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Chord Hugo TT2 mit M Scaler
Die „Table Top“-Komponenten Chord Hugo TT 2 und der M Scaler klingen im Team herausragend gut. Der Gesamtpreis liegt bei 9.500 Euro. (Foto: F. Borowski)

Test: Chord Hugo TT 2 und M Scaler: klangstarker DAC mit Nachbrenner

Mit zunehmender Perfektionierung der digitalen Wiedergabe rückt das Upsampling in den Fokus der Betrachtung. Bei vielen modernen Geräten übernehmen kleine, leistungsfähige Prozessoren – vom Benutzer mehr und mehr minder unbemerkt – diesen Vorgang und rechnen intern das Digitalsignal einfach hoch. Meist mit gutem Ergebnis. Die für ihre fantastischen Digital-Komponenten bekannte High-End-Schmiede Chord Electronics hat jetzt mit ihrem M Scaler einen externen, äußerst aufwändigen Upsampler für ihre DACs auf den Markt gebracht – und LowBeats damit zu der Fragestellung: Was bringt so ein Upsampler bei einem eigentlich schon exzellenten DAC? Der Doppeltest des Chord Hugo TT 2 plus Chord M Scaler (ergänzt um die Stereo-Endstufe Chord TToby) führte zu einem gleichermaßen interessanten wie schönen Ergebnis.

Nüchtern betrachtet verbauen gefühlte 98% aller DAC-Hersteller nur Wandlerchips von der Stange, umgeben diese mit einer Prise Philosophie sowie einer mehr oder weniger aufwendigen analogen Ausgangsstufe und verkaufen das Ganze dann als ihre ureigenste Schöpfung. Um fair zu sein, es gibt tatsächlich einige sehr innovative und ausgezeichnet klingende Konzepte mit DAC-Chips aus dem Regal. Der Grund dafür ist, dass es rund um die eigentliche D/A-Wandlung noch sehr viele andere Einflüsse gibt, die das Endergebnis massiv beeinflussen können. Es ist sehr wohl möglich, mit fertig zugekauften Chips exzellente DACs zu bauen. Doch manchen Herstellern ist das einfach nicht genug. Wie beispielsweise John Franks und Rob Watts, den Masterminds von Chord Electronics Ltd. in Großbritannien, auf deren grundsätzliche Methoden ich bereits im Test des Chord Qutest eingegangen bin.

Chord Hogo TT2 + M Scaler + TToby
Chord Table-Top: Der DAC/Kopfhörer-/Vorverstärker Hugo TT 2 (oben), Hugo M Scaler (Mitte) und die Endstufe TToby. Letztere war für den Test leider nicht in Silber verfügbar (Foto: F. Borowski)

Der kleine Qutest konnte mich klanglich schon mächtig beeindrucken, ich vermisste an ihm aber einen Kopfhörerausgang. So war es nur logisch, mich beizeiten mit Chords TT-Serie (= Table Top) zu befassen, speziell dem Chord Hugo TT 2. Dieser baut auf dem Hugo 2 auf, verzichtet aber auf dessen mobile Eigenschaften und geht technisch noch einen großen Schritt weiter. Zur Bereicherung dieses ohnehin schon aufregenden DAC, Vor- und Kopfhörerverstärkers bietet Chord zusätzlich seit kurzem ein geheimnisvolles Device namens Hugo M Scaler an. Und um die Sache rund zu machen, stellte mir der deutsche Chord Vertrieb G8 & Friends den ebenfalls zur Table-Top-Serie gehörenden TToby Stereo-Endverstärker zur Verfügung. Alle drei zusammen ergeben ein sehr kompaktes und höchst außergewöhnliches High-End Mini-Türmchen.

Über jede einzelne Komponente gibt es mehr zu erzählen, als ich in einem einzelnen Testbericht bei noch überschaubarer Textmenge unterbringen könnte. Ich muss daher Prioritäten setzen und mich auf ein paar besonders herausragende Merkmale konzentrieren. Einige Dinge, wie zum Beispiel Chords Hang zu bunt beleuchteten Tasten zur Statusanzeige, lasse ich hier mal außen vor. Dazu hatte ich mich im Testbericht des Qutest ja schon geäußert.

