiamant blieb. Aber sonst?

Turbine, Tube, Matrix & Co: der Aufbau der B&W 802 D3

Von der stolzen 800-D2-Serie blieb am Ende kaum noch etwas übrig. Über die Veränderungen von B&W 800 D2 auf B&W 802 D3 haben wir bereits ausführlich berichtet (B&W 800 D3: alle technischen Neuerungen) und auch die Kollegen der Print-Presse (Audio, Stereo, Fidelity) haben sich ausgiebig darüber ausgelassen, weshalb ich diesen Teil des Beitrags nicht unendlich ausdehnen möchte – obwohl die Fülle von technischen Neuerungen es sehr wohl hergäbe.

Wesentlich ist, dass die B&W Entwickler jedes Bestandteil der neuen 800er Serie in unendlich vielen Stunden der Laser-Analyse deutlich Resonanz-optimiert haben. Mein Lieblings-Beispiel dazu ist ein kleines Filmchen, das ich bei meinem Besuch im B&W Werk in Styning mit dem deutschen Produktmanager Ulf Soldan gedreht und mit dürren Worten kommentiert habe. „The Ringing Test“ zeigt eindrucksvoll, dass B&W eigentlich alles – in diesem Beispiel die Körbe der Treiber und die Aluminium-Gehäuse von Hoch- und Mittelton – über eine geschickte Form plus intelligenter Dämpfung akustisch fast „tot“ bekommen haben. Gehäuse, die nicht mit- oder nachschwingen, fügen der Wiedergabe keinen Eigenklang hinzu und ermöglichen erst dadurch eine hohe Sauberkeit und Präzision.

Die B&W Nautilus
Die Nautilus von 1994 war für B&W ein wegweisender Technologieträger. Die aktive Vierwegebox hat bis heute nur wenig an Faszination verloren und wird immer noch gebaut (Foto: B&W)

Diese rigide Resonanz-Reduzierung wurde natürlich auch dort umgesetzt, wo die meiste Vibrationsenergie entsteht: im Bassgehäuse. Dessen extrem gerundete Form ist schon sehr viel stabiler als eine schlicht auf Kante geleimte Kiste. Und eine so stark gerundete Schallwand produziert natürlich nur sehr wenige Schallwandreflexionen. Seit dem Jahr 1994, als B&W sich die legendäre „Schnecke“ als Technologieträger leistete, weiß man in Steyning um den Vorzug dieser organischen Formen, den geringen Schallwandreflexionen und der daraus resultierenden, extrem beeindruckenden plastischen Abbildung nach hinten.

Insofern ist die D3-Variation der 800er-Linie der Ur-Nautilus näher als jede andere 800er Serie zuvor. Aber auch wie B&W in Steyning sein eigenes Multiplex-Holz herstellt und die Gehäuse formt, ist echt beeindruckend. Ich selbst konnte bei meinem Besuch in Steyning leider keine Bewegtbildaufnahmen von der Produktion machen, aber es gibt ein sehr erhellendes Making-Of-Video von der sehr ähnlichen B&W 803 D3.

Vor allem wie da Buchenholzschicht um Buchenholzschicht aufeinanderlegt und -geleimt wird, um dann mittels tonnenschwerer Presse in Form gebracht und anschließend mit Fräse entgratet zu werden, ist grandios. Man kann ja zu den sehr organischen Formen der neuen 800 D3-Linie stehen wie man will, aber unter Verarbeitungsgesichtspunkten ist das eine glatte Eins. Spaltmaße? Fehlanzeige. Man sieht (außer zwischen den Rippen des Aluminium-Rückens) keine Schraube und nirgends beleidigt eine scharfe Kante die darüber huschende Hand.

Ich hatte bei meinem Besuch in Steyning auch Gelegenheit, mit dem Produktionsleiter zu sprechen und war überrascht zu hören, dass trotz der erheblich größeren Herausforderungen für die Tischler der Zusammenbau doch viel glatter lief als bei der Vorgänger-Serie. Hier hat B&W einfach viel gelernt und umgesetzt. Ich könnte jetzt noch einige Absätze lang über die herausragende Verarbeitungsqualität der B&W 802 3 schwärmen, die sich in meinen Augen auch noch einmal deutlich von der Vorgängerin absetzt und die bis zum Karton einfach perfekt durchdacht ist. Aber ich lasse an dieser Stelle einfach mal die Bilder der Slideshow auf der nächsten Seite sprechen

