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Epson EH-LS10000
Epsons erster Projektor mit Laser-Lichtquelle EH-LS10000, 6.999 Euro (Foto: R. Vogt)

Test Epson EH-LS10000 Ultra-HD Laserprojektor

Halbleiter-Lichtquellen sind bei Profi-Projektoren längst Standard. Epson traut sich nun als erster Hersteller mit Lasern ins Highend-Heimkino. Ein cleverer Zug, denn der Epson EH-LS10000 ist auch Epsons erstes Highend-Modell und die Premiere des 3LCD-Reflective-Panels sowie weiterer Erstlings-Werke. Alles Marketing? Oder Epsons Eintritt in die Beamer-Oberliga?

Epson ist der unangefochtene Marktführer für Projektoren mit traditioneller LCD-Technik; praktisch alle Hersteller von Projektoren mit Flüssigkristallen kaufen hier ein. Im wirklichen Highend-Segment allerdings herrschen in den vergangenen Jahren Sony und JVC vor, die beide nicht mit transmissiven (durchleuchteten) LCD-Panels, sondern mit reflektierenden LCD-Chips arbeiten. Diese LCoS (Liquid Crystal on Silicon) genannte Technik, die Sony als SXRD und JVC als D-ILA vermarkten, blieb Epson bislang versagt. Sogar vor Jahren angekündigte Geräte erschienen nie am Markt.

Epson EH-LS10000 Front
Epson EH-LS10000, der erste Projektor mit 3LCD-Reflective-Panels (Foto: R. Vogt)

Nun aber ist es soweit, Epson geht mit den eigenen LCoS-Panels, die sie „3LCD Reflective” nennen, auf den Markt. Um damit Aufmerksamkeit zu erregen, haben die Japaner clever ein paar weitere auffällige Funktionen in ihr Erstlingswerk mit eingebaut. Epsons erster, mit 7.000 Euro recht teurer Highend-Projektor tritt an, um Sony und JVC Paroli bieten zu können.

Also muss er nicht nur ähnliche Funktionen und Leistung bieten, sondern irgendwie herausstechen. Und das gelingt dem Hersteller durch den Einsatz von Lasern statt der konventionellen Quecksilberdampf-Lampe als Lichtquelle. Laser halten bedeutend länger als die Lampen und ermöglichen einen riesigen Farbraum bei guter Lichtausbeute.

Zwar weiß man von Sony und JVC, dass sie – wie praktisch alle Hersteller – an LEDs und Lasern als Nachfolger für die Lampen arbeiten, aber aktuell gibt es eben noch keine Produkte. Epson überraschte Experten mit dem Schritt zu den Lasern besonders, denn Epson ist relevanter Hersteller der konventionellen Projektor-Lampen. In der Tat ein mutiger, aber genauso auffälliger wie wohl beabsichtigter Schritt.

Viel Neuland für Epson

Der Umstieg von transmissiven auf reflektive Panels bedeutete für Epson eine vollständige Neukonstruktion des gesamten Projektors, denn der Lichtpfad gestaltet sich komplett anders. Eine gute Gelegenheit, alles zu modernisieren, von der Signalverarbeitung mit Ultra-HD über die Panels, die Lichterzeugung und die Kühlung bis zum Objektiv und dem Design. Geblieben ist das bewährte Bedienkonzept.

Wer mit bisherigen Epson-Projektoren der Brot-und-Butter-Preisklassen vertraut ist, der fühlt sich mit der Fernbedienung und den Menüs gleich zu hause. Allerdings muss der im Vergleich zu seinen kleinen, älteren Markengeschwistern riesige und bedeutend schwerere ES-LS10000 zunächst einmal an Ort und Stelle gewuchtet werden.

Das neue, stromlinienförmige Industriedesign wirkt hypermodern und dennoch zweckmäßig. Die Verarbeitung, sonst eher kein herausragendes Merkmal von Epson, scheint passgenau und edel, die Haptik wertig und solide.

