Micromega M-One 100 Display
DAC-Streaming-Amp Micromega M-One 100; ab 3.990 Euro (Foto: J. Schröder)

Test DAC-Streaming-Amp Micromega M-One 100

Smarte HiFi-Systeme, die mehrere Komponenten in einem kompakten Gehäuse vereinen, erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Dieser Maxime folgt auch der hier vorgestellte Micromega M-One 100 aus der neuen M-One-Serie des französischen Audio-Spezialisten. Er kombiniert die Funktionen D/A-Wandler, Netzwerkstreamer und Bluetooth-Empfänger mit einem sehr gut ausgestatteten, leistungsfähigen Vollverstärker.

Dies alles bringt er in einem erstaunlich flachen, optisch ansprechenden Gehäuse unter. Letzteres erlaubt sowohl die übliche, waagerechte Aufstellung als auch vertikale Montage mittels optional erhältlicher Wandaufhängung. Aus diesem Grund besitzt der Micromega M-One 100 auch zwei Displays: eines oben auf der Gehäuseoberseite für Vertikalbetrieb, das zweite, fronseitige für klassische Aufstellung. Die Display-Umschaltung erfolgt dabei automatisch, abhängig von der jeweiligen Betriebsart.

Das aus einem vollen Block gefräste Aluminium-Gehäuse wirkt haptisch ungemein massiv, was durch die dezente Linienführung optisch allerdings nicht in den Vordergrund rückt. Dass der Micromega M-One 100 nicht nur die klassische HiFi-Klientel, sondern auch die Design-orientierte Kundschaft ansprechen möchte, zeigt sich an den verfügbaren Gehäusevarianten: Während man in der Grundausführung zwischen Alu natur und schwarz eloxiert wählen kann, sind gegen Aufpreis fünf farbenfrohe, Hochglanz-lackierte Finish-Varianten erhältlich.

Darüber hinaus ist der Micromege M-One 100 bei Vorbestellung ab Werk (Micromega Custom Finish = M.C.F) sogar in allen erdenklichen RAL-Farbtönern lieferbar. Damit man hierbei keine Überraschungen erlebt, kann man sich seinen wunschgemäß gefinishten M-One 100 auf der Micromega-Homepage per fantastischem 3D-Simulator aus allen Richtungen betrachten.

Micromega M-One 100 top view
Der Micromega M-One 100 – hier die Darstellung aus dem 3D-Simulator. Die Ähnlichkeit mit dem Testgerät ist geradezu verblüffend (Foto: Micromega)

All das verrät bereits, dass es sich beim Micromega M-One 100 keisneswegs um einen konzeptionellen Einzelgänger, sondern vielmehr um eine ausbaufähige Plattform handelt: So steht denn auch der Name „M-One“ bei Micromega für eine ganze Familie zukünftiger HiFi-Komponeten, die traditionellen, audiophilen Werten ebenso wie gestiegenen Ansprüchen an Musik-Verfügbarkeit, Convenience und Design genügen wollen.

Nicht umsonst also verfügt der Micromega M-One 100 über einen digitalen Signalprozessor (DSP), der genügend Rechenkapazität für besondere Aufgaben mitbringt – beispielsweise die Option zur automatischen Anpassung der angeschlossenen Lautsprecher an ihre akustische Umgebung, „Micromega Acoustic Room System“ (M.A.R.S) genannt. Das auch vom Kunden leicht einspielbare Software-Paket soll alsbald erhältlich sein und wird inklusive Messmikrofon 990 Euro kosten.

Im Lieferumfang dieser Option enthalten ist auch die Freischaltung für den bereits vorinstallierten Binaural-Virtualiser: Dieser erzeugt bei Kopfhörerwiedergabe mithilfe sogenannter Außenohr-Übertragungsfunktionen (Head Related Transfer Functions = HRTFs) eine Lautsprecher-gemäße Von-Vorn-Ortung der Schallquellen. Die von vielen Musikliebhabern als lästig empfundenen Im-Kopf-Lokalisationen werden somit vermieden.

