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Phonovorstufe Cambridge Audio CP2 mit Rega 2525
Optisch nicht sonderlich auffällig, klanglich dagegen sehr: Phonovorstufe Cambridge CP2 für MM und MC. Preis: 229 Euro (Foto: H. Biermann)

Cambridge CP2: Plug-n-Play Phonostufe für 229 Euro

Hochwertige Phonovorstufen im unteren Preissegment wie der hier vorgestellte Cambridge CP2 liegen im Trend, sind sie doch oft das Bindeglied zwischen der bereits vorhandenen Anlage und der wiederauferstandenen Liebe zum Vinyl. Viele Verstärker der letzten Jahre wurden gleich ohne Phonoeingang konstruiert. Oder beim Hören mit dem neuen Dreher wird offensichtlich, dass der Phonoeingang mehr Feigenblatt als ernstzunehmender Empfänger der Signale aus dem Tonabnehmer ist. LowBeats Autor René Heller hat ein Faible für die günstigen Phonostufen und hatte das neueste Analog-Tool von Cambridge für zwei Wochen im Praxistest.

Der Cambrigde Audio CP2 ist universell für Moving Magnet (MM) und Moving Coil (MC) Tonabnehmer einsetzbar und bewegt sich mit einem Preis von 229 Euro in einem erschwinglichen Bereich. Optisch macht er mit der klar gestalteten Frontplatte aus Metall und dem fein gezeichneten, dezent chromfarbenen Logo einiges her. Der gute Eindruck setzt sich beim Gehäuse fort, welches mit allseitig gerundeten Kanten und sorgfältiger Verschraubung aller Stoßstellen und Anschlüsse punktet. Da klappert nichts und auch bei häufiger Benutzung der Chinchbuchsen werden mit diesem Kniff Wackelkontakte durch schädigende Kraftübertragung der Kontakte auf die Lötstellen der Platine vorgebeugt. Nice!
Auch die Rückseite gibt keine Rätsel auf – Steckernetzteil und Signalleitungen anschließen, einschalten, Musik hören. Sogar die Beschriftung ist so durchdacht, dass bei der Verkabelung in der Draufsicht die Anschlüsse eindeutig bleiben. Der zuschaltbare Subsonic Filter und die Balancekorrektur können bei ungünstiger Aufstellung des Plattenspielers nützlich sein. Easy!

Sehr spannend in dieser Preisklasse ist das Verhältnis der Ausgaben für die Optik zu denen für die inneren Werte. Hier verblüfft der kompakte Cambridge erneut: Eine sehr sauber gezeichnete, durchaus hochwertig bestückte Platine bietet sogar getrennte Signalwege für die MM- und MC Signale. Die empfindlichen Kleinsignale durchlaufen jeweils eine abgeschirmte  „Discrete Low Noise“-Stufe zur Anpassung und RIAA-Entzerrung, bevor sie weiter auf Hochsignalpegel verstärkt werden. In allen Schaltungsteilen finden sich verlustarme Folienkondensatoren, wegen des diskreten Aufbaus nur wenige Operationsverstärker sowie großzügig ausgelegte Elkos für die Versorgungsspannungen. Ein satt dimensioniertes und zusätzlich abgeschirmtes Netzteil zur Aufbereitung der vom Steckeradapter gelieferten 12 Volt Wechselspannung befindet sich auf der linken Gehäuseseite. Offensichtlich bin nicht nur ich vom Layout und Materialeinsatz begeistert, sondern auch der Entwickler der CP2-Schaltung Chris Woolrych: er hinterließ seine Unterschrift unter dem Cambridge Schriftzug auf der Platine. That’s passion!