Die Stereo-Endstufe Chord TToby

Beginnen wir am Ende dieser Kette mit dem Stereo-Endverstärker TToby. Der nur 23,5 x 5,5 x 22,5 cm (B x H x T ) messende Amp verspricht unverzerrte 100 W Leistung an 4 Ohm. Dafür verantwortlich ist eine Class-AB-Schaltung mit „gleitender“ Bias-Regelung. Spezielle MOSFETs nach Chord-eigenem Design arbeiten in einem vollsymmetrischen Schaltungsaufbau. Dementsprechend verfügt der TToby natürlich auch über XLR-Eingänge. Ein im Gehäuse integriertes Schaltnetzteil kümmert sich um die Stromversorgung. Das ist schon mal nett: kein externer Stromklotz. Beim Hugo TT 2 und M Scaler gibt’s die allerdings.

Nicht so schön: Unter Last – und damit ist nicht nur Vollgas gemeint, sondern „gehobene Pegel“ – erzeugt das Verstärkerchen ordentlich Wärme. Und die wird von zwei kleinen eingebauten Lüftern abgeführt.

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Chord TToby innen
Die Endstufe TToby ist dicht bepackt und bietet ordentlich Leistung auf kleinstem Raum. (Foto: F. Borowski)
Chord Hugo TT2 Elektronik-Board
Kleine Lüfter sorgen für die Wärmeabfuhr, sind aber leider nicht ganz unhörbar (Foto: F. Borowski)
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In der Praxis ist der TToby ansonsten ein unkomplizierter und vor allem platztechnisch genügsamer Geselle. Viel zu bedienen gibt’s an ihm nicht. Lediglich einen an der Rückseite positionierten Hauptschalter. Einen Standby-Modus hat er nicht. Der TToby passt in Sachen Gehäuse gut zum Hugo TT 2 und M Scaler, nur gemeinsam über eine Fernbedienung ein/ausschalten lässt sich diese Kombi leider nicht. Dafür passt das Trio sogar auf den Desktop und eignet sich so bestens für Nahfeld-Installationen – und natürlich für Kopfhörer-Aficionados.

Der Preamp-DAC Chord Hugo TT 2

Für letztere dürfte vor allem der Chord Hugo TT 2 von allergrößtem Interesse sein. Unter den zahlreichen in den letzten Jahren wie Kraut aus dem Boden geschossenen Kopfhörerverstärkern mit DAC und Vorstufe nimmt der Hugo TT 2 eine ganz besondere Stellung ein. Nicht nur, weil er in Sachen DAC mit Chords eigenem WTA-Filter zu den fähigsten D/A-Wandlern am Markt zählt, sondern auch wegen seiner besonderen Ausgangsstufe. Die hat mit satten 18 W (via XLR) Ausgangsleistung an 8 Ohm fast schon Vollverstärker-Qualitäten. Die Pegelreserven reichen nicht nur für anspruchsvollste dynamische Kopfhörer bis über 800 Ohm, sondern auch, um Passivlautsprecher mit einem speziellen XLR-auf-Lautsprecherkabel P+(mit anständigem Wirkungsgrad) ohne zusätzliche Endstufe direkt treiben zu können! Leider reichte die Zeit nicht aus, mir entsprechende Adapterkabel zu löten und das auszuprobieren, aber die Möglichkeit ist wirklich hoch spannend. So lässt sich ein absolut minimalistisches, desktoptaugliches und zugleich enorm klangstarkes Setup für Lautsprecher und Kopfhörer einrichten.

Chord Hugo TT2 Front
Der Chord Hugo TT 2 im unverwechselbaren Chord-Look mit Clamshell-Alugehäuse und farbig beleuchteter Lautstärkekugel. Insgesamt drei Kopfhörerausgänge stehen zur Verfügung. (Foto: Chord)

Darüber hinaus bietet der TT 2 ein sehr flexibles Anschlusskonzept mit umschaltbarer Vorverstärkung (Low Gain und High Gain). Über drei Buchsen an der Front lassen sich Kopfhörer via 3,5 (1x) oder 6,35 mm (2x) Klinke anschließen und bei Bedarf auch gleichzeitig betreiben. Allerdings gibt es keinen Lautstärkeausgleich zwischen den Ausgängen, was einen direkten Kopfhörervergleich erschwert. Über die große „Lautstärkekugel“ und die Lautstärkeanzeige im Display kann man Pegelunterschiede aber schnell und feinfühlig manuell ausgleichen.

