Home / Test / Lautsprecher / Passivboxen / Familientest Canton Anniversary Serie: A 55, A 45, A 35 und A 45BS
Canton A-Serie im LowBeats Hörraum2
Die Boxen aus der Anniversary-Serie sind derzeit das Attraktivste, was Canton im Angebot hat. Auch im Langzeittest zeigten sie keine Schwächen (Foto: H. Biermann)

Familientest Canton Anniversary Serie: A 55, A 45, A 35 und A 45BS

Das Wort „Quantensprung“ wird im HiFi-Journalismus gern überstrapaziert. Aber für Canton ist die Anniversary Linie fraglos ein solcher Quantensprung. Nicht etwa, weil die A-Modelle technisch oder klanglich weit über das hohe Canton Niveau herausstrahlen würden. Nein: Hier findet sich gewohnt gute Technik in gewohnt blitzsauber gemachten Gehäusen. Aber Canton Anniversary ist die erste Linie, die Deutschlands bekanntester Lautsprecherhersteller ausschließlich auf seiner Online-Seite vermarktet.

Der Online-Verkauf hat ja seine Vorteile, wie Cantons neuer Geschäftsführer Christoph Kraus im LowBeats Interview betont. Der vielleicht größte Vorteil ist dieser: Online sind diese Modelle der A-Serie überall verfügbar und preislich ein fast unschlagbares Angebot. Das gilt für alle vier der hier getesteten Lautsprecher. Wer nicht glauben will, kann hören. Wir haben in schöner LowBeats Tradition alle vier Anniversary Modell aufgenommen und in unserem Ton-Archiv namens Klang Orakel zum Online-Vergleich bereit gestellt.

Die Geschichte von Anniversary ist schnell erzählt. 2017 wurde Canton 45 Jahre jung und die Hessen feierten das Jubiläum mit dem Sondermodell A 45. Entwicklungsleiter Frank Göbl und sein Team packten da so ziemlich alles Gute rein, was die aktuelle Canton Forschung hergab. Wohl auch deshalb wurde die A 45 ein so großer Erfolg. Zügig wurde die passende Kompaktbox S 45 BS (für Bookshelf = Regalbox) nachgeschoben, die prompt bei LowBeats ein überragendes Ergebnis einfuhr – zum ausführlichen Test geht es hier.

Es folgten A 35 undA 55, die wir zusammen mit der Jubiläumsbox A 45 bestellten und die seitdem eine Art Langzeittest bei LowBeats durchlaufen. Keine Verstärker-Elektronik passierte den Hörraum, ohne wenigstens mit einer der vier gelaufen zu sein. Besonders oft im Einsatz war die A 55, weil sie Verstärker-Boliden wie dem Atoll IN400SE  oder dem Hegel H590 eine entsprechende Belastbarkeit entgegensetzen konnte. Sie gehörte in den letzten 12 Monaten zu den  meistgehörten Lautsprechern bei LowBeats.

 

Canton A-Serie als Heimkino-Set
Die Modelle der A-Serie klingen auch als Heimkino-Set absolut überzeugend. Von links: A 45BS, A45, A 45Sub, A45 CS (Foto: Canton)

Ebenfalls Mitglieder der A-Familie sind ein Center (A 45 CS, 800 Euro), ein Onwall-Effektspeaker (A 45 AR, 300 Euro) sowie ein Subwoofer (A 45 Sub, 1.200 Euro). Man kann also auch komplette, tonal harmonierende Heimkino-Systeme erstellen. Das aber nur am Rande: Der vorliegende LowBeats Familientest beschränkt sich auf die vier Stereo-Modelle A 45 BS, A 35, A45 und A 55.

Die Kennzeichen der Canton Anniversary Familie

Wie bei fast jedem Jubiläums-Projekt wurde auch bei der ursprünglichen A 45 versucht, möglichst viel Qualität für möglichst wenig Geld zu bieten. Das gelang, weil sich Canton Entwickler Göbl aus einem reichhaltigen Baukasten-System bedienen konnte. Er nahm die bewährten Hochtöner der Vento-Linie und kombinierte dazu die fantastischen Mittel- und Tieftöner der Reference-Serie. Göbl: „Das sind die nobelsten Membranen, die wir haben.“ Die Antriebssysteme passte er entsprechend an – es ist ein riesiger Vorteil, wenn Hersteller wie Canton ihre Hoch-, Mittel- und Tieftöner selber produzieren. Dann sind auch passende Sondermodelle schnell gemacht.

