Test Melco S100: der audiophile Netzwerk-Switch

Es stehen je vier Buchsen für Gigabit-LAN und 100-Mbit-LAN zur verfügung. Das Grundprinzip beim S100 lautet: Geräte mit hohem Datenaufkommen bzw. viel „Traffic“ und ohne Klangrelevanz an die Gigabit-Ports anstecken und alle klangrelevanten Komponenten an die 100-Mbit-Buchsen. Dabei beginnt man mit den wichtigsten Komponenten an den jeweils äußeren Buchsen.

Bislang hatte ich nicht mehr als zwei LAN-fähige Audiokomponenten gleichzeitig anzuschließen. Mein Computer steht derzeit zu weit weg vom S100, sodass ich dessen LAN-Kabel an meinen Router, einer FritzBox 7590, angeschlossen habe. Von dort geht ein 7 Meter langes LAN-Kabel zur äußeren Gigabit-Buchse am S100. Meinen Roon-Server habe ich auf der anderen Seite mit der äußeren 100-Mbit-Buchse gekoppelt. Dazu kam noch der kürzlich getestete T+A MP 8 Streamer an die nächste 100-Mbit-Buchse.

In verschiedenen Diagrammen, einem im Quick-Start-Guide und einrm im Datenblatt, widerspricht sich Melco bei der Anschlussempfehlung des Routers. Einmal heißt es, der Router sollte am äußeren Gigabit-Port verbunden werden, in dem anderen Diagramm wird hingegen die 100-Mbit-Seite empfohlen:

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Melco S100 Router Anschluss 2
Melco S100 Router Anschluss
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Der Anschluss auf der Gigabit-Seite (erstes Diagramm) ist nach meiner Hörerfahrung die bessere Wahl. Und auch die logischere, da ja Komponenten mit hohem Datentraffic, zu denen der Router ganz klar gehört, eher an einen Gigabit-Port gehören.

Melcos Empfehlungen zufolge sollte ein Roon-Server lieber auf der Gigabit-Seite angeschlossen werden, weil dieser durch ständige Datenbankabfragen relativ viel Traffic verursacht. Wie sich im Test herausstellte, trifft das zu, wenn ein zusätzlicher Streaming-Renderer (wie hier der T+A MP 8) verwendet wird. Ist hingegen der Roon-Server per USB direkt mit einem DAC verbunden, sollte er nach meinen Erfahrungen lieber auf der 100-Mbit-Seite eingesteckt werden. Im Zweifel muss das aber für jede Kette individuell ausprobiert werden.

SFP – Optische Übertragung für noch mehr Abschirmung

Als erster mir bekannter Audio-Switch bietet der Melco S100 zusätzlich zwei Anschlüsse für die optische LAN-Verbindung nach dem SFP-Standard (Small Form-factor Pluggable). Dabei handelt es sich um einen Anschlussport, in den sich standardisierte SFP-Module (wie dieses) zum Anschluss von Netzwerkverbindungen einschieben lassen. Diese Module werden als SFP-Transceiver oder Mini-GBIC-Transceiver bezeichnet. Die Transceiver besitzen Anschlussbuchsen für Gigabit-Ethernetverbindungen oder Fiber-Channel-Kabel wie diese. Es gibt auch kleine Konverterboxen, um einen Router mit herkömmlichen LAN-Ports auf SFP zu konvertieren. Hier ein Beispiel.

Die Kosten für SFP-Module, -Kabel und -Konverter sind, verglichen mit typischen High-End-Audiokabeln, sehr überschaubar. Zwei SFP-Module und ein optisches Kabel sind für weniger als 50 Euro zu haben. Und die Vorteile der Technik liegen klar auf der Hand: SFP ermöglicht nicht nur sehr lange Kabelwege (hier kann in Kilometern gerechnet werden!): Durch die optische Verbindung erfolgt außerdem eine galvanische Trennung der Komponenten untereinander. Und die optischen Signale sind komplett unempfindlich gegen elektromagnetische Einstreuungen. Aufwändige Abschirmungen, die manchmal zu absurd dicken und steifen Kabeln führen, fallen bei SFP-Leitungen weg.

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Melco SPF-Modul
Für den optischen Anschluss erforderliches SFP-Modul. (Foto: TP Link)
Melco S100 SFP
Der SFP-Anschluss am S100 mit eingesetztem SFP-Modul und dem typisch „zweiadrigen“ Lichtleiterkabel (Foto: Melco)
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Zu den Nachteilen gehört, dass zusätzliche Signalkonvertierungen erforderlich sind: Von elektrisch nach optisch und am Ende wieder umgekehrt. Die dafür zuständigen Optokoppler sind – wie man auch von TosLink-Verbindungen weiß – nicht perfekt und können zusätzlichen Jitter produzieren. Darüber hinaus haben optische SFP-Module eine relativ begrenzte Lebensdauer. Die meisten Hersteller beziffern diese mit etwa fünf Jahren.

