Antipoders K50 silber Front
Die Unterschiede im Bereich Musikserver und Streaming-Clients sind klein und werden nach oben immer geringer. Doch wer ganz nach oben strebt, nehme den Antipodes K50 für knapp 16.000 Euro (Foto: Antipodes)

Test Antipodes K50: Musikserver & Streaming-Player für Perfektionisten

Ein Intel Einplatinencomputer (NUC) mit Intel i7 Prozessor ohne Gehäuse kostet im Höchstfall knapp 500 Euro. Der Musikserver und -Player Antipodes K50 basiert auf so einem NUC, kostet aber rund 16.000 Euro. Woher kommt der enorme Preis für den auf Musikstreaming und -Wiedergabe ausgelegten neuseeländischen Server? LowBeats hat nachgeforscht und genau reingehört.

Nutzerkommentare im Netz neigen zu Simplifizierung. Liest man sich in einschlägigen Foren die von Lesern geposteten Meinungen und Einschätzungen insbesondere zu Testberichten von hochpreisigen High-End Audiokomponenten durch, könnte man den Eindruck gewinnen, manche Menschen haben die Fähigkeit zur sorgfältigen Abwägung von Sachverhalten verloren. Unreflektierte Pauschalaussagen werden nicht selten zu vermeintlichen (alternativen) Fakten erklärt. Sinngemäß zitierte Beispiele:

„Digital ist Digital. Da gibt es keine Klangunterschiede, solange alle Nullen und Einsen ankommen.“

„Wer kauft denn einen Streamer für 2.000 Euro (oder mehr), wenn man die gleiche Funktionalität auch mit einem RasPi für 150 Euro bekommt?“

„Mein Mac mini kostet nur 800 Euro, kann viel mehr. Klangunterschiede bei Streaming kann man sowieso nicht hören.“

Solche und ähnliche unreflektierte Kommentare sind nicht die Ausnahme, sondern fast schon die Regel. Aber wer so argumentiert, lässt die Realitäten der Signalübertragung außer Acht und hat allgemein das Prinzip von High End nicht verstanden. Grenzen ausloten, immer weiter verschieben und dabei ausgetretene Pfade verlassen, um neue Erkenntnisse zu erringen und das tatsächlich klanglich machbare auszuloten sind nur einige der Triebfedern, die zu solch außergewöhnlich Schöpfungen wie den Server- und Streaminglösungen von Antipodes aus Neuseeland führen.

Die Idee hinter dem Antipodes K50

Zweifellos: 15.890 Euro – der UVP des Antipodes K50 – für einen Musikserver/Streamer auszugeben ist nicht für Jedermann sinnvoll oder auch nur erwägenswert. Erstens hat nicht jeder das nötige Kleingeld, zweitens erheben nur die Wenigsten den audiophilen Anspruch, für vergleichsweise feine und vermeintlich kleine Klangunterschiede so tief in die Tasche zu greifen. Denn Fakt ist: Mit der Investition in Komponenten wie bessere Lautsprecher oder auch Verstärker lassen sich definitiv größere Klangsprünge erzielen. Aber in einer Wiedergabekette zählt letztendlich JEDES Glied. Auch die mit geringerem Klangeinfluss können letztlich über wohl oder Wehe der gesamten Anlage entscheiden. Und zur Erinnerung: Wir sind hier an der Quelle. Was hier vergurkt wird, bekommt man nicht mehr gerettet.

 

Antipodes K50 auf Trinnov Amethyst
Der Antipodes K50, hier auf dem Trinnov Amethyst, ist wie ein Panzerschrank gebaut und hat Rackmount-Breite (Foto: F. Borowski)

ie Zielgruppe für Devices wie die von Antipodes ist zweifellos klein und sehr spezifisch. Der Hersteller wendet sich an Nutzer, die bereits über eine exzellente und sorgfältig optimierte Wiedergabekette höchster Güte verfügen, aber im Bereich des digitalen Front-End noch auf der Suche nach dem Non-Plus-Ultra des derzeit machbaren sind. Und an diejenigen mit großer digitaler Musiksammlung.