Micromega M-One 100: pralle Ausstattung

Durch die Vereinigung von D/A-Wandler, Netzwerk-Client und Vollverstärker ist der Micromega M-One 100 unumstrittener Mittelpunkt einer HiFi-Anlage. Entsprechend reichhaltig fallen daher auch seine Anschlussmöglichkeiten aus, was lobenswerterweise sowohl für die analoge als auch die digitale Ebene gilt. Analoge Hochpegelquellen docken sowohl unsymmetrisch via RCA-Buchsen, als auch elektronisch symmetriert via XLR-Armaturen an. Zudem verfügt der Micromega M-One 100 über einen separaten Phono-Eingang, der sogar für den Anschluss von MM- sowie niederpegeligeren MC-Tonabnehmern umschaltbar ist.

Nochmals konnektiver zeigt sich die digitale Sektion – es gibt quasi nichts, was sich nicht am Micromega M-One 100 anschließen ließe. Übliche HiFi-Digitalquellen mit S/P-DIF-Ausgang verbinden sich mit ihm wahlweise auf optischem oder koaxialem Wege; Studio- oder exklusives High-End-Equipment hingegen via symmetrischem AES3-Anschluss. Erstaunlich weitreichend und damit zukunftssicher die maximal akzeptierten Datenraten: Koaxial wie auch über AES3 dürfen es bis zu 32bit/768kHz im PCM-Format sein, während der Opto-Eingang PCM-Daten bis hin zu 24bit/192kHz verarbeiten kann.

Zum Anschluss von Computern steht zudem ein asynchron übertragender USB-Eingang zur Verfügung: Auch hierüber klappt der PCM-Datentransfer bis hin zu 32bit/768kHz. Selbstverständlich unterstützt der USB-Eingang auch DSD-Datenübertragung laut DSD-over-PCM-Protokoll (DoP): Hier sind nach aktuellem Stand Datenraten von bis zu 11,3 Megahertz möglich (DSD 256).

Micromega M-One 100
Das Anschlussfeld des Micromega M-One 100 lässt analog wie digital kaum Wünsche offen. Die Kabelzuführung bei vertikaler Montage will jedoch wohlüberlegt sein (Foto: J. Schröder)

Mit mobilen Musikquellen wie Smartphone & Co verbindet sich der Micromega M-One 100 natürlich auch drahtlos: Hierfür hat er ein apt-X-fähiges Bluetooth-Modul bereits an Bord, das die „Rufnummern“ von bis zu acht Zuspielern speichern kann. Die Einbindung in das vorhandene Heimnetzwerk klappt dagegen ausschließlich drahtgebunden via LAN-Kabel, um auch bei hohen Datenraten eine sichere Übertragung sicherzustellen.

Ein nicht alltägliches Feature des Micromega M-One 100 sind die beiden Digitaleingänge nach Inter-IC-Sound(I²S-)-Standard: Dieser wurde ursprünglich durch Philips spezifiziert und dient zur Audiosignal-Übertragung zwischen verschiedenen Digitalbausteinen, beispielsweise A/D-Wandler-Chip und Signalprozessor. Vorteil von I²S: Die synchrone Arbeitsweise mittels dreier Datenbusse ermöglich eine absolut taktgenaue und damit Jitter-arme Signalübertragung „auf höchster Ebene“.

Ursprünglich für direkte Kommunikation zwischen den Chips über Leiterbahnen konzipiert, existiert für I²S-Verbindungen zwischen verschiedenen Geräten jedoch keine Norm. Micromega entschied sich beim M-One für HDMI – technisch zweifellos eine gute Wahl, damit allerdings auch proprietär. So heißt es denn auch in der Bedienungsanleitung des Micromega M-One 100: „Only for use with Micromega Products“ – man darf also gespannt sein, wie sich die M-One-Familie künftig weiterentwickelt.

