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Cambridge CXR120 Front
Cambridge CXR120, audiophiler 7.1.2-AV-Receiver, 1.799 Euro (Foto: R. Vogt)

Cambridge CXR120 – audiophiler AV-Receiver

Mit dem Cambridge CXR120 bauen die Engländer einen AV-Receiver gegen den Trend. Er bietet nämlich „nur“ 7 Kanäle und das war’s. Kein Atmos, DTS:X oder Auro-3D. Im Gegensatz dazu ist aber die Videosektion in Sachen HDMI für alle aktuellen Standards (HDCP2.2, Ultra-HD, et cetera) gewappnet und auf dem neuesten Stand. Kann solch ein minimalistisches Konzept aufgehen?

Cambridge CXR120 Front
Cambridge CXR120 Front (Foto: R. Vogt)

Mir persönlich sind solch klare Konzepte deutlich lieber als ein Produkt, das versucht, es jedem Recht zu machen und damit viele Aspekte verwässert. Der Cambridge CXR120 kommt, genau wie sein großer Bruder Cambridge CXR200, in einer wirklich auf das Interessante und Wesentliche konzentrierten Optik und Ausstattung daher, die man sonst nur noch selten oder bei abgehoben highendigen Produkten findet. Mutig. Toll.

Das beginnt auf der Front, die neben der super verarbeiteten gebürsteten Aluplatte zeitlos aufgeräumt wirkt. Selbst die Beschriftung der Tasten um das große, klare Display herum werden erst im Betrieb mit Leuchtenden beschriftet. Sehr dezent. Dennoch bietet die spartanische Front alle Informationen zum Betrieb und alle relevanten, modernen Ein- und Ausgänge: Kopfhörer mit ausgewachsener Klinkenbuchse und Dolby Headphone Surround, USB zum Einspielen von Musik und eine für Mobilgeräte (MHL-) taugliche HDMI-Buchse. Auch das serienmäßige Messmikrofon findet Anschluss.

Cambridge CXR120 Rückseite
Cambridge CXR120 rückseitiges Anschlussfeld (Foto: R. Vogt)

Die Rückseite gibt sich ebenso für einen heutigen AV-Receiver angenehm übersichtlich und aufgeräumt, wo Mitbewerber eher an einen Streuselkuchen erinnern. Einzig einen Phono-Eingang könnte man vermissen. Immerhin, der leider immer seltener werdende analoge Mehrkanal-Eingang ist vorhanden. Für Steuerung und Streaming von Musik gibt es eine LAN-Buchse und eine USB-Schnittstelle für den serienmäßig mitgelieferten WLAN-Dongle. Der Dongle besitzt eine eigene, ausgewachsene Antenne – einstecken, los geht’s. Pfiffig. Zwei Subwoofer lassen  sich anschließen, aber nur als ein Signal verwalten. Das widerspricht in der Praxis leider auch der Anleitung. Schade. Dafür gibt es zwei HDMI-Ausgänge, etwa zu TV plus Projektor. Analoges Radio steht als UKW und Mittelwelle zur Verfügung, was uns hier in Deutschland nichts mehr nützt, da zum Jahreswechsel der letzte Mittelwellensender abgeschaltet wurde. Das UKW-Teil findet dagegen erfreulich viele Sender, bringt sie sehr störarm in die Stube und zeigt per RDS den Sendernamen an. Für Berieselung ist also gesorgt.

Cambridge CXR120 CA Connect App
Cambridge CA Connect App Coverdarstellung (Foto: R. Vogt)

Ebenfalls als Programmquelle integriert ist ein Audio-Streamingplayer. Der allerdings bietet keinerlei eigene Funktionalität, er gibt sich aber im lokalen Netzwerk als DLNA-Renderer zu erkennen. Daher lässt er sich mit praktisch jeder Musik- und Streamingsoftware kontrollieren und füttern oder man verwendet die hauseigene App Cambridge CA Connect, die auf dem iPad des Testkinos prima funktionierte. Einzig innerhalb eines Stückes suchen oder spulen geht nicht, dafür spielte der Cambridge CXR120 aufeinander folgende Titel lückenlos. Dabei zeigt das Frontmenü wenigstens den Namen des aktuellen Titels an und die Lautstärke lässt sich per DLNA fernbedienen. An Formaten verdaut der Streamer alles, was nach der Decodierung einen PCM-Stream erzeugt, von MP3 bis Ogg Vorbis, von AAC bis WAV, von WMA bis FLAC. Samplingraten bis 192 Kilohertz sind erlaubt. Einzig DSD mag er nicht, das darf nur per HDMI kommen, etwa vom bereits getesteten Blu-ray-Player der gleichen Serie: Cambridge CXU.