Epson EH-LS10000 Rückseite mit Gitter
Das Anschlussfeld verdeckt ein abnehmbares Rückengitter (Foto: R. Vogt)

Zwei Features sind für Epson-Gehäuse innovativ und chic in der Anwendung. Zum einen wurde das durchaus imposante Anschlussfeld sehr tief in die Rückwand versenkt. Das in aller Regel sperrigste Kabel, der Netzanschluss, ist senkrecht zum Gehäuseboden untergebracht. Alle anderen Kabel haben genügend Platz für eine Biegung in die gleiche Richtung und eine Kabelführung.

Der gesamte Kabelsalat und der leicht wechselbare Kühlluft-Filter verschwinden hinter einer die gesamte Rückwand überspannenden Gitter-Abdeckung. Schon bei kleineren Epson-Modellen verbirgt ein Schiebetürchen das Bedienfeld, das neue Topmodell klappt, geschmeidig bedämpft, ein komplettes Bedienpult mit Mini-Joystick aus. Es wirkt schon elegant und verschwindet beim Einklappen quasi unsichtbar.

Wer sich den Epson EH-LS10000 von vorne anschaut, kann schon beim Einschalten die motorische Staubblende  bewundern, die im ausgeschalteten Zustand das Objektiv mit 2,1-fachem Zoom  von Fujinon behütet, das sich Epsons Entwickler maßschneidern ließen und dann inklusive Lensshift motorisierten.

Die elektrisch per Fernbedienung gefundenen Einstellungen für Fokus, Zoom und Shift lassen sich in zehn Speichern ablegen und benennen. Das ist besonders für die Projektion auf CinemaScope-Leinwände im 21:9-Format prima und auch für Anwender, die zwei verschiedene Leinwände in unterschiedlichem Abstand verwenden, etwa eine mit Standard-Gain für alltags und ein hochreflexives High-Gain-Tuch für 3D-Projektion.

Angenehm: Die Motoren finden die Objektiveinstellungen immer ungewöhnlich schnell und relativ treffsicher wieder. Im Testkino lag der Bildrand anfangs um maximal etwa eine Fingerbreite daneben, nach einer einmaligen Korrektur stimmte aber selbst nach dutzendfachem Umschalten der Fokus dauerhaft zuverlässig. Präziser kann das auch kein Mitbewerber. Ein Video dazu gibt es am Ende dieses Tests in der Galerie.

Epson EH-LS10000: Auf der Leinwand alles scharf und homogen

Epson EH-LS10000 Menü
Dieses Menü erlaubt die Umschaltung zwischen nativem Full-HD- und Ultra-HD-Betrieb. Kommt ein echtes UHD-Signal an, schaltet Epson von selbst auf „4K“ (Foto: R. Vogt)

Ebenfalls positiv: Das Objektiv bildete wirklich knackscharf bis in die Ecken ab; mit bloßem Auge war keine chromatische Aberation (Regenbogen-Konturen) oder Vignettierung (abgedunkelte Ecken) zu entdecken. Das ist gut so, denn der Epson soll ja auch Ultra-HD-Auflösung (3840x2160Pixel) abbilden können.

Obwohl seine 3LCD-Reflective-Panels nur Full-HD-Auflösung (1920×1080 Pixel) bieten und damit jeweils die Hälfte der geforderten Pixelzahl in jeder Richtung. Hier kommen nun zwei Techniken parallel zum Einsatz, damit der UHD-Content nativ gezeigt werden kann. Da ist zum einen ein optisches Element im Lichtpfad vor dem Objektiv. Es kann, elektrisch angeregt, das jedes einzelne UHD-Bild um genau ein halbes Pixel nach oben und zur Seite verschiebt.

Dazu kommt ein erweiterter Scaler, der sich um die Ansteuerung dieser Technik kümmert und um das Hochrechnen von BIldern in geringerer Auflösung als UHD. Das ist vergleichbar mit der Technik, die JVC anwendet.

Nun erreicht man damit zwar nicht die gefoderte Pixelgröße, aber jeden Pixelort für Ultra-HD – was im laufenden Film kaum einen Unterschied macht. Allerdings verliert man auf 1-Pixel-Ebene minimal an Konturschärfe. Ein in der Praxis guter Kompromiss. Den Verbund aus optischer und elektronischer Pixel-Vermehrung nennt Epson plakativ „4K-Enhancement“.

