Antipodes K40: Highendiger, aufrüstaber Musikserver für Roon, Plex & Co., 9400 Euro (Foto: R. Vogt)
Antipodes K40: Schnörkellos auf besten Klang getrimmter aufrüstbarer Musikserver für Roon, Plex & Co.. Sein Preis: 9.600 Euro (Foto: R. Vogt)

Test Musikserver Antipodes K40: High End Klang nicht nur mit Roon

In Neuseeland gehen die Uhren etwas anders – manche sagen: genauer. Denn hier forschen die Digitalspezialisten von Antipodes und entwickeln ihre hochgenauen Musik-Server. Wir durften ja mit dem Antipodes CX schon eine audiophile Kostprobe nehmen. Aber natürlich haben die Neuseeländer noch deutlich Ambitionierteres im Programm – zum Beispiel den Antipodes K40 für knapp 10.000 Euro. Der rührige CM-Audio – Flöter Technology Service schickte eine seiner klug gepackten Mehrwege-Probierkisten und die Erwartungen wuchsen beim Auspacken: Die Maschine wiegt 14 Kilo. Ganz schön schwer für einen üblichen Musik-Server. Aber womöglich ist der K40 gar nicht üblich…

Antipodes K40 Powertaste (Foto: R. Vogt)
Die Front des Antipodes K40 ist – sagen wir einmal – extrem aufgeräumt. Das einzige Bedienteil ist die umrandete Powertaste (Foto: R. Vogt)

Der Antipodes K40 kommt im Gegensatz zum kompakten CX als ausgewachsene Rack-Komponente im 44,5-Zentimeter-Format daher und macht mit seinem aus dem Vollen gefrästen Gehäuse auch optisch etwas her; die Assoziation „Musik-Tresor“ ist bei dieser Verarbeitungs-Qualität nicht allzuweit hergeholt. Man könnte das Ganze auch für eine Endstufe halten, denn es gibt nur zwei Bedienelemente am ganzen Gerät: eine große, runde Power-Taste auf der Front und einen Hauptschalter am Netzkabel hinten. Alles andere erledigt man per Webinterface.

Die These mit der Endstufe wird auch durch das stattliche Gewicht genährt. Das großzügig verbaute Metall dient nicht nur perfekter elektromagnetischer Abschirmung und mechanischer Entkopplung, sondern bietet auch termisch eine großflächige Hitzeableitung. Als Folge wurde der K40 selbst bei Dauerlast kaum handwarm – und das über praktisch die gesamte Oberfläche.

Die inneren Werte des Antipodes K40: die Hardware

Antipodes K40 bei geöffnetem Deckel (Foto: R. Vogt)
Antipodes K40 bei geöffnetem Deckel. Man sieht die passive Kühlung in Form von zwei ganzseitigen Kühlrippen-Reihen (links und rechts) sowie vorn das Netzteil mit großem R-Core-Transformator (Foto: R. Vogt)

Ein Blick unter die Haube veranschaulicht das Konzept. Alle Wände bestehen aus viele Millimenter-starkem Metall. Sämtliche Elemente sind mit Inbus-Schloss-Schrauben verbunden, die in sauber geschnittenen Gewinden ankern. Zur Vermeidung gegenseitiger mechanischer oder elektromagnetischer Einflüsse trennen separate Kammern die einzelnen Baugruppen von einander. Zu erwähnen ist hier beispielsweise das Linear-Netzteil für die Versorgung des Mainboards, das in größtmöglicher Distanz von dem kleinen Standby-Schaltnetzteil untergebracht ist. Der eigentliche Computer im Zentrum des Gehäuses hat eine komplett eigene Kammer. Die Festplatten, beziehungsweise SSDs, sitzen einzeln in Faraday‘ schen Käfigen, die als Einschübe auch auszuwechseln sind.

