Epson EH-TW9300W
Epsons neue LCD-Projektoren beherrschen 4K/UHD, HDR und Lens-Memory: Epson EH-TW7300 (2.599 Euro), Epson EH-TW9300 (3.299 Euro) und Epson EH-TW9300W (3.699 Euro) (Foto: R. Vogt)

Erster Check Epson EH-TW9300W + EH-TW7300 4K UHD

Am 12.07. konnten wir einen ersten Blick auf die bereits seit ein paar Wochen im Internet diskutierten neuen Projektor-Modelle von Epson werfen, die ein paar äußerst spannende Neuerungen mitbringen. Nach den Ankündigungen der US-Modelle gibt es nun verbindliche Namen und Preise für die europäischen Produktversionen. Drei Varianten werden irgendwann zwischen Funkausstellung und Weihnachten 2016 lieferbar sein: Der neue Einsteiger heißt Epson EH-TW7300 und soll voraussichtlich 2.599 Euro kosten. Die zwei großen Modelle heißen Epson EH-TW9300 und Epson EH-TW9300W und unterscheiden sich vom Benjamin durch den Kontrast und Design-Details, das Modell „W“ kann zusätzlich statt per HDMI-Kabel auch drahtlos sein Bild empfangen. Diese zwei Modelle sollen 3.299 und 3.699 Euro kosten.

Epson EH-TW9300W von vorne
Der Epson EH-TW9300W bei der Vorab-Präsentation von vorne (Foto: R. Vogt)

Glücklicherweise durften wir bei der Vorabpräsentation beim Heimkino-Händler Grobi dabei sein, als Produktmanager Marc Brinckschulte, Sales-Manager Axel Inhoffen und Keyaccount-Manager Rainer Funke zwei der bereits seriennahen Produktmuster praktisch vorstellten.

Die Gemeinsamkeiten der Epson EH-TW Familie

Die neue 300er Serie ist basiert auf einem komplett neu entwickeltem Chassis, das bewährte Technik mit Epsons transmissiven LCD-Panels verwendet. Diese haben Full-HD-Auflösung mit 1920 x 1080 Pixel.

Dank der bereits im großen Laser-Projektor Epson EH-LS10000 verwendeten E-Shift-Technik lässt sich diese Auflösung (sequenziell) vervierfachen.

Das geht, weil das E-Shift-Modul die projizierten Pixel je Bild einmal direkt und einmal um ein halbes Pixel nach oben und links versetzt zeigt – und das mit jeweils der entsprechenden Teilinformation der originären Ultra-HD-Auflösung.

So lassen sich tatsächlich echte Ultra-HD (4K) Inhalte in ihrer gesamten Detailpracht darstellen. Und weil bei transmissiven LCDs die Pixel ein kleines Screendoor besitzen, also vergleichsweise klein sind und ein breiter Abstand zum Nachbarpixel herrscht, findet in diesem Falle auch keine starke Überlappung der Bildpunkte statt.

Das Bild sieht tatsächlich auf der Leinwand so scharf aus wie von einem Projektor mit nativer UHD-Pixelstruktur.

HDR Menü
Cool gelöst: Epson HDR-Menü mit verschiedenen Offsets und Automatikmodus (Foto: R. Vogt)

Und wenn der Projektor schon mal die hohe Auflösung kann, dann lohnt es sich auch, die erweiterten Kontrast- und Farbstandards zu beherrschen, wie sie Ultra-HD Blu-rays und mehr und mehr Streamingdienste bieten.

Zum einen können die neuen Epson-Projektoren per automatisch in den Lichtweg fahrendem Filter den vergrößerten Farbraum darstellen und decken gut 90 Prozent des P3-Farbraums in der BT.2020-Norm ab.

Zum anderen beherrschen sie High Dynamik Range nach HDR10-Standard. Das Kniffelige bei letzterem ist die bei Projektoren eigentlich unzureichende Spitzenhelligkeit.

Hier hilft sich Epson – recht pfiffig gelöst – mit einer Automatik, die auf die Metadaten im HDMI-Signal horcht und mit vier fest eingestellten Arbeitsbereichen sowie den damit verbundenen Helligkeitsstufen. Das dürfte für Projektoren die bislang beste Lösung sein.

Ein paar Einschränkungen aber gibt es bei der Zusammenarbeit zwischen Ultra-HD-Quellen und dem jeweiligen Epson-Projektor als Senke.

So arbeiten die Projektoren nur mit 4:2:2 Farb-Bandbreite und verarbeiten die für HDR notwendige Quantisierung von wenigstens 10 Bit nur bis 30 Bilder pro Sekunde.

Damit dürfte es problematisch werden, wenn man versucht, per Blu-ray-Player mit Streamingiensten wie Amazons HDR-Inhalte zuzuspielen, denn die gibt dieser mit 60 Hertz aus – und dann kann der Epson nur noch Standard-Gamma-taugliche 8 Bit.