Canton A-Serie Tweeter
Die 25 mm große Aluminium/Keramik-Kalotte wird mit einer kleinen Schallführung (einem sogenannten Waveguide) in seinem unteren Übertragungsbereich (um 3.000 Hz) unterstützt. Der Hochtöner ist seit vielen Jahren bewährt und sitzt – mit Ausnahme des Subwoofers – in allen Anniversary Modellen (Foto: Canton)

Sowohl die Aluminium-Membranen der Tieftöner als auch die 25 mm große Aluminium-Kalotte des Hochtöners werden in Folge eines chemischen Prozesses mit einer dünnen Keramik-Schicht bedeckt. Das sorgt für eine enorme Steifigkeit. Und da Kalotte und Konus-Membranen aus einem sehr ähnlichen Material gefertigt sind, erfüllt Canton hiermit zudem die Anforderung vieler Highender nach einer möglichst hohen Harmonie der Materialien.

Canton A-Serie Bass
Charakteristisch für diese Form des chemischen Prozesses ist die Eierfarbenschale der keramischen Schicht, die das Material härter macht (wichtig für den sauberen Impuls) und gleichzeitig Resonanzen reduziert. Alle Konus-Treiber der A-Serie haben die bei Canton typische W-Sicke. Sie erlaubt einen größeren linearen Hub als die üblichen Schlauchsicken (Foto: Canton)

Ein echtes Alleinstellungsmerkmal ist die Anzahl der Tieftöner: Jede der Standboxen A 55, A 45 und A 35 ist eine klassische 3-Wege Box mit einem Bassreflex-Port auf der Unterseite (Downfire) und – das ist ungewöhnlich – drei Tieftönern. Normalerweise belassen es die Entwickler bei zwei hochohmigen Typen und schalten diese dann parallel – was nicht selten zu niedrigen Impedanzen und damit zu schwer verdaulicher Kost für kleinere Verstärker führt.

Entwicklungsleiter Frank Göbl beschreitet hier einen alternativen Weg. Er hat eigens für die Standboxen der Linie vergleichsweise niederohmige Bässe (nominale Impedanz: 3 Ohm) entwickelt, die er in Reihe schaltet. Bei Reihenschaltung addieren sich die Werte, sodass A 55, A 45 und A 35 mit – für Canton ungewöhnlich – hohen Impedanzen aufwarten. Das kostet zwar ein wenig Wirkungsgrad im Bass, doch im Sinne der Betriebssicherheit ist das fraglos der bessere Weg.

Vorwärts Zurück
Impedance and Phase Canton A 45 BS
Die kleine Canton A 45 BS fällt ein wenig aus dem Rahmen – sie hat ja auch nur einen Tieftöner. Dementsprechend ist bei ihr die Impedanz am niedrigsten, aber sie ist mit 4 Ohm im Minimum immer noch absolut auf der betriebstechnisch sicheren Seite. Auch die kapazitiven (rot) und induktiven (blau) Phasendrehungen geben keinen Anlass zur Sorge (Messungen: J. Schröder)
Canton A 35: Impedanz & Phase
Die Canton A 35 hat dank der Serienschaltung der drei Tieftöner immer mindestens 6 Ohm im leistungsrelevanten Bassbereich. Der starke Anstieg der Impedanz unterhalb 30 Hertz erklärt sich durch die Canton-typische DC-Schaltung, die wie ein Subsonic-Filter wirkt, aber auch eine stattliche kapazitive Phasendrehung in diesem Bereich (rote Fläche) mit sich bringt (Messung: J. Schröder)
Canton A 45: Impedanz & Phase
Auch die Canton A 45 hat dank der Serienschaltung der drei Tieftöner immer mindestens 6 Ohm im leistungsrelevanten Bassbereich. Der starke Anstieg der Impedanz unterhalb 30 Hertz erklärt sich auch hier durch die Canton-typische DC-Schaltung, die wie ein Subsonic-Filter wirkt, aber auch eine satte Phasendrehung in diesem Bereich (rote Fläche) mit sich bringt (Messung: J. Schröder)
Canton A 55: Impedanz & Phase
Die Canton A 55 hat dank der Serienschaltung der drei Tieftöner immer mindestens 5 Ohm im leistungsrelevanten Bassbereich. Der sehr starke Anstieg der Impedanz unterhalb 25 Hertz erklärt sich durch die Canton-typische DC-Schaltung, die wie ein Subsonic-Filter wirkt, aber auch eine stattliche kapazitive Phasendrehung in diesem Bereich (rote Fläche) mit sich bringt (Messung: J. Schröder)
Vorwärts Zurück

Die LowBeats Messungen zeigen die hohe Betriebssicherheit in Bezug auf den Impedanzgang, allerdings sind die Phasendrehungen der drei Strandboxen nicht ganz ohne – sie erfordern Verstärker mit stabilen Netzteilen.