In der Praxis: das Cambridge CRX120 Setup

Cambridge CXR120 Webinterface
Cambridge CXR120 Webinterface während Firmware-Update (Foto: R. Vogt)

Zum Test nahm der Cambridge CXR120 im Rack in der Etage über seinem Blu-ray-Player-Kollegen Platz. Wie fast immer, wenn neue, digitale Testgeräte angeschlossen werden, gilt der erste Check potentiellen Firmware-Updates. Das war natürlich auch hier fällig. Ungewöhnlicher Weise wird dieses nicht direkt mit dem On-Screen-Menü eingespielt. Man ruft mit der IP-Adresse des Receivers auf einem beliebigen Webbrowser das Setupmenü auf und kann das Update von dort aus veranlassen.

Das On-Screen-Menü gleicht optisch und logisch dem des Players Cambridge CXU und ermöglicht per Messmikrofon eine automatische Anpassung an die Lautsprecher in Sachen Pegel, Laufzeit und Filterung. Eine Frequenzgangs-Entzerrung oder weitergehende Filterungen finden nicht statt. Zunächst muss man sein Lautsprecher-Grundlayout angeben. Dabei sind nur Stereo- oder Surround-Setups mit Center vorgesehen. Wer keinen Center verwendet, landet beim Messen in einer Fehlermeldung und dem Abbruch des Procedere. Mann muss also entweder irgendeinen Lautsprecher anschließen und anschließend manuell den Center aus der Konfiguration nehmen oder alles manuell justieren.

Ansonsten hat die Einmessautomatik aber im Test ihre Sache gut gemacht. Beim Referenz-Lautsprecherset Heco CelanGT hat es die Standboxen bei 60 Hz vom Tiefbass befreit und die kleinen Surrounds schon bei 120 Hertz eingebremst. Das ist für dynamische Wiedergabe mit dem sehr potenten Heco-Subwoofer durchaus angesagt. Die Delay-Zeiten und der Phasenübergang zum Subwoofer passten perfekt. Der Center war, mit Profi-Mess-System überprüft, ein Dezibel zu laut, die Surrounds beide ein Dezibel zu leise. Das ist schon sehr genau.

Der Hörtest im LowBeats AV-Hörraum

Und was dann aus den Lautsprechern kam, zauberte ein Lächeln auf die Gesichter der Tester, denn der Cambridge CXR120 klingt so angenehm schlackefrei und glockenklar, wie es AV-Receiver unter 2.000 Euro normalerweise nicht vermögen. Dabei war es egal, ob der integrierte Streaming-Renderer oder der Blu-ray-Player das Signal lieferte. Auch schien das HDMI-Board seine Aufgabe, das Signal vom Jitter zu befreien, überdurchschnittlich gut zu machen, denn klanglich gab es zwischen den verschiedenen analogen und digitalen Signalwegen keinen nennenswerten Unterschied.

Der Klangcharakter hat etwas sympathisch Eigenes, er driftet ein wenig von sehr glockenklaren Mitten und Höhen mit guter Präzision hinunter in einen eher weichen, federnden Bass, der dabei dennoch kontrolliert wirkt. Im Gegensatz zu anderen, eher präzise klingenden Verstärkern macht er dabei aber keineswegs einen knorrigen Eindruck. Wenn man ihn fordert, kann der Engländer tief und mächtig, wird jedoch selbst bei sehr hohen Lautstärken nie lästig oder harsch: Stets bleibt diese angenehme Transparenz erhalten, mit einer wunderbaren Balance aus Fein- und Grobdynamik. Auch die räumliche Abbildung profitiert von diesem Charakter und baute bei Stereo-Wiedergabe eine sehr tiefe, lückenlose Bühne mit sehr guter Separation einzelner Instrumente. Die Bühne erweiterte sich bei Surround-Wiedergabe zu einem ebenso bruchlosen 306-Grad-Panorana und bezog einen auf das emotionalste in die Handlung ein.