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Die getrennten Verstärkungszüge für MM und MC im Cambridge CP2
Im Cambridge CP2 sorgen komplett getrennte Verstärkungszüge für MM und MC für bestmöglichen Klang (Foto: R. Heller)
Das Netzteil des Cambridge CP"
Das Netzteil des CP2 liegt abgeschirmt durch einen Metallkasten am Rand der Platine (Foto: R. Heller)
Chris Woolrych Unterschrift aif der Platine
Beim Fotografieren des Innenlebens fiel die Unterschrift auf der Platine auf: Chris Woolrych, Meister des Platinenlayouts, hat sich hier verewigt (Foto: R. Heller)
Das Gehäuse des Cambridge CP2
Gemessen am Preis ist die Verarbeitung des Cambridge CP2 einwandfrei (Foto: H. Biermann)
Das Anschlussfeld der Phonovorstufe Cambridge CP2
Die Einstellungen des Cambridge CP2 sind vielfältig. Sinnvoll ist in jedem Fall der Balance-Regler, der öfter gebraucht wird als gedacht … (Foto: H. Biermann)
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So klingt der Cambridge CP2

Über mehrere Wochen war der Cambridge CP2 in unterschiedlichen Kombinationen alles andere als ein Spielverderber. Dauerhaft eingeschaltet klingt er dabei dynamischer und detaillierter als kurz vor dem Hören aktiviert. Also blieb er, wie eigentlich alle meine Geräte, immer am Netz und lädt so stets dezent leuchtend zum Plattenwechseln ein.

Bei Nils Frahm (Spaces, Vinyl LP) werden die druckvollen Bässe des analogen Roland Juno 60 Synthesizers gut reproduziert, die Liveatmosphäre nimmt den Raum ein. Das Klavier klingt dabei ein wenig verhalten, der Hochtonbereich und damit die Details der Aufnahme erscheinen etwas abgeschwächt. Die zum Vergleich gehörten Phonokarten von rsl (http://ryansoundlab.com) in der als Vorstufe verwendeten Naim NAC72 machen das besser. Hier stimmt der Gesamteindruck und Frahm begeistert mit seinen Improvisationen (Anspieltipp „Says“). Auch der ifi micro iPhono spielt auf rsl-Niveau, es kommen aber noch mehr Klangfarben und Souveränität hinzu.
Dem CP2 steht hier möglicherweise sein Plug’n’Play Konzept im Weg, ermöglicht er doch nicht die für MM Systeme so wichtige Einstellung der Eingangskapazität. Während der Cambridge fest auf 220pF eingestellt ist, zeigen sich ifi und rsl flexibler und erlauben die Anpassung auf den vom Tonabnehmer (in der Summe aus Kabeln und Eingangskapazität) geforderten Wert. Und das wirkt sich direkt auf den Klang eines Magnettonabnehmers aus. Kompensieren kann man dieses kleine Manko elegant, indem man bei der Auswahl des Tonabnehmers gleich auf die Gesamtkapazität achtet. So klingt Nils Frahm über den CP2 mit einem Shure DM103 M-E ausgeglichener als mit den zuvor gehörten Elac D795 und Nagaoka MP500, welche beide auf eine Kapazität um 300pF ausgelegt sind. Solved!

Nick Cave (Push the Sky Away, Vinyl LP) sowie Sarah Vaughan und ihr Trio (Live at Mister Kelly’s) waren die Musikanten, welche von den MC-Tonabnehmern Benz ACE und Denon 103r auf die heimische Bühne gelockt wurden. Der nicht anpassbare Eingangswiderstand von 100 Ohm verdient auch hier Beachtung, einige MC-Systeme sind da etwas wählerisch. Der Cambrigde CP2 macht bei guter Anpassung alles richtig, löst die Stimme und Instrumente gut auf und nervt zu keiner Zeit. Das ist durchaus als Lob gemeint; zu viel Hochton und damit vermeintliche Auflösung kann das Musikhören auch schon mal anstrengend machen. Der im Vergleich gehörte ifi legt in allen Bereichen etwas zu, Caves kehlige Stimme wird zum Hingucker.  Mann, der Nick erzählt aber auch dolle Geschichten….