Mit Tiefenwirkung: die Gehäuse der A-Linie

Canton A-Serie Gehäuseform
Noch so ein Erkennungszeichen von Anniversary: viel Volumen, das sich vor allem in der Tiefe der rechteckigen Gehäuse niederschlägt (Foto: H. Biermann)

Hat sich bei Canton in den letzten Jahren mehr und mehr eine Gehäuseform mit geschwungen Seitenwangen durchgesetzt, so ist die A-Linie diesbezüglich ein krasser Gegenentwurf: Gerade, klare Linien beherrschen das Bild. Und relativ große Gehäuse. Wir haben die wichtigsten Rahmendaten der Canton Anniversary Linie in einer Tabelle zusammengestellt:

ModellA 45 BSA 35A 45A 55
Bestückung1 x 25 mm HT + 18 cm TMT1 x 25 mm HT + 16 cm TMT + 3 x 16 cm TT1 x 25 mm HT + 18 cm TMT + 3 x 18 cm TT1 x 25 mm HT + 18 cm TMT + 3 x 20 cm TT
Konzept/Übergangsfrequenz2-Wege/3.000 Hz3-Wege/220 + 3.000 Hz3-Wege/220 + 3.000 Hz3-Wege/220 + 3.000 Hz
Abmessungen22,5 x 40,0 x 36,6 cm19,5 x 100,0 x 36,5 cm22,5 x 107,0 x 40,0 cm27,5 x 115,0, 48,5 cm
Gewicht14,0 Kilo27,0 Kilo38,0 Kilo49,0 Kilo
Paarpreis1.300 Euro2.400 Euroab 3.000 Euroab 4.400 Euro

Wie die Übersicht zeigt, ist die Bautiefe jeder dieser Lautsprecher stattlich; die große A 55 kommt inklusive Sockel auf eine Tiefe von über einem halben Meter. Das muss man erst einmal stellen können.

Die ungewöhnlich große Bautiefe ist der Versuch, ein großes Volumen noch attraktiv zu verpacken. Das ist gelungen. Und das große Volumen ist ein Hinweis auf ein weiteres Erkennungsmerkmal dieser Linie: Jeder dieser Lautsprecher hat viel Tiefbass „eingebaut“. Selbst die „kleine“ A 45BS stellt beim Tiefgang die meisten Standboxen ihrer Preisklasse in den Schatten.

Das klingt burschikoser, als es ist. Denn der Tiefton dieser Lautsprecher ist durchaus kultiviert. Den Canton Entwicklern ist es gelungen, ihren A-Modellen einen gleichermaßen sehr tiefen wie präzisen Bassbereich anzuerziehen. Und ich kann sagen: Eine solche präzise Substanz bereichert das Klangbild ungemein…

Ein wesentlicher Teil dieses Tieftonkonzepts ist die Bassreflex-Konstruktion der Gehäuse, die im Falle der Standboxen (die Kompaktbox A 45 BS hat den Port auf der Rückseite) nach unten mündet.

Canton A-Serie Downfire-BR
Das sogenannte Downfiring-Konzept des nach unten abstrahlenden Bassreflex-Ports hat viele Vorteile: Zum Beispiel werden Mitteltonanteile im Rohr nicht hörbar. Und man hat immer den genau definierten Abstand von Port zum Boden, den die Entwickler genau berechnen können (Foto: Canton)

Wie die Übersicht ebenfalls zeigt, gibt es bei Canton viel Holz für’s Geld. Kann man Qualität am Gewicht erkennen? Ich meine schon. Zumal Canton die A-Serie in heimischen Weilrod fertigt und hier das Label „Made in Germany“ absolut zutreffend ist – wovon wir uns bei unserem letzten Canton Besuch im August ausgiebig überzeugen konnten. Hier einige Impressionen der Weilroder Fertigung:

Vorwärts Zurück
Canton Lautsprecher-Produktion in Weilrod2
Gerade ist eine Charge Vento 896 DC2 fertig geworden. Die Serien Reference, Anniversary und Vento entstehen alle noch per liebevoller Handarbeit im heimischen Weilrod (Foto: Canton)
Lautsprecher-Produktion in Weilrod1
Der Lack bei Canton ist immer allererste Sahne – wie überhaupt die Qualität der Canton Gehäuse… (Foto: Canton)
Lautsprecher-Produktion Bässe
Weil Canton auch die Treibertechnik im eigenen Haus produziert, sind die Wege kurz und Sondermodelle können passgenau und in kurzer Zeit erstellt werden (Foto: Canton)
Lautsprecher-Produktion in Weilrod Spulen
Teil der Chassis-Fertigung ist die eigene Spulenwicklung, die ebenfalls ganz wesentlich zum technischen Vorsprung beiträgt (Foto: Canton)
Vorwärts Zurück

Aufgebaut sind die Gehäuse aus so genanntem HDF – das ist die nochmals härtere Variante der bekannten MDF Feinspanplatte. Die Vorzüge von HDF sind vielfältig: Es ist härter und somit unnachgiebiger gegen tieffrequente Eigenschwingungen. Und es ist besser zu bearbeiten. Aber es ist halt auch teurer, zumal Canton für den Aufbau 25 mm starke Platten verwendet. So erklärt sich auch das Gewicht.

Seite 1    Canton Anniversary: Konzept
Seite 2    Praxis, Klang Orakel, Hörtest, Fazit, Bewertung