Das aktuelle Produktsortiment von Antipodes umfasst zwei Serien, die das selbe Ziel auf zwei unterschiedliche Herangehensweisen anstreben:

Die S-Serie ist Nachfolger der bereits bei LowBeats (teilweise) getesteten CX/EX-Serie und verfolgt einen modularen Ansatz mit Einzelkomponenten für Server oder Server/Player, Netzteil und Reclocker, während die K-Serie eine stärker integrierte Lösung mit größerem, rackmount-fähigem Gehäuse darstellt. Aktuell umfasst die K-Serie drei Varianten:

• Der K30 (10.600 Euro) ist ein Musikserver und -Player, und im Kern eine abgespeckte, preisgünstigere Variante des K50. (Der K30 plus S20 Reclocker plus zwei Netzteile S60 entspricht im Wesentlichen dem, was im K50 steckt.)
Der K40 (9.600 Euro), den wir bereits im Test hatten, ist ein reiner Server ohne Player-Funktion, ansonsten aber mit den selben Technologien wie der K50 ausgestattet.
• Der K50 (15.890 Euro) ist die Krönung der Antipodes-Schöpfungen. Er vereint einen kompromisslosen Server mit direkt angebundenem Streaming-Player, realisiert mit zwei individuellen Computern samt separater interner Netzteile mit aufwendiger Spannungsregulierung und Reclocker.
• Optional gibt es noch die CD Ripping Station K10 (690 Euro)

 

Antipodes CD-Laufwerk K10
Optional: Der K10 CD-Ripper – ebenfalls in einem massiven Alugehäuse (Foto: F. Borowski)

Die technische Herangehensweise der Antipoden ähnelt auf den ersten Blick dem Ansatz, den auch die Macher des Silent Angel Rhein Z1 verfolgen. Kurz gesagt dreht sich alles darum, elektromagnetische Störungen, die zu Signalrauschen führen, auf Teufel komm raus zu vermeiden. Das Problem dabei: Ausgerechnet die für Server und Streamer notwendigen Computerkomponenten sind eine echte Brutstätte solcher Störungen. Im aktuellen Pandemie-Sprech könnte man die für Computer nötigen Prozessoren auch als Superspreader bezeichnen, die für eine rasante Ausbreitung des gefürchteten Jitter sorgen, also der Verzerrung des Signals auf der Zeitachse. Die dadurch verursachten Wandlungsfehler setzen sich auf der analogen Seite fort und führen zu klanglicher Beeinträchtigung.

Antipodes K50 Innnenansicht
Das Innenleben des K50, hier mit sämtlichen Abschirmblechen. Oben rechts ist eine SSD in einem der drei SATA-Einschüben zu erkennen (Foto: F. Borowski)

Was ursächlich simpel klingt, ist in der Praxis leider eine nur schwer zu bekämpfende Seuche. Verschiedene Hersteller verfolgen unterschiedliche Ansätze. Ein Patentrezept hat aber noch keiner gefunden. Eines der Probleme dabei ist, dass sich besagtes Signalrauschen aus physikalischen Gründen nie vollständig vermeiden lässt. Es kann nur der Versuch unternommen werden, jegliche Interferenzen weitestmöglich zu unterdrücken, was einen hohen technischen Aufwand bedeutet. Und dies nicht nur auf der Computer- sondern auch auf der Netzteilseite sowie an vielen anderen neuralgischen Punkten.

Antipodes hat seine Erkenntnisse und Gegenmaßnahmen auf dieser Seite sehr ausführlich und gut verständlich (auf englisch) zusammengefasst und erklärt dort auch, welche Auswirkungen Bandbreitenlimitierung als „Zwilling“ des Signalrauschens dabei hat. Der Leseausflug lohnt sich und macht ganz nebenbei auch verständlicher, wie der enorme Preis der Antipodes-Lösungen zustande kommt.