Antipodes K40 Hauptplatine mit Intel Core i7 CPU (Foto: R. Vogt)
Antipodes K40 Hauptplatine mit Intel Core i7 CPU (Foto: R. Vogt)

Öffnet man das innere Gehäuse, wird der Blick auf das Mainboard frei. Leicht erkennt man die die picobello verlegten Kupferröhrchen. Sie bilden eine passive (und damit auch vollständig geräuschlose) Heatpipe-Kühlung, mit der die Wärme des Intel Core i7 Hauptprozessors vom Chip auf die Kühlrippen abgeleitet wird.

Die Rückwand ist leicht nach innen versetzt sodass die eingesteckten Speicherplatten praktisch bündig abschließen. Die gängigen SSDs im 2,5-Zoll-Formfaktor kann man ohne Werkzeug einfach einschieben oder herausziehen. Letzteres ist allerdings leichter gesagt als getan: Die Schienen und Stecker halten die Platte so fest, dass man schon kräftige Finger braucht, um sie wirklich herauszubekommen. Angst, das sich da mal etwas lockert, braucht man also nicht zu haben…

Antipodes K40 Anschlußleiste (Foto: R. Vogt)
Antipodes K40 Anschlußleiste (Foto: R. Vogt)

Das Anschlussfeld ist ein wenig ungewöhnlich, da es dezidierte USB-Anschlüsse für CD-Laufwerke für das Rippen der eigenen physischen Scheiben auf die interne Festplatte vorsieht. Zudem finden sich auf der rechten Seite zwei USB-3.0-Buchsen zum Anschließen externer Festplatten. Wer noch einige Regalmeter CDs zu rippen hat, der sollte in das passende Ripping-Laufwerk Antipodes K10 investieren (690 Euro), das sowohl technisch als auch in Sachen Design und Verarbeitung auf die K-Serie-Server abgestimmt ist.

Anders als beispielsweise bei gewöhnlichen NAS-Servern sind hier die zwei Netzwerkbuchsen nicht gleichwertig, sondern zweckgebunden anzuschließen. Der integrierte audiophile LAN-Switch ist mit seiner roten Buchse zum Anschluss an den Rooter des Hauses mit Internetzugang vorgesehen. In die zweite (schwarze) Buchse kann man direkt den wichtigsten Streamingplayer einstöpseln, um die Jitter-ärmste  (durch keinen weiteren Router und zusätzliche Steckverbindungen unterbrochene) Wiedergabe zu erzielen.

Die inneren Werte: Software

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Antipodes-K40-Webmenü: Hauptmenü (Foto: R. Vogt)
Antipodes-K40-Webmenü: Hauptmenü (Foto: R. Vogt)
Antipodes-K40-Webmenü: Laufwerksinformationen (Foto: R. Vogt)
Antipodes-K40-Webmenü: Laufwerksinformationen (Foto: R. Vogt)
Antipodes-K40-Webmenü: Dateiverwaltung (Foto: R. Vogt)
Antipodes-K40-Webmenü: Datei-Verwaltung (Foto: R. Vogt)
Antipodes-K40-Webmenü: App-Verwaltung (Foto: R. Vogt)
Antipodes-K40-Webmenü: App-Verwaltung (Foto: R. Vogt)
Antipodes-K40-Webmenü: CPU-Auslastung (Foto: R. Vogt)
Antipodes-K40-Webmenü: CPU-Auslastung (Foto: R. Vogt)
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Wie immer bei digitalen Produkten, macht die Hardware nur maximal nur 50% des Ganzen aus, der große Rest ist Software. Sämtliche Informationen und Konfigurationen ruft man, wie bei solchen Geräten üblich, per IP-Adresse im nächstgelegenen Webbrowser auf.

Und diesbezüglich lief – wie schon beim Test des Antipodes CX – auch beim K40 alles wie am Schnürchen. Das System der Neuseeländer ist schlank, performant und übersichtlich. Die meisten Kunden werden den K40 sicher mit Roon verwenden. Alternativ oder parallel lassen sich (per App konfigurierbar) auch direkt DLNA, Sonos, Squeezalite, Plex Media, HQ-Player oder Music Player Deamon betreiben. Im Test habe ich primär Roon und DLNA verwendet.