Ähnliche Einschränkungen gibt es beim Epson EH-TW9300W für die Funkübertragung, die zwar die volle Auflösung kann, aber nicht bei maximaler Frequenz. Immerhin, damit bietet Epson die erste 4K-auflösende Funkstrecke überhaupt an.

Neues bei Lampe und Farbhomogenität

Auch bei der Lampentechnik hat sich was getan, auch wenn die Herrn von Epson Deutschland technisch wenig Detailliertes dazu sagen konnten. So gibt es nun drei statt der bisher nur zwei Lampen-Helligkeitsmodi, was sehr praxisgerecht ist und womit sich auch das Arbeitsgeräusch der Kühlventilation besser dosieren lässt.

Leider schafft es Epson, die ihre Leuchtmittel selbst herstellen, bis heute nicht, die Variation der Farbtemperatur bei den drei Lampen-Stufen zu kompensieren. Peinlich.

Farbabgleich
Farbabgleich für homogene Farbwiedergabe ohne Shading oder Wolken (Foto: R. Vogt)

Sehr cool und wie alle Anwesenden fanden Anwender-freundlich umgesetzt haben die Entwickler die Farbabgleich genannte Korrektur von Farbabweichungen in der Fläche.

Das in der Fachsprache als Shading bekannte Problem ist typisch für transmissive LCDs, wobei in verschiedenen Helligkeiten nur bestimmte Teile des Bildes eine leicht abweichende Färbung ausweisen.

Schlimmer noch, diese in aller Regel bei Epson ab Werk schon gut korrigierte Problematik verändert sich durch die Alterung der Panels im Laufe der Zeit. Erstmals lässt sich dies nun in 9 Zonen und global korrigieren.

Das in mehreren logischen Schritten aufgeteilte Menü zeigt gleich das passende Testbild und die Korrekturen können für 8 verschiedene Bildhelligkeiten getrennt angewendet werden. Das sollte die gefürchteten Shading-Effekte oder Farbwolken dauerhaft vermeiden helfen. Prima.

Auch ein Knaller, insbesondere für das kleine Modell Epson Eh-TW7300 ist das neue Objektiv. Es ist ähnlich flexibel und in Zoom und Shift sehr, sehr weit verstellbar wie bei den Vorgängern.

Nun allerdings lassen sich alle optischen Parameter per Fernbedienung elektrisch justieren und per Lensmemory schnell wieder herstellen. Das gab es bei Epson bislang nur beim Spitzenmodell EH-LS10000.

Praktisch: Zwei Objektivpositionen lassen sich direkt mit einer Taste ansteuern. Das ist perfekt für Besitzer einer CinemaScope-Leinwand, um zwischen den zwei gängigen Einstellungen für 21:9 und 16:9 zu wechseln.

Erste Eindrücke auf der Leinwand

Auf der Leinwand zeigte sich ein bis in die Ecken recht gleichförmig scharfes Bild von quasi perfekter Geometrie. Lediglich in den entferntesten Ecken ließ die knackige Abbildung der einzelnen Pixelquadrate ein wenig nach.

Das neue Objektiv darf durchaus als 4K-tauglich beschrieben werden. Einen Unterschied zwischen dem Epson EH-TW7300 und dem Epson EH-TW9300W war auf der Leinwand allenfalls durch ein etwas besseres Schwarz beim großen Modell auszumachen. Full-HD vom Oppo BDP-103 sah mit und ohne 4K-Upscaling sehr knackig und farblich ausgewogen aus.

Der Effekt, dass die Bilder beim Upscaling per E-Shift durch die Überlappung der Pixel etwas softer wirken, trat hier in keiner Weise auf. Toll.

Was bei den gezeigten Vorseriengeräten noch praktisch unbrauchbar voller Artefakte war ist die Zwischenbildberechnung. Hier bleibt den Entwicklern bis zur Serienfertigung noch einige Arbeit in der Firmware.

Projektion auf Leinwand
Vorseriengerät des Epson EH-TW7300 im ersten Sichttest (Foto: R. Vogt)

Ultra-HD-Bilder gewannen gegenüber 1080p-Inhalten sichtbar an Detailzeichnung und Plastizität. Das galt schon für 4K-Videos mit Standard-Gamma und Farben in der alten REC709-Norm.

Der Start eine Premium-Ultra-HD-Blu-ray mit zusätzlich HDR10 und erweitertem Farbraum sah nochmals plastischer aus und wirkte auf Anhieb in Sachen Farbe und Durchzeichnung ausgewogen.

Noch kein anderer Projektor brachte das bislang „aus der Packung“ so fertig. Verließen wir die automatische Erkennung, die den 4K-Spiderman korrekt bis zur 1.000-Nit-Schwelle darstellte, ließ sich im HDR Modus 0 die Helligkeit zu Lasten der Lichterzeichnung deutlich erhöhen oder mit den Modi 2 und 3 theoretisch erweitern, allerdings deutlich zu Lasten der Bildhelligkeit.