Antipodes K50 – das „Forschungsresultat“ in der Praxis

Kurz noch mal zur Erinnerung: Der K50 ist mit dem bei LowBeats bereits getesteten K40 auf der Serverseite identisch. Beide besitzen das gleiche Gehäuse, die selben drei Einschübe für SSD-Speicher, den selben Computer und diverse andere Gleichteile. Der K50 verfügt zusätzlich über eine Player-Funktionalität. Anders ausgedrückt: Der K40 muss per durchgeschleiftem Ethernet an einen externen Streamingplayer angeschlossen werden. Der K50 kann das auch, hat aber auch digitale Ausgänge wie AES/EBU, S/PDIF, I²S und USB, um darüber direkt an einen DAC angeschlossen zu werden. Einen zusätzlichen Streamingplayer kann man sich mit ihm sparen.

Antipodes K50 Rear
Saubere Trennung: Datenverbindungen (rechts) und digitale Ausgänge (links). Sehr lobenswert sind auch die drei SSD-Einschübe. Allerdings: Für Datensicherung muss der Nutzer manuell Sorge tragen. Die SSD-Slots lassen sich nicht als gespiegeltes RAID betreiben und es gibt auch keine integrierte Backup-Funktion (Foto: F. Borowski)

Die Player-Funktion ist im K50 äußerst konsequent umgesetzt. Sie läuft beispielsweise nicht einfach auf dem selben Computer wie der Server-Part, was technisch kein Problem für den Multitasking-fähigen i7-Prozessor wäre, sondern wird auf einem separaten, kleinen Computerboard ausgeführt, das von einem eigenen großen Linearnetzteil mit eigener Spannungsregelung gespeist wird. Netzteil ist ein gutes Stichwort, denn hier verbirgt sich eines der Klanggeheimnisse von Antipodes. Die Baugruppen werden nämlich genau genommen nicht allein durch Linearnetzteile gespeist, sondern durch Hybrid-Netzteile. Einige Baugruppen bzw. Schaltungen klingen besser mit Linearnetzteilen, andere wiederum besser mit Schaltnetzteilen. Unter dem Projektnamen OLADRA hat Antipodes als angeblich erster Musikserver-Hersteller das Konzept hierfür entwickelt (ebenfalls hier nachzulesen). Auch andere Hersteller sind inzwischen auf diesen Zug aufgesprungen.

Der Blick ins Innere zeigt die Baugruppen:

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Antipodes_K50-Innenansicht
Hier noch mal die Innenansicht des K50, diesmal ohne Abschirmbleche. Unten rechts ist der „Hauptcomputer“ für den Server, links unten (rot) die digitale Ausgangsplatine, darüber der zweite Computer für den Player-Part. Links oben die aufwendige Spannungsregulierung und oben die zwei massiven Trafos (Foto: Antipodes)
Antipodes-K40-Innenansicht
Zum Vergleich: Der kleinere K40 ohne Playerfunktion (Foto: R. Vogt)
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Dass Server und Player im K50 tatsächlich zwei vollkommen individuelle Einheiten bilden, merkt man auch im Netzwerk. Der Router vergibt zwei unterschiedliche IP-Adressen. Auch in den Netzwerkfreigaben erscheinen aus diesem Grund zwei Antipodes-Devices. Zur Verbindung mit dem Router wird aber nur ein LAN-Kabel benötigt. Ach ja, WLAN ist im K50 aus naheliegenden Gründen (Interferenzen) natürlich kein Thema.

