ende
Home / Test / Lautsprecher / Passivboxen / Test Standbox Heco Direkt: Hightech im Retrolook
Die Heco Direkt vor dem LowBeats Büro
Die Heco Direkt im Aufgang zum LowBeats Büro. Ein Lautsprecher mit extravagantem Auftritt. Kostenpunkt: 3.000 Euro pro Paar (Foto: H. Biermann)

Test Standbox Heco Direkt: Hightech im Retrolook

Die Heco Direkt sieht aus, als entspränge sie den 1950er Jahren und klingt auch ein bisschen so, wie die Lautsprecher früher. Das aber richtig gut. Der Erlebnisbericht zu einer der außergewöhnlichsten Standboxen dieser Tage.

Die moderne Technik ermöglicht, immer mehr Bass aus immer kleineren Tieftönern zu zaubern; der Trend zur immer schlankeren Standbox ist nicht nur ein Reflex auf die Ästhetik der letzten Jahre, sondern auch auf die vielfältigen und umfangreichen Analyse- und Simulations-Möglichkeiten, mit denen die Entwickler die Verzerrungen der Treiber drastisch reduzieren konnten.

Vor 50 Jahren lagen die Dinge noch anders: Wer einen möglichst unverzerrten Tiefbass haben wollte, musste sich bitteschön eines

Das Heco Direkt-Gehäuses im Aufriss
Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte: Das Gehäuse der Direkt ist flach und zweifach versteift. Die Bassreflexkonstruktion arbeitet mit zwei Reflexrohren, die ihren Ausgang am Boden haben. Aber nicht nur deshalb sind die adretten Füßchen zwingend – sie halten die Direkt in der sanften Schräglage, die dafür sorgt, dass Bass- und Hochtonsignale zeitgleich am Ohr des Hörers ankommen (Animation: Heco)

möglichst großen Tieftöners bedienen. Gern wurden 15 Zöller (38 Zentimeter) genommen, selbst Regalboxen hatten nicht selten einen 25 Zentimeter Bass eingebaut. Und viele dieser Regalboxen waren Zweiweg-Konstruktionen mit klassischen Hochtonkalotten.

Zweiwege mit 25er Bass: eine unmögliche Kombination?

Den Kenner legt jetzt die Stirn in Falten: Ein so großer Tieftöner mit einer Kalotte? Die Mitten müssen ja in diesem Fall von der vergleichsweise schweren Bassmembran übernommen werden. Kann das gut gehen? Eigentlich nicht.

Und doch ging von diesen Konstruktionen immer ein spezieller Reiz aus. Nun haben die Heco-Entwickler mit der Direkt diese Idee wieder aufgenommen – und sie beließen es nicht bei dieser einen Anleihe aus der HiFi-Historie…

Mit ihrer Schallwandbreite von 44 Zentimeter, einer Bautiefe von 20 Zentimeter, den adrett gerundeten Kanten und auch dem speziellen Schriftzug weckt die Heco Direkt augenblicklich Assoziationen an die ganz frühen HiFi-Jahre.

Der Industriedesigner Helmut Thiele, der unter anderem auch die neuen Thorens-Plattenspieler maßgeblich mitentwickelte, hat hier eine wunderschöne Formsprache gefunden, die genau das ausdrückt, was die Direkt auch akustisch sein will: ein in Vergessenheit geratenes, gleichwohl sehr schlüssiges Konzept, umgesetzt mit modernster Technik.

Hoher Wirkungsgrad dank Kraftpapier

Wegen des ungewöhnlichen Ansatzes musste Heco-Entwickler Christian Gather für die Direkt neue Treiber entwickeln: den wirkungsgradstarken Hochtöner mit 28 Millimeter großer Gewebekalotte (Einsatz ab 3.000 Hertz) sowie den ebenfalls recht effizienten elf-zölligen (27,5 Zentimeter) Tieftöner mit so genannter Kraftpapier-Membran.