Das CM-Audio – Flöter Technology Service Testpaket

Wie oben schon angedeutet, verschickt der Antipodes Vertrieb CM-Audio – Flöter Technology Service Testpakete mit allem Drum und Dran. In diesem Fall handelte es sich um einen robusten Flightcase. Darin fand sich der Antipodes K40 mit allem Zubehör. Genauer heißt das: ein fertig konfiguriertes Apple iPad mit Ladegerät sowie ein highendiges Netzkabel in Form des Boaacoustic Oxygen und ein ebenso aufwändig gemachtes Netzwerkkabel Boaacoustic SIGNAL.lanCat.6A. Außerdem war der K40 mit einer Samsung SSD bestückt und Testkonten für alle nur erdenklichen Services von Roon bis Tidal freigeschaltet. Auf der Disk gab es eine geeignete Musikauswahl zum direkten Loslegen. Besser geht es nicht.

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Boaacoustic SIGNAL.lanCat.6A (Foto: R. Vogt)
Boaacoustic SIGNAL.lanCat.6A (Foto: R. Vogt)
Boaacoustic Stromkabel Oxygen (Foto: R. Vogt)
Boaacoustic Stromkabel Oxygen (Foto: R. Vogt)
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Im Hörraum: Antipodes K40 in der Praxis

Für den LowBeats Test habe ich zunächst den Zugriff auf die Musik von meinem hauseigenen Synology-NAS konfiguriert. Derzeit arbeite ich mit einem Roon Nucleus+ als eigenem Roon Core. Nur gut, dass CM-Audio – Flöter Technology Service noch ein iPad beigelegt hat. So konnte ich mit meinem eigenen iPad und dem zweiten beide Roon Kerne ohne große Umschaltzeiten oder Konfigurations-Hemmnisse parallel betreiben.

Als Senke dienten im Wechsel ein Trinnov Altitude 32, der Oppo UDP-203 und ein über eine Hifiberry-Bridge angesteuerter Parasound P 6 via digitaler Cinch-Leitung. Der Oppo am Trinnov wurde ebenfalls mittels Cinch-SPDIF-Kabel verbunden, was spürbar besser klingt als die HDMI-Übertragung. Den jeweils relevanten Player habe ich mit der Boaacoustic SIGNAL.lanCat.6A Verbindung direkt mit dem Streamer-Anschluss des Antipode K40 verbunden. Da der Nucleus+ kein DLNA bietet, diente die Mediaserver-Funktion des Synology DS-418 NAS als Gegenspieler.

Antipodes K40 (oben) mit Gegenspieler Roon Nucleus+ (auf Nakamichi Dragon) (Foto: R. Vogt)
Antipodes K40 (oben) mit Gegenspieler Roon Nucleus+, letzterer steht auf einem analogen Vintage-Helden, dem Cassetten-Recorder Nakamichi Dragon (Foto: R. Vogt)

Nun „klingt“ ein Server als Datenquelle ja nicht wirklich. Er kann lediglich die Daten, die ein empfangender Renderer an einen D/A-Wandler weitergibt, noch etwas sauberer, rauschärmer und mit weniger Jitter anliefern als ein anderer Server. Vorausgesetzt natürlich, dass beide ein mathematisch korrektes und identisches Signal liefern. „Klang“ erzeugt dann eher der D/A-Wandler mit seinen nachgeschalteten analogen Komponenten.

Denn alle Störungen, die auf der Leitung auf der Zeitachse im Digitalen Bereich angeliefert werden, bleiben auf der analogen Seite erhalten. Die Qualität des angelieferten Signals ist also nicht einfach „Bit = Bit“, wie manche immer noch meinen. Das gilt nur innerhalb der digitalen Welt. Ein mit allen Mitteln von hoch- und tieffrequenten Nebenkomponenten saubergehaltenes Signal klingt daher auf der analogen Seite tatsächlich besser. Und hier macht sich auch der große Aufwand, den Antipodes treibt, absolut bezahlt – zumal der direkte Anschluss des Stream-Players sicher von Vorteil ist.