Fazit Cambridge CXR120: Klares Konzept – glockenklarer Klang

Ich denke, das reduzierte und auf das wirklich Wichtige reduzierte Konzept des Cambridge CXR120 geht wunderbar auf. Wer ohnehin keine Lautsprecher an die Decke schrauben möchte, liegt hier genau richtig. Wer eine Heimkino-taugliche, audiophile Verstärker/Receiver-Lösung sucht, wird hier fündig. Gerade in Kombination mit dem genialen Blu-ray-Player Cambridge CXU ist man für bestes Bild und kristallklaren und trotzdem warmen und kraftvollen Klang in Stereo und Surround allerbestens ausgestattet. Also: ein schönes Konzert auf Blu-ray Disc in den Player, ein Glas Wein einschenken, Play drücken und genießen.

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Vintage:
High-Tech anno 1988: CD-Player Cambridge Audio CD2

Cambridge CXR120
2016/02
Test-Ergebnis: 4,3
Klang-Tipp
Bewertung

Bewertungen:

Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Klingt angenehm klar mit federndem Bass
Angenehm reduziertes Konzept
6x HDMI 2.0
App nur für Streaming und Lautstärke

Vertrieb:
Cambridge Audio Deutschland
Alter Wandrahm 15
20457 Hamburg
www.cambridgeaudio.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Cambridge CXR120: 1.799 Euro

Galerie Cambridge CXR120

Die Hardware

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Cambridge CXR120 Front
Cambridge CXR120, audiophiler 7.1.2-AV-Receiver. 1.799 Euro (Foto: R. Vogt)
Cambridge CXR120 Frontdisplay
Cambridge CXR120 kristallklares Display und Tastenbeleuchtung (Foto: R. Vogt)
Cambridge CXR120 Fernbedienung
Cambridge CXR120 Fernbedienung (Foto: R. Vogt)
Cambridge CXR120 Front-Eingänge
Cambridge CXR120 Fronteingänge (Foto: R. Vogt)
Cambridge CXR120 Kopfhöreranschluss
Cambridge CXR120 Kopfhörer-Anschluss mít Dolby Headphone Surround (Foto: R. Vogt)
Cambridge CXR120 Rückseite
Cambridge CXR120 rückseitiges Anschlussfeld (Foto: R. Vogt)
Cambridge CXR120 Eingägne
Cambridge CXR120 Eingänge (Foto: R. Vogt)
Cambridge CXR120 Netzwerkanschlüsse
Cambridge CXR120 Netzwerkanschlüsse für LAN, WLAN-Dongle (beiliegend) und optionalen Bluetooth-Adapter (Foto: R. Vogt)
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Das Zubehör:

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Cambridge CXR120 Mikrofon
Cambridge CXR120 Einmess-Mikrofon (Foto: R. Vogt)
Cambridge CXR120 WLAN-Adapter
Cambridge CXR120 WLAN-Dongle mit Antenne (Foto: R. Vogt)
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Die Menüs:

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Cambridge CXR120 On-Screen-Menü
Vor der automatischen Konfiguration muss man sein Grund-Layout angeben (Foto: R. Vogt)
Cambridge CXR120 On-Screen-Menü
Die manuelle Konfiguration und Einmessung der Lautsprecher (Foto: R. Vogt)
Cambridge CXR120 On-Screen-Menü
Quellentasten lassen sich mit physischen Bild- und Tonquellen beliebig kombinieren (Foto: R. Vogt)
Cambridge CXR120 On-Screen-Menü
Klangeinstellung und Lipsync lassen sich pro Eingang separat einstellen (Foto: R. Vogt)
Cambridge CXR120 On-Screen-Menü
Zahlreiche HDMI-Funktionen (Foto: R. Vogt)
Cambridge CXR120 On-Screen-Menü
Im Standby lässt sich ein frei einstellbarer HDMI-Eingang durchleiten, so muss man beispielsweise, um nur mal Nachrichten vom Sat-Receiver  zu schauen, nicht die ganze Surround-Anlage in Betrieb nehmen (Foto: R. Vogt)
Cambridge CXR120 On-Screen-Menü
Lobenswert: Die einmal gefundene Konfiguration lässt sich speichern (Foto: R. Vogt)
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