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Antipodes_K50 LAN
Am Router ist der K50 mit zwei separaten IP-Adressen angemeldet (Screenshot: F. Borowski)
Antipodes_K50 Freigaben
Auch in den Netzwerkfreigaben taucht der K50 zwei mal auf. Über diesen Weg können auch neue Musikdateien via Netzwerk auf die SSDs im K50 kopiert werden. Die Übertragungs-Geschwindigkeit ist allerdings sehr gering. Für größere Kopieraktionen sollte die SSD z. B. per USB/SATA-Adapter direkt an einen Mac/PC angeschlossen werden (Screenshot: F. Borowski)
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Die grundlegenden Streamingfunktionen des Servers sind, wie Kollege Vogt schon für den K40 beschrieben hat, sehr umfangreich. Der K50 kann als Roon Core fungieren, unterstützt aber auch andere Serverapplikationen wie Squeeze, Sonos, Plex und weitere. Auf der Player-Seite ist neben Roon ebenfalls Squeeze verfügbar. Dank UPnP lässt sich die Musik aber über viele gängige Player-Apps steuern.

Zur Antipodes-Zielgruppe gehören auch Nutzer, die über einen großen Schatz eigener Musik verfügen. Dieser lässt sich, sollte es sich um CDs handeln, über den optionalen Ripper K10 in den K50 importieren, oder falls schon in Dateiform vorhanden einfach auf passende Massenspeicher kopieren. Das System verarbeitet PCM bis 32 Bit / 768 kHz oder DSD512 (DoP). Die Daten können extern per USB an den K50 angeschlossene Festplatten zugespielt werden, oder über ein NAS. Im Idealfall beschafft man sich passende SATA-SSDs für die hinteren Einschübe. Auf diese Weise ist die Musik im direkten Zugriff des K50 und auf vollkommen geräuschlosen Datenträgern ohne Mechanik.

Apropos: Der K50 selbst arbeitet natürlich wie sein kleinerer Bruder lüfterlos mit Heat-Pipe-Kühlung und damit unhörbar.

Die Einrichtung entfiel bei meinem Testgerät, denn auch mir schickte der deutsche Antipodes Vertrieb CM Audio ein irres Rundum-Glücklich-Paket. In einem riesigen Flightcase verpackt kam nicht nur der K50, sondern auch je ein hochwertiges Strom-, LAN- und USB-Kabel plus ein vorkonfiguriertes iPad mit aktiver Roon-Lizenz und Zugang zu Qobuz und Tidal. Das perfekt vorbereitete Set soll aber nicht etwa über besonders komplizierte Einrichtung des K50 hinweg täuschen. Nein, das geht quasi per Plug&Play. Nur die entsprechenden Dienste müssen vom Nutzer selbst eingerichtet werden – wie bei jedem anderen modernen Streaming-System auch.

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Antipodes_K50 Server
Neben Roon unterstützt der K50 auch andere Serverapplikationen. Über das Web-Interface können auch die angeschlossenen Speicher verwaltet und das CD-Ripping per optionalem Laufwerk gesteuert werden (Screenshot: F. Borowski)
Antipodes_K50 Player
Auch auf den Player kann via Webinterface zugegriffen werden. Allerdings gibt es hier nicht viele Optionen (Screenshot: F. Borowski)
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Das Gute daran: Dank zweier aktiver Roon-Accounts (mein eigener und der Test-Account des Vertriebs) konnte ich sehr komfortabel Klangvergleiche mit unterschiedlichen Setups machen. Der eigentliche Betrieb ist erwartungsgemäß unkompliziert. Als Server verrichtet der K50 unauffällig im Hintergrund seinen Dienst. Bei Bedarf lässt sich das Gerät über die große Powertaste an der Front bei Nichtbenutzung in den Ruhezustand versetzen. Aktivieren geht damit zwar nicht verzögerungsfrei wie bei einem Smartphone oder Tablet, aber innerhalb etwa einer Minute nach dem Einschalten ist der K50 wieder spielbereit.

Im Betrieb, sowohl im Leerlauf als auch mit einem laufenden Titel von SSD oder Online-Streaming verbraucht der K50 knapp 20 W. Im Standby sind es etwas unter 5 W. Über den Hauptschalter an der Rückseite kann er bei Bedarf natürlich auch ganz vom Strom getrennt werden.