Dennoch war ich im ersten Moment ein wenig enttäuscht, dass via Roon nur so geringe Unterschiede über alle drei Player zu hören waren. Das spricht zum einen für die Qualität des Roon Nucleus+, zum anderen aber auch gegen meine Ungeduld. Denn hört man eine Weile über den K40 und lässt dann das gleiche Stück über den deutlich schlichter gemachten Nucleus+ noch einmal laufen, wird eine gewisse Unruhe und Nervosität hörbar, die beim direkten Umschalten kaum wahrnehmbar ist. Dabei war es egal, ob als Musik-Datenquelle die interne SSD, das Synology-NAS via LAN oder Tidal via Internet verwendet wurde.

Antipodes K40 (Foto: R. Vogt)
Der Antipodes K40 kommuniziert sparsam: die grüne und die rote LED signalisieren Betriebs-Ready oder Standby. Das wars (Foto: R. Vogt)

Der audiophile Abstand wuchs deutlich beim Musikhören via DLNA, also Synology Mediacenter versus miniDLNA im K40. Die Synology-Software ist wohl auf maximale Kompatibilität und Performance getrimmt; audiophile Hörer hatten die Programmierer nicht auf der Prioritätsliste. Hier wirkt die Wiedergabe des Hausservers eindeutig nervöser als die ruhige, flüssige Art des Antipodes K40. Zugegeben: Auch hier ist der Qualitätsunterschied eher fein. Aber durchaus gut hörbar.

Fazit: Faszinierender Musik-Tresor

Wer einen schnörkellos gut gemachten und klanglich perfekten Musik-Server sucht, der liegt beim Antipodes K40 richtig – eine gefüllte Kasse vorausgesetzt. Die massive tresorartige Verarbeitung schafft Vertrauen – das beim Blick unter die Haube wegen der durchdachten Konstruktion und der Verwendung edelster Bauteile noch verstärkt wird. Auch der Bedienung und der Software kann ich nur beste Noten in Sachen Übersichtlichkeit und Flexibilität ausstellen; spezialisierte Apps für die gängigsten Musik-Server-Typen von Sonos bis Roon machen hier das Hören angenehm einfach. Zudem überzeugt der absolut lautlose Betrieb. Kurzum: Klanglich kann man wohl kaum bessere Voraussetzungen schaffen wie mit dem K40. Wer Ultimatives sucht, sollte schon mal das Sparen anfangen. Wer sich nicht ganz sicher ist, das Testpaket bei CM-Audio – Flöter Technology Service auszuleihen…

Antipodes K40
2021/01
Test-Ergebnis: 4,5
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarteitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Tresorartige Verarbeitung
Bedienung und Software durchdacht
Völlig geräuschlos
Direkter Streaming-LAN-Anschluss

Vertrieb:
CM-Audio – Flöter Technology Service
Am Schwarzbach 78
41066 Mönchengladbach
www.cm-audio.net

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Antipodes K40: 9.600 Euro

Mit- und Gegenspieler:

Test Antipodes CX Music Server: Roon und überlegenes USB-Audio
Test Roon Nucleus+: High End Musikserver für die ganze Familie
Test Trinnov Altitude 32: der ultimative Surround-Prozessor
DIY Roon-Bridge: Der vollwertige Roon-Player für 110 Euro!
Test Parasound P 6 und A 23+: Vor-/Endstufen-Kombi mit cleverer Ausstattung


Autor: Raphael Vogt

Raphael Vogt
Technischer Direktor bei LowBeats und einer der bekanntesten Heimkino-Experten der Republik. Sein besonderes Steckenpferd ist die perfekte Kalibrierung von Beamern.