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Die Rückseite der B&W 802 D3 mit Alu-Profil
Der Rücken der B&W 802 D3 besteht aus einem eleganten Aluminium-Profil. Die Anschlüsse sind ebenfalls von bester Qualität und selbstredend in echtem Bi-Wiring, also aufgetrennt in Tiefton und Mittelhochtonbereich, ansteuerbar (Foto: H. Biermann)
Di eFrequenzweiche einer 800 Diamond D3. Der Widerstand vor dem Hochtöner (blaues Bauteil im Vordergrund) nutzt das gesamte Alu-Rückenprofil zur Kühlung.
Die Frequenzweiche einer 802 Diamond D3 vor dem Einbau. Die Bauteile sind gut & teuer und kommen allesamt vom Kölner Edelzulieferer Mundorf. Der Widerstand vor dem Hochtöner (blaues Bauteil im Vordergrund) nutzt das gesamte Aluminium-Rückenprofil zur Kühlung – was seine Belastbarkeit deutlich erhöht (Foto: R. Vogt)
Das neue Mitteltongehäuse der B&W 802 D3 namens Turbine
Das neue Mitteltongehäuse der B&W 802 D3 namens Turbine ist komplett aus Aluminium und liegt – akustisch entkoppelt vom Tieftongehäuse – in einer passgenauen Mulde. Das Gleiche gilt für das Hochtöner-Rohr, das ebenfalls über Dämpfungselemente vom Turbine entkoppelt ist. Trotz der vielen Verbindungen von rund zu eckig passt alles perfekt (Foto: H. Biermann)
Die Tieftöner-Tubes der B&W 800 D3 Serie
Wegen der stark gerundeten Schallwand stehen die Tieftöner der B&W 802 D3 vergleichsweise weit heraus. Sie sitzen in den so genannten Tubes, die ihrerseits in der Aluminium-Armierung der internen Multiplex-Matrix verankert sind (Foto: H. Biermann)
Downfire Bassreflex-Port der B&W 802 D3
Das sehr große, trompetenförmige Bassreflexrohr der B&W 802 D3 strahlt nach unten auf die Bodenplatte ab. So schafft man definierte Bedingungen für den Bassreflex-Port – unabhängig von der Aufstellung (Foto: H. Biermann)
Die Bodenpartie der B&W 802 D3 mit Rollen und Spikes
Ebenfalls genial gelöst: Die B&W 802 D3 läuft auf Rollen. Hat man den richtigen Platz gefunden, werden einfach die Spikes herausgedreht, bis die Rollen in der Luft schweben. Wer seinen Boden nicht durch die Spikes ruinieren möchte, lässt die magnetischen Untersetzer dran (Foto: H. Biermann)
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Aber unter der handschmeichlerischen Oberfläche steckt ja auch noch ein ausgeklügeltes akustisches Konzept. Denn mit der D3-Version hat B&W auch seine interne Matrix-Gehäuseversteifung weiterentwickelt. Früher war die Matrix eine engmaschige Holzkonstruktion, die vor allem die tieffrequenten Resonanzen der großen Gehäusewände unterbinden sollte. Das soll und macht sie immer noch. Die Evolution besteht in diesem Falle aus dickerem Multiplex sowie dem Hinzufügen von Stahl und Aluminium auf der Front- und auf der Rückseite, was die gesamte Konstruktion noch einmal deutlich versteift.

Die Matrix-Strukturen vomn unten: D2 links, D3 rechts
Auch beim Blick von unten zeigt sich die höhere Massivität der neuen Matrix-Innenversteifungen: Die Matrix der früheren Serien (links) war aus dünner Spanplatte aufgebaut, die der Serie D3 (rechts) ist viel massiver und durch Stahl und Aluminium zusätzlich versteift. Das gerundete Aluminium-Profil nimmt die Bullaugen-ähnlichen Halterungen auf, in denen die Tieftöner der 803 D3 verankert sind (Foto: B&W)

Das Gehäuse ist so fein und durchdacht gemacht, konnte da die Qualität der Treiber in gleichem Maße wachsen? Es ist von außen immer schwierig zu beurteilen, wie schwer denn diese technischen Fortschritte tatsächlich wiegen. Sind die neuen Bassmembranen wirklich so viel härter, die neue Hochtöner-Konstruktion tatsächlich so weit überlegen wie suggeriert?

Beim Mitteltöner kann ich das sicher bejahen. Zu Beginn des Beitrag hatte ich ja auf kleine tonale Schwächen der Vorgänger-Modelle hingewiesen und für die meisten davon durfte man sicherlich den Mitteltöner verantwortlich machen.

Bei meinem Besuch in Steyning konnte ich das neue, silbergraue Continuum-Material ausgiebig prüfen. Es ist überraschend weich (und damit hoch dämpfend), aber extrem fest. Die B&W Entwickler waren ihrer Sache natürlich absolut sicher – immerhin opfern sie mit den neuen 800 D3 Mitteltönern das markante Erkennungszeichen von über 40 Jahren B&W Geschichte.

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