Ziemlich naheliegend wäre hier zunächst mal ein separater Leistungsverstärker, sodass in Kombination mit dem M-One 100 auch Bi-Amping-Systeme realisierbar wären – nicht ohne Grund also ist der Micromega M-One 100 mit elektronisch symmetrierten Vorstufen-Ausgängen bestückt. Natürlich lassen sich diese auch elegant zum Ansteuern von Aktivlautsprechern nutzen.

Eher unauffällig, dafür aber umso durchdachter zeigen sich die soliden Klemmen zum Anschluss der Lautsprecherkabel: Mit ihrem drehbaren Anpressflansch fixieren sie bestens auch Kabelschuh-konfektionierte Leitungen, erlauben aber selbstverständlich auch das direkte Einstöpseln von 4-Millimeter-Bananensteckern.

Micromega M-One 100: Bedienung

Beim Kauf von Digitalequipment empfiehlt es sich, nach dem Auspacken zunächst mal ein Firmware-Update durchzuführen (oder vom Händler durchführen zu lassen) – meistens wird man mit neuen Features belohnt. Das ist beim Micromega M-One 100 nicht anders. Nach Upgrade auf die aktuelle Firmware (Gerät V36; Netzwerkmodul 1.18) kann der Micromega jetzt auch Internetradio-Programme wiedergeben und anzeigen, ob beim Phono-Eingang MM oder MC aktiviert ist. Die Upgrade-Prozedur verlief dabei erfreulich flott und reibungslos – etwas ungewöhnlich nur, dass sie für Geräte- und Netzwerkmodul-Firmware separat erforderlich ist.

Auch die Einbindung ins heimische Netzwerk ist eine Sache weniger Mausklicks: Der Micromega M-One 100 bringt einen eigenen Webserver mit, sodass man ihn direkt via Browser ansprechen kann – damit steht ihm die Tür offen für spannende Optionen, beispielsweise die Einbindung in Smarthome-Systeme. Von Vorteil ist hierbei natürlich auch, dass der Micromega M-One 100 den DLNA-Standard unterstützt und damit von Haus aus kompatibel zu den meisten anderen Universal-Plug-and-Play(UPnP-)-fähigen Komponenten ist.

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Micromega M-One 100
Micromega M-One App – das Hauptmenü mit der Tonquellenwahl (Screenshot: J. Schröder)
Micromega M-One 100
Micromega M-One App: Settings-Dialog zur Konfiguration des gewählten Eingangs (Screenshot: J. Schröder)
Micromega M-One 100
Micromega M-One App: Input-Rename-Menü zur individuellen Benennung der Eingänge. (Foto: J. Schröder)
PluPlayer für Micromega M-One 100
Mit der Universal-App PlugPlayer lassen sich die Transportfunktionen für den Netzwerk-Player des Micromega M-One 100 problemlos ausführen  (Screenshot: J. Schröder)
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Der Vorzug eines solchen Hersteller-übergreifenden Standards kam denn auch während des Tests prompt zum tragen: Zwar ist für den M-One 100 bereits eine kostenlose App für Android und iOS erhältlich, diese enthält aber derzeit (noch) keine Transportfunktionen für die Netzwerkwiedergabe. Kein Problem, denn diese waren ebenso gut über die Universal-App „PlugPlayer“ zu erreichen, mit der sich der Streaming Client des Micromega M-One 100 tadellos navigieren ließ.

Dass einige Optionen – beispielsweise die individuelle Benennung der Eingänge – in der M-One App derzeit noch nicht so recht funktionieren, ist durchaus verzeihlich, gibt es doch zwei Alternativen zum Bedienen des Micromega. Zum einen wäre da der solide, aus Aluminium gefertige Infrarot-Commander – der beherrscht allerdings nur die Grundfunktionen wie Lautstärkeeinstellung, Tonquellenwahl und Displaydarstellung. Zum anderen finden sich am Micromega M-One 100 im oberen Displayfenster vier Drucktaster. Die können alles, was der IR-Commander auch kann – und noch mehr, denn über sie erfolgt auch das komplette Geräte-Setup. Hier finden sich auch einige praktische Sonderfunktionen, beispielsweise den für jeden Eingang separat einstellbaren Lautstärkepegel aller Tonquellen anzugleichen.