Im Audiobereich ist SFP derzeit noch wenig verbreitet. Außer von Lumin kenne ich aktuell keine anderen Streamer, die diese Anschlussmöglichkeit bieten. Aber, wie bereits erwähnt, kann SFP über einen Konverter auch genutzt werden, um einen weiter entfernt aufgestellten Router mit dem S100 zu verbinden und galvanisch zu entkoppeln.

Praktische Erfahrungen hiermit muss ich Ihnen leider vorerst schuldig bleiben, da ich noch nicht die Zeit hatte, passende SFP-Hardware zu beschaffen. Ich werde das nachholen. Vielleicht auch in Verbindung mit dem Test eines Lumin-Streamers.

Und es klingt doch!

Nach dem zuvor Geschriebenen wird es Sie kaum verwundern: Ich halte den Melco S100 für ein echtes kleines Klangwunder. Nun ja, er selbst klingt eigentlich nicht. Er sorgt lediglich dafür, dass angeschlossene Audiohardware ihren Job so ungestört wie möglich verrichten kann. Und das macht er mit Bravour.

Den Klangeinfluss eines Switch per Hörtest zu ermitteln ist erfreulich einfach. Bei anderen Komponenten ist das nicht immer ganz so eindeutig. Beispiel: Ein DAC besteht aus mehreren klangrelevanten Komponenten, nämlich einem Digitalteil, dem eigentlichen Wandler und einer nachgeschalteten Analogstufe, die geebenenfalls auch die Funktion eines Vorverstärkers hat (das Netzteil lassen wir hier mal außen vor). Wenn nun ein DAC nach dem Einschleifen in die Kette beziehungsweise nach dem Austausch gegen einen anderen DAC einen klaren Klangunterschied hervorbringt, woran liegt das dann? Es ist nicht auszuschließen, dass der eigentliche DAC hieran gar keinen oder nur einen geringen Anteil hat und dies stattdessen primär auf die analoge Ausgangsstufe zurückzuführen ist.

Melso S100 im Hörraum Setup
Der Melco S100 (Vordergrund) im Hörtest-Setup mit dem Silent Angel Rhein Z1 Roon-Server (silbernes Gerät), der Exogal-Kombi Comet und Ion PowerDAC (schwarze Geräte Mitte) und den Børresen 02 Standlautsprechern (Foto: F. Borowski)

Bei einem Switch wie dem Melco S100 ist das eindeutiger. Die Testprozedur hat nur eine Hauptvariable (den rein digitalen Switch) und zwei kleinere Variablen, die sich einfach isolieren lassen, nämlich das Netzteil und ein zusätzlich erforderliches LAN-Kabel. Der Test ist ganz einfach: Zuerst wird der Streamer direkt per LAN-Kabel mit dem Router verbunden und gehört.

Anschließend wird das LAN-Kabel vom Router in den Switch gesteckt und von dort ein weiteres LAN-Kabel mit dem Streamer verbunden. Das bedeutet: Eine Komponente und ein Kabel mehr im Signalweg. Die LAN-Verbindung lässt sich sehr einfach und schnell umstecken, sodass ohne größeren Aufwand innerhalb von Sekunden ein Vorher/Nachher-Vergleich gemacht werden kann. Und der zeigt beim Melco klare Unterschiede.

Melco S 100: der Hörtest

Die Klangbeschreibung könnte ich fast 1:1 aus meinem Test des Ansuz PowerSwitch übernehmen, nur mit dem Unterschied, dass die Wirkung des S100 noch deutlicher und überzeugender ist.

Alles läuft auf mehr Ruhe im Klangbild hinaus. Ich hatte den Vergleich schon an anderer Stelle bemüht, muss ihn aber einfach noch mal anbringen, weil er die Erfahrung am besten veranschaulicht: Es ist wie der Unterschied zwischen einem LCD- und einem OLED-Bildschirm. LCDs arbeiten mit einer zusätzlichen Beleuchtung hinter dem Panel, während bei OLED jeder Bildpunkt selbstleuchtend ist und individuell abgeschaltet werden kann.

Das sorgt bei OLED für einen erheblich besseren Schwarzwert gegenüber LCD. Schwarz ist dadurch auch wirklich schwarz anstatt mehr oder weniger gräulich, weil LCD-Panels das Hintergrundlicht nie zu 100% abblocken können. Der dunklere Grund hebt Details besser hervor und verleiht Farben mehr Strahlkraft. (OLEDs haben dafür andere Nachteile, aber die spielen in diesem Vergleich keine Rolle.) Niemand, der schon mal ein LCD- mit einem OLED-Smartphone oder -Fernseher verglichen hat, würde behaupten, der Unterschied wäre nur Einbildung.