Die Aussteuerung bis zum 10.000 Nit Punkt ist dann in Kombination mit dem strenger gefilterten Farbspektrum für BT.2020 nicht mehr praxisgerecht.

Nicht ausprobieren konnten wir die Funkstrecke des großen Modells Epson EH-TW9300W.

Fazit Epson EH-TW9300W und EH-TW7300: Kontrastreiche Aussichten für Epson

Es gilt zu bedenken, dass wir handselektierte Vorseriengeräte gesehen haben, die eben auch noch keine endgültige Firmware verwendeten. Die Auslieferung beginnt laut Produktmanager Marc Brinckschulte mit Glück Ende September oder kurz danach.

Der erste Vorgucker auf das neue Chassis, die verbesserten und nun motorisierten Objektive mit Memory und die ersten Bilder mit klassischen LCD-Panels plus E-Shift für echte Ultra-HD-Darstellung waren allerdings schon ziemlich überzeugend. Hell. Scharf. Ausgewogen.

Das Thema HDR scheint hier erstmals für einen Projektor ab Werk gut gelöst zu sein, mit Einschränkungen bei der Auflösung, denn das funktioniert nur bis 30 Bilder pro Sekunde.

Die Bewegungsinterpolation funktioniert für Auflösungen bis Full-HD, auch mit 4K-Upscaling. Originäre 2160p-Auflösungen verarbeitet die Funktion nicht.

In Summe: drei spannende neue Projektoren. Testgeräte aus der Serie sind schon bestellt.

Galerie Epson EH-TW9300W und EH-TW7300 4K UHD

Epson EH-TW7300

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Nahaufnahme
Der Epson EH-TW7300 im neuen, recht großen Gehäuse für leisere Kühlung (Foto: R. Vogt)
Lüftungsgitter
Das vordere rechte Lüftungsgitter lässt sich zum Filtertausch herausnehmen (Foto: R. Vogt)
Anschlüsse
Die Anschlüsse des Epson EH-TW7300. HDMI 1 ist für Ultra-HD mit HDCP2.2 Verschlüsselung zuständig (Foto: R. Vogt)
Epson EH-TW9300W Power und Eingangswahl-Tasten
Power- und Eingangswahl-Tasten beider Projektor-Modelle sind wie bisher direkt erreichbar… (Foto: R. Vogt)
Epson EH-TW9300W Menüsteuerung
…und die Menüsteuerung unter einem Schiebetürchen versteckt (Foto: R. Vogt)
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Epson EH-TW9300W

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Epson EH-TW9300W Nahaufnahme
Äußerlich hebt sich der Epson EH-TW9300W durch eine silberne Zierleiste ab (Foto: R. Vogt)
Epson EH-TW9300W mit geschlossenem Staubschutz
Der zweiteilige elektrische Staubschutz verbirgt das Objektiv des Epson EH-TW9300W (Foto: R. Vogt)
Epson EH-TW9300W Zoom
Das überarbeitete 2,1-fach Zoom mit großem Shiftbereich und Lensmemory (Foto: R. Vogt)
Epson EH-TW9300W Rückansicht mit geschlossenem Deckel
Bei Funkbetrieb lassen sich die Anschlüsse des Epson EH-TW9300W hinter diesem Deckel verbergen (Foto: R. Vogt)
Epson EH-TW9300W Rückansicht mit geöffnetem Deckel
Alle Buchsen des Epson EH-TW9300W sind tief in das Gehäuse hinein verlegt (Foto: R. Vogt)
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Epson EH-TW7300 und Epson EH-TW9300W Menüs

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Epson EH-TW9300W Detailansicht Rückseite
Beide Projektor-Modelle decken weitgehend den P3-Farbraum innerhalb des BT.2020 Standards ab. Das lässt sich manuell umschalten oder automatisch (Foto: R. Vogt)
Epson EH-TW9300W HDR Mode Menü
Epson verarbeitet nun den HDR10-Standard. Pfiffig: Per Modi 0 bis 3 lässt sich die…. (Foto: R. Vogt)
Epson EH-TW9300W
…Aussteuerung auf Signale bis 500, 1.000, 4.000 und 10.000 Nit beschränken (Foto: R. Vogt)
Epson EH-TW9300W
Per Farbabgleich lassen sich mögliche Farbwolken oder inhomogene Flächen… (Foto: R. Vogt)
Epson EH-TW9300W
…sehr detailliert und feinfühlig korrigieren (Foto: R. Vogt)
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Weitere Informationen zu den neuen Projektoren bei Epson.

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Autor: Raphael Vogt

Raphael Vogt
Technischer Direktor bei LowBeats und einer der bekanntesten Heimkino-Experten der Republik. Sein besonderes Steckenpferd ist die perfekte Kalibrierung von Beamern.