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Micromega M-One 100
Über die vier Tasten am oberen Display lässt sich der Micromega M-One 100 ebenfalls bedienen. Sie sind zudem auch für das Geräte-Setup zuständig (Foto: J. Schröder)
IR-Fernbedienung
Die mitgelieferte, äußerst solide IR-Fernbedienung beherrscht die Grundfunktionen wie Tonquellenwahl und Lautstärkeeinstellung (Foto: J. Schröder)
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Micromega M-One 100: Technik

Als All-In-One-Gerät trifft der Micromega M-One 100 auf starke Konkurrenten: Immerhin stellt er die französische Alternative zum schottischen Linn Majik DSM und zum deutschen T+A R 1000 E dar, die beide ein vergleichbares Feature-Portfolio vorzuweisen haben. Und der smarte Franzose geht da durchaus seinen eigenen Weg. Wer wissen möchte, wie sich der Micromega M-One 100 in technischer Hinsicht profiliert, erfährt dies im nachfolgenden Abschnitt. Wen vor allem der Klang interessiert, überspringt dieses Kapitel und liest gleich im Hörtest weiter.

Das „Herz“ eines jeden guten Verstärkers ist und bleibt die Stromversorgung. Letztendlich stellt der Verstärker selbst nur ein Ventil dar, das die zum Lautsprecher gelangende Ladungsmenge aus der Stromversorgung möglichst exakt dosieren sollte. Aus diesem Grund arbeitet der Micromega M-One 100 gleich mit zwei Stromversorgungen, separat für linken und rechten Kanal. Jede kann dabei Nennleistungen von bis zu 300 Watt abgeben, sodass der M-One 100 mit einer Nenn-Ausgangsleistung von 2 x 100 Watt (8 Ohm) gemessen an seiner Gehäusegröße ziemlich kräftig daherkommt. Ein übliches, Transformator-basiertes Linearnetzteil mit dieser „Leistungsdichte“ ließe den Micromega nicht nur mindestens doppelt so hoch, sondern auch doppelt so schwer werden. Daher kommen im M-One 100 zwei spezielle, hauseigen entwickelte Schaltnetzteile zum Einsatz, die sich für kurze Leitungswege ebenfalls auf dem Motherboard des M-One 100 befinden. Das Besondere an ihnen ist ihre Arbeitsweise mit einem internen Resonanzkreis (LLC-Prinzip): Dadurch lassen sich die erforderlichen Schaltvorgänge in den Nulldurchgang von sinusförmigen Schwingungen legen – harte Schaltspitzen mit ihren weiteichenden Oberwellen wie bei üblichen Schaltnetzteilen treten daher Prinzip-bedingt nicht auf, was die Störstrahlung ebenso reduziert wie die innerhalb der Baugruppe zirkulierenden Ströme.

Prinzipschaltbild LLC-Konverter (Grafik: Fairchild Semiconductor)
Prinzipschaltbild eines LLC-Konverters: Der Übertrager im Schaltnetzteil (gelber Bereich) besitzt eine gewollte, relativ große Streuinduktivität (Lm), die zusammen mit dem Kondensator Cr und der Induktivität Llkp einen Resonanzkreis bildet (Grafik: Fairchild Semiconductor)

Klassischer geht es hingegen beim Leistungsverstärker des Micromega M-One 100 zu – aber auch hier wieder mit Stil: So verwenden seine in Class-AB-Technik arbeitenden Endstufen spezielle, bipolare Endtransistoren mit integrierter Sensordiode. Über diese lässt sich ein thermisches „Weglaufen“ des Arbeitspunkts bei wechselnden Belastungen kompensieren, was zu geringeren Verzerrungen führt und obendrein die manuelle, stets kritische Ruhestromeinstellung überflüssig macht. Die vom Halbleiterspezialisten ON Semiconductor stammenden, „ThermalTrak“ genannten Endtransistoren lösen damit ein Transistor-Amp-typisches Problem auf äußerst elegante Weise – nicht umsonst findet man sie auch in absoluten Top-Class-Verstärkern, beispielsweise Vertreter von McIntosh.

