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SPL Performer s800 Front
Stereo-Endstufe SPL Performer s800; 2.970 Euro (Foto: SPL)

Erster Test: Stereo-Endstufe SPL Performer s800

Mit der neuen Pro-Fi Serie beschreitet SPL neue Wege – hin auch zu den HiFi-Fans. Die Serie besteht aus fünf Komponenten, darunter der überragende DAC-Vorverstärker SPL Director. Die leistungsmäßige Entsprechung des Director ist die Endstufe  SPL Performer s800. Und die beweist uns eindrucksvoll: Es muss nicht immer Class D sein und man kann kompakte, leistungsfähige Endstufen auch in klassischer Analogtechnik bauen.

In Zahlen ausgedrückt liest sich das so: 2 x 285 Watt Nennleistung an 4 Ohm bei Gehäuseabmessungen von 28 x 10 x 33 Zentimeter (B x H x T) und einem Gewicht von 13 Kilogramm – im Brückenbetrieb sind es sogar 450 Watt Nennleistung an 4 Ohm.

Trotz ihrer knappen Gehäusemaße kommt die Performer s800 vollständig ohne Lüfter aus. Gut so, denn die produzieren nicht nur lästige Ventilationsgeräusche, sondern können durch ihre kräftigen, magnetischen Wechselfelder erhebliche Störungen in den Verstärkerschaltungen verursachen.

Nur Muskeln, kein Fett – dieses Motto gilt bei der Performer s800 nicht nur für ihre hohe „Leistungsdichte“. sondern auch für ihren geradlinigen, direkten Signalfluss.

Der nämlich folgt einem simplen Zwei-Stufen-Plan, der da lautet: Zuerst die Spannungs-, dann die Leistungsverstärkung. Das gilt zwar grundsätzlich auch für andere Power-Amps, doch zieht die s800 dieses Schema ungewöhnlich konsequent durch.

Die gesamte Spannungsverstärkung um die bei Profi-Endverstärkern üblichen 26 Dezibel (20fach) erfolgt bei ihr nämlich bereits in der ersten Stufe: Zuständig hierfür ist ein SPL-exklusives, diskret aufgebautes Operationsverstärkermodul, das dank seiner hohen Betriebsspannung von +/- 60 Volt (Stichwort: Voltair-Technik) sehr hohe, unverzerrte Ausgangsspannungen liefern kann.

SPL Performer s800 Detailansicht Eingangsschaltung
Ein SPL exklusives Hochvolt-Operationsverstärker-Modul bildet die Eingangsschaltung der SPL Performer s800. Hier erfolgt die gesamte Spannungsverstärkung von 26 dB (Foto: J. Schröder)

Genau passend also für die nachfolgende, zweite Stufe: Denn die braucht sich jetzt nur noch um die optimale Ansteuerung der Endtransistoren zu kümmern. Auch hier findet sich wieder ein Voltair-Operationsverstärkermodul – wegen der höheren, zu verarbeitenden Ströme jedoch mit ausgelagerten Ausgangstransistoren, die zusammen mit den eigentlichen Endtransistoren auf dem Kühlkörper montiert sind. Das sorgt für einen stabilen Arbeitspunkt der in Class-AB-Technik arbeitenden Schaltung. die übrigens durchweg mit bipolaren Transistoren arbeitet.

Verstärker-Experten haben es möglicherweise schon durchschaut: Der große Vorteil dieser strikten Trennung von Spannungs- und Leistungsverstärkungsstufe ist die vollständige Entkopplung von Steuer- und Laststromkreislauf – Rückwirkungen der vom Lautsprecher erzeugten Gegen-EMK auf den Verstärkereingang wie bei üblichen Endstufenkonzepten können also gar nicht erst auftreten, weil die s800 keine Über-Alles-Gegenkopplung besitzt.

Vielmehr verfügen Spannungs- und Leistungsverstärkerstufe über ihren jeweils eigenen Gegenkopplungspfad, was die Trennung perfekt macht. Eine einfache, aber geniale Lösung, die mir in ähnlicher Form bislang nur bei einem der anerkannt weltbesten Vollverstärker, dem Ayre AX5, begegnet ist.

SPL Performer s800 – der Aufbau

Klar, dass die geballte Power nicht von irgendwoher kommt: Den größten Raum innerhalb des Gehäuses beansprucht ein feister 850-VA-Ringkerntransformator vom deutschen Spezialisten Noratel.

Nach der Gleichrichtung sorgt eine ansehnliche Kondensatorbatterie mit einer Kapazität von insgesamt knapp 41.000 Mikrofarad für die notwendige Glättung der Versorgungsspannung: Hierfür wählte SPLs Pro-Fi-Entwickler Bastian Neu beste Hochvolt-Aluminium-Elkos vom amerikanischen Spezialisten Kemet, die Temperaturen von bis zu 105 Grad klaglos verkraften.

Die zentral angeordnete Stromversorgung wird links und rechts flankiert von den beiden spiegelsymmetrisch aufgebauten Endstufenzügen. Die Leiterplatten mit den beiden aufrecht bestückten Voltair-Op-Amps weisen dabei nach außen, sodass die massiven Kühlkörper eine Art integrale Abschirmung zwischen Elektronik und Transformator bilden – schlau gedacht.

SPL Performer s800 Innenansicht
Das Gehäuse der SPL Performer ist bis zum letzten Kubikzentimeter ausgefüllt. Dennoch kann sie auf einen Lüfter verzichten (Foto: J. Schröder)

Eingangssignale vom Vorverstärker nimmt die SPL Performer s800 über elektronisch symmetrierte XLR-Buchsen entgegen. Diese lassen sich jedoch auch mit unsymmetrischen Quellen ansteuern, wenn man den XLR-Kontakt 3 mit der Signalmasse verbindet.

Vollausteuerung erreicht die Performer s800 bei Rundfunk-üblichem Norm-Eingangspegel von +6 dBu (1,55V), wobei sich die Eingangsempfindlichkeit kanalgetrennt mittels rückseitiger Stufenschalter in 0,5-dB-Schritten um bis zu 5,5 Dezibel reduzieren lässt. Ein nützliches Feature.

Wer mehrere s800 betreibt, beispielsweise in Bi-Amping-Anwendungen oder im Mastering-Studio für mehrere Abhörmonitore, kann hiermit elegant den unterschiedlichen Wirkungsgrad der angeschlossenen Lautsprecher ausgleichen.

Praktisch ist auch der Loop-Thru-XLR-Ausgang: Hier liegt das an die Eingangsbuchse angelegte Signal in unveränderter Form nochmals an – gedacht beispielsweise zum Durchschleifen an weitere s800 oder andere Pro-Fi-Komponenten, beispielsweise den Kopfhörer-Verstärker Phonitor x.

SPL Performer s800 Rückansicht
Anschlussfeld der SPL Performer s800: Zum Durchschleifen des Eingangssignals sind zwei eigene XLR-Anschlüsse vorgesehen (Foto: J. Schröder)

Natürlich hat SPL bei der Performer s800 auch an die Betriebssicherheit gedacht: So verhindert eine thermische Sicherung ein Überhitzen der Endstufenzüge, während die integrierte Schutzschaltung die angeschlossenen Lautsprecher vor im Fehlerfall auftretender Gleichspannung am Ausgang bewahrt.

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang auch, dass sich die s800 bei leisem Spiel dank ihres relativ geringen Ruhestroms nur kaum fühlbar erwärmt – sie gehört definitiv nicht zu den „Heizkraftwerken“, die bereits im Stillstand das Wohnzimmer zur Trockensauna machen.

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