Chord Hugo TT2 LED
Der in das Gehäuse eingelassene Pegelregler in Form einer Kugel ist sehr komfortabel zu bedienen. Seine Farbe ändert sich in Abhängigkeit zur eingestellten Lautstärke (Foto: F. Borowski)

Im Vorverstärkerbetrieb kann der Chord Hugo TT 2 zwischen eigener Lautstärkeregelung und Fixed Level Output umgeschaltet werden. Letzteres nennt sich dann „DAC mode“ und dient zum Anschluss beispielsweise an Vor- oder Vollverstärker mit eigener LS-Regelung.

Die Bedienung erfolgt ansonsten über drei Tasten an der Front oder mit der mitgelieferten IR-Fernbedienung. Ein vierstelliges Punktmatrix-Display informiert über Einstellungen wie Lautstärke, Ein-/Ausgang, gewählten Modus, Filter u.s.w.

An diesem Punkt habe ich etwas Design-Kritik anzumelden. Das leicht nach vorne geneigte Display des Chord Hugo TT 2 sitzt unter einer durchsichtigen Abdeckung, die sich im 90°-Winkel über einen kleinen Bereich von Front und Oberseite des Gehäuses erstreckt. Sinn und Zweck des Ganzen war sicherlich, das Display sowohl von oben als auch von vorne gut ablesen zu können. Das funktioniert auch. Aber beim Blick auf die Anzeige von schräg-vorne sitzt das Display genau unter dem Knick des Fensters und ist damit nicht lesbar. Gerade am Desktop hat mich das etwas gestört.

Chord Hugo TT2 Bedieung
Das vierstellige Matrix-Display ist beim Blick von schräg vorn schlecht ablesbar. Nach einigen Sekunden ohne Bedienungsvorgang schaltet sich die vierstellige Anzeige automatisch  ab (Foto: F. Borowski)

Davon abgesehen ist die Bedienung des Hugo II wirklich sehr gut durchdacht. So merkt sich das Gerät beispielsweise die Lautstärke-Einstellungen für Kopfhörer- und Vorverstärkermodus. Die hinteren Ausgänge werden automatisch abgeschaltet, sobald ein Kopfhörer angeschlossen wird.

Anschlussseitig zeigt sich der Chord Hugo TT 2 sehr flexibel. Natürlich darf der heute obligatorische USB-Audio-Eingang ebensowenig fehlen wie optische Eingänge, von denen er zwei besitzt. Doppelt vorhanden ist auch der digitale BNC-Eingang. Das ist hier insofern wichtig, weil zur Übertragung von Digitalsignalen mit bis zu 768 kHz vom M Scaler beide BNC-Anschlüsse benötigt werden. Für eben diesen Zweck besitzt auch der Chord Qutest zwei digitale BNC-Inputs.

Chord Hugo TT2 Rear
Anschlussvielfalt: Neben USB und Toslink findet sich an der Rückseite auch ein doppelter digitaler BNC-Eingang zur Verbindung mit dem M Scaler (Foto: Chord)

Auch die drahtlose Verbindung per Bluetooth aptX beherrscht der TT 2. Wer mal eben schnell Musik von seinem Smartphone über die Anlage hören möchte, wird dieses Detail sicher zu schätzen wissen. Die Implementation von Bluetooth hat allerdings einen (optischen) Preis: Um den Empfang der Funksignale in dem soliden, aus dem Vollen gefrästen Gehäuse zu ermöglichen, ohne dafür externe Antennen anschließen zu müssen, hat der Hugo TT 2 an der linken Seite eine große Aussparung mit Kunststoffabdeckung. Chord nennt das ein „attraktives Detail“ – was wohl im Auge des Betrachters liegt.

Alles in allem ist der Hugo TT 2 einer der konsequentesten und vor allem kompromisslosesten DACs mit Vor- und Kopfhörerverstärker, die mir bislang untergekommen sind. Und das zeigt sich auch im Hörtest. Doch bevor wir dazu kommen, gibt es noch einiges zum M Scaler zu erzählen.

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