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Blick ins Innere des Micromega M-One 100: Im Vordergrund die beiden LLC-Schaltnetzteile sowie die beiden Endstufenzüge am Kühlkörper, hinten die analoge Kleinsignal- und Digitalabteilung (Foto: H. Biermann)

Die Endtransistoren schmiegen sich dabei an ein relativ kleines Kühlprofil, das wie ein Windkanal quer durchs Gehäuse des Micromega M-One 100 verläuft. Für ausreichend Ventilation ist ein innenliegender Lüfter zuständig: Der saugt die Kaltluft auf der linken Gehäuseseite an und bläst die Abwärme auf der rechten wieder hinaus – leise, aber dennoch nicht unhörbar.

Windkanal zur Kühlung der Leistungsendstufen
Auf der linken Gehäuseseite befindet sich die Frischluftzufuhr für den quer durchlaufen Windkanal zur Kühlung der Leistungsendstufen (Foto: J. Schröder)

Auch in Sachen Digitaltechnik ging Miromega beim M-One 100 in die Vollen: Um die eingehenden Digitalsignale kümmert sich zunächst der ultraflexible Input-Receiver/Abtastratenkonverter-Baustein CT7301 von ComeTrue. Anschließend gelangen diese ins „Nervenzentrum“ des Micromega M-One 100 – ein sogenanntes „Complex Programmable Logic Device“ (CPLD): Hier erfolgt die Verkopplung mit zwei Präzisions-Taktoszillatoren – einer für die 44,1 Kilohertz, der andere für die 48 Kilohertz basierten Abtastraten. Beide Taktgeber zeichnen sich durch sehr geringes Phasenrauschen aus – das wirksamste Mittel gegen klangtrübenden Jitter.

Nächste Station ist der digitale Signalprozessor aus der Sharc-Familie von Analog Devices: Er ist zuständig für die M.A.R.S-Raumakustikanpassung, die binaurale Signalaufbereitung für den Kopfhörerausgang sowie die Lautstärkeeinstellung, die mit einer hohen Auflösung von 32 bit arbeitet. Erneut via CPLD geht’s dann zur letzten Stufe, dem D/A-Wandler-Baustein. Auch Micromega entschied sich hier für den derzeitigen Shooting-Star unter den DAC-Chips, den AK4490 vom japanischen Spezialisten Asahi Kasei Microdevices. Der stellte sein Können bei LowBeats schon mehrfach unter Beweis – beispielsweise beim Lindemann MusicBook 15 DSD, beim Teac NT-503DAB und in vierkanaliger Ausführung auch beim RME ADI-2 Pro.

Hörtest

Nicht zuletzt wegen ihrer Programmvielfalt musizieren Streaming-Clients oftmals den ganzen Tag über. Bei einer solchen Präsenz zeigen sich auf Dauer auch kleinere klangliche Schwächen. Im besten Fall gewöhnt man sich daran, im schlechtesten schaltet man eher auf Standby, als man eigentlich möchte.