Hörtest – Ein aufwendiges Unterfangen

Im Hörraum musste der Antipodes hauptsächlich gegen den mit rund 2.000 Euro erheblich günstigeren Silent Angel Rhein Z1 antreten. Sowohl der Rhein Z1 als auch der K50 können als Roon Core (Server) und als Roon Endpunkt (Player) fungieren. Der Rhein Z1 bietet hierfür allerdings nur einen USB-Ausgang zum Anschluss an einen entsprechend ausgestatteten DAC. Der K50 hat ebenfalls USB-Out, lässt sich dank seiner anderen Digitalschnittstellen aber weitaus flexibler mit anderen Komponenten verbinden und beispielsweise auch per S/PDIF oder AES/EBU durch einen Trinnov Amethyst als Raumklangprozessor schleifen. Folgende Konfigurationen habe ich mir angehört:

• K50 vs. Rhein Z1 via USB an Exogal Comet und Ion PowerDAC.
• K50 per Ethernet Direct (durchgeschleiftes LAN) an Trinnov Amethyst, der wiederum via AES-EBU mit der Exogal-Kombi verbunden wurde. In dieser Konfiguration lief der Amethyst als Roon Endpunkt (also als Player), der K50 nur als Server. Dies bot eine Vergleichsmöglichkeit mit dem Z1 nur auf Serverebene.
• K50 per AES/EBU am Amethyst angeschlossen, der via AES/EBU am Exogal-Gespann lief. Hierbei fungierte der K50 auch als Roon Endpunkt (Player). Der Amethyst wurde auf diese Weise lediglich als Raumklangprozessor zwischen K50 und Exogal genutzt. Durch Umschalten des Eingangs am Amethyst und Auswahl des Ausgabegerätes in Roon war es möglich zu vergleichen, ob und welchen Unterschied die Playerfunktion des K50 im Vergleich zum Amethyst macht.

Tricky! Und ziemlich zeitaufwendig. Ich denke, es würde den Rahmen deutlich sprengen, zu jedem der genannten Hörvergleiche Musikbeispiele zu nennen und subjektiv wahrgenommene Eindrücke zu beschreiben. Wichtig sind doch nur die Ergebnisse.

Nach ausgiebigen Vergleichen ergaben sich für mich folgende Erkenntnisse:

1.) Der Klangunterschied zwischen K50 und Z1 auf reiner Server-Ebene ist ausgesprochen gering. Da macht es einen merklich größeren Unterschied, ob die Server am Melco S100 Switch angeschlossen sind, oder nicht.

2.) Wird der K50 auch als Player via USB am DAC genutzt, kann er sich im Vergleich zum Z1 ziemlich deutlich absetzen. Eine wesentlich entspanntere Spielweise gepaart mit einer offeneren Bühne mit klarer definierten Stimmen und Instrumenten ließen hier keinen Zweifel an den Qualitäten des K50 als Player.

3.) Der Vergleich Amethyst als Player und K50 als Player (in beiden Fällen K50 als Server) geht knapp an den K50. Die Auswirkungen ähneln denen im Player-Vergleich mit dem Z1, sind aber bei weitem nicht so ausgeprägt. Dennoch kann sich der K50 mit einer Nasenlänge Vorsprung den Sieg erkämpfen.

Antipodes K50 Front
Big Block: Der K50 ist ein ordentlicher Brocken mit äußerst solidem Gehäuse (Foto: F. Borowski)

Die Frage ist nur: Rechtfertigt das die hohen Kosten für den Antipodes K50? Ganz ehrlich? Das kann nur jeder für sich mit seinem eigenen Geldbeutel und Gewissen ausmachen. Aus meiner Sicht bringt es deutlich mehr klanglichen Gewinn, sich einen Amethyst mit seiner fantastischen Raumkorrektur anzuschaffen. Dieser Ansatz ist aber gerade für Puristen nicht unbedingt der attraktivste (obwohl ich dringend empfehle, das mal vorurteilsfrei auszuprobieren). Als reine Server/Player-Kombination für Streaming kenne ich aber derzeit nichts besseres, als den K50. Der zum Vergleich herangezogene Rhein Z1 kostet nur einen Bruchteil des Antipodes, kann aber letztlich nur als Server mit dem K50 mithalten. Das dürfte in erster Linie dem Antipodes K40 (ohne Player-Funktion) das Leben schwer machen. Oder anders ausgedrückt: Wenn schon kompromisslos handeln, dann aber auch richtig und gleich zum K50 greifen.