Kraftpapier ist DAS Membranmaterial der 1950er Jahre. Der legendäre Saba Greencone beispielsweise ist ein Breitbänder, der von Audiophilen weltweit begehrt, gern und oft in eine offene Schallwand eingebaut und immer noch zu teilweise horrenden Kursen gehandelt wird.

Auch dessen Membran war/ist aus Kraftpapier, was die Heco-Verantwortlichen bereits 2007 dazu inspirierte, dieses leichte und sehr steife Material für den Mitteltöner ihres Flaggschiff-Lautsprechers Statement einzusetzen. Weil ich damals den ersten Statement-Test machte, konnte ich auch verfolgen, wie lange die Entwickler brauchten, um die Kraftpapier-Geheimnisse der alten Akustik-Meister zu lüften: lange. Sehr lange.

Vorwärts Zurück
Logo der Heco Direkt
Unter dem Tieftöner sitzt das Direkt-Logo, das ebenfalls Anleihen aus den 1950ern hat (Foto H. Biermann)
Der Hochtöner der Heco Direkt im Anschnitt
Der Hochtöner der Heco Direkt im Anschnitt. Der Antrieb ist ein kräftiger Ferrit-Magnet (Animation: Heco)
Gewebekalotte der Heco Direkt
Flansch und Horn des Heco Direkt Hochtöners sind aus dem vollen Aluminiumblock gedreht und Hochglanz-poliert. Die 28 Millimeter große Kalotte ist aus hochdämpfendem Seidengewebe (Foto: H. Biermann)
Der 11 Zoll Tieftöner der Heco Direkt im Anschnitt
Der 11 Zoll Tieftöner der Heco Direkt im Anschnitt. Seine Membran besteht aus sogenanntem Kraftpapier (Animation: Heco)
Tieftöner der Heco Direkt
Die Sicke des Direkt-Tieftöners ist aus elastischem Gummi und erlaubt auch größere Hübe. Die Membran ist aus nicht ganz glattem Kraftpapier. Der Druckgusskorb ist extrem verwindungssteif und wie der Flansch des Hochtöners auf Hochglanz poliert (Foto: H. Biermann)
Anschluss und Fuß der Heco Direkt
Der Anschluss der Direkt ist einfach ausgeführt; Bi-Wiring ist also nicht möglich. Unter dem Anschluss ist der auskragende Metallfuss zu sehen, der der Direkt trotz der Neigung eine gute Stabilität verleiht (Foto: H. BIermann
Heco Direkt in Schwarz
Die Direkt gibt es auch in Schwarz – hier in Kombination mit einer Magnat-Anlage inklusive des RV-3 Röhrenverstärkers (Foto: Heco)
Vorwärts Zurück

Aber nun ist Heco in der Lage, auch größere Membranen wie den Tiefmitteltöner der Direkt damit aufzubauen. Entwickler Gather jedenfalls ist vollen Lobes über diese Membran – und lässt den großen Tieftöner glatt bis 3.000 Hertz laufen.

Mutig? Nein, angemessen. Denn wie resonanzfrei die moderne Kraftpapiermembran arbeitet, zeigt auch die LowBeats Messung aus dem Hörraum.

LowBeats-Frequenzgangmessung Heco Direkt
Der Frequenzgang im LowBeats Hörraum bei einem Meter Abstand, gemessen auf 1,10 Meter Höhe: Abgesehen von einer Überhöhung bei 400 Hertz läuft die Direkt wunderbar ausgewogen (Diagramm: LowBeats)

Und ein Ergebnis dieser Entwicklungsmühen ist sofort hörbar: Die Heco Direkt ist wenigstens zwei bis drei Dezibel lauter, als das Gros der meisten Standboxen. Das heißt: Auch mit kleineren, leistungsschwächeren Verstärkern mit Class-A-Schaltung oder Röhrenbestückung kommt richtig Freude auf.

Seite 1    Heco Direct: Konzept, Ausstattung, Technik
Seite 2    Hörtest, Fazit, Bewertung