So etwas wird mit dem Micromega M-One 100 definitiv nicht passieren. So erwischte ich mich mehrmals im Wohnzimmer beim ungeplanten Musikhören, obwohl ich eigentlich etwas ganz anderes im Sinn hatte. Da man als Tester das „Warum“ ja (leider) immer in Worte fassen muss, hier die charakteristischsten seiner „Verführungskünste“:

Zunächst mal wäre da seine ungemein lockere, dabei aber temperamentvolle, dynamische Gangart. Weiterhin der straffe, federnde und zudem tiefreichende Bass, der für ein volltönendes, geerdetes Klangbild sorgt. Bemerkenswert aber auch Leuchtkraft und Tiefe der Klangfarben sowie die ungemein sauber durchstrukturierte, räumliche Darstellung, was einen angenehm fließenden Klangeindruck entstehen lässt. Von Tracks wie dem entspannt groovigen Love Is All, bei denen es auf all diese Eigenschaften ankommt, kann man daher kaum genug kriegen.

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Weil die Lautstärkeeinstellung, die Raumakustik-Anpassung und auch das binaurale Kopfhörer-Processing auf digitaler Ebene erfolgen, konvertiert der Micromega M-One 100 alle eingehende Analogsignale zunächst ins Digitale. Besitzer hochwertiger Tonquellen, beispielsweise von Edel-CD-Spielern, werden sich daher zu Recht fragen, ob die zusätzliche A/D-Wandlung gegenüber dem direkten, digitalen Anschluss Klangeinbußen mit sich bringt.

Da die Anpassung der Eingangsempfindlichkeiten beim Testgerät noch nicht so recht klappen wollte, gestaltete sich der entsprechende Vergleichstest nicht ganz so leicht wie erwartet – umso erfreulicher jedoch das Ergebnis: Das Klangbild via Analogeingang wirkte nur ein klein wenig „dichter“ als bei digitalem Anschluss und ließ auch in den kritischen Disziplinen an Engagement und Atmosphäre nichts vermissen.

Fazit

Et voilà – aus dem Stand spielt sich der Micromega M-One 100 in die europäische Champions League Netzwerk-fähiger Vollverstärker. Er ist ein hervorragend klingender Beweis dafür, dass sich zukunftsorientierte Technik durchaus harmonisch mit audiophilem Gedankengut in einem wertigen, noch dazu individuell gestaltbaren Gehäuse vereinen lässt.

Das technisch eigenständige Konzept des Micromega M-One geht damit voll auf – man darf also gespannt sein, was die alsbald erhältliche Raumakustik-Anpassung und der Binaural-Prozessor leisten.

Auf dem Wunschzettel stehen ein Firmware-Update zum Beheben einiger Bugs (Input Sensitivity; Input Rename) sowie das Einbinden von Musik-Streamingdiensten wie Tidal & Co. Auch die M-One App könnte durch Integration der Netzwerk-Player-Funktionen noch zulegen. Ein hilfreiches Zubehör wäre zudem ein passender Unterputz-Wandauslass, der die Verkabelung bei vertikaler Montage vereinfachen würde.

Micromega M-One 100
2017/03
Test-Ergebnis: 4,5
überragend
Bewertung

Bewertungen:

Klang:
Praxis:
Verarbeitung:

Gesamt:

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
sehr vielseitige All-In-One-Lösung inklusive Phono-Eingang
herrlich leuchtkräftiger, stabiler und aufgeräumter Klangcharakter
hochwertige Verarbeitung, individuell gestaltbar
Firmware und App noch verbesserungsfähig

Vertrieb:

Audio Reference GmbH
Alsterkrugchaussee 435
22335 Hamburg
Tel.: +49 40 533 203 59
www.audio-reference.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Micromega M-One 100: ab 3.990 Euro

Im Beitrag erwähnte Themen:

Test Linn Majik DSM: Der Streaming-Verstärker
Test All-In-One Musikreceiver T+A R 1000 E
Test DAC-Vorstufe mit CD Lindemann MusicBook 15 DSD

Test Hires-DAC und Streamer Teac NT-503DAB
Vierkanal-Headphone-Preamp RME ADI-2 Pro im Test

Autor: Jürgen Schröder

Jürgen Schröder
Tonmeister, Mess-Chef und technische Gewissen von LowBeats. Kümmert sich am liebsten um Wissens-Themen, Kopfhörer und den spannenden Bereich zwischen Studio und HiFi.