Epson EH-LS10000 Laser-Lichtquelle
Zwei Cluster blauer Laser erzeugen das Licht. Ein Set Laser bringt gelben Phospor auf rotierender Glasscheibe zum leuchten (Foto: Epson)

Was verblüffte: Das Bild, insbesondere in den Flächen, wirkte derart homogen und gleichförmig, wie bislang kein anderer Projektor auf LCD-Basis zeigen konnte. Diese Ebenmäßigkeit liefern sonst nur DLP-Geräte. Auch Pixelfehler oder aufgehellte Ecken gab es nicht. Diese neueste Generation LCoS-Chips scheint wirklich ausgereift zu sein.

Auch die Laser-Lichtquelle trägt sicher zur Homogenität bei. Das gesamte Bild wirkte ruhig und stabil, ohne den Hauch eines Flackerns. In Sachen Bildruhe liegt der Epson-Projektor klar an der Spitze des aktuell Machbaren. Ebenfalls unaufdringlich: Das Arbeitsgeräusch, was ebenfalls der neuen Bauart mit den Lasern geschuldet ist. Im Gegensatz zu konventionellen Lampen müssen diese nicht von Luft umströhmt werden, sondern werden wie jeder andere Halbleiterchip gekühlt.

Um die Kühlung weiter zu optimieren, verwenden die Japaner ein Heatpipe-System, wie es oft bei PC-Prozessoren und Grafikkarten zum Einsatz kommt. Dabei wird die Hitze per Kühlleitungen und Wärmetauscher abgeleitet — ähnlich dem Kühlkreislauf beim Auto mit Otto- oder Dieselmotor — und nur die Wärmetauscher werden per langsam drehender Ventilatoren belüftet.

Drei Leistungsstufen kennt die Lasereinheit. In der Stufe „Eco“ hört man zwar den Projektor kaum noch, dafür ist das Bild aber auch beinahe nutzlos dunkel. In mittlerer und hoher Stufe lag der Epson in Bezug auf subjektive Bildhelligkeit und Geräuschpegel in etwa mit dem Sony VPL-VW300ES, der im Testkino als Referenz hängt, gleich auf. Der 3D-Modus kennt nur die maximale Stufe.

Voreinstellungen und „4K-Enhancement“

Epson-EH-LS10000 Farbräume AdobeRGB und REC709
Der Epson-EH-LS10000 stellt die Farbräume AdobeRGB und REC709 (Messungen ineinander geblendet) nahezu perfekt dar und verspricht damit natürliche Farbsättigung (Foto: R. Vogt)

Dank des komplett elektrisch verstellbaren Objektivs war der EH-LS10000 im Testkino flott eingerichtet. Ein paar kurze Messungen und Sichttests ermittelten schnell, dass — wie zuvor bei Epson — die Voreinstellung „Natürlich” am ehesten der HD-Norm (ITU REC.709) entspricht und damit von TV und Blu-ray die natürlichsten Bilder lieferte.

Die Voreinstellung „Kino” übertreibt bei satten Farben und lässt das Bild damit unausgewogen, teilweise schon kitschig erscheinen. Neu bei Epson sind die Speicherbänke „AdobeRGB“ und „Digitalkino“. Es mag verleiten, Blu-rays mit Filmen aus dem Digitalkino in dieser Voreinstellung zu betrachten. Leider haben die Ingenieure von Epson nur den DCI-Farbraum angepasst, nicht aber das Gamma oder die Farbbalance.

Daher ist diese Voreinstellung weder für Blu-ray noch für echte Digitalkino-Videoströme nach DCI-Norm geeignet. Gelungen und ab Werk bereits nahezu perfekt kalibriert zeigte sich AdobeRGB, der Farbraum für Profifotografen. Hier stimmten Farbraum, -balance und Gamma auf Anhieb derart perfekt, dass man vermuten könnte, Epson wittere dort einen neuen Markt. Der native Farbraum des EH-LS10000 scheint damit groß genug, um auch für künftige Ultra-HD-Videos nach REC.2020-Standard gerüstet zu sein.

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