Genau diesen Effekt erlebt man auch mit dem Klang, wenn der Melco S100 in den Netzwerkpfad eingeschleift wird. Die gesamte Darbietung gewinnt an Trennschärfe und Detailinformation, wirkt hervorstechender und dreidimensionaler. Das Gehör scheint sich leichter auf das Gesamtgeschehen konzentrieren zu können, was für einen entspannteren Hörgenuss sorgt. In einer guten Kette ist das praktisch unüberhörbar.

Nicht ganz so dramatisch, aber dennoch klar nachvollziehbar, wirkte sich das Sbooster-Netzteil im Vergleich zum mitgelieferten Standard-Brikett des S100 aus. Auch hierdurch gewann die Wiedergabe noch ein kleines Stück mehr an innerer Konzentration und Fokussierung auf feine Details, sowie einen Hauch mehr Kontur in den Bässen. Ich gebe zu, dieser Unterschied fiel eher klein aus und ist nur im intensiven Vergleich konkret nachvollziehbar. In meiner Kette würde ich den Aufpreis für das Sbooster Netzteil dennoch ohne zu murren in Kauf nehmen. Der Unterschied ist groß genug, um die Auswirkungen der SBooster-Netzteile künftig noch an weiteren Komponenten auszuprobieren, etwa an dem Silent Angel Rhein Z1 Roon Server.

Fazit – Mehr als nur ein kleiner Klangschub

Zugegeben: eine Netzwerkkomponente, die letztlich nichts anderes als ein Verteiler ist, gehört nicht unbedingt zu den Dingen, die bei HiFi-Fans einen besonderen Haben-Wollen-Reflex auslösen. Erst recht nicht, wenn dafür 2.000 Euro fällig werden, wo ein herkömmlicher Switch schon für ein Hundertstel dieser Summe zu haben ist. Oberflächlich gesehen ist es ja nur eine Black Box, die für sich genommen wenig Faszination ausstrahlt. Keine heimelig glühenden Röhren, keine massiven Drehknöpfe oder satt klickende Schalter – nicht mal ein Display. Einfach nur ein Kasten.

Doch wer einmal die positive Wirkung des S100 in einer Streaming-Umgebung erlebt hat, wird das womöglich ganz anders sehen und mir zustimmen, dass ein derart hohes Klangsteigerungspotential im High-End nur selten für (vergleichsweise) so wenig Geld zu haben ist. Man muss es einfach mal gehört haben. Und der Melco S100 ist von allen mir bekannten Switches bislang derjenige mit dem größten Wow-Faktor. Sobald man erst mal ein paar Takte mit ihm in der Kette gehört hat, geht es nicht mehr ohne.

Ein weiteres gewichtiges Argument: Die Vorzüge des Melco machen sich stets in gleichem Umfang bemerkbar, egal welchen Netzwerk-Player man nutzt. Also anders als beispielsweise hochwertige Kabel, deren Wirkung und klanglicher Nutzen stark von den angeschlossenen Komponenten abhängt, behält der S100 seinen Wert, auch wenn sich in der Wiedergabekette mal etwas ändert. Er ist das Fundament für eine wahrhaft audiophile Musikstreaming-Kette. Umso mehr in Verbindung mit dem im Test verwendeten Sbooster Netzteil. Für mich heißt das: Der Melco S100 ist fortan fester Bestandteil meiner Audio-Netzwerk-Infrastruktur.

 

Melco S100
2020/05
Test-Ergebnis: 4,6
überragend
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Deutliche Klangsteigerung für jeden Netzwerkplayer
Optionales Sbooster-Netzteil bringt noch mehr Ruhe ins Klangbild
Unterstützt optische SFP-Verbindung
Abschaltbare Traffic-LEDs

Vertrieb:
Drei-H Vertrieb GmbH
Stormsweg 8
22085 Hamburg
3-h.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Melco S100: 2.000 Euro
SBooster BOTW P&P ECO 12-13V MKII: 330 Euro

Im Text erwähnt:

Melco N10: Musik-Streaming in Reinkultur
Ansuz X-TC: überlegenes PowerSwitch
Silent Angel Rhein Z1

Autor: Frank Borowski

LowBeats Experte für Schreibtisch-HiFi und High End kennt sich auch mit den Finessen der hochwertigen Streaming-Übertragung bestens aus. Zudem ist der passionierte Highender immer neugierig im Zubehörbereich unterwegs.