Neben den rein klanglichen Aspekten muss dem Antipodes-Konzept aber auch sein sehr aufwändiger Hardwareaufbau zugute gehalten werden. Das Ding ist ein Panzer mit gut 16 Kilogramm Kampfgewicht und einem unerschütterlichen Chassis. Dazu kommen die praktischen Aspekte wie die drei SATA-Slots für SSDs plus zahlreiche Anschlüsse für alle möglichen Gerätekombinationen. Der K50 kann seine Fähigkeiten sogar anderen zur Verfügung stellen, denn er verfügt über einen Clock-Link, um externe DACs mit passendem Anschluss auf den hochgenauen Takt seiner internen Clock zu synchronisieren.

Fazit – Kompromisslosigkeit hat ihren Preis

Ich bin hin und her gerissen. Einerseits ist der Antipodes K50 die bislang beste und musikalischste mir bekannte Server/Player-Lösung, andererseits katapultiert ihn der hohe Preis für die meisten Interessenten völlig außer Reichweite. Die Hoffnung, dass die Qualitäten eines K50 wegen seiner sich vermeintlich schnell entwickelnden digitalen Natur bald zu deutlich günstigeren Preisen zu haben sind, würde ich nicht zu hoch aufhängen. Antipodes und andere Hersteller in dieser Liga erreichen dies nämlich nicht durch Chips, die immer schneller und billiger werden, sondern durch erheblichen Aufwand im Bereich der Schaltungsoptimierung, kombiniert mit Netzteiltechnologie, die nicht für’n Appel und ’n Ei zu haben ist.

Wie auch beim K40 ist der Vorsprung des Antipodes K50 gegenüber deutlich günstigeren Mitbewerbern rein rational betrachtet nicht so groß, um mehr als den sechsfachen Preis zu rechtfertigen. Es ist ein Dilemma. Lösbar nur für diejenigen, die über das nötige Kleingeld nicht groß nachzudenken brauchen und für die selbst überschaubare Klangkompromisse keine Option sind. Dieser Schnittmenge sei der K50 wärmstens empfohlen. Alternativ kann der geneigte High-Ender sich mit der Antipodes S-Serie stückweise bis zu den traumhaften Klangsphären des K50 hocharbeiten.

Antipodes K50 CM Audio Verkabelung
Der Antipodes Vertrieb CM Audio Flöter bietet dem K50-Interessierten gern auch einen passenden Kabelsatz. Den sollte man unbedingt ausprobieren: Die Leute um Markus Flöter und Torsten Fink kennen ihre Komponenten schon sehr genau… (Foto: F. Borowski)
Antipodes K50
2021/02
Test-Ergebnis: 4,4
SEHR GUT
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Player/Server-Konzept klanglich überragend
aufwendige, äußerst massive Konstruktion, lüfterlos
Praktische SSD-Slots
Kein Display, keine Fernbedienung

Vertrieb:
CM-Audio – Flöter Technology Service
Am Schwarzbach 78
41066 Mönchengladbach
www.cm-audio.net

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Antipodes K50: 15.890 Euro

Mit- und Gegenspieler:

Test Musikserver Antipodes K40: High End Klang nicht nur mit Roon
Test: Exogal Comet und Ion PowerDAC
Test Trinnov Amethyst: Digitale Traumvorstufe mit Profi-Einmessung


Autor: Frank Borowski

Frank Borowski
LowBeats Experte für Schreibtisch-HiFi und High End kennt sich auch mit den Finessen der hochwertigen Streaming-Übertragung bestens aus. Zudem ist der passionierte Highender immer neugierig im Zubehörbereich unterwegs.